Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438483-2438485--3956-2443765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Schönheit. Noch Heine klagt Moses der Befeindung der Kunst an und erst seit nicht langer Zeit ist es uns durch die herrlichen Funde der Ausgrabungen auf dem biblischen Boden möglich, uns von der wirklichen Form der bildenden Kunst der damaligen Zeit ein Bild zu machen. Heute wissen wir, daö diese Kunst nicht der der griechischen nachstand, sondern ihr sogar überlegen war. (SchluD folgt.) 1913:1 Million für den jüdischen Nationalfonds. Der jüdische Nationalfonds hat im Jahre 1913 die Jahreseinnahme von 1 Million Francs erreicht. Wenn man die Beiträge und Spenden berücksichtigt, die aus fernen Ländern angekündigt sind und bei Jahresabschluss erst unterwegs waren, so hat der diesjährige Eingang des Nationalfonds die erste Million sogar überschritten. Dieses Ergebnis ist deshalb so bemerkenswert, weil der jüdische Nationalfonds ein Volksfonds im wahren Sinne des Wortes ist. Durch dieses Jahresergebnis ist der Nationalfonds in die Reihe der leistungsfähigsten jüdischen Institutionen gerückt, denn die größten jüdischen Organisationen können sich nicht rühmen, Mitgliedsbeiträge in dieser Höhe zu erhalten. Die Steigerung der Einnahmen des jüdischen Nationalfonds ist auf das wachsende Verständnis für seine fruchtbare Wirksamkeit zurückzuführen und auf die Liebe der breiten Schichten des jüdischen Volkes zu einem Fonds, der berufen ist, den nationalen Besitz in Palästina zu mehren und vor allem den besitzlosen einwandernden Massen die Verbindung mit der heimatlichen Scholle zu erleichtern. Die Erfahrungen des letzten Jahres beweisen auch, daß der Nationalfonds auf die Sympathien und die werktätige Förderung nicht nur der zionistischen Kreise der Judenheit rechnen darf. Die Aktion zugunsten der Arbeiter- und Jemenitenhäuser, die den Nationalfonds mehr als 300000 Frcs. zugeführt hat, wurde auchvon jüdischen Gemeinden, Logen, Körperschaften und- Kolonisation -Vereinen unterstützt. So darf angenommen werden, daß der jüdische Nationalfonds dank der Mitarbeit aller Schichten des jüdischen Volkes sich zu einem machtvollen Instrument der Kolonisation Palästinas gestalten wird. Schon gibt es Länder, die den Nationalfonds eine regelmäßige Einnahme zuführen, die den Beitrag von 1 Frcs. pro Kopf der jüdischen Bevölkerung übersteigt. Es ist deshalb keine Uebertreibung, wenn wir auf Grund der einzigartigen Stellung, die der jüdische Nationalfonds 'im Bewußtsein des jüdischen Volkes einnimmt, und des Ausbaues seiner Organisation annehmen, daß sich seine Jahreseinnahme in nicht ferner Zukunft entsprechend der Zahl der Juden in der ganzen Welt vervielfachen wird. Mit diesen Hoffnungen gehen alle Freunde des jüdischen Nationalfonds an die Arbeit im nächsten Jahre. Unsere Feinde. Der jetzt geführte Kampf um unsere Sprache zeigt ganz deutlich, wer unsere Feinde sind. Der Jude, der nicht hinter die Kulissen zu blicken vermag, wird vielleicht mit Staunen hören, daß es in erster Reihe die Orthodoxen sind, die uns in diesem Kampfe meuchlings in den Rücken fallen. Das Organ der süddeutschen Orthodoxie und des Frankfurter Judenpapstes „Der Israelit-“ veröffentlicht einen,langmächtigen Leitartikel, in welchem er die Zionisten beschuldigt, nach einer Gelegenheit, den Streit vom Zaune zu brechen, gefahndet zu haben. Die hebräische Sprache sei hierbei nur ein Vorwand. Auch hätten die bösen Zionisten aus ihren Schulen die heilige Thora gänzlich verbannt. „Es ist darum psychologisch und politisch vollkommen begreiflich — erklärt „Der Israelit“ — wenn in dem Streit zwischen Hilfsverein und Zionismus die Sympathien der gesetzestreuen Kreise Palästinas nicht auf seiten der hebräischen Sprach-Kämpen stehen “ Des weiteren wird das Jaffaer hebräische Gymnasium eine „Kulturstätte des Abfalls“ genannt, die ins Leben gerufen wurde, um „unter dem täuschenden Deckmantel einer „jüdischen“ Kultur tausende junger jüdischer Kinder ihrer ewigen Volksaufgabe bis zur völligen Vernichtung zu entfremden.“ Ganz wehmütig schließt jedoch „Der Israelit“ seine Betrachtungen: „Ob der Sturmlauf gelingt, ob die Hunderttausende reichlich genug fließen werden, um hebräische Seminarien und Gymnasien, Mittelschulen und Mädchenschulen ins Leben zu rufen — wer möchte darüber Positives*sagen. Leider stehen die Millionen thoratreuer Juden in Ost und West noch immer als eine unorganisierte Masse, ein Spielball wesensfremder Agitatoren, da. Das große Organisationswerk der „Agudas Isroel “, das aus Splittern und Einzelwesen einen lebendigen Körper schaffen will, bahnt sich unter schweren Wehen erst schrittweise seihen Weg durch die Welt. Treffliche, zum Schaffen und Wirken gestimmte gutjüdische Kräfte sehen wir noch immer vor dem Triumphwagen des Nationalismus oder anderer, auf fremden Prinzipien ruhenden Organisationen gespannt — und es ist leider zu befürchten, daß auch dem neuesten Sammelruf der Kulturzionisten manches Herz sich öffnen wird, das in Wahrheit für Thora und Religion schlägt und doch dem Zauber des machtvoll organisierten hebräischen „Volkswillens“ nicht widerstehen kann.“ Fürwahr, dieser resignierte Ausruf unserer Feinde ist ein beredtes Zeugnis Für die gewaltige Macht der zionistischen Idee. Unsere Organisation ist ein Werk, daß sich trotz krampfhaftester Anstrengungen nicht nachahmen läßt. Auch von den Orthodoxen nicht, es fehlt ihnen an der werbenden Idee. Vor einigen Tagen traten z. B. die Führer der ungarischen Orthodoxen zusammen und berietendrei Tage lang. Vielleicht über die Lage der Juden im Lande, etwa über Erziehungsfragen? Mit nichten. Sie berieten über die Zulässigkeit des Schel-Pessach-Sliwowitz Nein, liebe Herren Orthodoxen, auf Grundlage des Schel-Pessach- Sliwowitz werden Sie keine jüdische Organisation gründen, noch viel weniger werden Ihnen die jüdischen Herzen zufliegen. VereinsnachriGhten. Wien. Durch die Chanuka-Kinder-J ause, welche der I. zionistische Frauenverein am 25. Dezember veranstaltete, hat er sich ein hohes Verdienst um die Popularisierung unserer altneuen nationalen Idee erworben. Die Souterrainräume des Cafes City waren zur Eröffnungsstunde von etwa 80 Kindern gefüllt Davon war die Mehrzahl aus der Brigittenau von ihrer Religionslehrerin Frau Poltaschek herbeigeführt worden, aber mitten darin saßen auch die Kinder der Vereinsdamen, alles froh vereint an langen, festlich geschmückten Tischen. Ringsum die Eltern und sonstige Erwachsene. Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter entzündete die Menorah und ließ ihre Lichter zu den Kinderherzen sprechen, so innig, so. erhebend, daß die Wirkung seiner mahnenden Worte alsbald in dem vom Kinderchorus begeistert angestimmten Chanukaüede widerklang. Dann trugen einzelne Knaben und Mädchen in deutscher und wohlvertraut jüdischer Sprache Gedichte vor, welche an das Makkabäerfest in glücklicher Weise anknüpften. Nach der trefflichen Jause wurden die gelungenen Darbietungen der Kinder durch ernste und heitere Gedichts- und Gesangsvorträge in deutsch, jüdisch und hebräisch fortgesetzt und durch ein Tänzchen mit Klavierbegleitung beschlossen. Kein Kind verließ den Saal, ohne ein passendes Geschenk für sich und oft auch noch für seine Geschwister mit heimzunehmen als Botschaft, daß auch die Wiener Juden gerne ihrer fernen großen Ahnen gedenken. Das Hauptverdienst an diesem schönen Abend gebührt der Initiative und Regie der Frau Pollaschekr welche sich zugleich als ausgezeichnete Pädagogin bewährt hat. Z. Wien. Wochen-Programm der jüdischen Toymbeehalle für die Zeit vom 10. bis 17. Januar: Samstag, 10.1. Konzert, Arrangem. Dr. Kapperl. Sonntag. 11.1. Allerlei interess. Dinge aus verschiedenen Weltgegenden, Lehrer D. Huschak. Montag, 12. 1. Deutscher Literatur-Cykl., „Jugendbund“. Dienstag, 13. 1. Bilder aus dem Rechtsleben, Dr. M. Reiss. Mittwoch, 14. 1. Elternabend, Lehrerin Fl. Weinwurm. Donnerstag, 15.1. Jüdische Geschichte (Cyklus), Prof. Dr. Rosenfeld. Freitag, 16. 1. Bfbelvortrag. Samstag, 17. I. Konzert, Arrangem. Prof. Stock. Wien. Anläßlich der am 24. bis 28. Dezember in Berlin stattgefundenen Tagung des Kartells Zionistischer Verbindungen ist die Wiener jüdische akademische Verbindung „Kadimah“ dem K- Z. V. beigetreten. Zu dem Kartelltag hatte die Kadimah bereits eine ganze Anzahl Bundesbrüder entsandt, die sich intensiv an den Arbeiten des K. T. beteiligten und von den K- Z. V. auf das herzlichste aufgenommen wurden. Für die Kadimah sprach cand. med. Felix Mandl. Wien. Die Lese- und Redehälle jüdischer Hochschüler in Wien, die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag und die Jüdisch-akademische Lese- und Redehalle in Brünn haben sich zur Förderung gemeinsamer Interessen unter voller Beibehaltung der Individualität der einzelnen Korporationen zum „Kartell der'Jüdisch-akademischen Lese- und Redehallen Oesterreichs“ vereinigt. Die Mitglieder der kartellierten Korporationen stehen untereinander in bundesbrüderlichem Verhältnis. Wien. Verein jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica“. Sonntag, den 7. Dezember 1913 fand in den Räumen der Mensa academica Judaica um 8 Uhr abends aus Anlaß der Eröffnung der neuen Lokalitäten der Mensa, IX. Liechtensteinstr. 23 eine Feier statt. Nach der Eröffnungsansprache ergriff cand. med. Lipa Schumer das Wort. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Mensa und stellte mit Genugtuung fest, daß sich heute die Mensa in weiten jüdischen Kreisen besonderer Beliebtheit erfreue. Während man bei der Gründung derselben an das Gelingen eines von Studenten begonnenen Werkes zweifelte, habe der augenscheinliche Erfolg in den wenigen Jahren des Bestandes,' jedes Bedenken zerstreut. Die Mensa bedeute iür die jüdischen Studenten eine Stätte, in der sie sich sowohl an Festtagen als auch in ernsten Stunden — das hat man anläßlich der letzten Universitätskrawalle so wohltuend verspürt — heimisch fühlen. ' Hierauf sprachen der Präsident des Kuratoriums Herr Univ.-Prof. Dr. M. Hajek und Herr Univ.-Prof. Dr. S. Ehrmann, die die Mensa aufs herzlichste begrüßten. Lundenbarg. Am 20. Dezbr. veranstaltete der J. A. V. . Hatikwah“ bei großer Beteiligung eine Makkabäerfeier, die in jeder Beziehung einen prächtigen Verlauf nahm. Die Festrede hielt unser Gg. HerrDr. Schwenger, dessen begeisterte Ausführungen einen tiefen Eindruck ausübte. Den Höhepunkt des Festes bildete das erste Auftreten des Lundenburger jüdischen Turnvereins. An dieser Stelle sei auch dem Turnwart, Herrn Arthur Reich, öffentlich Dank gesagt, der es in ganz kurzer Zeit verstanden hat, den jungen Verein auf seine heutige Höhe zu bringen. Die Feier war eine glänzende Propaganda für die moderne Makkabäeridee. Göding. (Jüd -akad. Ferialverbindung „Gamala“.) Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Gamala“ eröffnete ihre . Tätigkeitwährend der Dezemberferien mit einem Palästinalichtbildervortrag, der einen glänzenden Verlauf nahm. Nach der Eröffnungsrede des Präses der Verbindung, cand. phil. Ludwig Weiner hielt Herr Dr. Emil Stein, Obman der österreichischen N. F. Zentrale seinen vortrefllichen Vortrag, der großen Eindruck ausübte. Vor dem Vortragsabend hielt H- Dr. Stein eine Sitzung mit den für N. F. agitatorisch tätigen Gg. Gg. ab, in welcher er die historische Entwicklung der Institution und deren Organisation im allgemeinen besprach und für die Gödinger N F. Kommission speziell Vorschläge brachte. Die in den folgenden 3 Tagen stattgehabte N. F. Aktion ergab eine Sammlung von 280 K Die Veranstaltung, die als eine der gelungensten im Rahmen der Korporation bezeichnet werden kann, wird sicherlich den Beginn für einen Zyklus solcher schönen Abende darstellen. L. W. Eingelaufene Bücher. Dr. Curt Navratzky: Die jüdische Kolonisation Palästinas. Verlag C. Reinhardt, München. Preis br. M. 10.—. Dr. Peter Thomsen: Kompendium der palästinischen Altertumskunde. Verlag J. C. B. Mohr. Tübingen. Preis geb. M. 4.80. Dr. Hugo Grothe: Die asiatische Türkei und die deutschen Interessen. Verlag Gebauer- Schwetschke, Halle a. S. Preis br. M. 1.—. Prof. Dr. Otto: Herodes. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart, Preis M. 6.—. Erklärung. Gegenüber einer in einem gegnerischen jüdischen Blatte verbreiteten Meldung, daß die „Selbstwehr“ ihr Erscheinen eingestellt habe, erklären wir hiermit, daß diese Meldung auf Unwahrheit beruht und böswillig erfunden ist; die „Selbstwehr“ konnte zwar infolge des Gehilfenstreiks im Buchdruckergewerbe — wie fast alle österreichischen Blätter, selbst Tageszeitungen — in den letzten zwei Wochen nicht regelmäßig erscheinen, doch beruht dies nur auf dem erwähnten technischen Grund und ab 9. Jänner wird das Blatt wieder regelmäßig wie bisher herausgegeben. Prag, 2. Jänner 1914. Verlag der „Selbstwehr“. Notizen. Kapltalsvermehrung der Verkebrsbanir. Im Inseratenteile unseres Blattes veröffentlicht die Verkehrsbank die Einladung zum Bezüge von 30 000 neuen ab 1. Jänner 1914 dividendenberechtigten Aktien, welche den Aktionären zum Kurse von 350,— pro Stück im Verhältnisse von 1 :5 angeboten werden. Der letzte Kurs dieser Aktie stellt sich aai 371,—. Durch diese Emission erfährt das Aktienkapital der Verkehrsbank eine Erhöhung von 42 auf 50,4 Millionen Kronen, während sich das Bankvermögen mit Berücksichtigung der Reserven auf ca. 65 Millionen Kronen belaufen wird. Auf Basis des Emissionskurses von 350 K und der letztausgeschütteten Dividende von 21 K bieten die neuen Aktien eine Verzinsung von 6%. Das Bezugsrecht auf die neuen Aktien muß bei sonstigem Verluste desselben in derZeit vom 12. Jänner bis 21. Jänner 1914 ausgeübt werden. Blau-weiße Zionbteistifte,; herausgegeben von der „Wiener"Zionistischen Vereinigung“ zugunsten des hebräischen Gymnasium in Jerusalem. Versand in Mindestpackungen von 6 Dutzend zum Preise von K 7.— gegen Vorausbezahlung oder per Nachnahme. Bestellungen an den Schriftführer der Vereinigung, exp. Jakob Korn, Wien, II., Nestroygasse 5. Achtung! Gesinnungsgenossen, verlanget in allen jüdischen Restaurants etc. 1 ..;. , Kellnerzettel des J. N. F. -— . ’