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Jüdische Zeitung · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
8 (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 2 K. k. priv. allgemeine Verkehrsbank. Im Sinne des §7 der Statuten und auf Grund des Beschlusses des Verwaltungsrates vom 29. Oktober 1913 emittiert die’k. k. priv. allgemeine Verkehrsbank St. 30.000 neue Aktien ä K 280.—Nom. mit Dividendenberechtigung ab 1. Jänner 1914 und ladet hiermit die Herren Aktionäre zum Bezüge derselbenauf Grund nachstehender Bedingungen ein: 1. Je fünf alte Aktien sind zum Bezüge einer iieuen Aktie zum Kurse von K 350.— pro Stück berechtigt. Aktien-Bruchteiie oder Zertifikate auf Bruchteile von Aktien werden nicht ausgegeben. Die alten Aktien (ohne Kuponbogen) sind bei sonstigem Verluste des Bezugsrechtes in der Zeit vom 12. bis 21. Jänner 1914 bei den Subskriptionsstellen während der bei denselben üblichen Geschäftsstunden zu erlegen. Gleichzeitig damit sind Konsignationen vorzulegen, worin die bezugsberechtigten Aktien nach Nummern angeführt sind. Formulare hierzu werden bei den Anmeldestellen ausgefolgt. Nach Vormerkung der erfolgten Ausübung des' Bezugsrechtes durch Abstempelung der Aktien werden die vorgewiesenen Aktenmäntel sofort zurückgestellt. 2. Gleichzeitig mit der Vorlage der alten Aktien sind für jede neu zu beziehende Aktie K 70.— in barem zu erlegen. Die neuen Aktien stehen in der Zeit vom 26. Jänner bis 7. Februar 1914 bei den Subskriptionsstellen gegen Einziehung der über die 1. Einzahlung ausgefolgten Empfangsbestätigung und Erlag restlicher K 280.— pro Aktie zuzüglich 5% Stückzinsen vom 1. Jänner zur Verfügung. 3. Auf jene Aktien, welche innerhalb dieser Frist nicht bezogen werden, verfällt das Bezugsrecht ebenso wie die geleistete Anzahlung zugunsten des Reservefonds der Verkehrsbank. 4. Das Bezugsrecht kann ausgeübt werden: in Wien: bei der Liquidatur der k. k. priv. allgemeinen Verkehrsbank, I., Wipplingerstraße 28, in Prag bei der Böhmischen Escompte-Bank, in Innsbruck bei der Bank für Tirol und Vorarlberg, in Linz bei der Bank für Oberösterreich und Salzburg. Wien, am li. Jänner 1914. K. k. priv. allgemeine Verkehrsbank. interessieren uns deshalb jetzt mit erhöhter Intensität für die Kulturäußerungen der ältesten Völker, die noch Gott.nahe standen. Wir verstehen heute die Anschauung unserer Voreltern in der nachprophetischen Zeit, daß Gott mit den Menschen nicht mehr verkehrt, da sie zu schlecht geworden sind. Moses hörte noch seine Stimme und seine Anwesenheit im Vorbeirauschen, die späteren- Propheten hatten nochTraumgesichte und sahen Zeichen. Ich definiere gerne die Kunst als eine verherrlichende Fassung von Andacht und so ist es zu verstehen, daß auch die Kunst bei weiterer Entfernung der Menschheit von der Natur immer schlechter wurde. Wollen wir echte Kunst kennen lernen, so müssen wir in unserer Zeit zu jenen Schichten des Volkes hinuntersteigen, die noch nicht wurmstichig geworden sind und wir haben trotz der niedersten Stufe unsere helle Freude an ihren ländlichen Produkten — gehen wir recht weit — Jahrtausende — zurück zu den adeligen Völkern mit höchster Kultur und wir werden nicht nur des grössten Genusses teilhaftig — sie werden ans vermöge ihrer Höhe zu Lehrmeistern. Kann man daran glauben, daß die Juden keine hohe bildende Kunst hatten, kann man sich in den Gedanken fügen, daß gerade in dieser Kunst die Juden unfähig waren? Ein Volk, das die Bibel der Welt geschenkt hat, dieses höchste kulturelle Werk, das die Menschheit besitzt, .von dem ihr Gesicht gemodelt wurde, noch heute gemodelt wird? Nein, die Welt war in einem kolossalen Irrtum befangen. Die Werke ihrer bildenden Kunst sind zu Grunde gegangen, -während ihre Gedankenwelt noch lebt und bewundert wird. Zeigen wir, dass die bildende Kunst der redenden auch sicher gleich hoch war! Machen wir den Versuch! An der Wiege der Juden werden Werke zu Tage gefördert, deren Höhe mit den bewundertsten Höhepunkten der bildenden Kunst konkurriert. War es nicht auch das jüdische Volk, das solche Werke vollbrachte? 'Ist die jüdische Geschichte nicht wie von einem roten Faden durchzogen, der Sehnsucht, Jehova endlich eine Heimstätte zu bauen? Was ist das anderes als die Sehnsucht, Jehova ein Alonument zu schaffen? Monumentalisierter Gottesdienst. Was ist das anderes als bildende Kunst im höchsten Sinne? Und sicher, wie uns überliefert wird, kein Menschenwerk konnte sich mit diesem messen, diesem Monument Jehovas. Dieser Drang, dieser ungestüme Drang, für den Kämpfe um Kämpfe geführt wurden, Blut durch Generationen in Strömen floß, was ist das anderes, als das, was wir Talent, Genie nennen, der Betätigungstrieb zur bildenden Kunst. Und sie ist nicht entlehnt, sie ist eigen. Die Juden führten sie auf ihrer Wanderung von Mesopotamien bis Aegypten mit, sie wurde durch ihre Betätigung an den bildnerischen Werken der Aegypter nicht beeinflußt, denn sie ist gar nicht ägyptisch geT worden, nicht in der Stiftshütte, noch im Salomonischen Tempel. Daß phönikische Werldeute beim Fällen der Zedern und beim Hauen der Quadern mitverwendet wurden, hat nichts zu bedeuten. Der Architekt, der Bildhauer, der Kunsthandwerker und der Maler hat nichts mit dem Werkmann zu tun. Wie konnte man je glauben, daß er mit denen die Rollen tauschen konnte. Das Genie gehörte dem jüdischen Volke, ob es nun Moses oder Salomon waren, die beiden größten Leuchten unseres Volkes. Die höheren Aufgaben zeitigen höhere Taten. Der geringe Anlaß fordert nur geringe Kraftäußerung. Die Kunst als monumentalisierter Gottesdienst zeitigte die höchsten Werke. Nur im Königspalast als der Versinnbildlichung der der Gottheit nächst stehenden Gewalt, sehen wir die Kunst die höchste Form annehmen. So verhielt es sich bei den alten Völkern, die so konzentriert eine Höchststufe in der bildenden Kunst erreicht haben. Was über dieses Wirkungsgebiet — dieses höchsten — geschaffen wurde, und sicher wurde auch damals trotz fehlendem Industrialismus noch außerdem produziert, das tritt gänzlich in den Hintergrund. Staunen wir, daß das jüdische Volk seine größte Kraft auf den Bau des Tempels und des Hauses des von Gott gesalbten aufgewendet hat und daß von anderen Werken kaum mehr berichtet wird? Nein, — das war selbstverständlich. Es konnte nur ein Tempel und ein Königspalast gebaut werden. Hat doch das jüdische Volk aus seiner Glanzzeit uns nicht viele, viele Bücher hinterlassen, — sondern sich nur auf die Schöpfung eines einzigen konzentriert, welches das Buch der Bücher ist. So war auch der Tempel, der Tempel der Tempel. Der Kultur eines, jeden Volkes entspricht die gleiche Höhe seiner bildenden Kunst. Wir haben noch kein Volk kennen gelernt, bei dem dieser Schluß nicht stimmte. Warum würde gerade beim jüdischen Volke die Ausnahme gelten — wobei uns gerade das Gegenteil durch Ueberlieferung erhärtet wird? Nein, es ist nicht der Fall — wir können uns nur durch den Augenschein nicht davon überzeugen. Der Tempel war sicher die höchste Blüte der alten Kultur — wie es die geistigen Monumente der Juden sind. Die Beweggründe der Produktion der bildenden Kunst waren später durchwegs mehr spielerischer Art und erreichten niemals mehr die.Höhe dieses Höchststandes, diese Kunstprodukte gehören einer absteigenden Linie an. Die schwer gestraften und verängstigten Juden nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus, befolgten den Satz der Bibel: „Du sollst dir kein Bild machen, kein Abbild dessen, was im Himmel droben und was auf Erden hier unten, noch was im Wasser unter der Erde“ allzuwörtlich und nicht seinem Sinne nach, der aus dem Zusammenhang mit dem vorhergehenden „Du sollst keine fremden Götter haben vor mir“ und. dem nachfolgenden „Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht dienen“ ... so eindeutig klar erhellt. Aus keinem Satze der Gesetze Aloses spricht auch nur im Entferntesten die Absicht, den Juden die bildende Kunst zu verbieten. Im Gegenteil: Moses sprach zu den Kindern Israels: „Sehet der Herr hat mit Namen berufen Bezalel, Sohn Uri, Sohnes Hur vom Stamme Juda, und hat ihn erfüllt mit dem Geiste Gottes, an Kunst, Erfindung, Einsicht und an aller Fertigkeit: Sinnreiches zu ersinnen, zu arbeiten in Gold, Silber und Kupfer; und im Steinschneider! zum Einsetzen und im Holzschneiden zu arbeiten, jedes sinnige Werk.“ Bezalel nahm zum Modell von dem, was im Himmel droben, was auf Erden unten und was ’ im Wasser unter der Erde. Moses verbot den-Götzendienst, aber nicht die Kunstübung. Ein seinem heimatlichen Boden entwurzeltes Volk verlor seine ihm eigene Kunstübung und konnte leicht das obig zitierte Gesetz dahin auslegen, als ob die Juden sich überhaupt mit der bildenden Kunst nicht befassen durften. Ein Volk, das nirgends und niemals in der Welt wirklich für die Dauer festen Fuß fassen konnte, niemals sich seines erworbenen Bodens, seines Besitzes, nie seines Friedens freuen durfte, ja so oft und so lang überhaupt keinen Grund und Boden sein Eigen nennen durfte, einem solchen Volke musste seine Uebung in der bildenden Kunst abhanden kommen. Noch aus der Zeit der Verbannung hören wir, daß in der autonomen jüdischen Gemeinde in. Alexandrien ' Kunst und Handwerk blühte und daß die jüdischen Künstler und Handwerker dieser Zeit in Innungen vereinigt waren. Auch die Juden Spaniens und Portugals sollen vortreffliche Kunsthandwerker gewesen sein. Man sprach den Juden in letzter Zeit böswilligerweise die Fähigkeit zur bildenden Kunst ganz ab, nicht nur für unsere Zeit, sondern auch für die Zeit seiner Blüte in Palästina. So liest man in allen modernen Kunstgeschichtswerken: „die Juden hatten keine bildende Kunst“, und die Juden von heute glauben — ohne jeglichen Grund — daran. Sie glauben oder glaubten ja so vieles von sich, das einer jeden Grundlage entbehrte. Ich zweifelte schon als Knabe daran, denn die Bibel belehrte mich eines anderen. Ich las die Schi!-, derung vom Bau der Stiftshütte, die vom Bau des Salomonischen Tempels, dessen Haus und dessen Thron, und es war mir klar, daß die herrlichen Bauwerke hohe Werke der bildenden Kunst waren, mit denen nichts anderes wetteifern konnte'. Damals war es die jugendliche Phantasie, welche auf Grund der Schilderungen die fabelhaftesten Kunstwerke vor meinen Augen erstehen ließ, heute haben diese Werke in mir durch eingehendes Studium der verwandten ausgegrabenen Werke aus dieser Zeit greifbare Gestalt angenommen und ich stelle mit Freuden fest, daß die -Wirklichkeit den überschwenglichsten Phantasiebilde nicht nachsteht. Heute, nachdem wir so viele herrliche Funde ‘ durch Ausgrabungen dem biblischen Boden entrissen haben, können wir uns ein wahrheitsgetreues Bild von der jüdischen Kunst machen, wie sie uns unsere Heilige Schrift so detailliert und getreu schildert. Wieso kommen wir erst heute dazu, von einer bildenden Kunst bei Juden zu sprechen und noch dazu von einer bildenden Kunst, die auf einer hohen Stufe der Entwicklung gestanden hat? Haben wir das nicht schon früher gewußt? Die Schilderungen der Bibel kannten wir wohl schon seit so langer Zeit, doch wir konnten uns von ihnen kein richtiges Bild machen, sie waren uns unverständlich, da wir ähnliches nicht kannten und wir von der vorgrie.chischen Kunst eine nur geringe Meinung hatten. Die Griechen galten bis vor nicht langer Zeit als das Volk,, bei denen die bildende Kunst zur unnachahmlichen Höhe der Entwickelung gelangt ist und man glaubte blind an das .griechische Ideal der Formen-

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