Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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35}<}g6 XXXK NFmOKPTxUJDI5CHE5 DRBRN Mg« ^rmuFu m m m m mw% m m & w ■■ ■ ■ ■ ■■■■■■• 1W11 Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Adffinistfotior r'- Tnssratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. '»-C ikripte werden nicht zuröckgestellt. — Abonnementspreise: Für Oesterreich- Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjälir. 'K 5.—»Vierteljahr. K S*—• Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjShr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.095. | Nr. 1 Wien, Freitag, den 2. Jänner 1914. Vlll. Jahrgang. An unsere Leser! Infolge der Lohnbewegung im Wiener Druckereigewerbe war uns seit drei Wochen trotz grösster Anstrengungen, die vorhandenen Schwierigkeiten au überwinden, die Möglichkeit benommen, die Jüdische Zeitung im Druck erscheinen au lassen. Wir glauben uns nicht au überheben, indem wir auf Grund sachlicher Beobachtungen feststellen, dass durch den Ausfall der letzten Nummern unseres Organes im jüdischen Leben Österreichs eine sehr bemerkbare Lücke entstanden ist. Um den Preis grosser Opfer ist es uns nun gelungen, das dieswöchige Erscheinen unseres Blattes zu sichern. Auch haben wir für die Folge eine ganze Anzahl \von bewährten Mitarbeitern und Berichterstattern herangezogen, die zu der langgeplanten Ausgestaltung unseres Organes in grossem Masse beitragen werden. Wir hoffen, dass unsere Leser und Freunde diese unsere Bemühungen vollauf würdigen und durch Werbung von Abonnenten ihrer Erkenntlichkeit Ausdruck verleihen werden. deren Abonnement abgelaufen ist, um Erneuerung, damit in der Zustellung der „Jüdische Zeitungr“ keine Unterbrechung eintrete. Der Abonnementpreis beträgt für I Jahr K io.— i/a „ K S-~ V* K 3 - Redaktion und Administration der „Jüdische Zeitung“. Treue Wacht. Palästina befindet sich in hellem Aufruhr. Die meisten Schulklassen sind gesperrt. Die Schüler und Lehrer der zahlreichen Anstalten des „Hilfsvereines deutscher Juden“ streiken. Alltäglich finden in den Städten und Kolonien stürmische Versammlungen statt und einmütig protestiert alles gegen den Gewaltstreich der übermütigen Berliner Assimilationsjuden, welche aus Palästina eine preuöische Domäne, aus den freien Söhnen unseres Volkes Werkzeuge der reichsdeutschen antisemitischen Regierung machen wollen. Noch nie ist die jüdische Oeffentlichkeit so gewissenlos düpiert worden, wie durch die Leiter des Hilfsvereines und in erster Linie durch ihren Führer Dr. Paul Nathan. Der Hilfsverein hat vor einigen Jahren sein Hilfswerk in Palästina nationalisiert. Er hat in seinen Schulen die hebräische Sprache eingeführt. Er hat sich dadurch die Sympathien aller jüdischen Kreise vor allem der zionistischen erobert. Und als er daran ging die technische Hochschule in Palästina zu gründen, da flössen ihm dank der zionistischen Intervention aus dem Auslande, insbesondere aus Amerika und Rußland, Millionen zu. Der zionistische Führer: Dr. Levin bereiste in Angelegenheit des Technikums zwei Jahre hindurch Europa und Amerika. Seine Person gab die Gewähr, daß es sich hier um ein nationales jüdisches Unternehmen handle und mehr als die Hälfte aller Spenden wurde über seine direkte Anregung gezeichnet. Unser Nationalfonds stellte den Baugrund bei. Kaum aber hatten die Leiter des Hilfsvereines das Geld in der Tasche, da ließen sie die jüdische Maske fallen und zeigten das Gesicht preußischer Regierungslakaien. Sie schalteten aus ihren Schulen in Palästina die hebräische Unterrichtssprache wieder aus und beschlossen, daß das im Bau begriffene Technikum in Palästina als rein deutsche Unterrichtsanstalt zu führen sei. Das Hebräische, die Landessprache ist ganz ausgeschaltet. Mit einem beispiellosen Zynismus wurden den Mitgliedern des -Kuratoriums, welche noch zögerten, in der entscheidenden Sitzung in Berlin erklärt, daß jedes Zaudern untunlich sei und der Staatssekretär des deutschen auswärtigen Amtes auf den Beschluß warte. Es wurde also schamlos zugegeben, daß nfcht die Interessen der Juden, sondern lediglich die Befehle der deutschen Regierung für die Ausgestaltung des jüdischen Technikums in Haifa mass- > gWUVtiU OvIWU. * Durch diesen offenkundigen Betrug haben Dr. Nathan und Genossen nicht nur die jüdischen Siedlungen in Palästina bedroht, die palästinensischen Juden in ihren heiligsten Gefühlen verletzt, sondern auchdieSpender moralisch schwer geschädigt. In der Meinung, ein jüdisches Werk zu fördern, haben englische, amerikanische und russische Juden für machtpolitische Zwecke Deutschlands Geld gegeben und so die Interessen der von ihnen bewohnten Länder verletzt. Sie sind den schwersten Vorwürfen ihrer Regierungen ausgesetzt und bei den Gegensätzen, welche sich heute in der Orientpolitik geltend machen, können den düpierten Spendern große Schwierigkeiten erwachsen. Doch was kümmert das Herrn Dr. Nathan und Genossen! Wenn’sum ein gnädiges Kopfnicken preußischer Junker geht, ist ihnen das Schicksal der Juden der ganzen Welt höchst gleichgültig. Nun ist der schwere Schlag erfolgt. Unser Kulturwerk in Palästina ist schwer bedroht und das muß konstatiert werden, nicht zum geringen Teile durch eine unkluge Vertrauensseligkeit der zionistischen Leitung. Man hat außer Acht gelassen, daß es in Fragen des nationalen Erziehungswerkes kein Paktieren mit Assimilationsjuden gibt, und die Folgen haben sich nur zu bald eingestellt. Wird der Hilfsverein seinen bösen Plan ausführen können? Nein! In diesen schweren Tagen ist eine Erscheinung zutage getreten, die nicht nur tröstend wirkt, sondern unsere kühnsten Hoffnungen übertrifft. Der förmlich über Nacht organisierte und unbesiegbare Widerstand der palästinensischen Judenschaft. Das sind nicht mehr die frömmelnden kriechenden Spendennehmer, die französisch sind, wenn sie französische Almosen bekommen undfür deutsches Geld ihre Seele an preußische Agenten verkaufen. In wenigen Tagen ist der gesamte Schulbetrieb lahm gelegt worden und schon sind die Mittel für eine hebräjscbe Realschule in Haifa aufgebracht. Das ganze Werk des^filfsvereines ist ins Wanken gebräCh*j'*if''f£tite, die das zustande bringen, sind keinfe'* Schutzbedürftigen mehr, das sind Volljuden, die ihre Rechte zu wahren wissen. Nie ist die Kraft des Zionismus herrlicher in die Erscheinung getreten, als gerade jetzt Hunderte von- Milnonen haben Wohltäter nach Palästina gesendet und es ist ein Land der Bettler und Schnorrer geblieben. In wenigen Jahren hat der Zionismus mit verschwindend kleinen Mitteln und wenigen Menschen Wunderbares geschaffen. Wir sehen staunend eine geschlossene Masse freiheitsliebender und kampfbereiter Menschen, die dem nationalen Ideale jedes Opfer bringen. Um den Brand zu dämpfen ist Dr. Nathan nach Palästina gefahren. Aber es ist ihm nicht gut ergangen. An die Intelligenz und die Arbeiterschaft traut er sich nicht heran, weil er weiß, welcher Empfang ihm in diesen Kreisen bereitet würde. So ist er zu den Chalukajuden gegangen und fabriziert bezahlte Resolutionen für den Hilfsverein. Der moderne, fortschrittliche, für Freiheitsideen -* ...__j» r\.. v _r„i_ «i .i... «.w c/i : Ul«b w«m reaktionären Bettlersippschaftzusammen. Diese Gesellschaft, welche allen nationalen Bestrebungen fremd ist, weil der Zionismus das bettelnde Judentum durch ein arbeitendes Judentum ersetzen will, diese Gesellschaft ist nunmehr die Zuflucht des Dr. Nathan, des Berliner Fortschrittsjuden. Mit ihnen vereint kämpft er gegen den Fortschritt und die Aufklärung in Palästina. Aber seine Mission muß ein klägliches Ende nehmen, denn unsere Brüder halten treue Wacht! r. St. Brief aus Palästina. Ein in Palästina ansässiger Ingenieur schreibt in einem Privatbrief: . . . Sie haben wohl schon gehört. Der geradezu schmähliche Beschluß des Kuratoriums für das Technikum in Haifa hat hier im ganzen Lande, wo man die Widersinnigkeit, Schädlichkeit und Schändlichkeit dieses Vorgehens doppelt schmerzlich empfindet, Bestürzung und Aufregung hervorgerufen. Die ganze iahrzehnte lange Arbeit der Hebraisierung wird bedroht und in ihren Erfolgen beleidigt. Besonders die Lehrer und Schüler der Hilfsvereinsschulen mußten einen Rückschlag fürchten. Und sie vor allem mußten in Abwehr treten. Das Lehrerseminar, das doch die Aufgabe hat, die Lehrer für das Land heranzubilden, kämpft schon seit langem für die vollständige Einführung der hebräischen Unterrichtssprache und nun mußten die Lehrer angesichts der (jefahr auch das bisher Gewonnene zu verlieren, ihre Forderungen um so energischer betonen. Und da diese Forderungen, deren Emst und Berechtigung durch Namen wie David Jellin gedeckt waren, nicht beachtet wurden, traten die Schüler in Streik. Fast gleichzeitig auch Lehrer und Schüler mit Zustimmung der Eltern bei den Hilfsvereinsschulen in Jaffa. Dort machte man kurzen Prozeß. Die wirtschaftlich kräftigere Bevölkerung dieser Stadt gründete sofort eigene Schulen, in die einfach die Lehrer und fast alle Schüler einzogen. Aber auch hier griff die Bewegung um sich. Ein Streik aller Schulen drohte täglich auszubrechen. Alle Lehrer der Mädchenschule, die meisten Lehrer des Seminars mit dem Direktor D. Jellin an der Spitze, einige Lehrer der Lämmelschule (die übrigen sind elende Kreaturen des noch schuftigeren Direktors Ephraim Kohn,' den man mit Recht als den Hauptschuldigen bezeichnet) verhinderten das, indem sie Eingaben auf Eingaben machten. Endlich hieß es: