Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HOjK NRTIDNFIL -JUDI5CHE5 QRßRN ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■■■■■■*■■■■ ■ ■ I ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, IL, Karmefiferplatz- Nr. 1. — Sprechstunden B _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden mellt zurückgestellt.. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ refch-Ungarn:, Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. “ B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 b. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telephon 22.075. ■ Nr. 49. Wien, Freitag, den 5. Dezember 1913 VII. Jahrgang ,4HHBM^H^BBU^HHBHBBBBBBBBI^^BHBBIIi^H^HBH Große naßßabäersEeier Samstag, 27. Dezember Musikvereinssäle. Unser Parteitag. Nächsten Sonntag treten die Abgesandten der Zionisten Westösterreichs in Prag zusammen, um den Bericht der Leitung entgegenzunehmen und über die Mittel und Wege der künftigen Arbeit zu beraten. Unwillkürlich vergleicht man die heutigen Zustände im Zionismus hierzulande mit denen zur Zeit des letzten Parteitages. Wir können nun mit Freuden feststellen, daß wir nicht nur um ein gutes Stück Weges weitergekommen sind, sondern sogar etwas erreicht haben, was wir vor zwei Jahren noch kaum hoffen dürften und was mehr bedeutet als viele äußere Erfolge: die innere Einheit. Vor zwei Jahren, als wir in Brünn zusammentraten, stand unsere Partei in Westösterreich noch teilweise unter dem Eindrücke des auf dem Basler Kongresse geführten Kampfes gegen die alte Richtung. Dieser Kampf fand für uns seinen Abschluß auf dem Brunner Parteitag und allmählich ist unsere Landsmannschaft zu einer inneren Stärke gelangt, die lediglich die Einigkeit einer Bewegung verleihen kann. Heute sind wir alle der festen Ueberzeugung, daß die von uns erkämpfte Berliner Leitung ihrer Aufgabe gewachsen ist, daß diese Leitung den richtigen Weg geht. Die große Opferfreudigkeit, die sich in allen Teilen unseres Landesverbandes in der moralischen und materiellen Unterstützung des Engeren Aktions-Komitees kundgibt, ist der beste Beweis, daß wir in der Beurteilung unserer höchsten Behörde, ihres Programms und ihrer Leistungen durchaus eines Sinnes sind. Diese Einheitlichkeit wird dem Partage das Qepräge verleihen. Er wird nunmehr, frei von der Last programmatischer und organisatorischer Streitigkeiten, an Probleme herantreten können, deren Lösung für uns dringende Notwendigkeit bedeutet und unser weiteres Fortschreiten bedingt. Es sind dies vor allem: die Ausgestaltung .und Sicherstellung unseres besten und bewährtesten Propägandamittels, der Presse, 'das Kultur pro bl em und im Zusammenhänge damit der HebraiSmus, die Frage des Nachwuchses: die Erziehung der Jugend in nationalem Sinne. Zum zweiten Male findet unsere Tagung im altehrwürdigen Prag statt. Wir sind keine Fremdlinge in dieser Stadt, in deren Mauern fast anderthalb Jahrtausende Jüdischer Geschichte auf uns herabblicken und wir Vertreter des jungen Judentums ziehen mit Zuversicht in die Gemeinde ein, die einst ein Bollwerk des alten Judentums war und in der dank unserer Arbeit bereits neues jüdisches Leben zu keimen beginnt. Prag ist auch der Mittelpunkt des böhmischen Volkes, das durch den nationalen Willen in wenigen Jahrzehnten aus einer schwachen, zusammenhanglose^ Menschenmenge vor unseren Augen zu einer mächtigen Nation geworden ist. Der Werdegang" der" tschechischen' Nation, ihr ausgeprägter völkischer Sinn, ihre Opferfreudigkeit möge uns als Vorbild dienen. Verjüngter jüdischer Geist, starker, unbeugsamer nationaler Wille und die erkämpfte innere Einheit werden uns zu neuen Erfolgen führen und dem erstrebten zionistischen Ideale näherbringen! 1. b. * * * Westösterreichischer Zionister.tag. Am 7. und 8. Dezember findet in Prag der westösterreichische Zionistentag mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnungsansprache; 2. Bericht des Zentralkomitees; 3. „Der XI. Zionistenkongreß“, Referent Dr. Emil Margulies (Leitmeritz); 4. „Palästina und Nationalfonds“, Referent Dr. Emil Stein (Wien); 5. „Die geistige und körperliche Erziehung unserer Jugend“, Referent Dr. Emst Skutetzky (Wien); 6. Neuwahlen; 7. Budget. Die Beratungen beginnen Sonntag* den 7. Dezember, präzise 10 Uhr vormittags im1 Prunksaale des Hotel Zentral, Prag Hybernergasse. Die Delegiertenkarten werden den Delegierten im Wege der zuständigen Distriktskomitees oder in Prag, im Bureau des Zionistischen Distriktskomitees, Langegasse 41 ausgefolgt. Den Beratungen des Zionistentages werden in Vertretung des Engeren Aktionskomitees dessen Mitglied Gg. Dr. A. Hantke und Gg. Blumenfeld anwohnen. * * * Sitzung des w.-ö. Zentralkomitees. Sonntag, den 7. Dezember um. halb 9 Uhr vormittags, findet im Speisesaal des Hotel Zentral in Prag eine Sitzung des Zentralkomitees». statt. * * Meeting. Anläßlich des w.-ö. Zionistentages veranstaltet das böhmische Distriktskomitee ein Meeting, welches Sonntag, den 7. d. M. abends, im Hotel Zentral stattfinden wird. Sprechen werden: Dr. A. Hantke, Adolf Böhm, Dr. Emil Margulies, Obering. Stricker und Emil Arnstein. Zu« Rptihel über den Zionismus. In den letzten Wochen sind zwei Artikel über den Zionismus erschienen, die uns aufs deutlichste offenbaren, welch tiefgehende Wir- "Rönff' der" Wiener Kongreß auch auf die Nicfhtzionisten ausgeübt hat. Stephan Großmann hat den ersten Aufsatz im1 „März“ geschrieben. Er geht scharf gegen uns ins Zeug, läßt kein gutes Haar an der Bewegung und spricht ihr jede Werbekraft, ja jede Lebenskraft ab, wie schon der Titel „Grablied des Zionismus“ beweist. Stephan Großmann ist Literat und typischer Wiener Assimilant dazu. Er hat alle möglichen politischen Ueberzeugungen gehabt Er war Liberaler, dann Anarchist, zuletzt bei einem sozialdemokratischen Blatte tätig, was ihn nicht gehindert hat, sehr gegen den Willen der Partei, gegen großes Honorar an rem bürgerlichen Blättern mitzuarbeiten. Ein unwissenschaftlicher Geist ohne jeden inneren Halt, ohne Methodik und ohne eine gefestigte Weltanschauung, interessiert ihn bei allen Kulturproblemen mehr die äußere Seite. Eine oberflächliche und spielerische Natur, daher auch sein größtes und innerstes Interesse für Theaterangelegenheiten, von denen er wirklich etwas versteht. Man kann sich nun vorstellen, was eine so geartete Persönlichkeit über den Zionismus zu sagen hat. Es ist selbstverständlich, daß sich von sachlicher Kenntnis der zionistischen Bewegung bei Stephan Großmann keine Spur vorfindet. Er kennt nicht die Geschichte, nicht die Persönlichkeiten. So wird hier wiederum einmal Dr. Natan Birnbaum gegen uns ins Feld geführt. Gibt es einen heftigeren, offeneren, lauteren Gegner des Zionismus als Birnbaum? Wie oft sollen wir es wiederholen, daß wir mit ihm ebenso wenig etwas zu tun haben wollen, wie er mit uns. Das ist nun der große Gewährsmann, gegen uns, wohl verstanden, der zionistische Gewährsmann, welcher zeigen soll, wie traurig es um uns bestellt ist Was soll man sagend wenn das Uganda-Projekt dazu herhalten soll, den neueren Zionismus, die Bewegung unserer Tage zu treffen. Aber solche Irrtümer passieren auch anderen, wissenschaftlich begabteren Köpfen und Leuten, die besser orientiert sind. Aber es» I blieb Stephan Großmann Vorbehalten, dort eine Unkenntnis zu zeigen, wo schon die einfache Zei-