Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 40 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 40 schicken, ist ein nationales Unglück. Das ist keine Erziehung, das ist ein Skandal! Die Folgen sind unberechenbar und können unermeßlichen Sdiaden bringen, wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen und unsere Schulen eröffnen, um das junge Geschlecht in unserem Sinne zu erziehen. Der „Kedem“ wird zu allererst die Heraus-, gäbe von Lehr- und Lesebüchern für den Scliul- und Selbstunterricht unternehmen. Diese Arbeit setzt aber eine andere voraus, das ist die Vergrößerung des hebräischen Sprachschatzes. (Beifall.) Der große Mangel an modernen, technischen und alltäglichen Worten und Ausdrücken hemmt die Entwicklung der hebräischen Spradie. Unsere palästinensischen Lehrer waren die ersten, die sidi für die schwere Arbeit, solche Wörter zu schaffen, organisiert haben. Wir sind ihnen für diese Grundsteinlegung für die nationale Sprachakadcmie herzlich dankbar. Jedoch sind ihre Kräfte in jeder Beziehung noch zu schwach, um Großes leisten zu können. Es müßte zu diesem Zweck ein ganzes Synhedrion für hebräische Kultur und Sprachwissenschaft eingesetzt werden, eine wirkliche Akademie auf breiter wissensdiaftlicher Basis und unter Mitarbeit aller jüdischen Gelehrten in Palästina und in der Diaspora. Diese Institution wird alsdann in allen hebräischen Sprachangelegenheiten die höchste Autorität vorstellen. (Beifall.) Aus meinen bisherigen Ausführungen haben Sie sich bereits überzeugen können, daß vor uns ein großes Arbeitsfeld liegt, und daß auch der palästinensische Boden dafür überaus günstig ist. Wir hoffen nämlich, dort treue Mitarbeiter für unsere gute Sache zu finden in unseren dortigen Parteimännern, Literaten und Gelehrten. Das wird für die gute Sache den eigentlichen Resonanzboden bilden. Und von den besten Hoffnungen beseelt, beehre ich mich, hiemit vor dem geehrten Kongreß folgende Resolution zur Annahme vorzulegen: „,Der XI. Zionistenkongreß in Wien nimmt dieGründung des hebräischen Kulturfonds „Kedem“ mit Befriedigung zue Kenntnis und erklärt es als Pflicht eines jeden Zionisten, diese wichtige Institution materiell und moralisch zu unterstütze n“. Brüder! Gedenket unserer alten Sprache und nehmet meine Resolution einstimmig an. (Lebhafter und langandauernder Beifall.) * > Der Vorsitzende des Kulturfonds „Kedem“, Herr M. Feldstein, tejlt uns mit, daß während des Kongresses folgende Spen'den zu Gunsten des „Kedem“ eingelaufen sind: 1. Von Herrn L. B. Pismanter in Warschau ein Pfandbrief der Warschauer Kreditgesellschaft mit laufenden Koupons für 1000 Rubel. 2. Vom zionistischen Verein „Zion“ in Gliniany (Galizien) eine 4°/oige Obligation der Stadt Lemberg per 1000 Kronen. Diese Spende soll einen eisernen Fonds auf den Namen des verstorbenen Präsidenten des Vereines „Zion“, Herrn Pinetes, bilden. Die Durch mein Geld! Ich will es euch erklären und ihr werdet es verstehen. Wie man mir neulich erzählt hat, machten sich die Engländer über die Buren her, Deutsche, Franzosen und die anderen über den Chinesen, mit dem Zuchtriemen des Schulmeisters’ in der Hand. Sie wollten ihn Mores lehren, daß er seinen Zopf abschneide und Hosen anlege. Was geht es euch eigentlich’ an? Der Chinese will just ein weites Kleid und einen Zopf tragen. So soll er in Gottes Namen tragen, was ihm gefällt Wessen Sorge ist das? Oder etwa der Türke mit seinem roten Fez. Was geht es jemand an, daß man ihm just ein Stück Land nach dem anderen wegnehmen möchte? . . . Und wenn vom Wegnehmen die Rede ist — da will ja selbstverständlich jeder das beste Stück. Sagt einer: „Nehmet euch Stambul und laßt mir den Bosporus!“ so kommt ein dritter und meint: „Wißt ihr was? Ihr könnt lange Stambu fund den Bosporus wollen, ich nehme für mich die Dardanellen . . .“ Darob ein Lärm: „Dardanellen? Was heißt das? Wir sollen gestatten, daß du die Dardanellen bekommst? Die Dardanellen sind Gemeingut, sie gehören allen ....“ Kurz, Dardanellen hin, Dardanellen her, es wird so lange dardanellt, bis vom Kanonenlärm die Luft erzittert und Menschenblut in Strömen sich ins Meer ergießt. Da habt ihr nun eure Dardanellen! Nun käme ich und sagte: „Gemach, Brüder, ich stehe zu Diensten. Um was ist es euch eigentlich in dem ganzen Wirrwarr zu tun? Zinsen . sind für einen Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem als alljährliches Stipendium bestimmt. 3. Durch Herrn Dr. Saphir in Odessa 10 Rubel. . Bekanntlich hat Herr Feldstein durch eine Spende von 40.000 Mark, den Grundstock des „Kedem“ geschaffen. Demission der zionistifdien Kultustuspäihe in Iglau. Iglau. Am 20. "September a. c. referierte der Kongreßdelegierte des Kreises Iglau, Herr Inspektor Fried r. Glas in ausführlicher und außerordentlich übersichtlicher Weise über den XL Zionisten-Kongreß. Es gelang Herrn Glas dem zahlreich erschienenen Auditorium ein eindrucksvolles Bild von der Größe und Wichtigkeit der Kongreßverhandlungen und Beschlüsse zu geben. Als zweiter Redner sprach Kreisobmann Dr. Siegm. Werner über „Lebendiges Judentum“. Herr Dr. Werner prärisier-te die Stellung der Zionisten gegenüber der Majorität der iglauer Kultusgemeinde, mit der die hiesige zionistische Organisation wegen des von derselben mit dem jüngst gewählten Rabbiner abgeschlossenen Vertrages in Konflikt geraten ist. auf Grund der allgemeinen Prinzipien unserer Bewegung in vornehmer, rein sachlicher Weise. „Das ist ja der große, der glorreiche Unterschied zwischen uns und jenen“, führte Dr. Werner aus, „sie, ein Stück petrifiziertes Judentum, so recht der Typus der alten Zeit, die so tot ist, daß sie nichts, gar nichts mehr vom Leben weiß — w i r, das junge hoffnungsfrohe, siegessichere Judentum, das mitten im reichen, blühenden Leben' steht, es mit allen Sinnen und Kräften in sich saugt, und festen Mutes allen Kämpfen entgegengeht.“ Nach der Rede Dr. Werners verlas Herr Richard Weiße n s t e i n folgenden, der Kultusgemeinde übersendeten Mandatsverzicht der zionistischen Kultusausschüsse: Sehr geehrter Herr Kultusvorsteher! Die Unterfertigten, Mitglieder des Ausschusses der Iglauer Kultusgemeinde geben hiemit die Erklärung ab, daß sie auf ihre Mandate verzichten. Zu diesem Entschlüße hat sie nach wiederholter, reiflicher Ueberlegung die Unduldsamkeit der jetzt in der Kultusstube herrschenden Majorität gedrängt, die zwar das Wort „Frieden“ fortwährend auf den Lippen führt, aber uns zionistischen Mandataren gegenüber niemals^ den Frieden gehalten_Jiat. Anläßlich der Rabbinerwahl hat sich die feindselige Haltung dieser Majorität mehrfach in völlig unbegründeten Angriffen auf die von uns vertretenen Anschauungen gezeigt. Inidem1 Vertrage ,mit dem1 Rabbiner aber, einem Vertrage, den der Kultusvorstand dem gesammten Ausschüsse vorlegte, hat sich diese Feindseligkeit geradezu ein bleibendes Denkmal gesetzt. Unser Urteil über diesen Vertrag kennen Sie und die Herren der Majorität. Die Begründung aber, welche die Majorität der Knebelung der Gewissensfreiheit und der amtlichen sowie außeramtlichen Tätigkeit des geistlichen Oberhauptes unserer Kultusgemeinde gegeben hat, indem alle die im Vertrage angeführten Gebote für den Rabbiner angeblich nur zur Erhaltung des Friedens in der Kultusgemeinde und des Friedens mit unseren andersgläubigen Mitbürgern angeordnet werden müssen, stellt nicht nur eine persönliche Beleidigung der Zionisten, sondern auch eine durch nichts zu rechtfertigende Verkennung und Herabsetzung des Zionismus, wenn nicht eine absichtliche, tendenziöse Mißdeutung seiner Ziele dar. Wir sind zwar völlig unbesorgt darüber, daß etwa die Haltung der Majorität des iglauer Kiiltusausschusses, unserer großen und herrlichen Bewegung schaden könnte, die für eine menschenwürdige, ehrenvolle und gesicherte Zukunft des Judentums die höchste Hingebung eines jeden treuen Juden in Anspruch nimmt, die tief cingedrungeii ist in die weitesten Schichten unseres Volkes und für welche unsere gesamte Jugend voll idealer Begeisterung lebt, finden es aber weder mit der Achtung, die wir unserer Bewegung schulden, noch mit .unserer Selbstachtung vereinbar, noch länger einer Korporation anzugehören, deren Majorität uns noch niemals auch nur das geringste Entgegenkommen gezeigt hat. Deshalb legen wir mit dem aufrichtigsten Danke an die Wähler, die uns in den Ausschuß entsendet haben, unsere Mandate nieder. . Es liegt hier ein Akt krasser, jüdisch-assimilatorischer Intoleranz vor. Wir behalten es uns vor, auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Unsere Gg. in Iglau können versichert sein, daß sie in ihrem Kampfe Unterstützung finden werden. Avis lür EinjäMgsfreiwillige. Telefon: Stelle 6 von 3455. Weftkowski & Nacht Nodif. Julius Nadit’s Witwe IX., Berggasse Nr. 27 empfiehlt sämtliche Uniformierungs- und Ausrüstungs-Sorten für das k. k. Militär-, Staats- und Eisenbahnbeamte, sowie für Einjährig-Freiwillige aller Branchen. Große Auswahl in Couleur bändern, Neuanschaffungen werden in kürzester Zeit effektuiert. GEZA ÄRVAY Meint ihr denn wirklich die Hagada? Oder vielmehr die Knödel*)? Lieber gewähre ich euch eine Anleihe, einige Milliarden; wenn euch Gott hilft, werdet ihr mir bezahlen . . ,“ Nun, versteht ihrs? Ich habe ein gutes Geschäft gemacht und die Menschen hören auf, einander wie Vieh für nichts und wieder nichts abzuschlachten. Und dann — wozu noch Waffen und Heere und den ganzen Lärm; und wenn der Krieg aufhört, ist es aus mit dem Neid jmd dem Hasse. Was Türke, Engländer, Franzose, Zigeuner oder Jude! — Die ganze Welt sieht dann anders aus, wie es im Propheten heißt: „An jedem Tage, wenn der Messias kommt . . . Und vielleicht, ha! . . . wenn ich Rothschild wäre, möglich daß ich das Geld überhaupt abschaffe! Weg mit dem Gelde! Was ist denn eigentlich Geld? Geld ist ja bloß eine konventionelle Einrichtung, ein fingiertes Ding, eine Leidenschaft, die größte, von der alle besessen sind .... Wenn es aber kein Geld gäbe, so gäbe es auch keine Leidenschaft mehr Begreift ihr es nun oder nicht? Nun? Fragt’s sich nur: Wo nähme man dann „auf Schabbes“? (Reb Eli-Meier vertieft sich in Gedanken, reibt die Stirn und untersucht alle Taschen.) Ja! Wo nehme ich denn jetzt „auf Schabbes“? ... (Autorisierte Uebersetzung von A B.) . ooo *) Altes Sprichwort, wenn einer was anderes meint und etwas anderes sagt SCHUHWAREN-ERZEUGUNG GEGR. 1888. TEL. 21773. WIEN, II., GREDLERSTRASSE NR. 9 EMPFIEHLT SICH DEN HERREN EINJÄHRIG-FREIWILLIGEN FÜR VORSCHRIFTSMÄSSIGE BESCHUHUNGEN SOWOHL NACH MASS ALS AUCH VOM LAGER LIEFERANT FÜR K. U. K. OFFIZIERS-UNIFOR- MIERUNGS-VERWALTUNGEN. GROSSE AUSWAHL VON MODERNEN SCHUHEN SPORT- UND TURNSCHUHE. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. PapteisNaihpiihteii. Mitteilungen des Zionistischen Distriktskomitees für Innerösterreich. Hebräischer Sprachunterricht. Das Distriktskomitee geht daran, in der allernächsten Zeit für den hebräischen Sprachunterricht Sorge zu tragen. Jeder, der an einem Sprachkurse teilnehmen will, wird ersucht, seinen . Namen und den Grad seiner hebräischen Vorkenntnisse (Anfänger oder Fortgeschrittene) dem Bureau des Distriktskomitees schriftlich oder mündlich täglich zwischen 3 und 4 Uhr im Zionistischen Zentralbureau, Wien, II., Karmeliterplatz 1 'mitzuteilen.