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Jüdische Zeitung · 1913-10-01 · 40 (1.10.1913) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
40 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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HHHK NFITIDNRL -JUDI5CHE5 GRERH JWX mrjs a ■ ■ i na aaaa aa bb-bbbbb b b b b wrmmm* S Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenauinahme: Wien, li., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ K täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. “ B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 40. Wien, Mittwoch, den 1. Oktober 1913 VH. Jahrgang Allen unseren Lesern nnö Besinnungs- Genossen entbietet die besten Glückwünsche zu 5674 Die lüdische Zeitung. $$$$$$$$$$$$$$$$ Protest Set» intellektuellen und poli* tifttien Vertreter des köhmifdien Volkes gegen den Kie»er Riiuaimordprozek. Die hervorragendsten Repräsentanten des böhmischen Volkes haben nachstehende Kundgebung veröffentlicht. Die "Wiedergabe erfolgt in" beglaubigter Uebersetzung: „In Kiew wurde gegen den jüdischen Kleinbürger Bejlis der fürchterliche Verdacht ausgesprochen, daß er den christlichen Knaben Justschinsky ermordet habe, um sein Blut zu rituellen Zwecken zu verwenden. Seit zwei Jahren schmachtet schon Bejlis in der Untersuchungshaft, trotz zahlreicher Versuche ehrlicher russischer Männer, seine Unschuld zu erweisen, von der auch der erste Untersuchungsrichter, welcher sich um seine Entlassung eingesetzt hatte, überzeugt ist. Alles vergebens; die Agitation der russischen Reaktionäre hat gesiegt, die Untersuchung wurde unter dem Einfluß und der Kontrolle der „echten russischen Leute“ ‘fortgesetzt, und das Resultat ist, daß gegen Bejlis die Anklage wegen Ritualmordes erhoben wurde. Der Riiuaiglaube lebt leider noch jetzt im Volke und wird oft zur fürchterlichen Waffe in den Händen reaktionärerKreise. Leider blieb nicht einmal unser Volk trotz seiner großen Tradition von Religionsfreiheit und Demokratie von dieser sittlichen Katastrophe verschont. Die Polnaer Affäre, welche im böhmischen Volke solche Verheerungen anrichtete, ist noch in lebhafter Erinnerung. Um so mehr halten wir Söhne des böhmischen Volkes als Sklaven und fortschrittliche Männer es für unsere Pflicht, im letzten Augenblicke Worte des Protestes zu erheben gegen den Aberglauben, der alle Gefühle der Menschlichkeit untergräbt. Bisher hat der Ritualaberglaube sich bei den unwissenden Schichten der Bevölkerung erhalten, die juristischen ünH theologischen Autoritäten aller Nationen haben aber die Grundlosigkeit aller auf die Existenz des Ritualmordes gerichteten Behauptungen nachgewiesen. In Kiew ist zum erstenmal der Ritualaberglaube durch die staatliche Autorität gestützt worden, dort soll zum erstenmal — seit dem Trient er Prozesse — ein Jude durch einen staatlichen Gerichtshof wegen Ritualmordes abgeurteilt werden. Das Herz stockt bei dem Gedanken, welch unselige Folgen dieser Prozeß für Millionen ohnehin in größtem Elend und Erniedrigung lebender russischer Juden haben kann. Wir fürchten, daß der Prozeß Bejlis das Signal zu neuen Pogroms und zu neuen Vergießen unschuldigen Blutes werden wird. Im Namen der slawischen Humanität, im Lebensinteresse der ungerecht verfolgten russichen Juden protestieren wir dagegen, daß dem fürchterlichen Aberglauben die Unterstützung durch die staatliche Autorität zuteil werde, daß wegen politischer Agitation, aus Rassen- und Glaubenshaß das Recht vergewaltigt und ein unschuldiger Mensch geopfert werde. Die Unterschriften. Aust, Reichsratsab^eordneter, Dr. Bartosek, Obmann der böhmischen Sektion des „Freien Gedanken“, Dr. Baxa, Bezirksrichter und Privatdozent der böhmischen Universität, Bcchyne, Reichsratsabg., Burival, Reichsratsabg., Capek, Schriftsteller und Redakteur der „Narodni Listy“, Cech, Reichsratsabg. und Präsident des Neuen Handelsgremiums Prag, Dr. Domjn, Universi- Universitätsprofessor, Dr. A. Dusek, Sekretär tätsprofessor, Dr. Droz, Primararzt, Dr. Drtina, der staatsrechtlich-fortschrittlichen Partei, Cyrill Dusek, verantwort!. Redakteur des „Cas“, Dürich, Reichsratsabg., Viktor Dik, Schriftsteller, Feltl, Reichsratsabg., Dr. Fr. Fiedler, Universitätsprofessor, Minister u. Reichsratsabg., Fresl, Reichsratsabg., Dr. Groh, Universitätsprofessor, Dr. Guth, Schriftsteller, Alois Hajn, Redakteur, Dr. Heyrovsky, Hofrat u. Universitätsprofessor, Dr. Heller, Redakteur der „Narodni Listy“, Dr. Herben, Chefredakteur des „Cas“, J. St. Hevera, Redakteur der „Narodni Listy“, Dr. J. Hlava, Hofrat, Universitätsprofessor u. Mitglied des Herrenhauses, Jos. Hölanec, Landtagsabg., Dr. Vaclav Hora, Universitätsprofessor, J. V. Hrasky, Hofrat u. Reichsratsabg., Marie Hübnerova, Mitglied des böhmischen Nationaltheaters in Prag, Dr. Hübschmann, Reichsratsabg., Charvat, Reichsratsabg., Dr. K. Chodounsky, Universitätsprofessor, Dr. Jesensky, Universitätsprofessor, Jirasek, kais. kön. Schulrat u. Schriftsteller, Dr. Kädner, Universitätsprofessor, Khoi, Bibliothekar des Laiidesmuseums, Klement, In dustrieller, Kliment, Mitglied des böhmischen Nationaltheaters, Prag, Klofac, Reichsratsabg., JUDr. Koldinsky, Bürgermeister der Stadt Smichow, Konecny, Reichsratsabg., E. Kostelecky, Industrieller, Dr. Kosek, Redakteur des „Ceske Slove“, Dr. Al. Kotrbelec, Bürgermeister der Stadt Tabor, Kovarovic, Opernchet des böhmischen Nationaltheaters, Prag, Dr. Kramarz, Reichsratsabg., Dr. J. Krejci, Universitätsprofessor, Dr. Frant. Krejci, Universitätsprofessor, Petr Krejci, Landtagsabg.. Kuchynka, Landtagsabg., Ladis. Kunte, Redakteur des „Cas“, Kvapil, Schriftsteller u. Schauspieldirektor d. böhmischen Nationaltheaters, Prag, M. Ph. Jan Laub, Landtagsabg., Lisy, Reichsratsabg., Dr. F. Lukavsky, Professor und Reichsratsabg., Macek, Schriftsteller u. Redakteur, J. S. Machar, Schriftsteller, MUDr. Maixner, Hofrat u. Universitätsprofessor, Dr. Malinsky, Vizepräsident d. Prager Handelskammer, Dr. Mandel, Landtagsabg., Marek, Reichsratsabg., T. G. Masarik, Universitätsprotessor u. Reichsratsabg., Mastalka, Reichratsabg„ Dr. Mayer, Schriftsteller u. Konzipist d. Prager Handelskammer, Dr. J. Messanv, Primari arzt, Motycka, Redakteur, Myslik, Redakteur, I Dr. Nejedly, Universitätsprofessor, Dr. Ing. Neumann, Reichsratsabg., St. K. Neumann, Schriftsteller, Dr. B. Nemec, Universitätsprofessor, A. Nemec, Reichsratsabg. für den Klub d. böhm. sozialdemokr. Reichsratsabgeordneten, Dr. Novak, Schriftsteller u. Universitätsdozent, Dr. Opocensky, Schriftsteller, Dr. Fr. Pastrnek, Hofrat u. Universitätsprofessor, Pelant, Redakteur, Dr. Podlipny, Obmann des böhmischen Nationalrates, Kar. Prasek, Geheimer Rat, Minester ,a. D. u. Reichsratsabg., Josef Prasek, Landtagsabg., Vac. Prasek, industrieller, Jan Prokes, Redakteur u. Reichsratsabg., Prunar, Reichsratsabg., Cyrill Ritter Purkyne, Professor der böhmischen Technischen Hochschule, Dr. Al. Rasin, Reichsratsabg., Dr. V. Rubeska, Universitätsprofessor, Sehnal, Landtagsabg., Sis, Generalsekretär der jungtschechischen Partei, Slavicek, Reichsratsabg., Stejskal, Redakteur und Reichsratsabg., Dr. Stoklasa, Hofrat u. Professor der böhmischen Technischen Hochschule, Ruzena Svobodava, Schriftstellerin, F. X. Svoboda, Schriftsteller, Alois Svojsik, katholischer Priester u. Schriftsteller, Dr. Saida, Schriftsteller, Dr. F. Selepa, Schriftsteller u. Redakteur der „Narodni Listy“, Sevcik, Professor des Konservatoriums in Wien, Fr. Simacek, kais. Rat u. Großindustrieller, Gust. Smejc, Redakteur der „Samostatnost“, Dr. B. Smeral, Reichsratsabg., Dv. J. Stolba, k. k. Notar u. Schriftsteller', Dr. Edv. Subrt, Reichsratsabg., F. A. Subert, Schriftsteller, Dr. K. Sviha, Bezirksrichter u. Reichsratsabg., Dr. Ant. Schauer, Advokat u. Landtagsabg., F. Schiller, kais. Rat, Stadtverordneter der königl. Hauptstadt Prag, Gust. Schmoranz, Architekt u. Direktor das böhmischen Nationaltheaters, Prag, Dr. V. Schuster, kais. Rat, Sekretär der Prager Handelskammer u. Landtagsabg., Dr. Tobolka, Reichsratsabg., Tusar, Reichsratsabg., Udrzal, Reichsratsabg., Vacek, Reichsratsabg., Dr. Vancura, Professor u. Schriftsteller, K. Vanck, Reichsratsabg., V. Vclflik, Hofrat u. Professor d. böhm. Technischen Hochschule, Prag, Vinzenz Vinar, Gutsbesitzer u. Landtagsabg., Dr. Vlcek, Universitätsprofessor, Vojan, Mitglied des böhmischen Nationaltheaters, Prag, Vojna, Reichsratsabg., Dr. Vojtisek, Schriftsteller, Zdenka Wiedermannova Motyckova, Redakteurin, Josef Ritter Wohanka, Mitglied des Herrenhauses u. Großindustrieller, Dr. Zimmer, Bürgermeister der Stadt Caslau, Karel Zelensky, Mitglied des böhmischen Nationaltheaters, Dr. Theodor Zivansky, kais. Rat, Vizesekretär der Prager Handelskammer u. Redakteur der „Narodni Listy“, Dr. Fliedr, Schriftsteller, Dr. Zd. Wirth, Konserv., Dr. O. Frankenberger, Universitätsprofessor. Schon oft wurde mit Worten und Kundgebungen gegen den Ritualmordwahn gekämpft und viele Nichtjuden von Rang und Ansehen, Gelehrte und Politiker, haben ihre Stimmen gegen die blutrünstige Verläumdung erhoben. Auch der letzte Naturforscherkongreß in Wien hat die antisemitische Blutlüge verurteilt. Doch konnten bisher die gewichtigsten und umfassendsten Demonstrationen der entsetzlichen Plage keinen Abbruch tun. Auch die vorliegende Kundgebung der böhmischen Intelligenz wird keine radikale Heilung schaffen und es ist leider noch fraglich, ob sie den Verlauf des Ritualmordprozesses in Kiew wesentlich beeinflussen wird. Unabhängig von jeder praktischen Erwägung muß es aber ausgesprochen werden, daß diese Kundgebung die größte und würdigste" Willensäußerung darstellt. Wenn man sagt, daß diese Namen!®SSS*»WWB*iBWH*Kr«H5Ee--S«SEK!5*B8H«'

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