Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 38, früher nur auf die arabische Arbeitsmethode schworen, geben jetzt zu, daß 200 Dunam gut bearbeitet, mehr als 400 Dunam, bearbeitet in der früheren Art, bringen. Man sieht nicht mehr die Misthaufen vor den Häusern und man ist auch nicht mehr ganz wie früher auf das arabische Gemüse angewiesen. Es gewährt eine besondere Freude, zu sehen, mit welcher Lust und Liebe die Kinder der Kolonie in den Gemüse- und Blumengärten arbeiten. Nun wissen Sie ganz'gut, daß diese wunderbaren Veränderungen nur dein Einflüsse der Arbeitergruppe zuzuschreiben ist. Unter diesem Einflüsse stand auch das öffentliche und moralische Leben der Kolonie. Umsomehr bedauert es die Kolonie und jeder Kolonisationsfreund, daß die Arbeiter demnächst die Kolonie verlassen sollten. Es ist klar, daß dadurch ein Rückfall eintreten wird, denn acht Monate sind eine zu kurze Zeit, um eine andauernde Wirkung auszuüben; Die neuen Kolonisten, die jetzt sich dort ansiedeln, würden audi nur unter dem Einfluß der Arbeitergruppe für die Kolonie von Segen sein; ohne sie werden sie bald den alten gleich sein. Darum erlaube idh mir, Sie darauf aufmerksam zu machen: Sie waren die Retter einer absterbenden Kolonie, bleiben Sie nicht stehen in der Mitte des Weges! Bevor man neue Positionen gewinnen will, muß man die alten halten. Um Kastinieh, das für Südpalästina ein Zentrum des Jischuws werden könnte, zu halten, gibt es keinen anderen Weg, als einen Teil der Gruppe dort zu belassen. Sie werden dadurch nicht bloß für Kastinieh, sondern für unsere gesamte Kolonisation in Südpalästina ein segensreiches Werk leisten.“ Ohne die Arbeiter ist die Kolonie abgestorben, mit ihnen lebt sie. Ich denke, solche Fakten sprechen mehr als lange Abhandlungen und sind die beste Rechtfertigung für den von uns eingeschlagenen Weg. Nicht kaufmännische, sondern nationale Arbeit Sie werden jetzt wohl auch verstehen, weshalb die mehrfach gehörte Forderung, wir müßten kaufmännisdi arbeiten, für die kolonisatorische Arbeit in Palästina absolut nicht paßt. Wollen wir kaufmännisch arbeiten, so müßten wir unsere .Arbeit ausschließlich daraufhin einstellen, daß jeder Betrieb am Ende jeden Jahres einen möglichst hohen Profit bringt; die zionistische Organisation und ihre Institute glichen dann etwa einer Aktiengesellschaft zur Erzielung möglichst höher Dividenden.’ Nun, -ich bin selbst lange Jahre Kaufmann gewesen und meine kaufmännischen Instinkte sind vielleicht nicht geringer als bei irgend einem anderen Juden. Aber ich rechne es mir gerade als Verdienst an, daß ich imstande bin, diese kaufmännischen Instinkte überall den höheren Anforderungen unserer nationalen Bewegung unterzuordnen. Wo keine kolonisatorischen Gesichtspunkte vorherrschend sind, legen auch wir Wert auf Geldverdienen und die Arbeit und die Dividenden der Immobiliengesellschaft zum Beispiel beweisen, daß wir das gar nicht schlecht verstehen. Aber nur jemand, der ganz und gar im kaufmännischen Getriebe verstrickt ist und über den Profiihorizont nicht hinausblicken kann, kann verlangen, daß dieser Profitstandpunkt auch in unserer ganzen kolonisatorischen Arbeit maßgebend sei. Ich sehe zum Beispiel in der Ausbildung von Arbeitern oder in der oben erwähnten Neubelebung einer Kolonie, die in den Büchern des Kaufmannes keinen Wert haben, Aktivposten von größtem Werte. Ich kann es mit größter Bestimmtheit sagen: die für den Kaufmann profitabelsten Unternehmungen in Palästina sind häuf in für unsere nationale Aufgabe die u n p r o f i t a b el s t en; und umgekehrt sind viele kaufmännisch unprofitable Unternehmungen von höchstem nationalem Wert. Ich verstehe überhaupt nicht, wie man sich vos teilen kann, daß eine Tätigkeit, die zum größten Teile darauf gerichtet ist, die Juden beruflich umzuschichten und aus Städtern zu Landwirten zu machen, nadh Profitrücksichten geleitet werden kann. Mit demselben Rechte könnte man Verlagen, daß unsere Schulen Dividenden zahlen. Ich verstehe aber auch nidit, wie man glauben kann, daß eine so gigantische Aufgabe, wie es die Heranbildung von städtischen Juden zur Landwirtschaft ist, ohne solche Erziehungsstätten und ohne jede Mithilfe unsererseits gelöst werden kann. Wollten wir systematisch Vorgehen, so müßten wir Dutzende von landwirtschaftlichen Schulen und Lehrfarmen gründen; wenn wir es nicht tun, so nicht deshalb, weil es nicht nötig ist, sondern weil der Mangel an Mitteln uns zur Besdiränkung zwingt Es ist auch irrig, wenn man glaubt, die Kolonisation dadurch auf eine kaufmännische Basis stellen zu können, daß wir uns darauf beschränken, bankmäßige Kredite an Ansiedler zu geben. Ich verkenne nicht die große Rolle, die dem Kreditwesen ip der Kolonisation zufällt, aber es kann diese Rolle nur dann spielen, wenn ihm Kolonisationsgesellschaften als Schrittmacher vorangehen. Es müssen erst neue beleihungsfähige Objekte geschaffen werden, bevor Agrarkredit gegeben werden kann. Es war gerade kürzlidi Gelegenheit, diese Frage eingehend zu erörtern. Von kompetenter Seite war uns vorgeschlagen worden, für den Agrarkredit die Form der Hypothekenlebensversicherung nutzbar zu machen. Die Idee ist an sich sehr beachtlich, aber nach langer Diskussion kam der Referent selbst zu dem Schlüsse, daß die Verwirklichung des Vorschlages das Vorhanden- " sein ertragsfähiger Parzellen in den Händen-arbeitsfähiger Elemente voraussetze. Nun, (diese Voraussetzungen .waren eben bis jetzt in größerem Umfange nicht da. Wir müssen sie erst schaffen und alle Tätigkeit unserer Farmen und unserer Parzellierungsgesellschaft ist gerade hierauf gerichtet. Es besteht also nicht etwa ein Gegensatz zwischen unseren Kolonisationsgesellschatten’ und dem bankmäßigen Kreditwesen, sondern sie sind im Gegenteil auf einander angewiesen und müssen sich gegenseitig ergänzen. Ohne Agrarkredit ist keine größere Kolonisation, aber ohne voll ergeh en d e Kolonisationsarbeit ist auch kein Agrarkredit möglich. ParteisHachrichten. Bericht des Westösterreichisc'hen Jugendtages. Der Westösterreichische Jugendtag wurde am 2. September in Wien abgehalten. Der Präsident der Wiener zionistischen Vereinigung, cand. arch. Ernst Freund, eröffnete die Tagung und konstatierte die Anwesenheit von 43 Delegierten zionistischer Jugendgruppen aus 23 Städten Westösterreichs. Hierauf brachte er folgendes Begrüßungsschreiben Dr. Max Nordaus zur Verlesung: „Freudigen Herzens begrüße ich den Westöterreichisdien Jugendtag, dessen Programm alles in sich begreift, was geeignet ist, jüdische Jugend zu jungen Juden zu erziehen. Zwei Ursachen — eigentlich zwei Anblicke derselben Ursache — sind es, die unsere Jugend dem Judentum entfremden: ihre tiefe Unbekanntheit jnit der Vergangenheit ihres Volkes und der Umstand, daß sie alle ihre Wissenschaft vom Judentum aus antisemitischen Quellen schöpft und. durch Lektüre, Umgang und Unterhaltung dazu erzogen wird, sich selbst und ihr Volk mit antisemitischen Augen anzusehen. Sie empfindet alle spezifisch jüdischen Eigenschaften antisemitisch, das heißt als abstoßende, hassenswürdige oder lächerliche Mängel, die man energisch abzustreifen, mindestens zu verbergen bestrebt sein muß, und sie weiß nicht von den Aktiven und passiven Großstaaten des jüdischen Volkes, die sie selbst jedem Fremden, sofern er es kennt, ehrwürdig machen, seinen eigenen Söhnen aber Begeisterung, Bewunderung und Stolz einflößen müssen. Der Wanderbund, der die jüdischen Jünglinge an den vertrauten, liebevollen Umgang mit ihren Altersgenossen gleichen Stammes gewöhnt, wird sie lehren, sich und ihre jüdischen Freunde mit jüdischen Blicken zu betrachten, das heißt, ihre jüdischen Eigenschaften nicht als Makel, den man verheimlicht, sondern als Werte, die man hochgesinnt hervorkehrt, zu empfinden. Das wird sie zu aufrechten juden machen, die sich geben wie sie sind, die nichts Gezwungenes, Aengstliches, Angelerntes an sich haben und die an sich die Schönheit des Natürlichen und Unbefangenen entwickeln. Der Unterricht in der jüdischen Geschichte wird sie zu Vollerben einer unvergleichlichen Vergangenheit von adliger Gesinnung, Charaktergröße, Heldentum und Idealismus machen und ihnen den Besitz sittlicher Reichtümer sichern, um den die Angehörigen jedes Volkes sie beneiden dürfen. Der Weg, den Sie nach Ihrem Programm einsChlagen, führt unfehlbar zum Z i onismus. Aber noch früher führt er zur Selbst- ' achtung und zur inneren Aufrichtung, die Lebensmut und Lebensfreude gibt.“ Nach einer Begrüßungsansprache des Herrn Ing. Rudolf Koppel, der als Vertreter des zionistischen Zentralkomitees erschienen war, und die Verdienste der Wiener zionistischen Vereinigung hervorhob, folgten die Referate. 1. Ziel, Zweck und Organisation des österreichischen Bundes „Blau-Weiß“ für jüdisches Jugendwandern. Referent: M. U. C. Otto -G e rsuny, Obmann der Führerschaft des jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß“, Wien. 2. Die Bedeutung der Tumbewegung für die Erziehung unserer Jugend. Referent: Dr. Henry Unna, Red. der jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport, Berlin. 3. Wie organisiert man Kurse aus jüd. Geschichte und hebräischer Sprache. Referent: Med, Isidor Klaber, (W. Z. V.). 4. Die jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport als Organ der organisierten jüdisdmationalen Jugend Westösterreichs. Referent: J. U. C. Heinrich Glanz, Vizepräsident der Wiener zionistischen Vereinigung. Nach mehrstündiger lebhafter Debatte wurden folgende Beschlüsse gefaßt: ad 1. Der am 2. September 1913 in Wien zusammengetretene westösterreichische Jugendtag erteilt sämtlichen auf ihm vertretenen Organisationen den strikten Auftrag, unverzüglich an die Gründung von Wanderbundgruppen in ihren Städten zu schreiten. ad 3. Der westösterreichische Jugendtag beschließt die Abhaltung von Kursen aus jüdischer Geschichte und herbräischer Sprache (einstimmig angenommen). Er erkennt die Wiener zionistische Vereinigung als kompetente Stelle zur Errichtung der Kurse an. ad 4. Der westösterreichische Jugendtag erklärt die jüdischen Monatshefte für Turnen und Sport als offizielles Organ der jüdischnationalen Jugendorganisationen Westösterreichs und verpflichtet deshalb die Mitglieder der angeschlossenen Organisationen zum Abonnement der Monatshefte. * * * Die angekündigte Versammlung des „Jüdischen Volksvereins“ findet Montag, den 22. September 1913 im Hotel Polonia, II., Rotensterngasse Nr. 9, statt. Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus] ladet ein zum Bezug des neuen Jahrganges der „Wiener Mode“. Jährlich 24 Hefte mit Schnittmustern und vielen tausend Abbildungen. Preis jährlich K 14.—, halbjährlich K 7.—, vierteljährlich K 3.50. Probehefte und Prospekte frei. Reiches Lager der besten Modezeitungen. Antiquariat. Provinzversand. Jüöisiüe Künstler-Marten Farbige Reproduktionen nach Bildern der Maler: Epstein, Krestin, Kaufmann, Schattenstein, Wachtel, Herschel, David Kohn, Eichhorn. Postkartenverlag Brüder Kohn Wien, I., Kärntnerstr. 29, Teinfaltstr. 15, Mariahilferstraße 15. Permanente Ansichtskarten - Ausstellung. Jüdifdier Sport. Deutscher Fußballklub Prag gegen Hakoah 6:2. Am letzten Sonntag weilte die Hakoah in Prag, um gegen den D. F. C. ein Wettspiel auszutragen, welcher derzeit die beste Mannschaft der Monarchie ins Feld stellt. Schlug er doch am vorhergehenden Sonntag den ungarischen Meister Ferenzvarosi, der seinerseits vor kurzem gegen die Meistermannschaft des Rapid in Wien unentschieden spielte. Einer solch vorzüglichen Mannschaft einen ernsten Gegner abgegeben zu haben, ist für die Hakoah ein großer Erfolg. Hielten wir doch das Treffen durch eine ganze Stunde unentschieden, bis Grasgrün infolge einer Verletzung ausscheiden mußte und die so geschwächte Mannschaft nicht mehr vollen Widerstand leisten konnte. Der beste Mann im Felde war Halpern, der eine glänzende Leistung vollbrachte. Sein hervorragendes Spiel riß zu wiederholten Malen die Zuschauer zu stürmischem Applaus hin. Nachstehend der Spielverlauf: Hakoah hat Abstoß, doch D. F. C. geht sofort in den Angriff über, und Halpern muß bereits mehrere Male rettend eingreifen. In der achten und zehnten Minute werden zwei Eckstösse von Halpern unschädlich gemacht. Nun geht Hakoah in die Offensive. Weinberger schießt aufs Tor. Hierauf Eckstoß gegen D. F. C., der unausgenützt .bleibt. In der 15. Minute klärt Glasel eine gefährliche Situation. Eine Minute später .muß Halpern einen Bombenschuß des Halblinken Less, eines Engländers, passieren lassen. Die Hakoahner lassen sich aber nicht entmutigen. Sie gehen in die Offensive. Ein Corner und ein schöner Lauf Gansls, der mit einem Fehlschuß endet, sind die Ausbeute. Hierauf wehrt Halpern einigemale glänzend ab. ln der 26. Minute gelingt es dann Gansl, nach schönem Zusammenspiel unhaltbar einzusenden. Einigemäle sind dann die Unsrigen daran, die Führung zu erringen, doch das Glück ist dann nicht auf ihrer Seite. Halpern hält dann einige schwere Bälle. Einmal fällt er zu Boden, doch Mehler rettet. Halbzeit: 1:1. Nach Wiederbeginn legt der D. F. C. ein formidables Tempo vor. Halpern bekommt schwere Arbeit. Ein Eckstoß gegen D. F. C. wird verschossen. In der 10. Minute diktiert der Schiedsrichter einen Elfmeterstoß gegen Hakoah, den Merz unhaltbar einschießt. Bald darauf ergibt sich für die Unsrigen die gleiche Chance. Sträußler stellt mit einem plazierten Schüsse den Ausgleich her. Dann wird Grasgrünverletzt und kann nicht mehr mithalten; dadurch wird die Angriffskraft. gebrochen. Die Hintermannschaft wird überlastet und muß alle^TWirx««r.-..