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Jüdische Zeitung · 1913-09-05 · 37 (5.9.1913) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
37 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 gung für eine landwirtschaftliche Bearbeitung nicht .günstig waren. Es wäre zum Beispiel vieä besser gewesen, statt zweier Terrains von je 2000 ein Terrain von 4000 Dunams zu haben; die Ausgaben .für Verwaltung, Gebäude, Wasserbeschaffung, Bewachung hätten sich dadurch vid niedriger gestellt. Aber es stand nicht in unserer Macht, dies zu ändern. Die Terrains waren einmalda und erheischten die Beafbei-- tung. Da wäre es natürlich ganz verkehrt gewesen, wenn wir diese Terrains wegen der angeführten Mängel ihrem'Schicksal überlassen und für den Herzlwald ein neues Terrain gekauft hätten. Es war hntner.noch besser, auf diesen Terrains mit höheren Kosten den Herzlwald zu pflanzen, als sie allen Gefahren preiszugeben, die mit der bis dahin geübten Verpachtung an Araber verbunden war.. Die beiden Farmen bestehen jetzt fünf, bezw. vier Jahre. Sie haben alle Aufgaben erfüllt, derentwegen -sie gegründet waren. Freilich, wenn man die Pflanzung des Herzlwaldes als Selbstzweck. betrachtet, So hätte man wahrscheinlich leichter dazu kommen können,. wenn. man!, die Anpflanzung unter Aufsicht einiger Kolonisten durch die Araber ,der- Umgegend hätte vornehmen lassen. Es bestand damals in - unseren Kreisen große Neigung dazu. Aber ich rechne es mir zum' Verdienst an, daß ich diesen Wünschen nicht nachgegeben und von vorneherein die Pflanzung des Herzlwaldes nicht als Selbstzweck behandelt, sondern aus ihr ein Mittel zur Errichtung und Unterhaltung zweier. Farmen gemacht habe. Der Herzlwald selbst kommt dabei nicht zu kurz; seine Anpflanzung ist fast beendet und in drei bis vier Jahren werden wir bereits’ die ersten Erträge haben. Allerdings ist es möglich',- daß der einzelne Öelbaum sich nicht auf sechs Marie, wie Inan vor mehr als zehn Jahren berechnet hatte; sondern einige Marie teurer stellen wird, oder daß der Preis von sechs Mark als Durchschnitt nur dann bestdien bleiben wird, wenn man auch die anderen, als Zwischenkulturen gepflanzten Bäume hinzurechnet. Ich weiß nicht, ob bei irgend einer anderen Wirtschaftsart, selbst mit arabischen Arbeitern, der Oelbaum heute mit M. 6; zu pflanzen ist, denn die Preise für menschliche und tierische-Arbeit sind in Palästina in den letzten 10 Jahren' gestiegen und man rechnet heilte allgemein die' Kosten für den Punam Oliven .ohnedem Bodenpr-eis auf M. 90 bis 100,. also für<-den-Baum auf M.;9; bis 10,. .Aber auch selbst wenn : in unserem. Farmbetriebe mit jüdischen Arbeitern die Kosten höher Wären, kann, nach .meiner Meinung noch immer nicht der'geringste Zweifel darüber bestehen, daß wir .-doch, fliesen Weg gdien müssen, .weildie Farm»; für.jims femen''unschätzbaren kölohisätorisdifctf 'Wert' haben; -öfeFarm Ben Schemen z. B.'.fiat als erste die Milchwirtschaft in den jüdischen Kolonien eingeführL Bis dahin hätte keine einzige jüdische Kolonie eine-rationelle Milchwirtschaft; kein einziger Liter Milch kam von den jüdischen Kolonien-zum Verkauf in die Stadt An schönen Reden an die Kolonisten, daß sie sich doch der Milchwirtschaft annehmen möchten, hat es nicht gefehlt; aber der Erfolg . war gleich; Null. Man hörte stets den Einwand, daß im Winter der Milchpreis zu niedrig sei, um die Milchproduktion lohnend zu machen und im Sommer, .-wenn der Milchpreis hoch sei, -fehle es -an -Futter und deshalb auch an Milch. In mehrjährigen Versuchen,' bei denen wir vieles'den Erfahrungen der benachbarten deutschen Kolonien verdanken, hat der Leiter unserer Farm, Ben Schemen, den Futterbau studiert und durchgeführt Der Erfolg war, daß die benachbarte Kolonie Ekrondie- Sache sofort nachmachte und daß heute Ben Schemen und Ekron Teil Awiw täglich mit ’ Milch und Milchprodukten versorgen. Andere Kolonien sind im Begriffe dasselbe zu tun. Was theoretische Belehrungen und Ermahnungen niemals vermocht hätten, hat das praktische Beispiel in kürzester Zeit bewirtet WjJr. werden den Kolonien bei der Aufnahme der Vidiwirtschaft in einiger Zeit noch eine weitere wesentliche Hilfe leisten können. Die Rinderrasse Palästinas ist schlecht und gibt wenig. Milch. Wir haben uns für die Farm Ben Schemen eine Anzahl guter. Zuchttiere vom Liba-. non beschafft und aus diesem Stamm werden wir allmählich alle Kolonien mit. guten, Zuchttieren versorgen können. Die Folgen dieser Aufnahme der Vidiwirtschaft Sind ganz, uriüber-, sehbar, denn Viehwirfsdhaft gibt Dünger und Dünger gibt gute Ernte. Einen außerordentlichen Nutzen haben die beiden Farmen auch dadurch gebracht, daß sie als erste die Anpflanzung von Oliven und Manddn im Großbetriebe mitjüdischen Arbeitern durdiführten und dadurch für die privaten Pflanzungsgesellschaft ein lebendiges Vorbild Schufen. Wenn wir den für den Fortschritt der Kolonisation so außerordentlich wichtigen . Typus der Pflanzungsgesellschaften schaffen und die zahlenmäßigen und technischen Unterlagen dafür liefern konnten, so verdanken wir dies zum großen Teile den Erfahrungen, die uns unsere Farmen gäbem ■ Als deri größten Nutzen der Farmen sehe ich' aber die Heranbildung -von; jüdis'dien „Arbeitern an. Wenn in den letzten Jahrender fast schon versiegte Zustrom von jungen LeujÖOjSeHE ZEITUNG -.. ten nadi Palästina-wieder zu fließen beginnt, [wenn die Zahl dpr^vjüdisdien . landwirtschaftlichen Arbeiter, die.; Vpr fünf Jahren kaiim 300! betrug, sich inzwischen verfünffacht hat, so ist , dies..nach übereinstimmender Ansicht aller Kenner der Verhältnisse in erster Linie, den neuen; Farmen zuzuschreitjen. Ohne die Farmen hätten i die jungen Leute, zum allergrößten Teile keine \ landwirtschaftliche;jßesdiäftigung finden können.; Der junge; Einwanderer ist im Anfänge durch , den Klimawechsel;aUnd durch „seine Unkenntnis ,- meist ein so schwacher Arbeiter, daß kein prii vater Kolonist ihn.^beschäftigen .will. Der Kolpr jnist will und kann .auch häufig kein. Lehrer .sein und will und,'-kann seinen Betrieb nicht . zu einer Schule, machen. Er braucht einen Arbeiter, der die Arbeit, Schon kennt. Die Folge ist, daß der erfahrene jüdische Arbeiter in 'den Kolonien jederzeit Arbeit finden kann, der .neue. Ankömmling jaber wochenlang vergeblich nach Arbeit sucht;!--Dieser Mißstand war seit; langem bekannt utid es sind schon viele Mittel zu seiner Beseitigppg vorgeschlagen worden. Aber erst unsere Farmen: haben, indem' sie neue Einwanderer als Arbeiter aufnehmen und ein volles Jahr ausbildep,;-praktisch eingegriffen .und Besserung gebracht^ im Laufe der vier bis fünf Jahre , ihres Bestehens haben Ben Schemen .und Hulda eine .stattliche Zahl von Arbeitern ausgebildet und fast alle sind in Palästina geblieben und haben in_den Kolonien ihre Existenz ' gefunden. Was sie ihrerseits für die Neubelebung der Kolonienjjlejsten, dafür will ich Ihnen lein Beispiel 'erzähreef.1 Im ''vorigen Jahre kauften wir in der seit ^zwanzig Jahren existierenden Kolonie Kastinieh etwa tausend Dunam Boden und verkauften ihn;;an auswärtige Käufer. Da die neuen Käufer nicht so schnell kamen und der Boden bearbeitet werden mußte, schickten wir zu diesem Zwecke acht.:Arbeiter aus Ben Schemen und Hulda, mach Kastinieh. Etwa ein halbes Jahr später,kamen .die Käufer und wir wollten nunmehr .unsere Arbeiter wieder aus Kastinieh zurückziehen. Da erschien bei mir vollzählig der Waad, von Kastinieh und bat mich flehentlich, das-nicht zu tun und die Ar-: ' beiter weiter in Kastinieh zu belassen. Seitdem }die-Arbeiter dörf^4^n,.rhö-csche ein ganz an- 'deres- Leben-in, deKRcübnife;/durch die-'Arbeiter hätten sieüberhatrp^—erstgelernt, was Arbeit . sei und„-sie . sah eolj^tzt ein, daß ihre ganze frühejje Arbert^eim^eiaghtcE^geweseh sei (ich . zitierfe wörtlich). Sea seien „abgeschwächt“ ge- wesend und'hötterifedie Arbeit schon, verlernt; jetzt begännen siet selbst wieder aufs-,'Feld zu -gehen. Sie hätten^ da sie ja nur eine Vkleine . Kolonie und alte-Leute seien, vor den.NacHbam 1 gezittert und häm^Tcaum Mut gehäj^-tfjii die-; senr Jahre überHäUprt zu säen; jetzt;'nach5 der Ankunft der . Arbiter zitterten die Nachbarn; vor ihnen. , i 5 - v :;; %.> *>. * j Die Fortsetzungv-des Referats folgt in der nächsten^umüieriHiN 5 ' Hierauf filebatte über-' das Palästinareferät R^pijä,lin;^er Trietsch, Jacobus : Kann,.'Sch^naEja David YelJ-in, So-’ k o 1 o Wi *U S-s i s Aronowitsch, Dr. Bogriatsch ew,\5*§jSho:cha t, S Iman u. a.' - sprachen;; Nach, .fedpftj; Schlußwort Dr. Rop-; p i ns.-bringt" DrcdKli i p er n eine Resolution : ein, inder die Aijpat des Palästinaamtes gebilligt -und .'deren-;®gjtsetzung auf der bisherigen Grundlage gejpdert wird. : -"In;~',deit Mpn®tf:Na-chtsitzung wird das: Referat über ÄSct Kulturfonds. „K e -! dem“; erstattet; lr|Biier Debatte sprechen u. a. “U s s i s ch ki n, deüjjyb'fie Reihe Resolutionen beantragt; Hierauf ffljft Prof. Weizmann das Referat über „Dierpebräische Universität in Jerusalem“. (Folgt irffder nächsten Nummer;) Ussischkin macht*jfjie Mitteilung, daß für den Universitätsfonds bereits 365.000 Francs gezeichnet wurden. (Stürmischer Beifall.); ‘ Folgender Antrag wird mit allen gegen drei! Stimmen angenommen: „Do- Kongreß beschließt,' das A. C. zu beauftragen : feine Kommission einzusetzen,' zum . Zwecke der vorbereitenden Arbeiten für die Gründung einer hebräischen Universität in Je-*; rusalqni.“ ■;ä,.. i In . den, Di e n'Cta g s i t z u,n gen wird die Debatte .über denl^-Kulturfonds „Kedem“ und .die' Universität-.-.abgeführt. . Bankdirektor-Ifmt-zerieilsohn .erstattet das Referai überjdife',,Jüdische Koi'o-nial- . bank“ ' :. ' ... *-sf- * - -;. .Vr t # ' ' . Die Schlußsitzung des Kongresses. . Dienstag, am Abencjjdes 9. September; 93/4 Uhr. 1 In der ' letzten .^Sitzung des XI. Zionisten-;kongresses wurde das von der Budgetfeomtnission. ' des Permanenzausschusses revidierte Budget be- ' raten, das nunmehrhiäch dem Bericht Dr. H e y- man ns in-Einnahme und Ausgabe mit 242.000 Markabschließt, j^egeriüber dem Voranschlag des E. A. C., der'mit 226.000 Mark balancierte. Der Einspruch Cöwfens gegen einen Posten des . Budgets wurde dinxh ’ die' nahezu einstimmige •Ann-ah-m e des-.:^Sgfets -erled^L- Die Vorschläge-- des- Perinanenzausschusses •wurden dem“Kongreß-'wieder~votl ‘denr'traditio- Z ..- . Nr.~37 ’ rfii’- nellen Referenten dieses Ausschusses, Pröftf Dr. W eizmann, unterbreitet. Für das E n.gere Aktionskomitee würden vörgeschläben: Prof, Dr.. Otto;Wa rb urg—Berlin;;'/*v Rechtsanwalt Dr. Artur Han t k e-fßerlin; Dr. Victor J a cobsoti—Konstanfinöp^j, Dr. Schmarja Levin—Haifa; . Nah’um' Sokolow—Berlin; \.,g Dr. Jechiel Tschlenow—Moskau. n Die Liste wurde einstimmig en blocf-'angenommen, ln das Große Ak-tio-n-^VK'o- : m i t e e Wurden , auf Vorschlag des Permäftfenz- ^ausschusses gewählt: David W olf fsohn—Köln, ijüstizrat Dr. M. I. Boden he im er—Kölnp*Jean iFisch er—Antwerpen, Dr. Frank—AltonaVäDr. IFri edm ann—Wiesbaden, B. A. Goldrg - Wilna, Dr. H. G.- H eym a n n—Berlin, Wladimir ■ I d e 1 s ohn—Petersburg, Jakobus Kann—Hffig,. Ingenieur Kessle r—London,-. Rechtsantvalf-MQf. 1 Kl ee-Berlin, Ingenieur K rehi e rifetzjc y-Wieni 1 Dr.: Alexander M a-r m o r e-k—Pari?,' Leo-Mi.ofvi-, ikin—Berlin, Naiditsch—Moskau, I. PodlT-l schewsk.i—Warschau, Dr. Leon Reich—Lern0.1 iberg, Rosoff—Petersburg, Rechtsanwalt S. R'ö^;; s eh b a u m—Minsk,' Heinrich S ch e i n—Gala®*1; Julius S i m o n—Mannheim, Adolf S t a n d-^Leift-“ berg, Oberingenieur S t r'i ck er—Wien, Ingenien?-'5 M.. Ussischkin—Odessa, Prof. Dr. Chaimw W e i z m a n n—Manchester. '; Prof. Warb ilrg sprach danach dem: Prä;': sidium den Dank .aus, b^rüßte die Wahl' DF" T s ch 1 eh o'ws in das Engere! Aktionskomitee^ und verweilte in wannen Worten bei der sym-;[| pathischen. Haltung der Wiener Bevölkerung undher österreichischen Presse. *. Die folgende Resolution, die von Räbbinef Dr. Osias T.ho n—Krakau . eingebracht' wurde;' fand debattelös die Zustimmung des Kongresses':* „Der Zionistenkongreß als' legitime Vertretung der größten jüdischen Organisation, aus allen Ländern der Welt erhebt aus Anlaß’ des Kiewer Beilis-Prozesses feierlich Protest gegen die-,ung eh euer-li che Beschuldigung, daß es Juden-gäbe, die zu Religionszwecken.. Menschenblut verwenden. Wir brari dm ärk eh es äl s ein en Schand-. fl’eck unserer Zeit, daß man es wagen kann, einen solchen wahnwitzigen Verdacht zu erheben gegen, unser’ Volk, das drei Jahrtausende menschheitlicher Hochkultur durchlebt hat und das der Menschheit Nächstenliebe und Humanität gelehrt. Im Namender Solidaritätder gesitteten Menschheit fordern wir die gänze Kult Urwelt auf, gemeinsam mit uns den Kampf zu führen gegen ' die finstere Barbarei, und uns zu helfen, unsere geschändete^Menschenwürde und verletzte Val? •-'Kfesefife iu Vateidigeri und zu 's'chützen'.1“ Sodann erhielt Chaim'Nahum Bialik, der berühmte hebräische Dichter, das Wort zu einer Ansprache, in der '.er die Gründung der j ü d is.c h e n U n i v e r s i t ä t in Jerusalem als den Beginn einer neuen Aera feierte. Ingenieur Syrkin, Kiew, dankte dem Präsidenten des Kongresses David Wolffsohn für die umsichtige .Leituni? der Verhandlungen. Mit einem Schlußwort Wolffsohns und dem tausendstimmigen Gesang der „Hatikwäh“ wurde der XI. Kongreß geschlossen. NiofograpMsdK Runsluertutäße Sophie Stark Wien, II., Roten Sterngasse 33. Für Kongreßgruppen und Vergrößerungen ermäßigte Preise. ' Die Niederlage der Karmelweine be- \ findet sich bei'S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Ol HUGO HRG Wien, II., Taborstr. 17 [Hirschenhaus]. Schulbücher für alle Anstalten, heu und antiquarisch. Wörterbücher und Hilfsbücher Zur Vermeidung des großen Andranges , beim Schulbeginn wird um rechtzeitige Bestellung gebeten.. Antiquariat. Provinzversand. liiOisihe Künstler-Marien Farbige Reproduktionen hach Bildern der Maler: Epstein, Krestin, Kaufmann, Schattenstein, Wachtel, Herschel, David Kohn, Eichhorn. Postkartenverlag Brüder Kohn Wien, I., Kärntnerstr. 29, Teinfaltstr. 15, Mariahilferstraße 15. Permanente Ansichtskarten - Ausstellung.

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