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Jüdische Zeitung · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XH« NfflTORL -JUDI5CHE5 ORGAN WXX fiTtrmu ■■■:■■.■■■■■■■■■■■■■■■■■• nVn ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: ' Wien, 11., Kanneliterplatz Nr. 1. -- Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zuriickgestelit. — Abonnementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. * ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. g Nr. 30. Wien, Freitag, den 25. Juli 1913 VII. Jahrgang [n memoriam. Als Herzl starb, schrieb Achad Haam, der Größte unter Herzls Gegnern, daß die Gestalt Herzls im Laufe der Jahrhunderte zu immer größerer Bedeutung heranwachsen werde. Die nachfahrenden Geschlechter werden in dem toten Zioriistenführer nicht den Parteimann, sondern den großen Juden und machtvollsten Erwecker der Diaspora erblicken. Dieses Urteil ist richtig. Und darum kann man sagen, daß noch keine richtige Distanz zwischen Herzl und unserer Zeit vorhanden ist. Wir erblicken in ihm noch vorwiegend den Schöpfer der zionistischen Organisation und vergessen an seine weit über Zeit, Raum aber auch Partei hinausragende Bedeutung. Will man, sofern es jetzt, da noch nicht ein Jahrzehnt seit seinem Todestage verstrichen, die Bedeutung Theodor Herzls in eine kurze Formel zusammenfassen, so ließe sich nichts besseres sagen als: Theodor Herzl ist d i e größte jüdische Persönlichkeit der letzten Jahrhunderte. Das will näher erklärt sein! Persönlichkeit nennen wir ihn darum, weil er der innerlich geschlossenste Jude der Diaspora war, weil von den feinsten Ausläufern seines Fühlens bis zu zu seinen Taten eine einzige, nirgends gebrochene Linie lief. Wie er fühlte, so dachte er, wie er dachte, so spracht er; und wie er sprach, so handelte er! Ein ganzer, ungebrochener Mann! Weil er sich durch keinerlei Rücksichten von dem Wege, den er für richtig hielt, abbringen ließ, darum war er eine große Persönlichkeit. Warum aber gaben wir ihm das Epitheton „jüdische“ Persönlichkeit? Wenn es richtig ist, die Völker nach ihren größten, am nachhaltigsten schöpferischen Männern zu beurteilen, so wird man uns Juden, ähnlich wie man die Deutschen das Volk der Dichter und Denker nennt, als Volk der Propheten und Religionsstifter ansprechen müssen. Nicht, daß wir der Meinung wären, daß andere Völker der Propheten und Religionsstifter entraten oder keine pathetischen, das Universum, als ethische Kategorie auffassenden Gestalten besitzen! Aber das jüdische Volk hat die meisten und pathetischesten Propheten gehabt! Nicht die Qualität der Prophetie, sondern das Uebermaß an Propheten stempelt die Prophetie zu einer jüdischen Erscheinung! Und Hauptmerkmale der Prophetie sind Pathos und Ethos! Alle großen Juden, begonnen von Moses bis Spinoza und Marx waren Radikale (und das sind Pathetiker, Extatische) und vorwiegend Ethiker. Und einer der radikalsten, pathetischesten und vorwiegend ethischen Juden war Theodor Herzl. Die Unbeugsamkeit seiner Ueberzeugung, der nicht zu erschütternde Glaube an sein Ideal, das war das Herzlische Pathos! Seine Freiheitssehnsucht, seine Träume .von einer Heimstätte, wo Gerechtigkeit, Gleichheit und Wohlfahrt zu Hause sein werden; sein Glaube, daß die aitneue Heimstätte ein Vorbild der Gesittung der sozialen Gerechtigkeit darstellen wird, das war sein Ethos! Darum lag auf Theodor Herzl der Abglanz der Propheten, darum schallte seine Stimme, wie die eines Jesaia, durch die Erdteile und wird durch Jahrhunderte in den Ohren seiner Stammesgenossen dröhnen: es lag in ihr das Pathos und das ethische Wollen des jüdischen Genius! ~Netm«Jahre sind seit seinem- Todestage verstrichen, ln der Stadt, wo er für sein Volk gelebt, gestrebt und wo er als Opfer der übermenschlichen Arbeit fürs Volk allzufrüh ins Grab sank, wird heuer der XL Zionistenkongreß, wohl die größte nationale Demonstration des Galutjudentums, tagen. Tausende und Abertausende werden an seinem Grabe vorüberziehen. Mögen sie daran denken, daß man versprochen, seine Gebeine nach Palästina zu überführen! Sie mögen daran denken und arbeiten, daß dieser Tag bald komme, damit die Ueberreste des größten jüdischen Tribunen die letzte Fahrt ins gelobte, erträumte und mit Blut und Schweiß erarbeitete Land antreten können! Rundschau. Hermann Bahr. Wir haben selten Gelegenheit einen bedeutenden Niclitjuden wegen seiner Haltung gegenüber den Juden aus vollem fclerjen zu feiern Zumeist sind die Großen der europäischen Völker mehr oder minder antisemitisch; viele gehen an der Schmach der Judenverfolgungen und des Antisemitismus achtlos vorbei; eine verschwindende Anzahl macht in salbadernden Philosemitismus, der sich auf gedrechselte Phrasen von Fortschritt und Toleranz beschränkt und der einen bewußten Juden ebenso unsympathisch sein muß wie andere gesellschaftliche Heucheleien. Verständnis für die jüdische Frage und die jüdische Art bringen die wenigsten auf. Hermann Bahr, der vor einigen Tagen fünfzig Jahre alt wurde, ist eine rühmliche Ausnahme. Er hat den Alut die Judenfrage voraussetzuiigslos zu betrachten und den Juden Gerechtigkeit, die jenseits von Antipathie und Sympathie liegt, widerfahren zu lassen. Und das muß jedem anständigen Juden gerade recht sein. Wir wollen nicht unterschätzt werden. Wir wollen verstanden sein. Und Hermann Bahr tut das. Unvergeßlich werden seine Reden zur Judenfrage bleiben. Hermann Bahr, der Nichtjude, war es, der den Satz geprägt hat: „Ob ein Jude Zionist ist oder nicht, ist zumeist eine Frage seiner persönlichen Anständigkeit!“ In Wien sprach er über Herzl und erklärte, daß es vielleicht sein größtes Erlebnis sei, daß er diesen bedeutenden Juden der letzten Jahrhunderte Freund nennen durfte. Bei einer anderen Gelegenheit, anläßlich eines Bibelabends, sprach Bahr von der ungeheuren, jüdischen Vitalität, die eines der interessantesten Phänomens der menschlichen Geschichte darstelle. Aber auch für die Lächerlichkeiten und die Fehler der Juden hat Bahr ein scharfes Auge und verdammende Worte. Für die uns ehrenden, wie auch für die bitteren Wahrheiten sei ihm, dem ewig-jungen, tapferen und wahrhaft freien Manne unser aufrichtiger Dank! * * * Erteilung der Staatsbürgerrechte an die jüdischen Soldaten in Rumänien. Aus Bukarest kommt eine sehr wichtige Nachricht. In einer der letzten Sitzungen des rumänischen Senates interpellierte der Senator Lahovary die rumänische Regierung wegen der Staatsbürgerrechts der unter die Fahne berufenen jüdischen Soldaten in Rumänien. Der Finanzminister antwortete daraut im Namen der Regierung, daß die gegenwärtig im Felde stehenden jüdischen Soldaten nach dem Kriege aller jener Rechte teilhaftig werden sollen, welche die übrigen rumänischen Staatsbürger besitzen. Der Vorstand der Israelitischen Union jn Rumänien sprach auf Grund dieser Erklärung beim Kriegsminister vor und erhielt die Mitteilung, daß nach der Demobilisierung die jüdischen Soldaten nicht einzeln bei der Kammer und dem Senat um Gewährung der Staatsbürgerrechtc einkommen müssen, sondern daß die Regierung der Kammer einen Gesetzentwurf vorlegen werde, demzufolge alle jüdischen Soldaten, die jetzt unter die Fahnen berufen wurden, korporativ die rumänischen Staatsbürgerrechte erhalten werden. Es bleibt abzuwarten, ob das gegebene Versprechen auch eingehalten wird. Unser Mißtrauen ist durch das Verhalten Rumäniens, das den Berliner Vertrag his heute unter nichtigen und rabulistischen Vorwänden zu umgehen verstand, nur zu berechtigt. Man muß aber, selbst für den Fall, daß den 15.000 jüdischen Soldaten Photograph Nachim Chefez II., Taborstraße 41. Erstklassiges Atelier fiQnstlerisdier Richtung. Langjähriger Lieferant der Kultusgemeinde, empfiehlt sich den Kongreßmitgliedern für sämtliche in das Fach einschlagende Arbeiten auf das Beste. Das ‘Atelier befindet sich im Parterre. Telephon 22195.

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