Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 26 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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nrtiönfil -jüdisches drgrn vxm rWum »■■■■■ •■■■■■■■■■■■■■■■■■ mmtrmu JÜDISCHE ZEITUNG B Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaulnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3;—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. J ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon' 22.075. ■ Nr. 26, Wien, Freitag, den 27. Juni 1913 VII. Jahrgang Wieder eine Judendebatte im deuifdien Reichstag. Vergangene Woche wurde im Deutschen Parlamente heftig über die Juden disputiert. Es handelte sich wieder einmal um die Frage der Nichternennung jüdischer Reserveoffiziere. In einer blutrünstigen Rede wetterte der Oberlehrer Dr. Werner (Gießen), der Lehrer der Antisemiten, gegen den jüdischen Einfluß. Er sagte unter anderem: „Das Judentum eignet sich nicht für den Militärdienst in dem Maße, wie Sie glauben. (Lachen.) Wieviel Juden haben sich denn nach China gemeldet. Wieviel waren dabei, als der englische Admiral rief: Die Deutschen vor die Front? Wieviel waren in Afrika? (Zurufe.) Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Nach einer Aeußerung des bayrischen Ministers v, Wehner sind die Juden auch zum Schuldienst nicht geeignet. Das sind aber Imponderabilien, die im Blute liegen. (Lachen links.) Unter den Juden befinden sich viele revolutionäre Elemente. (Huhu-Rufe der Sozialdemokraten.) Wenn ich Ihren edlen Kreis betrachte, so habe ich gleich den Beweis. (Zuruf rechts: Der Abg. Heine war früher auch Antisemit.) Ich bedaure, daß der Abg. Heine mit dem zunehmenden Alter die Vernunft seiner Jugend aufgegeben hat. (Große Heiterkeit rechts.) Wir lehnen die jüdischen Offiziere ab, erst recht, wenn sie getauft sind. Man sollte die Juden ein jüdisches Regiment bilden lassen. Wenn das erste jüdische schwere Reiterregiment über die Aecker dahinbraust, dann werde ich aus vollem Herzen singen: Das ist Bernsteins wilde, verwegene Jagd! (Große Heiterkeit rechts.)“ Er fügte auch noch ein Lob auf den getauften Juden Maximilian ,H a r d e n, dem Herausgeber der „Zukunft“, hinzu, dem er nachrühmte-, daß er dem Antisemitismus „objektiv“ gegonübersteht. Dieser getaufte Lump ist auch tatsächlich immer den Antisemiien nachgekrochen. Dem Abgeordneten Werner antwortete der Zentrumsführer Erzberger sehr energisch, insbesondere die Worte, die er über die Täuflinge sprach, sind dankenswert und können als Anzeichen dafür betrachtet werden, daß die Herrlichkeit der Taufjuden ein baldiges Ende nehmen wird. Erzberger sagte: „Wenn ich als Angehöriger der katholischen Konfession, und wenn Sie, Herr Werner, als Angehöriger der evangelischen Kirche Respekt und Achtung vor Ihrer religiösen Ueberzeugung verlangen, dann muß Sie das schon abhalten, in dieser Weise die religiöse Ueberzeugung Andersgläubiger anzugreifen. (Lebhafte Zustimmung.) Es muß um eine Sache äußerst schlecht stehen, die mit solchen Mitteln verteidigt wird, wie sie hier der Abg. Dr. Werner angewandt hat. (Beifall.) Ich protestiere mit aller Entschiedenheit dagegen, wenn Herr Werner sagt, ich hätte manchmal antisemitische Aeußerungen getan. Das habe ich nie getan, und das werde ich nie tun, weil schon mein Geschmack mich daran hindert, jemand zu schmähen, der einer anderen religiösen Ueberzeugung zuneigt. (Beifall.) Ein wirklich religiöser Christ -muß auch den jüdischen Mitbürgern im deutschen Vaterlande dieselbe Achtung und denselben Respekt entgegenbringen, die er für seinen Glauben verlangt. Darin stimme ich allerdings Dr. Werner durchaus bei, daß scharf zu verurteilen sind diejenigen Juden, die wegen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Vorteile dem Glauben ihrer Väter ohne innere Ueberzeugung entsagen. Diese Verurteilung gilt aber auch allen denen, die einem solchen Mann, der nur aus äußeren Gründen seine Religion verleugnet, die Tore öffnen, die ihm bisher verschlossen waren. (Zustimmung.) Nach der deutschen Reichsverfassung ist jeder Bürger gleichberechtigt, auch jeder Jude. Wenn Dr .Werner den Juden die Eignung zum Militärdienst abspricht, so sollte er doch einen Antrag erbringen, wonach die Juden nicht militärpflichtig sind. Aber er wird selbst nicht den Mut zu einem solchen Antrag haben.“ Nachdem noch einige sozialdemokratische Redner gegen Werner polemisiert hatten, ergriff der jüdische liberale Abgeordnete W a 1 d s t e i n das Wort und führte aus: „Ich kann als Reichstagsabgeordneter nur bedauern, daß eine derartige Rede hier gehalten werden konnte, es genügt aber, was von anderer Seite dieser seltsamen Rede entgegengehalten wurde. (Beifall links.) In meiner Eigenschaft als deutscher Jude kann ich nur sagen: Herr Dr. Werner, halten Sie noch viele solcher Reden, und Sie werden das bißchen Rest von Antisemitismus, das leider noch in Deutschland besteht, vollends totschlagen.“ Das muß man sagen, der typische Repräsentant des liberalen Judentums hat sich die Sache leicht gemacht. Er läßt die anderen reden und leistet sich als echter Vogeistraußpolitiker die Dummheit, von einem „bißchen, Antisemitismus in Deutschland“ zu sprechen. So ein Kompliment ist wohl dem Deutschen Reiche, das heute ruhig als antisemitisches Musterland gelten kann, noch nicht gemacht worden, ins-f besondere nicht von jüdischer Seite. Dem famosen Herrn wäre zu antworten: „Herr Waldstein, halten Sie noch viele solcher dummer und schwächlicher Reden und Sie werden den jüdisch-assimilatorischen Liberalismus, der leider noch in Deutschland besteht, vollends totschlagen.“ Rundschau. Die galizischen Landtagswahlen. An den gegenwärtig aut Grundlage eines veralteten Kuriensystcmes stattfindenden Wahlen in den galizischen Landtag nimmt die zionistische Partei keinen Anteil durch Aufstellung eigener Kandidaten. Durch die mündliche Abstimmung und den unversöhnlichen Haß der polnischen Behörden gegen die Zionisten werden die jüdischen Wähler dermaßen eingeschüchtert, daß es große Kraftanstrengung kosten müßte, in den wenigen Wahlbezirken mit jüdischer Maojrität sogar nur Zählkandidaturerfolge zu erringen. Das Zentralkomitee hat darum die Parole ausgegeben, lediglich auf die Parteizugehörigkeit und das Programm der verschiedenen Kandidaten Einfluß zu nehmen. Die jüdischen Wähler werden au.gefordert, sowohl in die Urwählerals in die Wahlmännerversammlungen zu gehen und dort die Untersiü.zung durch jüdische Wähler von der Stellung der Kandidaten zu den jüdischen Forderungen abhängig zu machen. Die vom Zionistischen Zentralkomitee erhobenen Forderungen anläßlich der Wahlreform, die der neuzuwählende Landtag zu beschließen haben wird, sind: erstens 23 Mandate, entsprechend dem Prozentsätze der jüdischen Bcvölkernug im Lande; zweitens Sicherung der jüdischen Mandate durch Einführung einer jüdischen Kurie oder, wenn das nationale Kuriensystem nicht eingeführt werden sollte, durch Einführung des Proportionalwahlsystems; drittens Abschattung der Listenwahlen in Lemberg und Krakau durch Schaffung von einzelnen Wahlkreisen analog dem Vorgänge bei Reichsratswahlen; viertens strenge Trennung von städtischen und ländlichen Wahlbezirken, damit nicht durch Einbeziehung von Dörfern die jüdische Stimmenzahl in den Städten bedeutungslos gemacht werde. * * * Die Folgen. An den größten österreichischen Hochschulen, in Wien und in Lemberg, herrschen anarchische Zustände. Deutschnationale in Wien und Allpolen in Lemberg verweigern den akademischen Behörden den Gehorsam, blockieren die Universität, stören den Unterrichtsbetrieb und gebärden sich wie Plattenbrüder. Die diversen Senate beraten und ehrwürdige Professoren schütteln die Köpfe! Es ist etwas faul im Staate Dänemark und sie wissen nicht, wo die Ursache des Uebels liegt. Nun, wir wissen die letzten Erscheinungen, die empörenden Vorgänge in Wien und Lemberg zu deuten. Sie sind die Folgen eines an den Juden begangenen Rechts- und Loyalitätsbruches. Jahrelang haben es Unterrichtsverwaltung und akademische Senate geduldet, daß die jüdischen Studenten von den jetzt randalierenden Gruppen Photograph Nachim Chefez II., Taborstraße 41. Erstklassiges Atelier bflnstlerisdier Rifhtung. Langjähriger Lieferant der Kultusgemeinde, empfiehlt sich den Kongreßmitgliedern für sämtliche in das Fach einschlagende Arbeiten auf das Beste. Das Atelier befindet sich im Parterre. Telephon 22195.