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Jüdische Zeitung · 1913-06-05 · 23 (5.6.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
23 (5.6.1913)
Date
1913-06-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 daß infolge des bestehenden. Mangels einer Organisation der mährischen Juden es den Parteien möglich wurde, bei den bevorstehenden Landtagswahlen antisemitische oder gegenüber jüdischen Interessen indifferente Kandidaten aufzustellen und zu fordern, wähl- und planlos diese uns aufgedrungenen Kandidaten zu wählen. Da es aber die heutigen Verhältnisse der jüdischen Wählerschaft nicht gestatten, eine selbstständige Kandidatur, einen eigenen jüdischen Kandidaten aufzustellen und die deutsch-bürgerlichen Parteien die Grundsätze des Freisinns vollständig im1 Stiche gelassen haben, beschließt die heutige Versammlung, die Wahl' des sozialdemokratischen Wählwerbers zu empfehlen.“ Hus dem juOildien beben. Folgen der Boykotthetze in Russisch-Polen. Warschau. Der barbarische wirtschaftliche VernichtungSkampf, den die bürgerlichen Parteien Russisch-Polens seit einigen Monaten gegen die dortige jüdische Bevölkerung führen, zeitigt überaus häßliche und widerwärtige Begleiterscheinungen, die auf die Gesittung und Menschlichkeit des Polentums in Stadt und Land ein recht eigenartiges Licht werfen. In der Ortschaft Pontnew bei Welun, im' Gouvernement Kalisch, haben vorige Woche die gegen die Juden aufgehetzten Bauern das Haus der einzigen dort wohnhaften jüdischen Familie nachts in Brand gesteckt, nachdem vorher die Türen und Fenster vernagelt worden waren. Acht Bewohner des Hauses kamen in den Flammen um; nur ein kleines Kind, das von seiner Mutter durch ein Fenster in den Garten geworfen wurde, entkam1 dem Flammentode. Es ist festgestellt worden, daß von den Dorfbewohnern niemand : die verzweifelt um1 Hilfe rufende Familie retten 1 wollte! Wie ferner aus Welun berichtet wird, er- hielten in den letzten Tagen zahlreiche jüdische \ Dorfbewohner der dortigen Gegend anonyme ge- : druckte Drohbriefe, in denen sie aufgefordert werden, die Dörfer zu verlassen; sonst würde ihnen das gleiche Schicksal bereitet werden, wie der jüdischen Familie in Pontnew! .t.. .; Eine jüdische Fahnilentragödie in Galizien. S t a n i s l a u. Eine merkwürdige ' Gerichtsverhandlung findet gegenwärtig hier statt. Angeklagt sind siebzehn Juden und Jüdinnen, denen zur Last gelegt wird, daß sie eine getaufte' Jüdin, Frau Sophie Taranko geh. Bartfeld, gewaltsam' aus dem1 Hause ihres Gatten entführt haben. Unter den Beschuldigten befinden sich auch der Vater und der Bruder der Entführten. Die Vorgeschichte des Prozesses ist die folgende: Zwischen der 17 jährigen Tochter Breina des jüdischen Schankwirtes Bartfeld aus dem Dorfe Zawoj und dem' dortigen christlichen Volksschull'ehrer Michael Taranko entspann sich ein Liebesverhältnis, das schließlich dazu führte, daß Taranko das Mädchen heimlich aus dem Elternhause entführte und in ein Krakauer Kloster brachte, wo es sich taufen ließ. Am 1. Dezember v. J. fand dann die Trauung des Mädchens1 mit Jaranko statt. Für die streng frommen: Eltern und Verwandten des abtrünnigen Mädchens war dies begreiflicherweise ein schwerer Schlag und sie versuchten alle möglichen Mittel, um' die aut Abwege-geratene Tochter zur-Rückkehr ins e’terliche Haus zu bewegen. Da das Mädchen minderjährig war, wandten sich die Eltern ans Gericht um' eine Verfügung zur Herausgabe ihrer Tochter aus dem' Klöster und zur Annullierung des Taufaktes, wurden jedoch mit ihrer Klage abgewiesen.- Die verzweifelten -Eltern entschlossen sich nun, ihre-Tochter mit Gewalt dem1 Elternhause und 'dem' jüdischen Glauben wieder zuzuführen. Am' 27. Dezember War Michael' Taranko für einen Tag in die benachbarte Stadt gereist. Diese Gelegenheit benutzte der Vater der Ncophvtin, um sich mit .einigen Verwandten in das betreffende Dorf -zu begeben-und seine Tochter in ihrer Wohnung aufzusuchen. Als er die Wohnungstür verschlössen fand, trat er ans Fenster und bat von dort aus mit Tränen in den Augen seine im Zimmer befindliche Tochter, ihren Mann zu verlassen und ins Elternhaus zurückzuziehen; die - junge Frau wollte jedoch nichts davon wissen. Darauf drang der erbitterte Vater durchs Fenster in JÜDISCHE ZEITUNG .die Wohnung ein, schleppte seine Tochter gewaltsam1 aus dem Hause, brachte sie mit Hilfe seiner Angehörigen auf einen mitgebrachten Wagen und fuhr mit ihr zu Verwandten nach Kalusz, von wo er sie später nach einem1 anderen Städtchen zu ihrer . Großmutter ' brachte. Hier suchten nach der Anklageschrift verschiedene Verwandte auf die Frau mit Bitten und Drohungen einzuwirken, daß sie wieder zur jüdischen Religion übertrete und sich von ihrem Christlichen Gatten scheiden lasse. Nach zwei Tagen erfuhr jedoch die Polizei den Aufenthaltsort der Entführten und -‘brachte sie in das Haus ihres Gatten zurück. Dieser strengte hieraut gegen 17 Juden, die an der Entführung beteiligt waren, eine Klage an, die jetzt zur Verhandlung gelangt. Unter den: AngÄlagten befinden sich außer dem' Vater der Entführten, Ahron Bartfeld, auch der 14jährige Bruder Hirsch Bartfeld und ihre 75jährige Großmutter Henie Rosner. Erschwerung des Universitäts$tudiums der Juden in Rußland!. Petersburg. Während die ausländischen, namentlich deutschen Universitäten den' jüdischen Studierenden aus Rußland ihr.e Tore immer mehr verschließen, sind soeben in Rußland selbst für , die Aufnahme der Juden an den Universitäten : neue, viel strengere Bestimmungen erlassen wor-; den. Danach werden Juden, wenn ihre Zahl . die vorgeschriebenen 3—5°A> der Gesamtzahl Stuj dierender übersteigt, nicht auf Grund ihrer Gyirfj nasialzensuren wie bisher aufgenommen, son Jcii die Aufzunehmenden werden »durch das Los bestimmt, so daß die Qua'ifikation des Bewerbers nicht mehr entscheidend ist! Ueberdies dürfen . von den Universitäten nur Abiturienten derinnerhalb bestimmter Bezirke. befindlichen Gym-; nasien aufgenommen werden»;'Gesuche anderer Juden finden keine Berücksichtigung. Eine neue hebräische .Zeitschrift .in Amerika. New York: DeF Verband-;,Achieber“ der. hebräischen Sprachvereine gibt DüiiteF dem' Titel;( „Hatören“ ’ eine neue^,|>e1IFäjsffle, iJldnafssirlirift* heraus, deren erstes Heft soeben: erschienen ist. Es ist dies zurzeit die_ einzige hebräische Zeitschrift Amerikas iind Sie yersprkfit' eine vornehme, im besten ■ Sinne 'moderne -. literarische Revue zu werden, die zur Förderung der hebräischen Sprachbewegung Tn Amerika wesentlichbeitragen. dürfte.'.. .1 ‘ ' * .tG . - , - , V Vor den Juden ihr Jemen. Jerus aLem. Aus .dein Jemen langten hier in letzter Zeit Privatbriefe ein, die die Lageder dortigen Juden als trostlos schildern. Die türkischen Beamten sind Allerdings von der Zentralregierung angewiesen* die Juden zu schützen und bestreben sich :auch, diesen Anweisungen gerecht zu werdend Allein sie können nicht gegen die. Bevölkerung aufkomlmen, 'die von der Bedrückung der Juden nicht ablassen will. Charakteristisch ist-ner Ausspruch .eines Kadi, wonach man die Juden nur unter der Bedingung ins Land nahm,''d£ß sie für alte Bedürfnisse der Bevölkerung' Sorge tragen, und auch dies müßten die Juden/als besondere Güte ansehen. Da nun andererseits diebereits in den jüdischen landwirtschaftlichen' Kolonien Palästinas ansässigen Jemeniten ihren zurückgebliebenen Brüdern in überschwänglichen. Worten die Verhältnisse in Palästina' schildern, so wird man sich nicht zu wundert haben, 'wenn; über kurz oder lang eine neue Jemehiteneinwanderung, möglicherweise eine poch größere als die der letzten zwei-Jahre, eifolgen wird. Wün-' sehenswert wäre es; daß beizeiten-' alle organisatorischen Maßnahmen geJau durchdacht und strikte durchgeführt werden. Namentlich sollte auch für die durch die Strapazen der weiten Reise Erkrankten' eine bessere Fürsorge als in früheren Fällen getroffen werden. ■> . ✓ Kaufet nur bei unseren —. ' . . Inserenten. Seite 5 ParteisNachrichten. Nachrichten aus Mähren - Schlesien. Vereinsabende. . Troppau: Verein „Jeschurun“. Jeden iSamstag im Vereinslokal (Salzgasse 45), 8 Uhr :jatiends. . Zion. Mädchenverein „M i r i a m“. Jeden ‘Dienstag abends im Vereinslokal Salzgasse Nr. 45). Proßnitz: Verein „Zion“. Jeden Samstag oder Sonntag abends im Jüdischen Casino. Obnütz. Jeden Mitwoch, 8 Uhr abends, im Klub-Zimmer des „Grand-Cafe“. Igfau: Jüd. Votksverein „Theodor Herzl“. Jeden Samstag, ums 8 Uhr abends, im Vereinst zimmer des „Grand-Hotel“ (Leupoldgasse 3). Ung. Hradisch: Jeden Sonntag, abends Si/ä Uhr, im Cafe Braun. Mährisch-Ostrau: (Volksverein „Zion“.) Jeden Donnerstag, 8V2 Uhr abends, im Klubzimmer des Cafe „Union“ (Ringplatz). Die Niederlage der Karmelweine befindet sich bei S. Steinhart, Weinhandlung, II., Rotensterngasse 22. Telefon 17348. Soeben erschienen: Nene Palästina» Ansichtskarten. Sechs Sujets aus dem Leben’der jemenitischen Juden. Ferner: Sechs der schönsten Reproduktionen aus dem Werke .Palästina im Bild*. Preis einer Serie (12 St.) K 1.20, Porto 5 h Wiederverkäufer und Engrossi'ten erhalten bedeuten- - deu Rabatt. . Zu beziehen durch die Ansichtskarten-Abt. der Jüdischen Zeitung», 11., Karmeliterplatz 1. Judisdiep Sport. Hakoah-Reserve schlägt Metallarbeiter Preßburg 5:2. n-,v.:•4»»^letzten,,Sonntag...spielten die Unseligen in Preßburg gegen die recht spielstarke erste Mannschaft der Metallarbeiter. Nach schönem', fairen Spiel, blieben die Hakoahner siegreich. Es taten sich insbesondere Burian und Fischer (Tormann) hervor. Alle spielten recht brav und ernteten den reichen (Beifall der zahlreich anwesenden Gg. — . * Voranzeige: Am Sonntag, den 8.Juni, trägt die Hakoah ihr. schwerstes Meisterschaftsspiel aus. Sie Steht ihrem stärksten Widersacher, der Acfm'ira, gegenüber. — Das erste Zusammentreffen der beiden Mannschaften endete im Herbste 1:1 unentschieden. Seither haben sowohl Hakoah als auch Admira alte Meisterschaftsspiele siegreich bestritten. Mit je 38 Punkten stehen die beiden Vereine an der Spitze. Die am Sonntag siegreiche Mannschaft ist Meister der B-Klasse für die Saison 1012 13 una steigt als solcher in die II. A-Klasse auf. Es ist also sicher, daß beide Mannschaften alles daran setzen werden, um den Sieg zu erringen. Die Hakoah stellt folgende Mannschaft ins Feld: Halpern, Rosenthal, Sträußler, Buriän,.Glasel, Dikes, Horwitz, Kolisch II. Gansl, Kolisch I, Grasgrün. -— Ueber die Hintermannschaft ist ' kein Wort zu verlieren, sie ist altbewährt, in vielen ■ Schlachten, erprobt. Die Stürmerreihe zeigt ein etwas verändertes Bild. In dem*.Brüderpaar Kolisch hat die Hakoah zwei erstklassige Verbindungsstürmer gewonnen, die mit Jenö vereint ein glänzendes ' Innentrio bilden. An den Flügeln stehen Grasgrün und Horwitz, die heuer eine gleichmäßige, glänzende Form gezeigt haben. — Obwohl der Gegner ganz hervorragend ist, er siegte. erst am letzten Sonntag über. den an dritter Stelle stehenden Floridsdorfer Sportklub mit 9:0, rechnen wir doch zuversichtlich auf Sieg. . Pie ’ Unsrigen sind sich ihrer hohen Aufgabe bewußt und jeder, wird sicherlich sein Bestes geben. — Das Wettspiel findet auf dem Admirasportplatze (XXI. Bezirk, Pragerstraße) statt. (Linie 31 bis zum Floridsdorfer Rathaus.) Beginn 5 Uhr. A. B. Personalnadiriditeif. Unser bewährter Gg. Herr Joachim' Neiger' (Tarnow) ersucht uns zur Kenntnis zu bringen, daß er bereit ist, ein Delegiertenmandat zu 'übernehmen und in dem Ort, dessen Schekelzahler ihn mit ihrem Vertrauen beehrensollten,- in einer- Versammlung sein Programm zu entwickeln. 1

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