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Jüdische Zeitung · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaitinabme: Wien, II., Kanneliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5'Uhr nachmittags. — Manuskripte -werden nicht zurQckgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ .■ rerch-Ungam: Ganzjähr. K 10.—halbjähr.'- K: 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Füc iOeutschland: Ganzjähr. Alk. 10.—, halbjähr. Alk. 5«—, Vierteljahr. * B Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Eiiuelexempläte 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 21. -W.M P '====*? . . — - --;- Wien, Freitagy detr 23. Mai 1913 VU. Jahrgang Samstag, den 24. Mai, ^9 Uhr abends im HQTEL CONTINENTAL, II. Taborstraße Tagesordnung: Die jüdisdie Bürgerschaft und die Vorgänge an der Wipper Universität. : JÜDISCHE MITBÜRGER! Die Wiener Universität ist neuerlich der Schauplatz brutaler antisemttischer Ausschreitungen. Die Jüdisch en Studenten kämpfen für ihre und des Judentums Ehre. Die akademischen Behörden verweigern ihnen nicht nur Schutz und Gleichberechtigung» sondern mallregeln die in gerechter Notwehr handelnden jüdischen Studehten und haben bereits viele durch Retegierung uh« ihre Existenz gebracht. Oie cteutsch.nationalen Messerhelden arbeiten unter dem Protektorat des Professorehkbllegiums. Jüdische Mitbürger! Wir; dürfen unsere Söhn^ in:diesem Kampfe nicht im Stich lassen! : Erscheinet in Massen I; Zionistischer Zentralerem Wien. UIe'nsfag,^deir2f3t'Arär' I9T3; triff 8*ß Ufträbemte;’• im Cafö Renaissance, VIII., Alserstraße 71 Versammlong für die Bezirke XVI und XVII. TAGESORDNUNG:: 1. Der XI. Zionistenkongreß in Wien.. Referent: Dr. Paul Weisengrün. ■ " 2. Unsere Palässinaarbeit mit Vorführung von Lichtbildern. Referent: Dr. Georg Weiner * Doiinnerstag, den 29. Mai 1913, tun 8 Uhr abends, im Gartensaal des Arbeiterheimes (Haupteingang), X:., Laxenburgerstraße 8—10 öffentliche Versammlung;. \ für die Bezirke IV, V, X. : TAGESORDNUNG : "Der XI. Zionistenkorigreß in Wien. ReferentKultusvorsteher Dr. Jakob Ehrlich. Die Wiener Uniuersitätshrawslle. Auf "dein Böden der Wiener Universität etöbte sich die feige Roheit der Deiitschnationalen wieder einmal . aus.; Mit \Aiessern, Eisenstöcken, Sandsäcken und Sonstigem „ritterlichen“ .Rüstzeug versehen, ziehen die .edlen Heldensö’hne Germänias. gegen 'die jüdischen Studenten-los, natürlich in zehnfacher Ueberzahl;-- Die: Ursache .der. neuerlichen Aus-; schreitungeii bildet wieder ider W a i dhof ejver Beschluß, welcher 'besagt, (fad die Juden keine persönliche Ehre 'besitzen, daß ein guter Deutscher dem :beleidigte'n Jude n' xi ich t ri u r k e i n e r 1 e i Genug-: tuung schuldig ist, sondern, ihm diese' Genu g tu urig unter allen "Umstä5iide.xihj.v,erweigernmuß. Der Waidhofener Beschluß, den heute fast alle deutschnationalen Vereine zum Prinzipe erhoben haben, wurde um die Mitte der neunziger-. {ähre ‘gefaßt. Bis dahin haften die' oeutschfen' Studenten ganz gerne mit Juden die Klingen gekreuzt, weil sie ihnen überlegen waren. Als sich aber die jüdischen Studenten in den .zionistischen Korporationen, zu organisieren begannen, den deutschen Antisemiten die Gefolgschaft .aufsagten, und durch sportliche Uebung den früher - angestauten blonden Säbelhelden auch in körperlicher Beziehung zumindest gleichwertig wurden, da erinnerten sich die brutalen Feiglinge plötzlich daran, daß ja der Jud keine Ehre hat! Dem kriecherischen, geistig und körperlich verkümmerten, „teutsch“ gesinnten Assimilationsjuden, dem' Kasino- und Schulvereinsjuden, der antisemitische Ohrfeigen ruhig einsteckte, dem hatten sie persönliches Ehrgefühl zuerkannt, den hatten sie der Ehre gewürdigt, von deutsch-antisemitischen Klingen zerdroschen zu werden. Den aufrechten jüdischen Studenten aber, der ihnen die knechtische Gefolgschaft aufkündigte, der ihnen bewies, daß ein jüdischer- Sä-; bei'ebenso scharf ist, wie ein deutscher,; •den erklärten sie für ehrlos. Vergebens wehrten sich in Waidhbfen einige nationale Verbindungen, |und charakteristischer Weise die tüchtigsten, ge-: gen den wahnwitzigen Beschluß, die Feigen waren in •erdrückender Majorität. Die Konsequenzen waren wüste Prügelszenen.---Durch den Beschluß vor un-: angenehmen Konsequenzen geschützt, brutalisierten von da ab die deutschnatiönalen Feiglinge die jüdischen.Studenten. Allerdings nicht länge, denn zur Notwehr -•gezwungen,, stellten die jüdischen Studenten auch bei Prügelszenen ihren Mann. Der „Wäidhöfener“' konnte' nicht oft sein „Ich gebe Juden keine Satisfaktion“ brüllen,’ denn rasch verschloß ihm* die jüdische Hand den frechen Mund. Die jüdischen Studenten übten einfach Ehrennotwehr, und zwar in der wir- 'iaingsvolMerrWerset - Unter solchen Umständen trat Ruhe ein und die Antisemiten legten eine „weise“ Zurückhaltung ah den Tag. Aber auf die Dauer ertrugen sie es nicht, ihres Herrenrechtes beraubt zu sein. Sie begannen wieder, die jüdischen Studenten anzuflegeln, und als ihnen die Sache übel bekam, da setzten sie ihrem! Heldenmut die Krone auf~,. Die verprügelten Stänkerer liefen Zum Professorenkollegium und verlangten die Bestrafung der „rohen“ Zionisten, welche die Unverschämtheit haben, sich gegen deutschnationale Flegeleien zu wehren! Unglaublicherweise ging das Wiener Professorenkollegium aut diese 'beispiellos freche Zumutung >eiqv und im vorigen Jahre wurden einige zionistische Studenten relegiert, weil sie Ehrennotwehr geübt hatten, weil sie sich, und 'Jabei noch außerhalb des akademischen Bodens, den Vorwurf der persönlichen Ehrlosigkeit nicht ruhig hatten gefallen lassen. Damals ging ein Sturm der Entrüstung durch die jüdische OeffentliChkeit. Die zionistischen Studenten veranlaßten mächtige Protestkundgebungen. Sie erklärten dem Rektorate, daß sie trotz aller Drohungen dabei beharren werden, ihre persönliche Ehre zu schützen und verlangten von den Universitätsbehörden Maßregeln gegen den Wäidhöfener Beschluß, der einen größeren Teil der Hörerschaft für ehrlos .und vogelfrei erklärt. - - In den letzten Tagen haben einige „Wäidhöfener“ wieder ähnliche - wüste .Szenen provoziert und als eine Deputation jüdischer Studenten sich zum. Rektor begab, um seitens der akade mische-* Behörden Abhilfe zu vor!* -/j , be .ut c.i E. B2^A

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