Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 19 (9.5.1913)
- Date
- 1913-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■ Epchemt wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaüinahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ ■ .2**,.von Chr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Aboonementspreise: Für Oester- _ reich-Ungarm Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, vierteljähr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Wien, Freitag, den 9. Mai 1913 VII. Jahrgang Oie Wiener Liberalen ais Genossen des Rifualmordhelden Vergani. Der Name Vergani ist der Inbegriff des blutrünstigsten Judenhasses. Vergani hat als Leibjournalist der aufsteigenden christlichsozialen Partei das gemeinste antisemitische Hetzorgan, das „Deutsche Volksblatt“ geleitet. Er hat zur Zeit des Polnaer Prozesses das Land Böhmen mit Pogromagitatoren überschwemmt'. Er hat die Richter und Geschworenen durch blutige Drohungen einschüchtern und für den Fall der Freisprechung Hilsners Volksaufsfände ankündigen lassen. Seine Emissäre haben falsche Blutzeugen gedungen und in seinem Aufträge hat ein berüchtigter Redakteur Schwer, der Bluthund von P ol na, den zehnjährigen Bruder Hilsners betrunken gemacht und dem alkoholisierten Jungen Aussagen in den , MuncLgelegt, welche den ä lt eren B rüder unter den Galgen und die Juri en Oesterreichs an den Rand d es Abgrun d es ge br a cht haben. Nach Fällung des Ürteils über Hilsner hat Vergani monatelang in seinem „Deutschen Vol'ksblatte“ die Ausrottung der Juden gefordert. Kurz, im Namen Vergani ist alle antisemitische Blutgier und Niedertracht ausgedrückt. Unter solchen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß die Nennung des Namens Vergani auch das Blut jener österreichischen Juden in Wallung bringt, die sich sonst um Judentum und jüdische Interessen wenig kümmern. Es ist auch selbstverständlich, daß alle politischen, nichtjüdischen Kreise, die sich noch Reste von Anstandsgefühl gewahrt haben, jede Gemeinschaft mit diesem blutrünstigen Banditen ablehnen. Ja, sogar die Christlichsbzialen haben auf die Dauer die Gesellschaft dieses Subjektes nicht ertragen können-;ünd haben den ehemaligen Besitzer , 'und Leiter des „Deutschen Volksblattes“ aus ihrer Partei eliminiert. Nunmehr erfährt man aber, daß die Isolierung Verganis ein Ende gefunden, hat. Es1 haben sich1 Leute gefunden, die sich um seine Gesellschaft bewerben, die trotz seiner unheimlichen politischen Vergangenheit um seine Gunst buhlen. Er soll wieder als Führer auf der Oberfläche erscheinen. Und die neuesten Schildträger des großen „Bluthundes von Polna“ sind1 nicht etwa Angehörige des extremsten Flügels einer antisemitischen Gruppe, nein: die Wiener Liberalen sind es. Wiener liberale Führer haben sich mit Einwilligung ihrer Komitees mit Vergani zusammengesetzt, um gemeinsam mit ihim einen politischen Verband zu gründen. Sie haben mit ihm Beratungen gepflogen und die Bsdingxtngjen für ein gemeinsames Vorgehen erörtert. Bedingungen für ein gemeinsames Vorgehen mit dem Bluthund Vergani! DaS klingt einfach! unfaßbar! Daß Mandatare, welche sich freisinnig nennen und lediglich dem Opfermut j ü d ischer Wiähler ihre Existenz danken, so etwas wagen, übertrifft alles, was sich bisher die „Fortschrittler“ an Kriecherei, Charakterlosigkeit und Volksverrat geleistet haben! Und doch ist an der Tatsache nicht zu. zweifeln. Sie ist, trotz der begreiflichen Geheimtuerei der Beteiligten, nunmehr erwiesen. Bereits vor drei Wochen brachte eine Wiener Korrespondenz dm Meldung von der Gründung eines „Tr e i h e i 11 i c hdeutschnationalen Permanenzausschusses“, welchem u. a. die Liberalen Gemeinderat Goltz und Bezirksvorsteher Bla sei, ferner die alldeutschen Antisemiten Arnold und Mehlo und schließlich,; als wichtigste Person, der gewesene Herausgeber des „deutschen Volksblattes“ Ernst Vergani angeboren. Der Letztgenannte hat sich,, wie die Korrespondenz ineldet, erbötig gemacht; das „Deutsche Vofksblatt“ wieder zu übernehmen und in den Dienst der neuen Vereinigung zü stellen. Dies alles wurde in einer Sitzung in Tischlers Gasthaus in der Schauflergasse vereinbart 1 Selbstverständlich hat die Wiener Tagespresse diese Meldung unterdrückt, denn augenscheinlich war die Geheimhaltung dieses perversen Bündnisses beschlossen. Nunmehr aber ist durch Aussage eines Teilnehmers bewiesen, daß die intimen Besprechungen zwischen den Liberalen und dem Bluthund Vergani tatsächlich stattgefunden haben und daß die Liberalen BfaSel und Professor Wölkau dabei waren! Natürlich hat Vergani auch in dieser Gesellschaft eine blutrünstige Rede gegen die Juden gehalten! Das ist also der Weg, den die Liberalen einschlagen wollen! Er führt nach Polna. Damit ein paar Streber Mandate bekommen und behalten, wird der jüdischen und freisinnigen Wählerschaft diese Schmach angetan. Blasei ist der Kandidat und Wortführer der Leopoldstädter Liberalen. Der jüdisch-liberale „Donauklub“ leistet ihm blinde Gefolgschaft und arbeitet für ihn. Er hat bei seiner. Wähl keine 10o/o christlicher Stimmen bekommen. Professor Wolkan ist Kandidat des „deutsch-freisinnigen Wählervereines“ für den IX. Bez'irk. Obmann dieses Vereines ist der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav Koh'n! Für diesen Verganifreund Wolkan haben die liberalen 'Juden im, IX: Bezirk bei den Wählen . wahnsinnig gezahlt und gearbeitet! Nach) diesen Vorgängen ist es höchste Zeit, über die verantwortlichen Leiter der Wiener jüdischen Freisinnigen Gericht zu halten und die jüdische Wählerschaft darüber aufzüklären, wie schändlich man ihre Namen und Stimmen mißbraucht. Die Herren vom „Donauklub“, von den diversen freiheitlichsozialen, deutschdemokratischen und sonstigen Bezirkskliquen werden uns Rede und Antwort stehen müssen. Bereits einmal haben sich die Ofnerleute im zweiten Bezirk erlaubt, einen Rituahnordantisemiten als Kandidaten der jüdischen Wählerschaft aufzustellen. Das entschlossene Vorgehen der Jiüdischnationalen hat aber die jüdische Bürgerschaft vor dieser Schmach bewahrt. Durch Aufklärung der Wählerschaft haben die JüdiSchnationalen einen Sturm entfesselt, dem der ritualmordglaubige Parteifreund des Abgeordneten Dr. Ofner weichen mußte. Der vorliegende noch krassere Fall liberalen Verrates wird den Jüdischnationationalen wieder Gelegenheit geben, ihre „freisinnig“ sich nennenden Gegner vor der breiten jüdischen Oeffentlichkeit zur Verantwortung zu ziehen. Rundschau. Josef Unger. Der verstorbene Josef Unger war nicht der einzige große österreichische Jurist jüdischer Abstammung. Auch die Judenstämmlingc Klein, Glaser und Jellinek haben durch ihre Fähigkeiten internationalen Ruhm erworben und den Ruf der österreichischen Jurisprudenz weit über die Grenzen der Monarchie getragen. Josef Unger aber ist der erfolgreichste, begabteste und bekannteste derer gewesen, welche in der Blüteperiode des Liberalismus wissenschaftliche und auch politische Karriere gemacht haben. Josef Unger hat persönlich die größten Erfolge erzielt. Als Besitzer hoher und höchster Orden, als Seiner Majestät wirklicher geheimer Rat, als Präsident des Reichsgerichtes und Minister außer Dienst hat er im gesellschaftlichen Leben eine große Rolle gespielt. Die Partei, der er seinen Aufstieg verdankte, hatte wohl jede Bedeutung verloren, aber er war ein Symbol der entschwundenen liberalen Herrlichkeit. In den ihm zu Ehren geschriebenen Nekrologen Vienna s Sportplatz f Hohe Warte. f Pfingstsonntag: ■ V8 3 Uhr: Hakoah I — Bewegungsspieler I. 4 Uhr: Dresdner Hockeyklub — Vienna ■ 5 Uhr: Sunderbund — Komb. Team Vienna 2 und Sportklub.! ■ ■ Pfingstmontag: ■ 3 Uhr: Hakoah — Tatabänya-Sportklub. * 5 Uhr: Sportklub — Viktoria Berlin. g. Kartenverkauf: Cafe Marienbrücke, „Jüdische ® Zeitung* u. bei den Mitgliedern der „Hakoah*. p Vorverkaufspreis: Schüler —.70, Entree 1.—, ■ Res. Raum 1.80, Tribüne 2.70. ■