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Jüdische Zeitung · 1913-05-02 · 18 (2.5.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
18 (2.5.1913)
Date
1913-05-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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B8SE -JUD15EHE5 DREHN Ql Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, FI., Kanneliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. ——Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, vierteljährt'tvdr—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. “ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. ■ Nr. 18, Wien, Freitag, den 2. Mai 1913 VII. Jahrgang Der zion. Mädchen-Verein »MORIA* veranstaltet Sonntag, den 4. Mai 1913 auf der Schafberg-Alpe ein großes FRÜHLINGS-FEST verbunden mit Vorträgen („Frau Hofrat“, Einakter von Beda), Tanz, Juxpost, Schönheitskonkurrenz etz. Beginn 3 Uhr nachm. Regiebeitrag 70 Heller. Gäste willkommen! Ein Teil des Reinerträgnisses fließt dem Z. F. und dem N. F. zu. Zehn Gehminuten von der Endstation des 41er Wagens in Pöizleinsdorf. Bei schlechtem Wetter wird das Fest auf Sonntag, den 18. Mai, verschoben. Karten sind zu haben: Bei allen Vereins- Mitgliedern, in der „Jüdischen Zeitung“ und in allen zaristischen Vereinen. Sdiwere Tage. Noch ist es nicht entschieden, welche vW:e»du»g-...di.e Ereignisse aut denn-Balkan . nehmen werden. Vorläufig durchleben; wir Tage größter Spannung und niemand kann Voraussagen, ob nicht in den nächsten Stunden die donnernde Sprache der Feldgeschütze die gewundenen Erklärungen der Diplomatie ablösen wird. Mußte es so kommen? Mit allen fortschrittlichen und unabhängigen Elementen fühlen Wir uns einig, wenn wir unserer Ueberzeugung Ausdruck geben, daß die letzten Ereignisse nur eine Frucht der Unfähigkeit unserer Diplomatie, der Unzulänglichkeit unserer Verfassung und des allgemeinen Rückschrittes in der Doppelmonarchie sind. Nur Ungeschicklichkeit und Unvernunft konnten es so Weit bringen, daß die Kleinstadt Skutari zum Schlüssel für das Wohl und Wehe der europäischen Menschheit werden konnte. Und doch ist Skutari ein Nagel zu einem Sarge, in welchem Oesterreichs Einfluß auf dem Balkan und sein Export begraben liegen. Erbfehler und Erbsünden zeugten die letzten Vorkommnisse und werden unser Staatswesen dem Untergänge zutreiben, Wenn nicht bei Zeiten Ein- und Umkehr erfolgen. Die. falsche Nationalitätenpolitik, der Kampf aller gegen alle, die Parteilichkeit der Regierung, die brutale Vergewaltigung der Minoritäten ' brachten es mit sich, daß auch1 angesichts der äußeren kritischen Lage das Parteigezälik und der Nationalitätenha'der im Innern nicht verstummen wollen und daß Oesterreich-Ungarn zum Spottobjekt für montenegrinische Schafhirten geworden ist. Trotzdem die Deutschen in unserem StaatsWesen in verschwindender Minorität sind, Wird ihnen zuliebe die gesamte äußere Politik nicht vom Standpunkte der Wirklichen Staatsnotwendigkeiten, sondern vom Standpunkte des deutsch- Pfttionalen Radaus gemacht. Offenkundig äußerte sich das gerade in den letzten Monaten. Unbekümmert um die vielen Millionen Südslaven uhd andere slavischen im Staate lebender! Völker ließ sich das auswärtige Amt ins Schlepptau der Christlichsozialen, des deutschnationalen Verbarides und der ungarischen Feudalen nehmen. Die Beschimpfungen gegen die slavischen Völker, die Hetze gegen alles, was nicht deutsch ist, wurden unverblümt inspiriert und. als wichtiges diplomatisches Requisit verwendet. Diese äußere politische Haltung ist eigentlich nur ein Pendant zur innerpolitischen österreichischen Metode. Wie man antisemitischen Schlagworten der Deutschen zuliebe oft deit Weg des Fortschrittes, der verfassungsmäßig gewährten Rechte und der Staatsraison verlassen und die treuesten Anhänger des österreichischen Staatsgedankens, die Ju- ] den, unter Ausnahmsbehandlung gestellt hat, ebenso vergaß man in der äußeren Politik wegen derselben antisemitischen Elemente an die tatsächlichen Verhältnisse in der Monarchie tmd handelt so, als ob Oesterreich nur von Deutschnationalen bewohnt wäre. Vielleicht ist der Augenblick zu ernst, als daß man sich in langatmigen Vorwürfen und Erklärungsversuchen der politischen Deroute ergehen dürfte. Gegenwärtig sind die Verhältnisse leider so weit gediehen, daß sich unser Staatskärren im tiefsten Schlämm befinde*!. Einerlei, wer ihn dahin verfahren hat! Die Kosten und die Schäden werden die österreichischen Völker zu tragen und zu büßen haben. Aus diesem Grunde ist es ein Gebot der Selbsterhältung, mit allen Kräften dahin zu streben, daß alles geschehe, was einigermaßen die kritische Lage lindern könnte. Darum werden wir Juden, namentlich wir Zionisten, trotzdem wir keine Hurra-Patrioten sind, eingedenk dessen, daß wir stets unsere staatsbürgerlichen Pflichten erfüllt haben, auch jetzt alle unsere Kräfte in den Dienst des österreichischen Staatsgedankens stellen. Nicht zuliebe irgend welchen altehrwürdigen Traditionen, nicht einer hohen Diplomatie zu Gefallen, auch nicht im Interesse verschwommener phrasenhafter Kulturmissionen sondern, wir gestehenes frei, aus den lebendigen Bedürfnissen unseres Volkes und aus unseren Existenznotwendigkeiten in diesem Staate heraus. Rundschau. Der Krupp-Skandal. Die Enthüllungen des sozialdemokratischen Abgeordneten Liebknecht im deutschen Reichstage über den Fa!! Krupp haben in den bürgerlichen deutschen ßrättem kein starkes Echo gefunden. .Die großen liberalen Zeitungen schwiegen sich aus patriotishcen Gründen, die deutschnationalen und antisemitischen Blätter darum aus, weil ihnen die Machenschaften der größten christlich-deutschen Firma äußerst peinlich waren. Das vermag aber nicht einen Augenblick lang über die Niedertracht einer Geschäftspraktik hinwegzutäuschen, welche zuerst die Völker verhetzt, um' dann aus dem Völkermorde. Profit zu iziehen. Ganz anders wäre wohl das Verhalten der öffentlichen Meinung gewesen, wenn es sich nicht um die christliche Firma Krupp, sondern um einen jüdischen Profitmacher gehandelt hätte. Die antisemitischen Zeitungen hätten geradezu in weitläufigen Schilderungen der jüdischen Vaterlandslosigkeit geschwelgt. Alle Juden wären rirt Titeln wie Völkermörder, Aasgeier, Vampyre etc. belegt worden. Wissenschaftler ä la Chamberlain hätten einen neuen Beweis für die Verruchtheit des jüdischen Geistes. Große politische Parteien hätten für eine Generation genügenden Agitationsstoff. Krupp ist aber kein Jude, sondern ein echter Sproß des germanischen Edelvolkes. Darum wird in verschiedenen Blättern darauf hingewiesen, daß man aus einem einzelnen Fall keine verallgemeinernden Schlußfolgerungen ziehen dürfe, daß die ganze Affaire aufgebauscht sei und die Enthüllungen des Abg, Liebknecht vorläufig noch zu beweisende Beschuldigungen sind. Es ist das Recht des Starken, welches aus der ganzen Affaire spricht. Wäre die Firma Krupp jüdisch und ihr Inhaber ein Mitglied einer verschwindenden, Schwachen Minorität, so würde man über ihn und seine Stammesgenossen wütend herfalten. Die Firma Krupp ist aber deutsch und ihre Inhaber reinrassige Germanen, darum wird die von ihnen begangene Schweinerei als Einzelerscheinung betrachtet, die man bald vergessen wird. Wer aber den Schluß ziehen wollte, daß sich von nun an die verschiedenen Schreier Mäßigung auferlegen und nicht mehr von jüdischer Geschäftsmoral sprechen werden, der täuscht sich. Denn mit Rechtlichkeitsgrundsätzen haben antisemitische Praktiken nichts zu tun. Sie sind Rohheiten einer Majorität, verübt an einer Minderheit. Das Fatale ist, daß die Juden die Minderheit darstellen. Geburtenrückgang bei der jüdischen Bevölkerung Rußlands. In dm jüngsten Heft (IV) der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“ macht der bekannte Arzt und Sozialforscher Weissenberg die Aufsehen erregende Mitteilung, daß unter den russischen Juden sich seit einigen Jahren, speziell seit 1900/1905 der Revolutions¬ und Pogromzeit ein Geburtenrückgang zeige, der demjenigen bei den westüchen Juden kaum nachsteht. Da aber in Rußland die hygienischen Verhältnisse sich nicht so rasch verbessern, um von einem parallelen Sinken der Sterbeziffern begleitet zu sein, so muß sich1, wenn diese Tendenzen anhalten, der Bevölkerungszuwachs bei den russischen Juden rasch vermindern und bald eine Stagnation eintreten. Dies ist jedenfalls von enormer Bedeutung für die Ausblicke, die es für die Zukunft gewährt. Wegen der mangelhaften Statistik Rußlands kann Weissenberg nur wenig Belegmaterial beibringen, so z. B. die Ziffern von Odessa. Da aber diese Stadt im Jahre 1897 138.935 Juden

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