Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXX NflTIDNFIL -JUDI5CHE5 DRGFIN ■ Erscheint wöchentlich.’ — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester* H ■ reich-Üngarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—.halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. m ■ Mk. 3.—. Für das. übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 13.—. Einzelexemplare 20 h. — Postsparkassenkonto 133.404. — Telefon 22.075. | Nr. 15 Wien, Freitag, den 11. April 1913 VII. Jahrgang Der XI. Zionistenhongpeft. Am 2. September dieses Jahres wird in Wien der XI. Zionistenkongreß eröffnet werden. Die zehn Kongresse, die bisher abgehalten wurden, haben alle weitab von den.jüdischen Zentren getagt, in Basel, in Haag, in Hamburg, in London, an Orten, wo vom Pulsschlage des jüdischen Lebens nichts mehr zu verspüren jst. Diesmal aber werden die Vertreter der Judenschaft der ganzen Welt am Sitze der bedeutendsten Judengemeinde Zusammenkommen, in unmittelbarer Nähe Galiziens' und Rußlands. Die Abhaltung des Kongresses in Wien ist das Resultat der Bemühungen der Wiener zionistischen Vertreter. Sie mußten die Wähl Wiens zum Kongreßorte erkämpfen? iAuf vielen Seiten zeigte sich absolut keine Neigung, mit der Tradition zu brechen und den Schritt aus der kühlen^- neutralen Umgebung ins wärme' jüdisfche^Leben zu wagen. Man bängte um' den ruhigen sachlichen Verlaufend fürchtete: den allzugroßen Einf l'ilfl^'ef TJ mge biMgv "r'die S ch\V i’ng’ü ng'e n' des-; .politisch-bewegten Bodens. A Die Wiener haben gegen diese Bedenken hartnäckig gestritten und sie zerstreut. Sie haben es nicht aus egoistischen Motiven getan. Gewiß, es bedeutet für sie .das freudigste und erhebendste Ereignis, die Kongreßteilnehmer in der engeren Mitte gastlich begrüßen zu können, sie hoffen auch, daß der Kongreß auf die österreichische Organisation die wohltätigste Wirkung ausiiben wird. Aber ausschlaggebend war für sie nur der eine Gedanke: Der jüdische Volkskong re ß gehört zum jüdischen Volke, und sind die beiden eng beisammen, so muß es dem Volke und dem Kongresse zum Segen ger'ei ch en! Der Tagungsort .Wien wird dem Kongresse ein vielfach geändertes Gepräge verleihen. Doch werden es erwünschte Aenderungen sein, Aenderungen, die der Entwicklung einer Bewegung der wenigen Auserlesenen zur Volksbewegung entsprechen. Der Wiener Kongreß wird auf einer breiteren und tiefer im Volke liegenden Basis stehen. Das Kleinbürgertum, die Arbeitenden werden an seiner Zusammensetzung gewiß einen größeren Anteil haben, als bisher. Er wird bewegt sein, leidenschaftlich, doch wir werden’ uns seiner Leidenschaftlichkeit nicht zu schämen haben. Sie wird nichts gemein haben mit der Streitsucht, mit dem kleinen Gezanke, welches die Zusammenkünfte der Golusjudcn kennzeichnet. Es wird eine Leidenschaftlichkeit sein, die sich ins" Ungemessene steigern und doch nicht abstoßend und lächerlich wirken kann, die immer groß bleiben muß, weil sie im Willen zur Freiheit ihren Ursprung nimmt.- Auf unsere Organisation wird der Kongreß befruchtend wirken, doch auch die Gegner und Gleichgültigen in unserer Umgebung werden sich seines Einflusses nicht erwehren können. Tausend Vergleiche mit anderen jüdischen Versammlungen und Körperschaften werden sich ihnen aufdrängen und die Erkenntnis der Unzulänglichkeit dieser Vergleiche wird sich ihrer bemächtigen. Es wird ihnen klar werden, daß ders Zionistenkongreß die größte jüdische Schöpfung der Diar spora, die größte jüdische Tat ist. Für die österreichischen Zionisten bedeutet, der Wiener Kongreß ein köstliches Geschenk, sie müssen sich aber durch die Leisfung großer Arbeiten seiner würdig erweisen. Es gilt nicht nur den Kongreß an Ort und Stelle würdig vorzubereiten. Die Wiener Gesinnungsgenossen unterziehen sich freudig dieser Aufgabe.; Doch ebenso wichtig ist pine andere: ' die Stärkung, der österreichischen Partei selbst Nur eine starke und gefestigte .zionistische Organisation ist der eines Kongresses würdige Gastgeber. Energische zionistische Werbearbeit muß einmuß eine imponierende, Zahl von Delegierten entsenden können. Drum Österreich isehe Gesinnungsgenossen auf zur Werbearbeit, auf zur Schekelsamm.lung! Rundschau. Emanzipation der Juden in Rumänien. Gg. RR.Abg. Dr. Straucher, seit jeher ein wackerer Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien, regte in den letzten Tagen die Einberufung einer österreichisch-jüdischen Konferenz an, welche sich mit der Frage der Emanzipation der rumänischen Juden zu beschäftigen hätte. Diese Frage ist infolge des Balkankrieges und der bulgarisch-rumänischen Grenzstreitigkeiten in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt worden und eine entschiedene Stellungnahme für die unterdrückten rumänischen Juden hätte darum im gegenwärtigen Augenblicke Aussicht auf Erfolg. Dr. Straucher hat noch im Jahre 1006 in der österreichischen Delegation in nachdrücklicher Weise eine Einflußnahme auf die rumänische Regierung nach der Richtung gefordert, daß diese die Bestimmungen des Berliner Vertrages einhalte. Damals war jedoch diese Frage für die einzelnen Regierungen nicht spruchreif. Gegenwärtig geht aber ein großes Reinemachen auf dem Balkan vor sich. Darum erscheint ein Eingreifen der Oeffentlichkeit erfolgverheißender als im Jahre 1906. In dem an die Repräsentanten der österreichischen Judenheit gerichteten Zirkularschreiberi heißt es unter anderem: „Ich habe in meiner langjährigen, politischen Betätigung so manche Erfahrung gesammelt, die meine Neigung zum Optimismus stark abschwächte. Und ich gebe mich nicht so leicht einem Optimismus hin. Aber ich habe die bestimmte Hoffnung, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, für unsere Brüder in Rumänien das Wort zu ergreifen. Dank den überaus freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen uns und dem. Königreich Rumänien herrschen,, bin ich in der Lage, die Volksstimmung indem aufblühenden Nachbarreiche zu kennen. Und ich glaube, daß sowohl die Regierung als auch das rumänische Volk, welches von Natur tolerant und gutmütig ist, einer solchen Erwägung zugänglich sein werden. Wir haben es wiederholt erlebt, daß die Rumänen des Königsreichs für die Rechte ihrer Konnationalen in Ungarn auftraten. Erst in der ailerjüngsten Zeit sind die Albanesen zusammengetreten und haben für ihre unterdrückten Stammesgenossen die Schaffung eines unabhängigen Staates verlangt. Ja, Rumänien selbst interveniert -gerade jetzt für die Rechte der Kutzöwallachen ip Macedotiien! Warum sollen wir -Juden nicht auch unternehmen, die Lösung der rumänischen Judenfrage herbeizuführen? Umso mehr sollten wir dies in diesem Zeitpunkte tun, da die Frage der Gleichberechtigung der Juden infolge der bevorstehenden Gebietsabtretung an Rumänien seitens Bulgariens angeschnitten wurde und bereits eine Aeußerung des rumänischen Ministers des Innern vorliegt. „Ich wende mich daher an die Repräsen- Monarchie, uudt bitte sie, folgende Anregung in Erwägung zu ziehen: 1. Die berufenen Vertreter der gesamten Judenschaft Oesterreich-Ungarns treten schleunigst in Wien zu einem Kongreß zusammen, dessen Tagesordnung den einzigen Punkt bilden soll: Emanzipation und Erlangung der vollen, politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden in Rumänien. 2. Beratung der geeigneten Mittel, die zu ergreifen wären, um die maßgebenden Kreise in Oesterreich-Ungarn sowie die Signaturmächtc des Berliner Vertrages vom Jahre 1878auf Grund seiner verpflichtenden Bestimmungen für eine derartige Intervention bei der "königlichen rumänischen Regierung zu - gewinnen. 3. Bildung eines Komitees zur Vorbereitung und Abhaltung des Kongresses. 4. Der Kongreß wählt aus seiner Mitte ein mehrgliedriges Exekutivkomitee, welchem die Aufgabe zufällt, die vom Kongreß gefaßten Beschlüsse auszuführen. 5. Atlläilige Zuschriften und Anregungen, die sich aut meinen Vorschlag beziehen, wolle man ehebaldigst an mich richten.“ * * * Vom Regen in die Traufe. Eine Depesche aus Madrid meldet, daß ein Komitee, bestehend aus spanischen Politikern sich mit der „Repatriierung“ der durch die Bafkanwirren zur Auswanderung entschlossenen spa-: niolischen Juden befaßt. An der Spitze dieses Komitees steht der spanische Senator Maestro und dieser erklärte, d'aß ungefähr 80.000 spaniolische Juden ihre Bereitwilligkeit bekundet hätten, nach Spanien zu übecsiedetn. Es ist zweifellos, daß die spanischen Politiker es mit ihrer Absicht, die 9paniolschen Juden in ihr Land zurückzubringen, ernst meinen. Spanien ist nämlich durch die klerikale und feudale Wirtschaft so heruntergekommen, daß ihm jüdische Kapitalien und jüdische Unternehmungslust sehr gelegen kommen würden. Die depravierte spanische Gesellschaft, welche noch heute an Stierkämpfen ihre einzige und größte Belustigung findet, ist aus sich heraus nicht mehr im Stande, das Land zu regenerieren. Die spanischen Politiker würdenes daruntgern