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Jüdische Zeitung · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Nr. 10 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG 11er Kultusgemeinde ein Vermächtnis von hohem Wert hinterlassen. Der Kultusvorstand wird das Andenken des Verstorbenen nur dann wahrhaft ehren, wenn er dessen Reformpläne redlich durchführen wird. Df. Kupreins Jubiläum. Dr. Alfred L o e w y, Wien. Am 1. März d. J. feierte die Teplitzer Kultusgemeinde das 25jährige Amtsjubiläum des Professors Dr. Adolf K u r r e i n, ihres Rabbiners, Volks- und Jugendlehrers. Das viel weiter reichende Jubiläum, das sich auf die Amtstätigkeit in den frühem Gemeinden St. Pölten, Linz und Bielitz erstreckt, wurde in aller Stille von dem Jubilar verschwiegen. Sein gediegenes theologisches Wissen aus der alten Schule des Chajim Josef Pollak, des Kommentators lsak Aramas, seine ausgezeichnete Beredsamkeit aus der Schule des Großmeisters Jellinek, der ihn als seinen vorzüglichsten Schüler stets bezeichnete, und seine vorzügliche pädagogische Befähigung, die er mit anerkanntem Eifer der Jugend zuwandtc, machten ihm einen unvergeßlichen Namen in allen Gemeinden und nicht am wenigsten in Teplitz, wo er wirkte. Im Druck erschienen von ihm Predigten und eine nicht geringe Anzahl Arbeiten aus den verschiedenen Gebieten der Agada. Woran aber den Lesern dieser Blätter am meisten gelegen sein dürfte, Dr. Kurrein als Zionist und in seiner zionistischen Tätigkeit wollen wir ihn schildern und feiern. Er gehört zu den ersten und äites'.en Zionisten aus den Anfängen der Herzl-Arbeiten. In der uneigennützigsten Weise ließ er im Jahre 1S98 die von ihm damals selbständig redigierte „Jüdische Chronik“ in den Dienst des Zionismus treten. Zu wiederholtenmalen wurden seine zionistischen Artikel in den ersten Jahrgängen der Welt angeführt und lobend besprochen, sogar eine große Anzahl von Nummern zu Propaganda zwecken angekauft. Herzl selbst richtete mehrere Schreiben an ihn. Auch Dr. Nordau schrieb ihm einen umfangreichen Brief über einen Artikel in der „Chronik“. Bevor noch in Teplitz der Gedanke an einen zionistischen Verein aufkommen konnte, hielt er regelmäßig am Sabbath des „halben Schekel“ eine zionistische Predigt und veranstaltete am folgenden Tage eine Sammlung. Als viel begehrter Agitationsredner machte er eine Rundreise in Deutschland. In Oesterreich war er nicht minder agitatorisch tätig. Was aber den Höhepunkt seiner zionistischen Tätigkeit bedeutet, das ist die Erziehung der Mittelschuljugend zum Zionismus. Kaum hat eine andere Stadt eine so zahlreiche zionistische Jugend aufzuweisen als Teplitz. Das ist das Werk Dr. Kurreins. Auch mehrere zioninistische Broschüren sind von ihm erschienen : „Eine Krone für Zion“; „Dr. Herzls Grab“; „Dr. Herzls Pläne“; „Der Zionismus der Fortschritt, die Humanität und die Sozialpolitik des jüd. Volkes“; „Zionismus und Idealismus“' (Separatabdruck aus „Stimmen der Wahrheit“). Hätten wir überall Rabbiner wie Dr. Kurrein, gäbe es bald nur zionistische Gemeinden. Daium wollen wir zu Dr. Kurreins Jubiläum zunächst der Gemeinde Teplitz Glück wünschen und dem Jubilar, daß es ihm gegönnt sein möge, in Rüstigkeit des Geistes und des Körpers weiter für Judentum und Zionismus, für Gemeinde und Schule, ersprießlich zu wirken. □□□□□□□□□□□□□□□□ Jemeniten-Aktion. 16. März 1913. Beginn Uhr abends. Festsaal des Hotel „Bayrischer Hof“. PROGRAMM: 1. Festrede: „Palästina und Wir“ Dr. Otto Abeies 2. Eine Reise durch Palästina (mit Lichtbildern) Dr. Georg Weiner Pause. 3. Jüdische Volkslieder, Frl. Sulamith Stein 4. Rezitationen aus jungjüdischen Dichtungen, Frl. Frieda Helldorf, Schauspielerin 5. Max Bruck: „Kol nidere“ Herr Rudolf Lampl, Violinvirtüos 6. Rezitationen, Herr Josef Torczyner, Schauspieler 7. Lebendes Bild: An den Wassern Babels. Inszeniert durch akad. Maler Krestin. Die P. T. Korporationen und Gg-, welche Karten zum Vorverkauf übernommen haben, werden frdl. aufmerksam gemacht, daß die letzte Abrechnung Sonntag, 9. März a. c., von 11—12 Uhr stattfindet. Siflefcureninha&ei’. Wir erhalten aus Meran folgende Zuschrift, für deren Inhalt wir den Einsendern die Verantwortung überlassen : Die im Jahre 1S72 durch die Initiative des Isac und der Lisette Königsw’-arter aus Frankfurt a. M . entstandene Stiftung hatte ursprünglich ihrer Widmungsurkunde gemäß die Bestimmung, in Meran einen Friedhof für Israeliten zu schaffen und den Ueberschuß der für die Gräber gespendeten Liebesgaben zur Unterstützung armer mittelloser Jsraelite.n zu verwenden. An der Spitze dieser Stiftung steht ein fünfgliedriges Kuratorium, welches sich selbst wählt und ergänzt und dessen Mitglieder gewissermaßen auf Lebenszeit ihres Amtes walten. Diese Körperschaft,' welche in keiner Verbindung mit den übrigen Juden steht, die auch auf Zusammensetzung des Kuratoriums keinerlei Einfluß zu üben in der Lage' sind, hat im Laufe der Zeit die unumschränkte Führung und Verwaltung des gesamten Kultus usurpiert und gilt gewissermaßen durch Gewohnheitsrecht auch nach außen hin als die gesetzliche Vertretung der Juden. So hat das Kuratorium bereits wiederholt im Geheimen und ohne sich um Ansicht und Wünsche der Meraner Judenschaft zu bekümmern, Anfragen der Behörde, wie sich jene zur Schaffung einer Kultusgemeinde stelle, unter sich entschieden. So leitet es auf Grund sich selbst angemaßter Machte befugnis den gesamten Ritus, übt ohne Kontrolle Wohltätigkeit mii fremden Geldern usw. Wie aus diesen wenigen Andeutungen 'hervorgeht, haben sich dadurch, daß die Ueberschreitung des in seinem Stiftsbriefe fest umschriebenen Wirkungskreises des Kuratoriums bisher stillschweigend geduldet wurde, . für die Dauer unhaltbare Uebelstände ergeben, welche endlich zur energischen Selbsthilfe aufriefen. Aber kaum, daß die hiesige Judenschaft ihre allzulange geübte Toleranz aufgah und aus ihrer Reserve hervorzutreten begann, scheuten sich diejenigen, welche sich in ihrer allmählich herausentwickelten mächtigen persönlichen Interessensphäre bedroht sahen, nicht, ein Kesseltreiben einzuleiten. Da die einzig mögliche Lösung, die Konstituierung einer selbständigen Kultusgemeinde für Südtirol, in naher Zukunft kaum erreichbar schien, ging das vorbereitende Komitee, dem ihm anvertrauten Mandate entsprechend, zunächst an die Schaffung eines Provisoriums in der Form, daß gemäß dem für die Juden Südtirols derzeit geltenden Statut der Kultusgemeinde Hohenems in Vorarlberg ein „Kultuskomitee“ gewählt worden sollte. Im vollen Einvernehmen mit dem Bezirkshauptmann wmrde die Wahl ausgeschrieben und jm Amtsblatte der k. k. Bezirkshauptmannschaft publiziert. Die Wählerlisten waren bereits ' in den Amtsräumen der hiesigen Kurvorstehung zur Einsicht aufgelegt, alle maßgebenden Persönlichkeiten hatten ihr weitgehendes Entgegenkommen bekundet — die k. k. Bezirkshauptmannschaft hatte die Delegierung eines Vertreters zum Wahlakte zugesagt, die Kurvorstehung das Wahllokal zur Verfügung, gestellt — da verhinderten die'derzeitigen Alleinherrscher die Durchführung des Planes. Waren sie vorher in einer gemeinsamen Konferenz nur der Schaffung einer selbständigen Kultus gemeinde mit leicht zu widerlegenden Einwänden begegnet, di; finanziellen Lasten würden größere werden, die Behörden W’ürden im Erstreben einer zweiten Kultusgemeinde in Tirol (außer der noch in weite Ferne gerückten Kultusgemcindc für Nordtirol mit dem Sitze in Innsbruck) eine Bedrohung der Glaubenseinheit sehen u. s. w„ hatten sie gehofft, durch ein allzu durchsichtiges Verschleppungsmanöver die bestehenden Verhältnisse für unabsehbare Zeit zu fixieren und nur zum Scheine vorgegeben, sie würden der Schaffung eines Kultus-Komitees keine Schwierigkeiten bereiten, begannen sie nunmehr mündlich und schriftlich, durch Intriguen und Proteste die maßgebenden Faktoren umzustimmen. Der Präsident des Kuratoriums der Königswarterstiftung, Her.r I>r. Koref, intervenierte persönlich bei der Kurvorstehung, das Komitee störe den konfessionellen Frieden, es handle sich um die Aktion einiger Privatleute, die eine Minorität hinter sich hätten, während doch durch zirka 70 Unterschriften jüdischer Steuerträger Merans der untrügliche Beweis erbracht war, daß sich die überwiegende Majorität gegen das gegenwärtige Regime auflelmt und jene Ausstreuungen der Wahrheit direkt ins Gesicht schlagen. Im Vereine mit der Kultusgcmeindc Hohenems ist es denn auch den Quertreibereien der-„Vertretung“ der Meraner Juden rühmlich gelungen, die unter Opfern von Geld und Arbeit für den 26. Februar anberaumte Wahl eines gesetzlichen „Kultus-Komitees“ unmöglich zu machen: die k. k. Bezirkshauptmannschaft Meran widerruf ihre Zusagen und lehnte jede Ingerenz ab, die Kurvorstehung Meran schickte die Wählerlisten zurück und weigerte sich, das Wahllokal zur Verfügung -zu stellen und—die Kult us gemeinde Hohenems sistierte ohne Angabe von Gründen die WaH Die Gemberger Universitäts-Krawalle. Eine Anekdote erzählt von einem polnischen Edelmanne, weicher von Feinden verfolgt wurde, ln seiner Not wandte sich der Schlachziz an einen ihm bekannten Juden mit der Bitte um Unterschlupf. Der Jude erbarmte sich der Verfolgten und versteckte ihn im Rauchfang. Der' Schlachziz nahm die Hilfe des Juden, der sich der Gefahr aussetzte, von den Verfolgern seines Schützlings mißhandelt zu werden, als selbstverständlichen gebührenden Tribut an. Die nachsetzenden Verfolger kamen bald, durchstöberten’ des Juden Haus und da sie den gesuchten Schlachzizen nicht entdeckten, zogen sie ab. Freudestrahlend lief der Jude zum Vprsteck des Edelmannes und brachte ihm die frohe Nachricht, daß die Gefahr vorüber sei. Der Schladhziz aber herrschte den Juden, welcher wohl in demütiger Haltung, abemit aufgesetzter Mütze dastand, mit den Worten an: „Jud! Mütze herunter, wrenn du;mit mir sprichst“. Diese Anekdote ist lehrreich und illustriert in deutlichster Weise das Verhalten der Polen, zu den Juden. Selbst wrerin die Polen in gedrückten Verhältnissen leben, /selbst wenn sie selbst Verfolgte sind, selbst wenn sie von den Juden Hilfe erfahren haben, immer bricht ihre Hochstapler- und Herrenmoral hervor. Das wird besonders durch die letzten Vorfälle an der Lemberger Universität sinnfällig. Die Warschauer Universität wird als russische Hochschule von einem Teile der pol-j nischen Hörer, namentlich von denjenigen, welche sich’s leisten können, ins Ausland zu reisen, boykottiert. Die Juden in Russisch-Polen, welche von den Polen in furchtbarer Weise drangsaliert werden, haben selbstverständlich keinen Anlaß, päpstlicher als der Papst zu sein und besuchen, soferne man sic nur zuläßt, die Warschauer Universität. Vor einiger Zeit kamen acht Juden, welche ihre Studien in Warschau begonnen hatten, nach Lemberg und belegten die medizinischen Vorlesungen an der Lemberger Universität, deren Charakter vorläufig noch nicht feststeht, da die Polen behaupten, sie wäre polnisch unfd die Ruthenen, sie wäre utraquistisch. Die assimilatorischen Jüngel, deren Zahl im Verhältnis zu den jüdisch - nationalen Hochschülern verschwindend ist, erblickten in der Tatsache, daß jüdische Studenten, welche die von den Polen aus polnisch-nationalen Gründen boykottierte Warschauer Universität besucht haben, nunmehr an der Lemberger Hochschule studieren, eine Entehrung dieser „polnischen Anstalt“. Flugs inszenierten sie eine Hetze gegen die jüdischen „Streikbrecher aus Warschau“. Die jüdischnationale Studentenschaft Lembergs nahm zu dieser Hetze in einer großen Versammlung Stellung und erklärte in einer einstimmig gefaßten Resolution, daß der Beschluß der polnischen Studenten inbezug auf den Boykott der Warschauer Uni-I. versität für sie nicht bindend sein könne, da es sicli um nationale Interessen derselben Polen handle, welche einen furchtbaren- Boykott über die gesamte Judenschaft Polens verhängt haben. Diese Resolution wurde dem Rektor der Lemberger Universität, dem jüdischen Professor Beck, zur Kenntnis gebracht. Die assimilatorischen Jüngel, die strebsame Garde des Herren Löwenstein und Horowitz, ließen aber nicht nach und bewogen die gesamte polnische Studentenschaft, welche froh war, einen Anlaß zu antisemitischen Exzessen gefunden zu haben, sich an der Hetze gegen di: acht Studenten aus Warschau zu beteiligen. Montag, den 3. März, kam denn auch die von den ehrlosen jüdisch-assimi'atorischen Uebe-läufern inszenierte antisemitische Hetze zum Ausbruch. Die Polenverlangten die Ausweisung der Warschauer Studenten aus der Universität, welchem Ansuchen selbstverständlich nicht willfahrt wurde. Die Polen überfielen nun während einer Vorlesung die jüdischen Studenten und versuchten sie mit Brachialgewalt aus dem Universitätsgebäude zu entfernen. Die zionistischen Studenten kamen den bedrohten Kollegen zu Hilfe und es entspann sich eine arge Schlägerei, in deren Verlauf polnische Und jüdische Studenten verletzt wurden. Das Rektorat sistierte daraufhin die Vorlesungen. Doch nahmen die Zusammenstöße zwischen den polnischen und jüdisch-nationalen Studenten kein Ende, .umsomehr als die assimilatorischen Frechlinge in ihrem Verräter-Uebereifer jdie' Gelegenheit ausnützten, ihre „polnischnationale“ Gesinnung zu bekunden. Selbstver- . stündlich sind die Jüdisch-Nationalen angesichts dieser Kämpfe nicht untätig. Mit aller Entschiedenheit nehmen sie ihre Kollegen aus Warschau in Schutz. Die galizischen Juden werden sich diese Vorgänge merken müssen. Denn das Verhalten der polnischen Gesellschaft und der polnischen Presse gegenüber diesem Uebermutsausbruch der polnischen Studentenschaft läßt in einen tiefen Abgrund unversöhnlichen Judenhasses blicken. Die Juden werden gut daran tun, den Leuten, w'elche vermeinen, man müsse mit der Mütze in der Hand ihre Frechheiten entgegen nehmen, den Standpunkt, find-zwar in gründlicher Weise, klar zju machen. ' ' > '

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