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Jüdische Zeitung · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NRTIQNflL -JUDJ5CHE5 DRGRN^ JgJj _ Li Mineini wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II., karmeliterplatz Nr. 1. — Sprechstunden ■ ■■. ,lieh von 11 12 Uhr vormittags und 4—5 Ubr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurOckgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- H ™ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 133.404. V ^Telefon 22.075. ■ Nr. 4._'_Wien, Freitag, den 24. Jänner 1913 VII. Jahrgang Die iuOifi&en ledmiher und Gewerbes treibenden und die Wiener Kultusgemeinde. Der Wirkungskreis der Wiener Kultusgemeinde hat im Laufe der Jahre eine ungeheure Ausdehnung erfahren. Die ordentlichen Jährlichen Ausgaben erreichen fast die vierte Million, wobei die Ujizahl von Stipendien und Stiftungen, die unter ihrer Verwaltung stehen, nicht berücksichtigt sind. Sie hat Spitäler, Versörgungsanstalten, Schulen und andere große öffentliche Anstalten zu unterhalten und täglich erwachsen ihr neue Pflichten. Speziell in der allernächsten Zeit sind mehrere große Aufgaben zu vollführen: der Bau des Jüdischen Kind er spitals im Augarten, des profien Tempels im ersten Bezirk, des Administ rat io ns-Gebäudes uiid des neuen Friedhofes. Die Kosten werden nach mäßiger Schätzung 14 bis 16 Millionen Kronen betragen. Es muß naturgemäß vor aHem" dafür gesorgt werden, daß der Verwaltungsäpparät zur gedeihlichen Lösung solcher Aufgaben geeignet wird, daß er modern und großzügig arbeiten kann. Das ist bisnun leider nicht geschehen. Der patriachalische Schlendrian hat sich trotz des ungeheuren Wachstums der Geijieinde erhalten. Unter solchen Umständen ist es Pflicht der jüdischen Qeffentlichkeii, energisch1 einzugreifen und Mißgriffe der Verwaltung soweit als möglich1 zu verhindern. Der Anlaß ist bereits geboten. Der Bau des Jüdischen Kinderspitals soll in wenigen Monaten begonnen werden. Die bezüglichen Beratungen im' Vorstande sind fast beendet und es entsteht die Frage: Wem1 wird die Ausführung der künstlerischen, technischen und gewerblichen Arbeitenübertragen werden? Man möchte glauben, daß eine Diskussion über diesen Punkt überflüßig ist. Bei Ausführung öffentlicher jüdischer Bauten in ‘Wien muß natürlich allen Wiener jüdischen Technikern, Gewerbetreibenden und kaufmännischen Lieferanten Gelegenheit geboten sein, sich im Konkurrenzwege zu beteiligen! Das klingt selbstverständlich. Aber durchgeführt wurde es deshalb bisnun noch nie. Bisnun hat der jüdische Kultusvorstand die Arbeiten für die Gemeinde einfach „unter der Hand4i an Schützlinge vergeben, und es besteht die Gefahrj, daß auch' bei den kommenden großen Bauten die interessierten Kultussteuerträger ihresguten Rechtes zu Gunsten einiger Protektionskinder beraubt werden. Es liegt daher nicht nur im1 Interesse der beteiligten Steuerzahler, Sondern auch im1 Interesse einer künstlerisch' vollendeten und rationellen Bauausführung, daß dieser unzuläßige Vorgang von nun ab nicht geübt werde. Man muß den jüdischen Technikern, Gewerbetreibenden und Kaufleuten und der jüdischen Gesamtheit zu ihrem Rechte verhelfen. Die zionistischen Vertreter in d^r Kultusgemeinde haben bereits den ersten Schritt getan und die Her an ziehung sämtlicher 'jüdischer Architekten Wi e ns zur Konkurrenz für die Herstellung der Spitalspläne gefordert. Sie haben 'hiebei auch die wirksame Unterstützung einiger Mitglieder im Vorstande gefunden, jäher noch ist es ihnen nicht gelungen, ihre Förderung durchzusetzen. Hiezu bedarf. es der Mitarbeit der gesamten jüdischen Oeff ent liehk eit. Der Wiener jüdische Volksrat Jhat zu diesem Zwecke Aktionen leingeleitet. Er hat dem Kuttusvorstande eine Resolution übermittelt und wird im Vereine mit' den beteiligten Fachorganisationen eine öffentliche Massendemonstration zugunsten der Heranziehung aller jüdischen FachJeJA-tÄ~.b.ei Verge-_ bung der Arbeiten für das Kinderspital veranstalten. Jeder Wiener Jude ist verpflichtet, mitzutun, denn es gilt dem einzig gesunden und gerechten Prinzipe zum Durchbruche zu verhelfen! Es muß unmöglich gemacht werden, daß 15 Millionen jüdischen Geldesin unberufene Hände gelangen. Es darf nicht dahinkommen, daß das objektive, künstlerische, technische und kaufmännische Urteil ausgeschaltet und im Sinne eines verwerflichen, lichtscheuen Protektionssy s t em s gearbeitet wird. Es ist zu hoffen, daß kein vernünftig und ehrlich denkender Jude dieser Aktion seine Mithilfe versagen wird! Rundschau. Die antisemitische Arbeiterzeitung. Immer unverhüllter zeigen die Juden von der „Arbeiterzeitung“ ihre stramme antisemitische Gesinnung. Hatten sie diese bisher nur durch gewisse Wendungen, Witzeleien und kleine Verdrehungen bekundet, so rückten sie kürzlich, in ihrer Sonntagsnummer vom 19. d. M. mit einem ganzen antisemitischen Artikel, der die fette lleberschrift „Judäömagyaren“ trug, heraus. Was unterscheidet die „Arbeiterzeitung“ noch vom „Deutschen Volksblatt“? Doch: eine Kleinigkeit! Während letzteres wenigstens bemüht ist, seinen Antisemitismus dadurch zu rechtfertigen, daß es von den Juden und ihren Schandtaten Schauermärchen erzählt, vertritt die Arbeiterzeitung den Antisemitismus um seiner selbst willen, nur um die Partei als judenrein hinzustellen. Was für furchtbare Dinge enthüllt sie nicht unter dem Titel „Judäömagyaren?“ Man höre und staune: Der Finanzminister Teleszky, der sich „so sehr für die neuen Steuergesetze ins Zeug legt“ — es handelt sicfTThr eine radikale Einkommensteuer — ist ... die Feder sträubt sich, es zu melden . . . also: er ist der Enkel eines Mannes, der Jeiteles, geheißen hat! Diese fürchterliche Tatsache stellt die witzige Arbeiterzeitung einer geschmackvollen Bemerkung des Abgeordneten Kubinyi entgegen, wonach „die Pajeßträger keine Steuern zahlen wollen“, und meint, daß es dem Finanzminister fatal sein wird, daß man sich „schmunzelnd an die Schläfenlocken des Großpapas erinnert“. Man sieht, der Witz der Arbeiterzeitung ist eben so roh, wie dumm. Wo liegt überhaupt der Witz? Daß sich immer und überall die besitzenden Klassen gegen eine radikale Besteuerung auflehnen, liegt ganz in ihrem „Klasseninteresse“, wie der marxistische Jargon lautet und durchaus keine auf Juden beschränkte Erscheinung. Wir wollen gar nicht in die Geschichte zurückblicken und auf die mit Feuer und Schwert Jahrhunderte hindurch verteidigte Steuerfreiheit der seinerzeit privilegierten Stände — der Adeligen und Geistlichen — hinweisen, sondern bloß auf die Haltung unseres Parlamentes gegenüber der überaus bescheidenen Novolle zum Personaleinkommensteuergesetz, von der nur Einkommen über 10.000 K getroffen werden sollen und die demnach von den durchaus unverjudeten beiden Häusern seit 2*4 Jahren verschleppt wird: Die Arbeiterzehnng, die sonst immer beteuert, in der sozialen Frage nur Klassengegensätze und keine konfessionellen zu sehen, wird damit der sozialistischen Theorie untreu, nur um den Antisemitismus herauskehren zu können. Noch ärger ist die zweite jüdische Schandtat, die das Blatt unter dem reizenden Titel „Judäömagyaren“ enthüllt. Ein Abgeordneter Pajzs de Raczalmas — Sohn eines Herrn Pick — ist aus der Kossuthpartei ausgetreten, weil diese durch Propagierung des allgemeinen Wahlrechtes die magyarische Hegemonie gefährde. Nun sind wir die letzten, welche die magyarischen Juden, die in Chauvinismus machen, verteidigen wollen, aber wir fragen: warum sucht sich die Arbeiterzeitung just einen Judenstämmling aus, wenn sie die reaktionäre Gesinnung der ungarischen Parlamentarier brankmarken will? Sind die Tisza, Lukacs, Andrassy usw., die Führer der Reaktion, etwa auch Juden? Das ist ja das bekannte Rezept der Antisemiten, daß sie, wenn ein Jude etwas tut, ihn an den Pranger stellen, wenn aber tausende von Nichtjuden dasselbe machen, füglich schweigen. Die Arbeiterzeitung ist am besten Wege, die anti-. semitischen Zeitungen, die wenigstens von überzeugten Antisemiten geschrieben werden, auf ihrem eigensten Gebiete zu schlagen und, mit diesem Lorbeer geschmückt, wirbt ihr Chefredakteur, ein Jude aus einer mährischen Kille, um jüdische Stimmen in der Leopoldstadt, um als Vertreter des größten Judenbezirkes ins Parlament einzuziehen! Aaronsohns Entdeckung und — die Germanentheorie. In der neuesten Nummer der „Mitteilungen und Nachrichten des Deutschen Palästina- Vereines“ bespricht der berühmte deutsche Geologe Prof. Blanckenborn, der bekanntlich selbst sehr viel zur wissenschaftlichen Erfor- -Schung Palästinas beigetragen hat, die aufseheneh>ggnde Entdeckung des jüdischen Kolonistensohne3s'mjs Sichron, Jacob Aaronsohn, ..derHjekanntljdtiJbfc^ieiii Nordabhängen der Her-

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