Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 3 Mühr.-Ostrau. Im Anschluß an die in der vorletzten Nummer erschienenen Notiz „Sozialdemokratische Freiheit“ erhalten wir folgende Zuschrift: Nachdem die Führer der hiesigen Sozialdemokraten in ihrer Versammlung vom 12. Dezember 1912 in der taktlosesten Weise die jüdhchna'icna’e Handlungsgehilfen-Orgari a ion beschimpft und den allein erschienenen Gg. Dr. Felix Winterstein gewaltsam daran hinderten, diesen "Entstehungen entgegenzutreten, scheint ihnen nunmehr das Schmäh iche ihrer Handlungsweise denn doch zum Bewußtsein gekommen zu sein. Sie beriefen daher, um den üblen Eindruck abzuschwächen, für den 20. v. M. abermals eine Versammlung ein, diesmal mit der unzweideutigen Tagesordnung: „Jüdischnationale, Nationalismus una sozialistische OrganisaJion, in wessen Auftrag soll die Sache der Angestellten geschädigt werden?“ Im wohltuenden Gegensätze zu dem Referate des Sekretärs Reis bemühte sich der Referent der zweiten Versammlung, Herr Dr. Viktor Haas, sachliche Argumente für die Bekämpfung der besonderen jüdischen Organisation vorzubringer, wenn auch dieselben den bekannten, nichts weniger als judenfreundlichen Geist atmeten. Die Ausfährungen des Referenten, die, wie gesagt, ernst und sachlich vorgeb'acht wurden, scheinen aber dem bekannt rabulistischen Geschmacke der Versammlungsteilnehmer sozialdemokratischer Flagge wider den Strich gegangen zu sein. Reis suchte die Maßhaltung desi Dr. Haas abzuschwächen, denn er scheint es darum seiner Parteistellung (übrigens hat ihn die Partei auch schon wiederholt öffentlich abzuschütteln versucht) und auch seiner jüdischen Abstammung schuldig gewesen zu sein, damit zu drohen, daß man weiterhin die Jüdischnationalen mit anderen Mittele als mit bloßen Worten bekämpfen werde. Bezeichnend ist es, daß ein vö’li? unparteiischer Versammlu-gsteilrehme’-, der Anhänger des Zentral verein es ist, Herr Advokat Dr. Ignaz Schmid, von der gerechten Entrüstung der meisten Versamm’ungstil-ehmer mitgerissen, nidtit genug scharfe Worte finden konnte, um ein derartig beschämendes Vorgehen eines Juden zu brandmarken. Reis benahm sich in so rüder antisemitischer Weise, daß es jedem aufrechten Juden die Schamröte ins Gesicht treiben mußte. Gg. Dr. Winterstein hatte daher keine allzu schwere Aufgabe, um angesichts dieser Vorgänge darzutun, wie wenig die jüdischen Handlungsgehilfen von einer Partei zu erwarten haben, die sich stets nach bewährtem Muster („Arbeiterzeitung“ und die jüdisch-assimilatorischen Arbeiterführer) bei Auftauchen der Judenfrage bemüssigt sieht, durch Herabwürdigung u. Beschmutzen alles Jüdischen den Nachweis zu erbringen, daß sie keine Judenschutztruppe sei und auch nicht sein wolle. Es‘ wäre jedoch politischer Selbstmord, das drückende Judenelend ohne jedwede Abwehr auf sich 'beruhen zu lassen. Der Platz jedes jüdischen Angestellten ist in der jüdischnationalen Organisation, die einzig und allein berufen und befähigt sein wird, dem spezifisch jüdischen Elend wirksam entgegen zu treten. Die Ziele der jüdischnationalen Organisation sind mindestens ebenso ernst und enolgverheißend, wie die des Zentralvereines und können eben wüste Beschimpfungen und Herabwürdigung und Schmähung einer guten jüdischen Sache nichts ändern. — Reicher Beifall lohnte die. .überzeugenden Ausführungen des Redners und nach Versammlungsschluß meldeten viele Angestellte ihren Beitritt zur neuen Organisation an. InJiJdie Bub ne. MM Telefon 12429. MM ■r-, sw-1 ninmnli Ludwig Lazar MM Telefon 12429. Wien, IX., MM Kolingasse Nr. 13, Liechtensteinstraße 6 yi empfiehlt sein großes Lager in allen Fecht-, Tum-, Sport-, Tennis-, Fußball-, Hockey-, Militär- und Beamten-Uniformsorten in billigster bis feinster Ausführung und gewährt allen Mitgliedern sämtlicher akad. Verbindungen, Tumr und Sportvereinen 10°/o Rabatt auf die auf jedem Stück ersichtlich gemachten Preise. Erster Wiener jüdischer Turnverein IX. Bezirk, Liechtensteinstraße Nr. 20. 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Jänner, i/24 Uhr nachmittags: „Tochter Jerusalems“,Operette von M. Wolfsthal. — Montag, den 19. Jänner: „D er Gemeinderat“, von M. Richter. — Dienstag, den 20. Jänner: „Der Jeschiwe Bücher“, von N. Rakow. — Mittwoch, den 21. und Donnerstag, den 22. Jänner: „B1 ü m a 1 e“, Operette von S. Mogulescu. — ln Vorbereitung: „Der Schabes Goj.“ Jacques Löw’s Verlags- und LageMtatalog des Jüdischen Verlages ist soeben erschienen. Enthält folgende sechs Sonderverzeichnisse: I. Eigene Publikationen des Jüdischen Verlages. II. 1. Belletristik. 2. Jugendliteratur. 3. Sprachen und Literatur. III. Geschenkwerke. IV. 1. Geschichte. 2. Biographien, Memoiren und Briefwechsel. V. 1. Zionismus. 2. Palästinakunde. 3. Broschüren. "VI. 1. Nationalismus, Volkskunde, Statistik u. a. 2. Antisemitismus u. a. 3. Religionsphilosophie, Theologiei u. a. 4. Bibeln,' Gebetbücher, Kochbücher usw. Die Verzeichnisse werden auch einzeln abgegeben. 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