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Jüdische Zeitung · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 3 Kr. Iypinsche Zirkular vom Jahre 1007, das allen Juden, die sieh irgendwo bis zum August 1000 „unrechtmäßig“ niedergelassen hatten, das Wohnrecht verlieh. Allein das ist ja jenes Zirkular, das, anstatt die Leiden der russischen Juden zu mildern, nur zu einer Quelle neuer Qualen und Schikanen geworden ist. Darum ist nur wenig Hoffnung vorhanden, daß die ungesetzlichen Massenausweisungen von Juden rückgängig gemacht werden. .... * Zur Einführung von Hausindustrie in Jerusalem. Jerusalem. Dieser Tage ist es ein Jahr geworden, seit die vom Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina im „Bezalel“ gegründete Abteilung für Spitzenindustrie als ein selbständiges Atelier und besondere Schule eröffnet worden ist. Die Zahl der Schülerinnen ist in diesem Jahre von 74 auf za. 150 gestiegen. Außerdem haben bereits 23 Schülerinnen als ausgebildete Arbeiterinnen das Atelier verlassen, dem sie jetzt Heimarbeit liefern. Das Budget dieses Jahres betrug za. 20.000 Francs, von denen za. 15.000 Francs als Arbeitslohn den Mädchen ausbezahlt wurden. Es ist überflüssig, darauf hinzuweisen, von welchem Segen das Atelier für die armen Familien Jerusalems ist, die jetzt durch die Arbeit ihrer Töchter jeden Monat einen ansehnlichen Zuschuß für ihren Lebensunterhalt bebekommen. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß dank dem- Spitzenatelier 20 jüdische Mädchen die Charakter und Seele verderbende Atmosphäre der Missionsanstalten verlassen haben. Das Atelier gibt den Schülerinnen auch täglich eine Stunde Unterricht in Hebräisch, Rechnen und biblischer Geschichte. Der Unterricht erfolgt in fünf besonderen Abteilungen, die je nach den Vorkenntnissen der Schülerinnen eingerichtet sind. Allsabbatlich veranstaltet ferner die Lehrerin Frl.. Gelber gemeinsame Lesestunden, zu. de- ' nen auch die Heimarbeiterinnen sich einfinden. Ebenso sorgt das Atelier für ärztlichen Beistand in ‘Krankheitsfällen. Das Jerusalemer Atelier wird von Frau Schoschanah Persitz in Moskau erhalten, die auch den Absatz der Waren organisiert. * Eine neue gesetzliche Beschränkung der Einwanderung nach Nordamerika. Newyor.k. Nachdem die Regierung der' Vereinigten Staaten jüngst durch das Kompromiß bezüglich des Handelsvertrages mit Rußland eine Maßregel ergriffen hat, unter der die amerikanischen Juden zu leiden haben, hat der Kongreß durch die Annahme der Burnett-Bil! einen .weiteren Schritt getan, der für. die jüdischen Volksmassen nachteilige Folgen haben wird. . Die Burnett-Vorlage war an die Stelle der Willingham-Bill gesetzt worden, welche nicht allein Analphabeten, sondern auch Personen, die in ihrem Herkunftslande in politischer Hinsicht verdächtig erschienen, von der Landung ausschloß. Die nunmehr angenommene Burnett-Bill enthält u. a. die Bestimmung, daß der über _ 16 Jahre alte Einwanderer vor der Zulassung seine Fähigkeit, zu lesen, nachweisen muß. Wenn man sich die Einwanderungsstatistik des vorigen Jahres ansieht, so ergibt sich, daß unter den 1S2.273 zugelassenen Analphabeten 16.757 Juden waren, eine Zahl, die noh viel größer wird, wenn man die (in .der Statistik nicht mitgerechneten) Frauen und Kinder dieser Einwanderer hinzuzählt. Aut Einwanderer, die ihrer Religion wegen in ihrer Heimat verfolgt wurden, findet die Vorschrift zwar keine Anwendung, doch ist diese Klausel außerordentlich dehnbar und für die Praxis fast bedeutungslos. Eine Möglichkeit ist allerdings noch vorhanden, daß Präsident Taft von seinem Vetorecht gegenüber der Bill Gebrauch macht. Es herrscht hier vielfach die Ansicht, daß das ganze Gesetz überhaupt nur gegen die Einwanderung ‘ von Juden (und Italienern) gerichtet und demnach geradezu als Ausdruck einer judenfeindlichen Stimmung des Repräsentantenhauses anzusehen ist. * Hilfsaktion zu Gunsten der Juden .der Balkanländer. Der Israelitischen Allianz zu Wien sind zu Gunsten der durch den Krieg in Not geratenen Juden der Balkanländer bis zufn 31. Dezember 1912 Spenden in der Höhe von K 26.631.13 zugegangen. Weitere Beiträge werden im Bureau der Israelitischen Allanz, Wien, IL, Untere Donaustraße 33 in den Vormittagsstunden (außer Samstag) oder durch die Postsparkassa Konto- Nr. 8.152) dankend in Empfang genommen. * Emigranten-Fürsorge der Israelitischen Allianz zu Wien. Während des Monates Dezember 1912 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 124 Emigranten, davon 113 russische und 11 rumänische, weiterbefördert und zwar 63 nach den Vereinigten Staaten, 29 nach Argentinien, 7 nach Canada, 5 nach England, 13 nach Frankreich und 7 nach verschiedenen anderen Ländern. In die Heimat zurückbefördert wurden 12 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Dezember für 31 Personen zusammen 157 Tage Logis und volle Verpflegung gezahlt und an 112 Emigranten, insgesamt 448 Speisemarken für die Israelitische Volksküche ausgegeben. Vom Jänner bis Ende Dezember 1912 wurden insgesamt von Wien aus 1246 russische und rumänische Emigranten nach überseeischen bezw. westeuropäischen Ländern weiterbefördert und 203 Rückwanderer repatriiert. * Ablehnende Haltung der englischen Regierung in der russischen Paßfrage. Wie erinnerlich, haben die Vereinigten Komitees des Board of Deputies und der Anglö Jewish Association dem Minister des Auswärtigen Sir Edward G r e y ein ausführliches Memorandum überreicht, in welchem die Ungesetzlichkeit des russischen Standpunktes in der Paßfrage englischer Juden von allen Seiten eingehend beleuchtet wurde. Auf dieses Memorandum antwortete nun Sir Edward ürey brieflich mit der Erklärung, daß die Regierung die . Handelsverträge mit Rußland bei Ablauf derselben, zum letztenmale im Jahre 1 SS 1, eingehend beraten habe, und daher jetzt nicht in der. Lage sei, die damaligen Beschlüsse und Vereinbarungen umzustoßen oder ihnen eine der damaligen entgegengesetzten Interpretation zu geben. Dies müßte zur Folge haben, daß der Vertrag nach Ablaut von 12 Monaten, vom Tage einer solchen neuerlichen Deutung gerechnet, als gelöst zu betrachten wäre. Eine solche Wendung würde jedoch sowohl den. Interessen derjenigen, die das Komitee vertritt, als auch den allgemeinen britischen Interessen widersprechen, weshalb die Regierung nicht inder Lage sei, die im Memorandum ausgesprochenen Wünsche zu erfüllen. Auf einen schriftlichen Einwand des Komitees, daß selbst der Handelsvertrag vom Jahre 1S81, der bloß die Freizügigkeit der englischen Juden in Rußland einsehränkt, dadurch verletzt erscheine, daß jetzt den englischen Juden selbst der Eintritt in russisches Gebiet untersagt ist, replizierte das Auswärtige Amt ganz schroff und kurz, daß es sich auf weitere Diskussionen nicht entlasse und bei dem non possumns verharre. Unter solchen Umständen sah sich das Komitee veranlaßt, sowohl das Memorandum als auch den Briefwechsel mit dem Auswärtigen Amte durch ihre Publikation der weiten Öeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. * Aus dem Hilisvereine der deutschen Juden. Das Zentralkomitee des Hilfsvereines der Deutschen Juden hat einstimmig Herrn Oskar T i e t z, Berlin, in den geschäftsführenden Ausschuß und Herrn D. issotz k y, Moskau, in das Zentralkomitee gewählt. Beide Männer haben sich -bereits seit langem um das Werk des Hilfsvereins in hohem Maße verdient gemacht. * Die jüdische Bevölkerung in Australien und Neuseeland. Die Steuer-Einschätzungsbogen für 1911 weisen einige interessante Zahlen bezüglich der jüdischen Bevölkerung in Australien auf. Folgende Tabelle enthält die Zahl der Juden ia den |ahren 1901 und iOH: Staat 1901 1911 Neusüdwales 6447 7660 Viktoria 5907 6270 Queensland 733 672 Südaustralien ... 786 765 Westaustralien 1259 1790 Tasmania 107 130 insgesamt im eigentl. Australien 15239 17287 Neuseeland 1611 2128 zusammen 16850 19415 . Der „Hebrcw Standard“ (Sydney) gibt hierzu folgende Erklärungen: Im Gesamt-Australien betrug die Zunahme der Juden in den letzten 10 Jahren 102S männliche und 1020 weibliche Personen, also nur noch 204$ Seelen, wählend die jüdische Bevölkerung von Ozeanien um 2565 Seelen zugenommen hat. Die einzige nennenswerte Zunahme ist die von Westaustralien, nämlich ca. 40"", während die allgemeine Zunahme sich nur aut 13"» in den 10 Jahren beläuft. Die Zunahme von Neusüdwaies beschränkt sich nur auf Sydney, denn in den Landdistrikten ist die Zahl der Juden jetzt geringer als vor 10 Jahren. PapteisMrfciiten. Mitteilungen des zionistischen Zentralkonrtees für VVest-Oeslerreich. Kommunique betreifend die Sitzung des westösterr. Zentralkomitees vom 5. Jänner 1913. Sonntag, den 5. Jänner, fand in Wien eine Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für West-Oesterreich statt. An derselben nahmen teil: Die Z. K. Mitglieder Adolf Böhm (Wien), Dr. Friedmann (Troppau), Dr. Fritz Eckstein (Wien), Dr. Hirsch (Komotau), Dr. Jakob Ehrlich (Wien), Dr. E. Margulies (Leitmeritz), Oberingen. Robert Stricker (Wien), Dr. Egon Zweig (Wien). Ferner wohnten den Beratungen als Gäste einige Gesinnungsgenossen aus Wien und Gg. Finzi (Troppau) bei. Den Vorsitz führten abwechselnd die Vizepräsidenten Dr. Margulies und Dr. Friedmann. Nach einer Begrüßung durch Og. Dr. Margulies erstattete Gg. Dr. Zweig, der seit November v. J. an Stelle des auf Urlaub weilenden Präsidenten Böhm die Geschäfte des Zentralbüros geleitet hat, über dessen Tätigkeit Bericht. Gg. Böhnt erklärte, daß er auf seinen Posten als Präsident nicht mehr zurückkehren könne und legte gleichzeitig sein Amt als Mitglied des Zentralkomitees nieder. An seiner Stelle wurde mit der interimistischen Leitung der Geschäfte, nach Kooptierung in das Zentralkomitee, Gg. Dr. Karl Poliak (Wien) betraut und ihm die Rechte eines Präsidenten übertragen. In das Zentralkomitee wurde ferner Gg. Dr. Leopold Meisel (Wien) kooptiert. Die endgültige Regelung der Präsidenteilfrage wurde einem westösterreichischen Parteitage Vorbehalten. Derselbe findet zu Ostern, 23. März a. c. in Prag statt. Ueber die Vorbereitungen zu dem in Wien stattfindenden XL Zionistenkongresse berichtete Gg. Geller. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, dem engeren Aktionskomitee Dienstag, den 2. September, als Eröffnungstag des Kongresses vorzuschlagen. Mitteilungen des zionistischen Distriktskomitees für Inner-Oesterreich. Ordentlicher inner-österreichischer Distriktstag. Lauit §§ 6 und 7 berufen wir für Sonntag, den 26. Jänner 1913, 9'» Uhr vormittags, den ordentlichen inner-österreichischen Distriktstag nach Wien ein. Tagesordnung: 1. Eröffnung durch den D.-K.-Obmann. 2. Wähl des Büros. 3. Bericht des D.-K. und des Nf.-Kommissärs. 4. Generaldebatte. 5. Budget. 6. Neuwahlen. 7. Referat des Generalsekretärs der zion. Weltorganisation Gg. Kurt Blumen fe Id über „Unsere Organisation und der nächste Kongreß.“ S. Eventuelles. Das Resultat der vorgenommenen Delegiertemvahlen ist bis spätestens Donnerstag, den 23. d. AL, bekanntzugeben. — Eventuelle Anträge sind vor dem D.-T. an das gefertigte Distriktskomitee schriftlich einzureichen. ■ -Der- Ort des D.-T. wird, in der nächsten Nummer der jüdischen Zeitung mitgeteilt. Für das zion. D.-K. für Inner-Oesterreich: Ludwig Batö, Obmann. * Generalversammlung des Zionistischen Zentralvereines. Laut § 11 der Vereinsstatuten berufen wir für Samstag, den 1$. Jänner 1913, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Zionistischen Zentralvereines ein. Ort: Großer Saal, Zionistisches Zentralbüro, IL, Karmeliterplatz 1. Beginn präzise 8 Uhr abends. T agesordnung: 1. Bericht des abtretenden Vereinsausschusses. 2. Neuwahlen. 3. Budget. 4. Eventualia. Stimmberechtigt sind lediglich die ordentlichen Mitglieder des Vereines. Für den Ausschuß: Max Markus, Obmann. * Jüdischer Volksverein für die Leopoldstadt Wien, IL, Karmeliterplatz 1. Samstag, den 18. Jänner d. J., um, 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, II., Karmelitergasse 1, eine außerordentliche Generalversammlung statt. T agesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des abtretenden Ausschusses. 2. Kassabericht. 3. Wahl des neuen Ausschusses. 4. Organisationsfragen. 5. Eventuelles. Die P. T. Vereinsmitglieder und Gesinnungsgenossen werden dringend ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. f; m j rfß 1 ‘ ’iH t ‘ M;:[r :lh u;fi' l . ■ :.!?» 311! Ü;lfi:: ‘ ■ hfir ,-p *: A!; 'AM 11 :1 I - ■ i, i 1 fit; i i; ■;\\l ff; :.jtl &

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