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Jüdische Zeitung · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
7 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. i JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 mehr im Handwerk auszubilden. Da nun diese Gemeinden meist sehr reich sind und ihren Angehörigen, wie es beispielsweise bei den Jerusalemer Griechen der Fall ist, nicht bloß unentgeltlich Wohnungen zur Verfügung stellen, sondern ihnen auch monatliche Subventionen zuteil werden lassen, so hat der jüdische Handwerker, der in seiner Gemeinde nicht auf die gleiche Förderung rechnen kann, in der Konkurrenz mit seinem christlichen Berufsgenossen einen schweren Stand. Dazu kommt, daß bei den großen Bauarbeiten, die in Jerusalem von den christlichen Gemeinden jahraus jahrein durchgeführt werden, Juden fast gar nicht beschäftigt werden. Als nun die Handwerkervereinigung „Jegia Kapajim“ aus eigenen Mitteln ein Bauterrain erwarb und sich nun bestrebte, eine Anleihe für den Bau eines Handwerker-Viertels zu erhalten, hatte sie darin keinen Erfolg. Nach langem vergeblichen Warten sahen sich die Mitglieder gezwungen, mit ihren eigenen unzulänglichen Geldmitteln zu bauen. Manche erhielten auch Darlehen von privaten Gläubigern zu nicht gerade niedrigen Zinsen. Die Folge ist, daß die bis jetzt fertiggestellten 60 Häuschen nichts weniger als einen erfreulichen Eindruck machen. Die Mehrzahl der Mitglieder konnte bisher mit dem Bau überhaupt nicht beginnen. Wie nun verlautet, ist die Amsterdamer Chalukah-Verwaltung entschlossen, diese. Angelegenheit in die Hand zu nehmen und eine Aktion zugunsten der Baubestrebungen der hiesigen Handwerker einzuleiten. Im Interesse der Handwerker wäre nur zu wünschen, daß dies möglichst bald geschieht. Bis nun hat sich der in den palästinischen Städten auf Grundlage gemeinsamer Darlehen durchgeführte Häuserbau durchweg moralisch und materiell glänzend bewährt. Es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, daß auch weiterhin die Häuserbaubewegung von Erfolg gekrönt sein wird. Da nun in Jaffa dem Vernehmen nach der Jüdische Nationalfonds, dem ja bekanntlich auch die Erbauung von Tel-Awiw zu verdanken ist, entschlossen ist, den jüdischen Handwerkern in der Wohnungsfrage behilflich zu sein, so wäre es nur recht, wenn die Amsterdamer Chalukahleitung ihrerseits den Handwerkern Jerusalems Hilfe bieten wollte. Eine feine Lehre. Folgende Anekdote, welche den Vorzug hat, wahr zu sein, da sie bis nun von dem am meisten, Betroffenen nicht dementiert wurde, änaChTe *in" den'letzten ' TägeiFtfiö "Rtinde'''dür'ctf die Blätter: . „Vor einigen Tagen ließ!der Chef der großen Hutfirma Habig in der Kärntnerstraße eine seiner Angestellten zu sich kommen und erklärte ihr: „Fräulein, ich habe erfahren, daß Sie eine Jüdin sind. Wiewohl ich gegen Sie nichts einzuwenden habe, bedaure ich lebhaft, daß Sie nicht länger in meinen Diensten verweilen können. Es ist mein Geschäftsprinzip, keine jüdischen Angestellten zu beschäftigen.“ Das Mädchen strich die ihr zugezählte Abfertigung weinend ein und ging von dannen. Im Korridor begegnete ihr ein im selben Hause' wohnhafter Advokat, der das Mädchen weinen sah und sie nach der Ursache fragte. Der Advokat erklärte der bitter Schluchzenden, er wolle sich ihrer annehmen, sie möge am nächsten Tage in seiner Advokaturskanzlei erscheinen. Der besagte Advokat richtete sofort an den Eigentümer des Hauses, in welchem die Niederlage. der Firma sich befindet, dem Baron Gustav Springer, ein Schreiben, in welchem er ihm den Sachverhalt mitteilte und um Satisfaktion für das gekränkte Mädchen bat. Bald darauf wurde der Chef der Firma von Baron Springer eingeladen. Baron Springer erklärte ihm kurz und bündig: „Vom 1. Februar 1913 angefangen werden Sie für Ihr Geschäftslokal in meinem Hause in der Kärntnerstraße um 4800 Kronen jährlich mehr zahlen als bisher. Habig versuchte nun einzuwenden, diese Mietzinssteigerung treffe ihn hart, zumal er kurz vorher für Erneuerung des Portals große Summen investiert hätte. Baron Springer aber erklärte: Sie heben dieses Geschäftslokal seit mehr als zwanzig Jahren in Miete, ohne daß Ihnen auch ein Heller gesteigert worden wäre. Sie müssen sich jetzt diese geringfügige Erhöhung schon gefallen lassen. Sollten Sie jedoch nicht sofort zustimmen, so müßten Sie sich um ein anderes Lokal umsehen. Als Habig Bedenkfrist erbat, erklärte Baron Springer, die Erhöhung würde im Falle langen Ueberlegens 10.000 Kronen ausmachen. Habig machte also gute Miene zum bösen . Spiel und unterschrieb sofort den ihm vorgelegten langjährigen Vertrag. Als er sich entfernen wollte, hielt ihm Baron Springer noch zurück, klingelte, worauf das tags zuvoraus der Firma entlassene jüdische Mädchen aus dem anstoßenden Bureau hereintrat. Herr Baron Springer sagte: Fräulein! Der Herr zahlt vom 1. Februar ängefangen 400 Kronen monatlich mehr für sein Geschäftslokal, diese 400 Kronen gehören Ihnen und Sie werden sie am 1. eines Jeden Monates bei der Firma beheben. Sprach’s und verabschiedete beide Parteien.“ PapfeisNachPlchfen. Offizielle Mitteilungen des Zentralkomitees für Westösterreidr. Z e n t r a 1 f o n d. Eingänge für den Zentralfond vom 25. November bis 31. Dezember. 1912. * - Mähren ft Skrhi e s f eTr:u(Bielitz) „Cheorussia“ K 20.—, Sobet, Huppert, Dr. Berkowicz ä K 5.—; Ziffer 3.—; Brunner 2.—; (Brünn) Grünwald, Blockst. 3.—; (Famnitz) Dr. H. Wertheimer 20.—; (Trebitsch) Dr. H. P., Iglau, erste- Rate 5.—; Slg. 25.—. Summe K 93.—. Innerösterreich (Wien): Junger Advokat durch Dr. Zweig K 10.—; Julius Flaschner 17.60; Summe K 27.60. Gesamteingang aus Westösterr. bis 31. Dezember 1912: Böhmen K 3067.94 y Innerösterreich K 2213.10: Mähren u. Schlesien K 1826.29; Summe K 7107.33. Mähr.-schles. zion. Distriktskomitee Troppau. Der diesjährige Distriktstag findet Montag, den 6. Jänner 1913. in Brünn (Festsaal der Schwechater Bierhalle, Jakobsplatz) statt. T agesor dnung: I. Vormittag: Eröffnung, Wahl des Büros, der Revisoren, des Legitimationsausschusses. Rechenschaftsbericht über die Gesamttätigkeit des DK. Generaldebatte. Budgetberatung für das Jahr 1913. Wahl des DK. > II .Nachmittag: Referat des Generalsekretärs der zion. Organisation Gg. Kurt B1 u m e n f e 1 d über „Zionistische Politik“. Freie Anträge. Außerdem wird ein Mitglied des ZK. über die Organisation in Westösterreich und über die Vorbereitungen zum XI. Kongreß berichten. Wir legen den größten Wert darauf, daß an dieser Tagung jede Organisation durch so viele Delegierte vertreten sei, als sie zu entsenden berechtigt ist. Diese Tagung steht an der Schwelle des großen Kongreßjahres und muß groß und imposant sein. Organisationen, welche die ihnen gebührende Anzahl von Delegierten nicht aus ihrer Mitte entsenden können, haben uns umgehend hievon zu verständigen, damit wir ihnen Bewerber um das Delegiertenmandat empfehlen, oder sollen eine zion. Korporation unseres Distriktes bevollmächtigen, für sie Delegierte zu entsenden. Ebenso erbitten wir uns solche Gg. namhaft zu machen, die zur Uebernahme eines Mandates bereit sind. Die Wahlen für den DT. müssen sofort vollzogen und die Namen der Gewählten uns bis zum 2. Jänner bekannt gegeben werden. Für das mähr.-schles. DK.: Dr. Friedmann, dzt. Obmann. Offener Brief. Geehrte Redaktion! Es scheint leider!, ,daß der in Ihrem vorletzten Artikel geschilderte Zustand, daß jüdische Kinder zur Teilnahme an christlichen Zeremonien gezwungen werden, sich nicht aut eine Schule beschränkt, sondern in Wien ein allgemeiner ist. Meine beiden Schwestern besuchen die Schule IX., Grüne Torgasse und zwar die ältere die 5., die jüngere die 2. Kl. Schon Anfang Dezember wurden in beiden Klassen Nikolospiele aufgeführt und auch jüdische Kinder machten diese in entsprechenden Maskeraden mit. Die kleinere Schwester bekam gleich ihren Mitschülerinnen zur Aufgabe, zu Hause Nikolos und Krampusse aus Papier aus- . zuschneiden, mit der Anwartschaft, daß besonders gelungene Exemplare in der Schule ausgestellt würden. Auch hatten sie fleißig Christbaum-Zeichnen zu üben. Ferner mußte sie einen Bittbriet an den Nikolo dem Fräulein Lehrerin zur Weiterbeförderung überreichen. Die Klasse der älteren Schwester hingegen bekam als Hausarbeit die Behandlung des Themas : „Was wünschen wir uns zu Weihnächte n“. In beiden Klassen wurden fleißig Weihnachtslieder gesungen. Als in der zweiten Klasse zwei Jüdinnen nicht mitsingen wollten, meinte die Lehrerin: „Wegen zweier Kinder werden wir keine Judenschule mache r.“ Dabe. sind in dieser Klasse fünfzig Prozent jüdische Schülerinnen. In der fünften Klasse wieder, die von 21 Jüdinnen und 20 Christinnen besucht wird, wollten drei Jüdinnen nicht mitsingen. Die Lehrerin fragte hier ironisch vor der ganzen Klasse: „Jetzt verlieren wir drei der besten Sängerinnen, übrigens habt Ihr eigentlich kein Recht Euch zu weigern, da müssen erst die Eltern um Enthebung bitten.“ In jeder Klasse gab es einen kleineren Christbaum und im Turnsaal einen großen für die ganze Schule. Jedes Kind, auch die Jüdinnen, bekam ein Packet Zuckerwerk von der Schule aus. Der israelitische Religionslehrer verhält sich diesen Zuständen gegenüber, trotzdem sie ihm bekannt sind, vollständig apathisch. I Aktienkapital K 25,000.000 \ CESKV'CH SPORITELEN 'Vr DER BÖHM. SPARKASSEN Zentrale in PRAG, Filialen in BRÜNN, CZERNOWITZ, KRAKAU, LEMBERG, TRIEST und im eigenen Palais: WIEN, I., Schottenring Nr. 1 — Schottengasse Nr. 10 Expositur: I., Wipplingerstraße Nr. 22. | Einlagen über Kl 10,000.000 | zerzinst derzeit EINLAGEN mit oi 14 IO auf Sparbücher 411 Ol 12 Io Ol |8 Io Prämieneinlagen 45 auf Kassenscheine Rentensteuer zahlt die Bank aus Eigenem. Posterlagscheine kostenfrei. — Effektenabteilung, Bankgeschäfte aller Art, Vadien und Kautionen. Safe Deposits. | Kassastunden von 8 Uhr frfilTb?s 7 Uhr abends ununterbrochen.“I ZIVNOSTENSKfl BflNKfl FILIALE WIEN I., HERREN6HSSE12 Wechselstuben in Wien: F, Herrengasse 12, II., Praterstr. 24, III., Landstraße Haupistr. 88, IV., Favoritenstraße 4, V., Margaretenstr. 71, VI., Gumpendorferstr. 100, VII., Mariahilferstr. 84, VIII , Josefstädterstr. 103, IX., Porzellangasse 9, X., Favoritenstr. 95, XVI., Neulerchenfelderstr. 41. Kulante Besorgung aller Bank» und. 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