Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 51 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ttr. Bi JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Rus dem jüdifchen beben. Sozialdemokratische Freiheit. Am 12. d. M. fand in Mähr.-Ostrau eine allgemein zugängliche, vom Gehilfenausschuß der freien und konzessionierten Gewerbe in Mähr.- Ostrau sowie von der Ortsgruppe Mähr.-Ostau des sozialdemokratischen Vereines der kaufmän. Angestellten einberufene Versammlung statt, welche die Tagesordnung hatte: 1. Siebenuhr-Sperre, 2. Die Kriegsgefahr und der Handel.. Der erste Referent, Krankenkassensekretär Sigmund Reiß, glaubte seine Aufgabe am besten damit zu lösen, daß er sein Referat dazu benützte, um den jüdischnationalen Gedanken und insbesondere dessen Einfluß auf die jüdischen Handlungsgehilfen in* einer Weise zu verunglimpfen, die den Widerwillen jedes Unbefangenen hervorrufen mußte. Es gehörte viel Geduld für einen selbstbewußten Juden all diese böswilligen Entstellungen und albernen Verunglimpfungen, die an Stelle eines sachlichen Referates geboten wurden, ruhig über sich ergehen zu lassen. Dennoch verhielt sich unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Winterstein, der zufällig in der Versammlung anwesend war, vollständig ruhig und begnügte sich damit, ordnungsgemäß beim Vorsitzenden der Versammlung um das Wort zu bitten. Zu seiner größten Ueberraschung wurden jedoch nach Abhaltung der Referate gegen 11 Uhr nachts alle Anstalten getroffen, um nach Verlesung der Resolution die Versammlung mit deren Abstimmung zu schließen. Gesinnungsgenosse Herr Dr. Winterstein reklamierte daher in höflicher Form unter Hinweis auf seine Anmeldung beim Präsidenten der Versammlung sein Rederecht, wurde aber brüsk mit der Erklärung abgefertigt, daß er das Wort nicht erhalten werde. Als er darauf hinwies, daß auf den Plakaten die freie Zugänglichkeit der Versammlung für jedermann garantiert war, wurde er niedergebrüllt und von den willigen Trabanten des Sekretärs Reiß in der rüdesten Weise beschimpft und mit Mißhandlungen bedroht. Nur dem Eingreifen zweier Angestellten, die sich des Bedrohten annahmen und ihn hinausgeleiteten, ist es zu danken, daß es nicht zu Brutalitäten seitens dieser Freiheitshelden kam. Die jüdischen Handlungsgehilfen aber, welche sich noch einigen Sinn night nur für Judentum, sondern auch für wahre Freiheit bewahrt haben, werden durch diesen Vorfall neuerlich darüber belehrt werden, daß sie nur in einer jüdischnationalen Handlungsg_ehilfen-Organisation Schutz für ihre Ehre und für ihre Interessen finden können. Daß Herr Reiß und seine Handlanger durch ihr jeder Kultur 'hohnsprechendes Vorgehen die Reihen dieser Organisation in Mähr.-Ostrau stärken halfen, bleibt ihr, zwar ungewolltes, aber ungeschmälertes Verdienst. * Aus der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Der vom Kultus Vorstände in der öffentlichen Sitzung vom 22. Dezember 1912 festgesetzte Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehender Fonde und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1913 liegt vom heutigen Tage ab durch 14 Tage im Sekretariate der Kultusgemeinde Wien, I. Seitenstettengasse 4, III. Stock, zur Einsicht auf. Die Gemeindemitglieder sind gemäß § 90 des Statutes berechtigt, innerhalb dieser Frist Erinnerungen bezüglich des Vorschlages bei dem Kultusvorstande schriftlich zu überreichen, welcher dieselben in Erwägung zu ziehen hat. Für die Einheit des deutschen Judentums. In Berlin wurde soeben ein Komitee zur Erhaltung der Einheit der deutschen Judenheit auf breitester Basis gegründet, welches es sich zur Aufgabe setzt, gegen die drohende Gefahr einer schismatischen Zerklüftung innerhalb der deutschen Judenheit Vorbeugungsmaßregeln zu treffen. Dieser Bewegung kann sich jeder Jude anschließen, der dieses Programm des Komitees anerkennt. Dem' Komitee gehören Vertreter aller Richtungen an. * Nationaljüdische Bestrebungen in Italien. Ein erfreuliches Zeichen für den Aufschwung des jüdischen Lebens in Italifen bietet der in Florenz angeregte Gedanke einer Studienstiftung für einen jüdischen Lehrer :in Italien, der zur praktischen Erlernung der hebräischen als lebenden Spradhe einige Zeit in Palästina verbringen und sich so unser .nationales Idiom' aneignen soll, um1 es dann auch als solches lehren zu können. Die Sammlung wurde überall sehr beifällig aufgenommen und hat schon eine beträchtliche Summe ergeben. Es steht zu hoffen, daß der zu diesem1 Zwecke nötige Betrag bald aufgebracht wird. Ebenso erfreulich ist es, daß das Komitee der jüdischen Gemeinden Italiens nun schon zum zweitenmal zusammengetreten ist, wie auch im Laufe dieses Monats in Turin der zweite Kongreß der jüdischen Jugend sich versammeln wird. Es sind dies sehr willkommene Anzeichen dafür, daß sich in Italien jüdisches Leben neu zu regen beginnt. Die in diesen Kongressen zu erörternden Fragen sind von der größten Wichtigkeit für das italienische Judentum; u. a. zielen sie auf eine einheitliche Organisierung desselben hin. Jerusalemer Chronik. Jerusalem. Dieser Tage übergab der Chachambaschi der hiesigen Schulbehörde SOO Francs, die in den Schulen und Talmud-Thoras von Jerusalem für den Roten Halbmond gesammelt wurden. Weitere 1000 Francs, die in den hiesigen aschkenasischen und sephardischen Gemeinden gesammelt wurden, wird der Chachambaschi demnächst dem Gouverneur zum gleichen Zweck übergeben. Der Vorsitzende der Schulbehörde ersuchte den Chachambaschi in einem Schreiben, den Juden den Dank der Regierung auszusprechen. Die Bezalelschuie geht jetzt daran, in Jerusalem selbst eine Verkaufsstelle für ihre Produkte einzurichten. Zu diesem Zwecke errichtet der Bezalel am Jaffator, wo hier der größte Verkehr ist, einen Pavillon, in dem auch andere Arbeiten, wie beispielsweise die der Perlmutterwerkstatt und der Diamantenschleiferei zum Verkaufe gelangen werden. Der Pavillon, aut dessen stattliche Ausführung besonderes Gewicht gelegt wird, dürfte in einem Monate bereits vollendet sein. * Ein Pögrontprozeß. Petersburg. In Jekaterinodar fand dieser Tage die Schluß Verhandlung gegen den dortigen Apothekergehilfen Timopheiew statt, der im Jahre 1905 in Jekaterinodar einen Pogrom gegen die dortige jüdische Bevölkerung organisiert und die sengende und plündernde Hooliganenschar persönlich „befehligt“ hatte. Die Gerichtsverhandlung brachte recht merkwürdige Tatsachen ans Licht, die wieder einmal die Beziehungen behördlicher Kreise zu den wüsten Ausschreitungen jener für die russische Judenheit ewig denkwürdigen Schreckenszeit grell beleuchteten. So wurde festgestellt, daß die Pogrombande in Gegenwart von Militär und Polizei das Haus des jüdischen Arztes Dr. Rochlin plünderte und in Brand steckle, desgleichen das Haus des Dr. Maierowitsch und den Laden von Rubinski. Die Zeugenaussagen ergaben ferner, daß die Feuerwehr, die den Brand löschen wollte, gewaltsam verhindert wurde, die Brandstelle zu betreten, daß der Polizeimeister, der die Plünderung des Rochlinschen Hauses seelenruhig beobachtete, einem aus dem Fenster hinausgeschleuderten Paletot selbst aufhob und einem Hooligan weiterreichte. Die Kosaken und Polizisten zogen einen Kordon um die Hooligans und verwehrten angesehenen christlichen Bürgern, die den Juden zu Hilfe eilten und den Mob vertreiben wollten, den Zutritt. So sonderbar wie jene Vorgänge war nun das Urteil in dem Prozeß gegen den Rädelsführer Timopheiew. Der Gerichtshof erkannte aut das kleinste zulässige Strafmaß: Ii/j Jahre Gefängnis, faßte jedoch gleichzeitig den Beschluß, den Verurteilten zur Begnadigung vorzuschlagen. Die Urteilsbegründung ist einzig in ihrer Art und hat in juristischen Kreisen den peinlichsten Eindruck hervorgerufen. Es' wird darin ausgeführt: Wohl sei nachgewiesen, daß Timopheiew sich an den Ausschreitungen als Anstifter und Führer beteiligt hat, doch habe er dies nicht aus eigennützigen Motiven' getan, sondern in gerechtem Zorn über die Beleidigung, die das Häuflein Revolutionäre, als deren Führer in Jekaterinodar er den Arzt Dr. Rochlin ansah, der loyalen Mehrheit der Bevölkerung in jener Zeit zufügte . . . * Der I. Jüdische Turnverein führt mit 1. Jänner 1913 eine zweite Turnzert für die Damen- Abteilung ein; als Turnstunden wurden Mittwoch und Samstag abend von 61/4 Uhr bis 3/t 8 Uhr bestimmt. Die erste Tumzeit wird weiterhin Mittwoch und Samstag abends (^S Uhr bis 1/4IO Uhr) abgehalten. Die Turnzetten in der Herren-Abteilung — Montag und Donnerstag von 61/! bis 3/48 Uhr und von s/48 Uhr bis 1ilO Uhr abends, sowie in der Zöglings-Abteilung — Samstag 9 bis vyil Uhr vorm, und Dienstag VjT Uhr bis 8 Uhr abends — bleiben unverändert. Der monatliche Mitgliedsbeitrag beträgt in allen Abteilungen K 2.20, in der Zöglings-Abteilung K 1.10. Ein Zuschauerraum steht dem P. T. Publikum zwecks Besichtigung des Turnbetriebes zur Verfügung. Etwaige Auskünfte werden an den Turnabenden im Turnlokale erteilt. * Mitteilungen des Palästina-Informationsbüros. Wien, II., Karmeliterplatz 1. Teleph. Nr. 22.075. Es wird uns vom Arbeitsbüro der Poale- Zion in Jaffa folgendes mitgeteilt: „In Jaffa ist eine Stelle für eine Lehrerin der Kunststickerei in einer Schule von 30 Mädchen frei. Bedingungen: 150.— Francs monatl., außerdem werden die Reisespesen ersetzt. Zionistin bevorzugt.“ Offerten zu richten an das Palästina-Informationsbüro, Wien, II., Karmeliterplatz 1. Aufruf! Ein Uebergewicht des jüdischen Volkes, sowohl hinsichtlich der Zahl, als auch bezüglich der kulturellen Machtstellung in Palästina, sind die Voraussetzungen für die Verwirklichung des Zionismus. Von dieser Erkenntnis ausgehend, haben wir in wenigen Jahren und mit geringen Mitteln ein großartiges Schulwerk in Palästina geschaffen, das uns beweist, welch fruchtbare Wirkungen gerade diese Arbeit in Palästina auslöst. Es würden darum viele ungeahnte Werte verloren gehen, wenn wir nicht mit erhöhter Energie und unablässiger Ausdauer in dieser Richtung weiter arbeiten werden. Dem hebräischen Gymnasium in Jerusalem gilt unser Werberuf. Vor kurzer Zeit von opferbereiter und von glühender Zionsliebe erfüllten Aktienkapital K 25,000.000 ZENIRALBANH Einlagen über.K110,000.000 j zerzinst derzeit EINLAGEN mit CESKYCHSPORITELEN "V DER BÖHM. 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