Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 49 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Zionistischer Mädchen-Verein „Moriäh“. im Festsaale des Hotel Continental am 15. Dezember d. J. Die Festrede hält ein Mitglied des Aktionskomitees aus Eerlin; Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: * Frau Betti Ullrich, Mitglied des Deutschen Volkstheaters; Herr Neuß, Mitglied der Neuen Wiener Bühne; Herr Opernsänger Henrik Baumann; Herr Virtuose Laschkowitz. Ein von Maler Krestin u. H. Herschdörfer inszeniertes lebendes Bild bildet den. Abschluß des Abends. Beginn präzise 8 Uhr. Karten (Sitze) ä K 4, 3 und 2; Stehplatz ä K 1, erhältlich im Kartenbureau: Kehlendorfer, I., Krügerstraße 4, Jüd. Zeitung, II., Karmeliterplatz 1 und im Cafe „Marienbrücke“. Wiener Zionistische Vereln'gung. PapteisNachricftten. Die Jahreikonferenz der süddavischen zionistischen Organisation. Agram, 2. Dezember. 1912. Ein in einer Aeßerlichkeit zutage getretener Erfolg, den der Zionismus in den südslavischen Ländern der Monarchie -zu verzeichnen hat, liegt in der Tatsache, daß das erstemal seit Bestehen der Organisation es möglich war, die Jahreskonferenz im Sitzungssaal der Agramer jüdiichen Kultusgemeinde ahhalten zu können. Der Präsident der Organisation, Herr Dr. Hugo Spitzer, der selbst Kultusvorsteher der zweitgrößten jüdischen Gemeinde in Kroatien und Slavonien .ist, eröffnete die Sitzung, die von zahlreichen Delegierten aus Kroatien, Slavonien und Bosnien besucht war, mit einer kurzen Begrüßungsansprache, in welcher auch auf die wichtigen Ereignisse, die sich auf dem Balkan abspielen, hingewiesen wurde. Herr Dr. Horn erstattete den Bericht, dem zu entnehmen ist, daß der Zionismus in steter Entwicklung begriffen, immer in weitere Kreise dringt. Wenn auch das vorhandene unleugbar gute Arbeitsfeld bei besserer, intensiverer Bearbeitung bessere Erfolge verspricht, seien die erzielten Leistungen immerhin anerkennenswert. Herr.Dr. Jakobi berichtete über den jüdischen Nationalfond und konnte er konstatieren, daß in den zehn Monaten des Jahres 1912, über die der Abschluß vorliegt, dank der besonderen Arbeitsleistung ‘der Frau Barmayer-Jakobi zirka 8000 Kronen gesammelt worden waren. Ueber .die „Zidovska Smotra“, dem Parteiorgan, rer ferierten die Herren Alexander Licht, Jut. Singer, Dr. Alexander Licht. Das Parteiorgan, welches regelmäßig erscheint, eine vorzüglich redigierte Revue ist, bedarf dringends der materiellen Sicherste'lung. Herr Josip Kraus erstattete den Kassabericht. Während der Sitzung, die vormittags und nachmittags stattfand, wurden alle Referate lebhaft besprochen, zu den einzelnen Anträgen Ste lung genommen. Zu den Anträgen und Resolutionen der Herren Rosenberg, Ver-' treter der „Bar Giora“ Dr. Licht, Singer, Rabbiner Keller (Banjaluka) und in der a’lgemcinen Debatte aller Referate, sprachen die Herren Dr. Spitzer, Dr. Jakobi, Dr. Hermann, Seidemann, Stern, Dr. Horn, Landau u. Weiler. In allen Punkten wurde eine Einigkeit erzielt. Die nach Erledigung der Tagesordnung vorgenommene Wahl in den Ausschuß der Landesorganisation ergab, mit lebhaften Beifall begrüßt, folgendes Resultat: Präsident: Dr. Hugo Spitzer, 'Esseg: Vizepräsident: Dr. Ivan Jakobi, Agram; Sekretäre: Dr. Marko Horn und Dr. S. Bogad; Kassier: J. Kraus, sämtliche in Agram. Frau Klara Jakobi-Barmayer, Wien; Dr. Alex. Licht, Agram; Erwin Kraus, Esseg; Gustav Seidemann, Prijedor; Nathan Landau, Bjelina; Albert Ozmo und Albert Alkalay in Serajevo. Herr Stern sprach dem1 Vorsitzenden den Dank für die vortreffliche Leitung der Verhandlung aus. Unter lebhaften Akklamationen schloß Herr Dr. Spitzer die Sitzung. Aus alten und jungen Kehlen erklingen die feierlichen Töne der Hatikva. Dann gabs ein Abschiednehmen; in herzlichster Weise gingen die Teilnehmer voneinander. * Sammlung zu Gunsten des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem. Wie wir in der letzten Nummer unseres Blattes berichtet haben, hat das innerösterreichische Distriktskomitee die Sammlung zu Gunsten des hebräischen Gymnasiums in Jerusalem, das eine äußerst wichtige national -kulturelle Mission zu erfüllen hat, eingeleitet. Die zu diesem. Zwecke herausgegebenen Bausteine, die zu je 25 Stück in einem Heftchen gebunden sind und eine künstlerische, sehr gelungene Zeichnung des Gg. O. Herschdörfer zum Entwürfe haben, sind soeben erschienen. Die Verteilung und die damit zusammenhängenden Arbeiten hat das Distriktskomitee der Wiener Zionistischen Vereinigung übertragen, die für die Sammlung in der Hauptsache unsere Jugend interessieren wird. flus dem jüdildien Leben. Ein jüdischer Gesangsverein in Wien. Die Volksliederabende, die in den beiden letzten Jahren veranstaltet wurden, haben weite Kreise darau faufmerksam gemacht, welche noch unbekannten Schätze in der jüdischen Volksmusik liegen und in wie eigenartiger Weise das jüdische Volk im Osten das Lied und die Freu-' den seines Lebens künstlerisch gestaltet hat. Während im Osten diese Lieder als Ausdruck des Voiksempfindens entstanden sind und überall, daheim und draußen, gesungen werden, während zahlreiche Gesangsvereine aller Stände zum Wahrer und Pfleger dieses großen nationalen Gutes geworden sind, liegen diese Bestrebungen in Wien ganz darnieder. Freche Gassenhauer und zweideutige Operettenlieder sind an die Stelle unserer eigenen Weisen getreten. Wohl hat es nicht an Bestrebungen gefehlt, diesem Uebel abzuhelfen, wohl hat der Verein „Hasomir“ trotz der kurzen Zeit seines Bestehens Rühtmliches geleistet,, und damit bewiesen, daß es in Wien nicht nur an geeigneten Kräften nicht fehlt, SQndern daß auch das nötige Interesse bei der großen jüdischen Bevölkerung dieser Stadt vorhanden ist. Aber es zeigte sich, daß nicht bloß der erste Rausch der Begeisterung, sondern auch Ausdauer, zielbewußte und fleißige Arbeit und vor allem eine feste Organisation vorhanden sein müssen, um eine ersprießliche Tätigkeit zu entfalten. Bei der enormen kulturellen Bedeutung, die dieser Frage innewohnt, gestützt ferner auf den Umstand, daß die besprochenen Anforderungen heute teils vorhanden sind, teils leicht geschaffen werden können, wenn man die Erfahrung vergangener Jahre entsprechend verwertet, richten wir demnach an alle früheren Mitglieder des Vereines „Hasomir“, ferner an alle diejenigen Damen und Herren, die bei der Gründung eines bürgerlichen jüdischen Gesangvereines mittun wollen, die Bitte, ihre Adressen dem unten genannten Vereine einsenden zu wollen, damit bei genügender Anzahl von Meldungen eine konstituierende Versammlung einberufen werde. Wir richten ferner an alle jüdischen Vereine die Bitte, die besondere Wichtigkeit und den großen Nutzen eines solchen Vereines in Erwägung zu ziehen .und durch Entsendung einer entsprechenden Zahl von Mitgliedern, sowie durch lebhafte Propaganda die Sache energisch zu unterstützen. Das Präsidiumdes Akademischen Vereines „Jüdische Kultur“ Wien, IX., Garnisongasse 24. * Jüdischer Volksliederabend in Wien. Am 4. Dezember, dem ersten Chanukaabend, fand im Hotel Kontinental der vom rührigen Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“ veranstaltete JüdischeVolksliederabend statt. Herr und Frau Medwedjew und Herr Janowsky, die aus Petersburg kommend, eine Turnee durch Galizien, Westeuropa und Amerika unternehmen, gaben da dem Wiener jüdischen Publikum Gelegenheit, den Weisen des jüdischen Volkes zu lauschen, den Weisen, deren Wiege in der Judengasse im Ghetto steht und die Regungen der Volksseele anschaulich zum Ausdruck bringen. Wer die begeisterten Gesichter der Zuhörer und so manches Auge sah, in dem Tränen standen, mußte den Eindruck gewinnen, daß durch die schlichten innigen Töne der vorgetragenen Lieder für einige Stunden der Kontakt zwischen den Großstadyuden und ihrem Stammorte, der Judengasse, hergestellt sei. Welche Lieder gefielen am besten? Wir können es nicht sagen, sie fanden alle Gefallen gerade wegen ihrer unmittelbaren, ursprünglichen Melodien. — Es wäre zu wünschen, daß die nunmehr erschlossene jüdische Volksmusik in Wien neue Förderer finde. L. B. Fortdauer der Judenausweisungen in Rußland. Petersburg. Die Ausweisungspraxis gegenüber den Juden, die in den letzten Jahren immer schärfere Formen angenommen hat, dauert auch weiter an, und namentlich in den Gouvernements Jekaterinoslaw, Podolien und Wolhynien werden Massenausweisungen von Juden aus den Dörfern vorgenommen, was für zahllose Familien, namentlich jetzt im Winter, den völligen Ruin bedeutet. Im Kreise Dubno sind 200 Familien ausgewiesen worden, und so bestehen nur sehr geringe Aussichten, daß diese harte Maßnahme noch im letzten Augenblick durch den Senat aufgehoben wird, an den die Juden appelliert haben. In Kiew hat eine Gruppe von Juden, die aus den Dörfern ausgewiesen wurden, bei dem Senat und dem Minister des Innern Beschwerde erhoben. Durch das Stolypinsche Zirkular vom Jahre 1907 war nämlich allen Juden, die sich bis zum August 1906 außerhalb des Ansiedlungsrayons niedergelassen hatten, das Wohnrecht verliehen worden. Jetzt aber werden zahlreiche Familien, entgegen den Bestimmungen dieser Verordnung, durch die Willkürpraxis der Gouverneure ausgewiesen, und die antisemitischen Stimmungen, die im Senat herrschen, dürften die Beschwerden der Betroffenen illusorisch machen. # Abberufung des Gouverneurs von Jerusalem. Wie die „Jüdische Orient-Korrespondenz“ in letzter Stunde erfährt, ist Mechdi Bej, der Unterkadif von Jerusalem, wegen des von ihm erlassenen Verkaufsverbotes bereits von seinem Posten abberufen und durch den früheren Des putierten für Konstantinopel, Tahir Hafredd i n Bej, ersetzt worden. * Assimifantenrache. In Warschau, wo sich die Juden anläßlich der Dumawahlen sehr würdig benahmen, liegt die Verwaltung der Kultusgemeinde in den Händen von Assimiianten, weiche es seinerzeit verstanden haben, mit Hilfe der Orthodoxen die jüdisch-na'.ionale Opposi.ion zu besiegen. Erster Sekretär der Warschauer Kul.usgemeinde ist der Dichter J. L. Perez, welcher gleich allen gutgesinnten und ehrenhaften Juden gegen den antisemitischen Duma-Kandidaten auftrat. Hierin wurde er von dem zweiten Sekretär der Kultusgemeinde, einem gewissen Seidemann, auf das werktätigste unterstützt. Die Haltung des Dichters und seines Amtskoliegen erregte aber den Unwillen der Kultusgewaltigen und sie wollen nun die beiden Sekretäre entlassen. Selbstverständlich ruft diese Absicht der Assimiianten ungeheure Empörung hervor, so daß sie die Abstimmung über diese Angelegenheit von Sitzung zu Sitzung verschieben. Man muß abwarten, ob diese geplante Gemeinheit der Assimiianten wirklich zur Durchführung gelangen wird. * | Der Boykott in Warschau. } ln der gegen die Juden gerichteten Boykott- | bewegung der polnischen Bevölkerung ist dank; dem energischen Auftreten der jüdischen Gemeinschaft eine interessante Wendung eingetreten und es ist wahrscheinlich, daß die ganze Bewegung rasch abflauen und ein für die Polen unrühmliches Ende finden wird. Die jüdischen En gros-Händler haben nämlich angesichts der Haltung der polnischen Gesellschaft beschlossen, den polnischen Kleinhändlern den Kredit zu entziehen. [ Diese Abwehrmaßnahme wirkte auf die Polen wie ein kalter Wasserstrahl und sie bequemten I sich dazu, die Hetze und Boykottagitation ein- I zudämmen. Dazu kam, daß die polnischen Kun- I den einsehen mußten, daß sie in den christlichen | Geschäften für teures Geld schlechte Ware er- ( hielten. Ais wäre nichts vorgefaflen, suchten | sie darum wieder die jüdischen Geschäfte auf. I Hoffentlich haben die Polen aus der Affäre er-, | sprießliche Lehren gezogen. Große naßßaßaerieier I veranstaltet von der Wiener zionistischen Vereinignng und Wiener zionisti- I sehen Jugendgruppen 1 am Samstag, den 21. Dezember 1912 im I Hotel „Continental“. I Programm: I Festrede: Dr. Otto Abeies. I Tendenzrede: Otto Schick. I Rezitationen: Dr. Benno Wünsch, Mit- I glied der „Neuen Wiener Buhne“. — I Josef Torczyner, Schauspieler. I Violinvirtuose Rudolf Lampel. I Eine Riege des 1. Wiener jüdischen Turnvereines. I Ein Quartett, Gesangsvorträge etc. Karten ä 60 Heller sind im Büro der I „Jüdischen Zeitung“, Wien II., Karme- I literplatz 1 und im Cafe „Marienbrücke“ I erhältlich. 1 wwwwttun&wiuP