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Jüdische Zeitung · 1912-11-22 · 46 (22.11.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
46 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 46 Wien. („Jordania“.) Am 13. d. M. eröffnete Herr Dr. Fritz Löhner mit seinem Vortrag über „die jüdisch-nationale Politik in Oesterreich mit besonderer Berücksichtigung des Ostens“ den Vortragszyklus der Jordania. Der Vortragende beleuchtete die jüdisch-nationale Politik, widmete sich besonders den östlichen Ländern und fand bei den zahlreichen Zuhörern — zumeist Bukowinaer Studenten —, die den Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit gefolgt waren, großen BeifalL An der folgenden Diskussion beteiligten sich mehrere Zuhörer. * Wien, (üdischer Turnverein, Fünfhaus.) Generalversammlung: Etwas früher als sonst wurde heuer die Hauptversammlung einberufen. Aus den Berichten der Funktionäre konnte man entnehmen, daß auch im letzten Berichtsjahre im Vereine eifrig gearbeitet wurde. — Die Hauptbestrebungen der Vereinsleitung waren stets darauf gerichtet, den Gedanken des jüdischen Turnens in den weitesten Kreisen zu verbreiten. Doch hat die große Agitation dem inneren Vereinsleben nidit genützt. Viele fähige Turner wurden mit geschäftlichen Angelegenheiten überbürdet und das Turnen selbst, die wichtigste Aufgabe, wurde dadurch zurückgedrängt. Ueberdies wurde der Erfolg der Propaganda dadurch geschmälert, daß die neuen Mitglieder ohne Anleitung in der Turnhalle herumstanden, an dem Turnen kein Interesse fanden und dem Vereine bald wieder den Rücken kehrten. Diese Klage wurde in den Generalversammlung vorgebracht und von den Mitgliedern bei den Neuwahlen berücksichtigt. Anstatt wie bisher 17 Personen, wurden jetzt in den Turnrat entsendet: Als Obmann Herr HugoPerlitz, als sein Stell Vertreter Herr Kommerzialrat Baß, als Turnwart Herr Andreas Sabel, als Schriftführer Herr Otto Ruzek, als Kassier Herr Dr. A. Spitzer, als Zeugwart Herr Ing. Theodor Steinherz und als Vertreterin der Damenabteilung Frl. Emma Abeies. Revisor ist Herr, Dr. K. Ruzek. — Die neue Vereinsleitung wird sich bemühen, vornehmlich das Turnen zu pflegen. Dazu müssen auch alle Mitglieder, durch eifriges und pünktliches Erscheinen beitragen, damit die Arbeit des J. T. V. XV. ernst genommen und anerkannt werde. Die Begeisterung nur einiger Mitglieder reicht nicht hin, eine( so große Vereinigung dauernd lebensfähig zu erhalten. * Troppau. Der zionistische Verein „Jeschurun“ veranstaltet am 15. Dezember 1912 eine große Makkabäerfeier, deren Reinerträgnis der Jemenitenaktion zufließt Die Festrede wird Sr. Ehrwürden Herr Dr. O. Thon aus Krakau halten. Aus dem sonstigen Programm seien erwähnt: Beda, Rezitation eigener Gedichte; Vorträge der Violinvirtuosin Frau Hedwig Komgold-Katz; Tanz. Alle Nachbarvereine werden gebeten, den 15. Dezember 1912 nicht durch anderweitige Veranstaltungen zu besetzen. Die Feier betreffende Anfragen sind an Dr. Leopold Leschner in Troppau zu richten. Czernowitz. (Akademische Verbindung „Hasmonaea“.) Chargenwahlen: J. U. C. Moses Merlaub X (Senior), J. U. C. Max Kraus XX (Consenior), J. U. C. Sigmund Morgenstern XXX (Schriftführer). Lemberg. (Jüd, akad. Verbindung „Emunah“.) Chargemvahlen: Cand. ing. Rothfeld Bernard X, cand. ing. Goldstein Martin XX, J. U. C. Mensch Leon XXX. * Tamopol. (Zum III. Distrikt-Tag für Podolien in Tamopol.) Das Referat über „Palästina und kulturelle Arbeit“ wird Gg. Dr. Philipp Komgrün, Sekretär des A.-O. in Berlin und nicht Gg. Dr. M. Weinreb erstatten. ' Aufruf. An die Juden aller Länder! Nach den mannigfachen und schweren Prüfungen, Massenbränden, Cholera und Erdbeben, die im Laufe der letzten Jahre das Judentum unseres Landes heimgesucht haben, ist nun eine Katastrophe von unsagbarer Furchtbarkeit über es hereingebrochen. Der Balkankrieg hat alles verwüstet, was in den Städten und Dörfern der europäischen Türkei — mit alleiniger vorläufiger ■ Ausnahme von Konstantinopel, Saloniki, und bis zu einem gewissen Grade auch Adrianopel — an jüdischem Besitz: Boden, Häuser, Bauernwirtschaften, Handelslagern und beweglicher Habe, vorhanden war. Schwert und Brand haben alles weggefegt und dem Erdboden gleich gemacht. Zahlreiche friedliche und unschuldige Menschenleben sind dieser blutigen Orgie zum Opfer gefallen. Zu Tode erschreckt, halbnakt, entblößt von allem Notwendigsten, hinausgehetzt in die furchtbare Oede der Herbstnacht, die rauhe Stürme und Regengüsse durditobten, haben unsere unglücklichen Brüder in wilder Flucht ihr Leben zu bergen suchen müssen. Durchfroren, halbverhungert, verwundet und verstört, wie die Tiere verstaut in überfüllten, gefährdeten Bahnzügen, zum Teil sich zu Fuß hinschleppend, li-, Spurt-1.' £jl Ludwig Lazar Wien, IX., Kolingasse Nr. 13, Liechtensteinstraße 6 empfiehlt sein großes Lager in allen Fecht-, Turn-, Sport-, Tennis-, Fußball-, Hockey-, Militär- und Beamten-Uniformsorten in billigster bis feinster Ausführung und gewährt allen Mitgliedern sämtlicher akad. Verbindungen, Turn- und Sportvereinen KP/o Rabatt auf die auf jedem Stück ersichtlich gemachten Preise. sind sie endlich in der Hauptstadt angelangt: hilflose Mütter und bleiche Kinder, Greise am Bettelstab, verzweifelte ruinierte Männerf eine Flut von Schrecken und Not in unsere ohnedies schon schwer heimgesuchten und verängstigten jüdischen Stadtviertel ergießend. Die Gemeinden von Mustapha-Pacha, Kirk- Kilisse, Bunar-Hissar, Viza, Lule-Burgas, Baba- Eski, Demotika, Silivrie, Tschorlou und in zahllosen Dörfern der Provinz existieren nicht mehr. Ihre Reste lagern in unseren Synagogen und Wohnhäusern, die sich barmherzig ihnen öffneten. Jeder Tag bringt neue Scharen von Flüchtlingen. Adrianopel und Saloniki sind gleichermaßen überflutet und richten verzweifelte Hilferufe an unsere Hauptstadt. Wir haben nach Maßgabe menschlicher Kräfte versucht, dieses Elend zu lindern. Wir haben den Hungernden Brot gegeben, den Entblößten Kleidung, den Müden eine Bettstatt, den Durchfrorenen die Wohltat des wrärmenden Feuers. Aber unsere Kräfte »müssen bald versagen. Die zur Verfügung stehenden Mittel, welche unsere Gesellschaften und Privaten durch Sammlungen rastlos zu vergrößern bemüht sind, gehen schnell auf die Neige. Es werden große Summen notwendig werden, um für so viele der Aermsten der Armen Matratzen und Decken, Kleider und Nahrung, Wohnstatt und Arznei, Holz und Kohlen herbeizuschaffen. Und noch ist das Elend nicht auf dem Gipfel. Der Krieg dauert fort, die Judenschaft Adrianopels und Salonikis, unter deren Toren gekämpft wird, können jeden Tag vom gleichen Schicksale betroffen werden, wie die kleineren Gemeinden. Darum, jüdische Brüder, wenden wir uns an Euch, pochen wir an Eure getreuen Herzen. Eilt uns zu Hilfe, schnell und entschlossen, helft so schnell und so kraftvoll als Ihr könnt! Es gilt einen ganzen erheblichen Bruchteil unseres Volkes. Der Großrabbiner der Türkei: H. Nahoum. Der Präsident des Landes-Komitees der Alliance Israelite Universelle: J. Femandez. Der Vertreter des Hilfsvereines der deutschen Juden: Dr. D. F. Markus, Oberrabbiner der Aschkenasim. Der Präsident d. Großloge des Orients J. O.B. B.: J. Niego. Gaben sind zu richten an das Großrabbinat der Türkei,. Pera, Konstantinopel. — Spenden werden auch durch die „Jüd. Zeitung“ weitergeleitet und im Blatte ausgewiesen. Aufruf! Die jüdische Turnbewegung ist in den letzten Jahren mächtig aufgeblüht. Allerorten hat sich die jüdische Jugend in Scharen in jüdischen Turnvereinen zusammengefunden, um sich körperlich zu stärken, sich und dem Gesamtjudentum zum Nutzen. Ein wehrhaftes Judentum soll erstehen! Ein Volk, geistig und körperlich vollkommen sollen die Juden wrerden. Die Leopoldstadt,' das Zentrum der Wiener Juden, ist bis heute ohne jüdischen Turnverein. Alsergrund, Fünfhaus, Favoriten und selbst Hernals haben den Wert des Turnens erkannt. Döbling rüstet sich, die Reihen der jüdischen Turner zu verstärken, und so glauben wrir, daß auch die Leopoldstadt nicht zurückstehen darf. Die jüdische Bevölkerung der Leopoldstadt braucht das Turnen besonders dringend; Ein Großteil der Leopoldstädtcr Juden sind Handelsangestellte, Leute, denen turnerische Betätigung, körperliche Entwicklung not tut. Das Turnen soll die Schäden des Berufes paralysieren, neue Kraft und neue Lebensfreude bringen. Den Wert des Turnens' kennen unsere Gegner und darum haben sie den Juden die Tore ihrer Turnplätze geschlossen, jener Turnplätze,. die nicht zuletzt mit jüdischem Geld errichtet wurden. Unsere Gegner wollen auch weiterhin den körperlich schwachen, gedrückten Juden, um außer der Macht ihrer Ueberzalil auch die Macht der Körperkraft (und damit der Lebensfähigkeit) voraus zu haben, um die Juden der Feigheit zeihen zu können: Auch bei uns im Bezirke wird ein jüdischer Turnverein ersehnt. Dieses Sehnen muß erfüllt werden. Als Wortführer der Gleichgesinnten fordern wir Alle auf, unseren Bestrebungen tatkräftige Hilfe zuteil werden zu lassen. Wer selber turnen will oder wer am Bestehen eines jüdischen Turnvereines in der Leopoldstadt Interesse hat, möge seinen Namen und seine Adresse an Herrn Benno Deutsch, II. Spriugergasse 11 bekanntgeben. Ort und Zeit der konstituierenden Versammlung wird den Interessenten sodann schriftlich bekanntgegeben werden. Die Proponenten: Siegfried Keßler, Benno Deutsch, Friedrich Spatz, Gyula N e u m a n n. I Jacques Löw’s Tanz-Institut für distinguierte Kreise II., Taborstraße Nr. 20a.‘ Die P. T. Studierenden sowie Korporationen genießen Honorarbegünstigungen. Jüdiftfie Buhne.. Direktion M. Siegler. Hotel Stefanie, II., Taborstraße. 12. Freitag, den 22., Samstag; den 23. und Sonntag, den 24. November: „D ie Straßenkind e r“, von S. Lubin. — Sonntag, den 24. November, i/^4 Uhr nachmittags: „Bas S-chewa“. — Montag, den 25. November: „Der Gern e i n d e r a t“, Volksstück von M. Richter. — Dienstag, den 26. November: „Kreutzer Soli a t e“, von J. Gordin. — Mittwoch, den 27. November: „Der Prinz von Betlehem“, Operette von Professor Horowitz. — Donnerstag, den 28. November: „Der.Unbekannte“, von J. Gordin. Auftreten des Frl. Zagorskaja. Liste der Überläufer, Nascher Philipp, 1889, Wien, ledig, Kaufmann, I., Sehellinggasse 3. — Kaufmann Jakob Markus, 1861, Suczawa, verehelicht, Kaufmann, I., Weihburggasse 18. — Brodt Rudolf, 1881, Brünn, verh., Kassier, V., Hundsturmplatz 2. — Stern Julius, 1864, Budapest, verh-, I., Landesgerichtsstraße 18. — Stern geb. Tafler Malvine, 1870, Budapest, verheiratet, I., Landesgerichtsstraße 18. — Liebei Valerie, 18S6, Wien, ledig, Sängerin, IX., Wasagasse 52. — Löwy Emma, 1886, Wien, ledig, Lehrerin, XVIII., Währingerstraße 156. — Roth Ernst, 1873, Nagykörös,. ldg., Privatbearter, VI., Köstlergasse 10. — Löwner Max, 1882, Eger, ledig, Rechtspraktikant, IX., Alserstraße 14. — Tintner Elsa, 1886, Wien, ledig, Kontoristin, IX., Brünnlbadgasse 1. — Kuh Rudolf, 1878, Kralup, verheiratet, Agent, II., Nordbahnstraße 38. — Stern Max, 1889, Wien, ledig, Steinschleifer, XVII., Mayßengasse 25. — Marcus Margarethe, 1882, Berlin, verheiratet, Private, VIII., Piaristeng. 11. — Fürst Eleonore, 1882, Wien, ledig, Beamtin, IX., Bleicherg. 11. — Löhner geb. Pokorny Friederike, 1884, Prag, verheiratet, Kaufmannsgatten, IX., Bleicherg. 6. — Tausky geb. Trenkfe Melanie, 1S59, Karlstadt (Kroatien), verheiratet, Bankbeamtensgattin, I., Rathausstraße S. — Ehrlich geb. Buchmayr Anna, 1874i Vornholz (Oberösterr.). verheiratet, XIV., Benedikt Sehellinggasse. — Hecht Robert, 1888, Wien, ledig, Hamburg. — Zwieback Oskar, 1879, Wien, ledig, Privatier, XIII., Lainzerstraße 132b. — Leitner Albert, 1887, Wien, ledig, Drechslergehilfe, V., Schwarzhorngasse 5. — Wiener Leo, 1882, Wien, ledig, Anstreichergehilfe, IV., Alleegasse 54. — Griinhut Anna, 1876, Stampfen (Ungarn), ledig, Näherin, XVI., Friedrich Kaisergasse 21. — Biedermann Klara, 1854, Wien, verwitwet, Rentnerin, derzeit München. — Gruber

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