Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 43 (1.11.1912)
- Date
- 1912-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 handenen wohlhabenden Eltern die Notwendigkeit, ihre Kinder noch einige Jahre auswärts eine Schule besuchen zu lassen. Dies;aber hat zur Folge,' daß die Kinder dem1 Dorfleben und der Landwirtschaft .entfremdet werden. Um dem abzuhelfen, haben sich die Eltern entschlossen, zu dieser neuen Gründung zu schreiten, und sie zweifeln nicht daran, daß diese Schule auch von anderen Kolonien und nicht zum wenigsten vom Auslande Schüler erhalten wird. Gibt es doch viele jüdische Eltern in der Diaspora, die ihre Kinder gern in Palästina in der Landwirtschaft ausbilden lassen möchten. Mit der Organisierung und der Leitung der Schule wurde Agronom1 Dr. Pickholz, der bereits zwei Jahre im Lande tätig gewesen ist, nachdem er seine Fachstudien auf der Wiener Hochschule für Bodenkultur mit ausgezeichnetem Erfolge absolviert hatte, betraut. Die Schule wird einen vierjährigen Kursus umfassen und folgende Unterrichtsgegenstände sind in Aussicht'genommen: Hebräisch, Französisch, Arabisch (fakultativ), Geschichte, Geographie, Mathematik, Chemie, Botanik, Physik, Zeichnen, Feldvermessung, Meteorologie, Zoologie, Geologie und Mineralogie. Von der Agrikultur werden folgende Fächer unterrichtet werden: Bodenkunde, Pflanzenbaukunde, Viehzucht- und Heilkunde, Milchwirtschaft, Pflanzenpathologie, Betriebslehre und landwirtschaftliche Buchführung, agrarpolitische Gesetzgebung in allgemeiner Uebersicht, landwirtschaftliche Handelskunde, Arbeiten im Laboratorium, sowie in Feld und Garten. Aufgenommen werden Schüler, die eine Bürgerschule oder ein Untergymnasium absolviert haben. Für das nächste Jahr haben bereits Dr. Metmann-Jaffa, Eisenstein, Direktor Mugrabi sowie ein arabischer Lehrer ihre Mitwirkung zugesagt. Die Schule, für die bereits geeignete Räume gemietet wurden, wird in einem Monat, am 1. Kislew, eröffnet werden. Das Schulgeld beträgt 150 Frcs. jährlich, ln den Vorstand wurden gewählt: Kolonist Golomb, Agr. Pascal, Dir. Mugrabi, Jeschaja Streit, Agr. Cohn und Salomon. Außerdem wurde Herr J. Rabinowitz zum> ehrenamtlichen Sekretär gewählt. Aus Jerusalem. Jerusalem. Im hiesigen Institute der Dominikaner sind gewisse Veränderungen vor sich gegangen. Die hiesigen Dominikaner gehören gewissermaßen einer wissenschaftlich-fortschrittlichen Richtung an. Ihre Bibliothek ist wohl die reichhaltigste in Jerusalem und sie steht jeden! wissenschaftlich Arbeitenden, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, zur Verfügung. Seit 1892 geben sie eine „Revue Biblique“ heraus, die auf dem' Gebiete der Bibelforschung Wertvolles geleistet hat. In letzter Zeit scheint man jedoch in kirchlichen Kreisen mit ihnen wenig zufrieden zu sein. Infolgedessen hat ihr geistliches Oberhaupt seine hiesige Stelle niedergelegt und wird überhaupt bis auf weiteres Palä-, stina verlassen. Die „Revue Biblique“ wird in eine „Revue Palestinienne orientale“ umgewandelt werden und wird sich von nun an von der eigentlichen Bibelforschung fernhalten. Zirka 60 Freiwillige veranstalteten letzten Donnerstag eine patriotische Kundgebung, der sich bald viele hundert Personen anschlossen. Der Gouverneur Muhaddi Bey hielt;eine zündende Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß in dieser Stunde der Bedrängnis Muslims, Juden und Christen sich zum Schutz des Vaterlandes in Treue und Eintracht vereinigen müssen. Ein alter Mann trat hervor und sagte: „Zweimal bin ich in den Krieg gezogen, jetzt bin ich' zu alt dazu und darum bitte ich, meine beiden Söhne an meiner Statt anzunehmen. Wenn es nottut, stelle ich auch mein ganzes Vermögen zur Verfügung.“ Eröffnung eines jüdischen Lehrerinnenseminars in Jaffa. Jaffa. Dieser Tage wurde hier das vom Odessaer Palästinakomitee begründete jüdische Lehrerinnenseminar, das den Namen des verstorbenen hebräischen Schriftstellers E. L. Lewinsky trägt, feierlich eröffnet. Zum Direktor der Anstalt wurde Dr. N. Turoff ernannt. Die neue Anstalt ist vierstufig, und es soll späterhin auch ein Kursus für Kindergärtnerinnen angegliedert werden. Eine bevorzugte Stellung im Lehrplan des Lehrerinnenseminars wird die theoretische und praktische Landwirtschaftskunde einnehmen. Vom „Bezalel“. Aus Prag erhalten wir eine Mitteilung sehr erfreulicher Natur, welche von den Fortschritten des Bezalel in Jerusalem das beste Zeugnis ablegt und unsere Freunde sehr interessieren dürfte^ Es wird uns geschrieben: „Es ist uns geglückt, knit unseren Erzeugnissen in die Prager Kunstausstellung zu kommen. Wir werden in der alljährlich Mitte November beginnenden großen Kunstausstellung, veranstaltet im Künstlerhause Rudolfinum in Prag einen Raum für eine Kollektivausstellung des Bezalel erhalten und rücken damit in die Reihe erstklassiger kunstgewerblicher Institute. Die ausgestellten Erzeugnisse- Werden in dem Kataloge durch Lichtdruckbilder reproduziert werden. Dieser überraschende Erfolg wird die Errichtung einer ständigen Verkaufsniederlage in Prag zur Folge haben.“ Jüdische Opfer im russisch-japanischen Kriege. Petersburg. Laut einer jüngst veröffentlichten offiziellen Statistik sind im russisch-japanischen Kriege insgesamt 32.075 Russen gefallen, 127.019 wurden verwundet, und verschollen sind 26.277 Mann. Das ergibt zusammen 185.371. Unter ihnen befanden sich Juden in folgendem Verhältnisse: Gefallen 1083, verwundet 1615, verschollen 1013, zusammen 3711 jüdische Soldaten. Parteitag der östeppeidiiWien „Poale Zion“. Vom1 3. bis 5. Oktober fand in Lemberg der Parteitag der „Poale Zion“ statt. Es wurden Referate von Kaplanski (Der X. Zionisten-Kongreß, Palästinaarbeit) 'Dr. 'Rosenfeld (Drohobycz), Dr. Schipper (Kultur- und Bildungsarbeit) und M. Meiseis (Kampf um die galizische Landtagswahlreform) erstattet. Der poale-zionistische Weltverband hat in Palästina ein Arbeitsamt und ein Informationsbüro errichtet. Es erscheint dort das poalezionistische Organ „Haachduth“. Ein Antrag, daß die österreichischen Poale Zion im Weltverband gegen die Beteiligung am Zionistenkongreß stimmen sollen, wurde abgelehnt. Der Bericht spricht von 50 Organisationen in Oesterreich, doch wird die Mitgliederzahl nicht angegeben. Ins Exekutionskomitee wurden gewählt: Dr. Rosenfeld, Dr. Sokal, M. Kandel, S. Herz, A. Reiss. PapteisNactiPichten. Hebräische Sprachkurse. Das i.-ö. D K. eröffnet auch heuer hebräische Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene (Kinder u. Erwachsene). Berlitz-Methode (iwrith b’iwrith). In den Anfängerkursen wird Konversation, Lesen und Schreiben genommen. In den Vorgeschrittenen- Kursen_ wird außer Konversation besonders auf das gründliche Erlernen der-Sprache durch Unterricht in der Sprachlehre und Literatur (alte und neue) Gewicht gelegt. Es haben sich bereits einige Gruppen von Teilnehmern gemeldet. Diejenige, .welche noch teilnehmen wollen, mögen sich beim i.-ö. D K., IX., Türkenstraße 9, zwischen 11 bis 12 Uhr vormittags, anmelden. Auskunftsbüro für den hebräischen Sprachunterricht. Schon lange machte sich das Bedürfnis geltend, qualifizierte Lehrkräfte für den Unterricht im Hebräischen zu finden. Speziell auf dem' Gebiete des modernen Unterrichtes der hebräischen Sprache (Konversation etc.), der neuen und der alten Literatur? (Bibel, Talmud etc.), mangelte es an geeigneten Lehrern. Um diesem Mangel abzuhelfen, beschlossen mehrere Hochschüler und Freunde der hebräischen Sprache, eine Auskunftsstelle ins Leben zu rufen, wo tüchtige und pädagogisch geschulte Lehrkräfte empfohlen werden. Zuschriften an Lewi Dichter, cand. phil., I., Universität. Jüdischer Sport. Hakoäh schlägt Favorit 4:1. Die Unserigen haben damit wieder zwei wertvolle Punkte in der Meisterschaft errungen. Jenö war es, der bereits in der ersten Minute des Spiels das Schicksal der Gegner besiegelte, indem er durch einem famosen Durchbruch das erste Goal erzielte.. Diesem effektvollen Beginn folgte hierauf ein abwechslungsreiches Spiel. Ungefähr in der dreissigsten Minute erzielte Glasl mit einem scharfen und gut plazierten Schüsse ein zweites Tor, dem Burian bald mit einem dritten folgte. Jetzt inszenierte Favorit einige schöne Angriffe und es gelingt ihnen auch, aus einem Eckstoß den Ehrentreffer zu erzielen. Nach Halbzeit zeigte sich durchwegs eine gewaltige Ueberlegenheit der Hakoah, die aber nicht ziffernmäßig zum Ausdruck gebracht werden konnte, da die ganze gegnerische Mannschaft mit aller Energie verteidigte. Nachdem noch Jenö einen von Bader wunderschön vorgelegten Ball zwischen die Pfosten gejagt hatte, schloß Schiedsrichter Spoustadas Wettspiel. — Weitere Resultate: Hakoah II. gegen Favorit II. 3:0; Hakoah III. gegen Armania Ir 4:3. * * - - Voranzeige. Sonntag, den 3. November d. J. spielt Hakoan auf ihrem eigenen Sportplatz in Floridsdorf (an der oberen alten Donau) gegen Favoritner-Lyon ihr fälliges Meisterschaftsspiel. Es ist ein sehr interessanter Kampf zu erwarten, da beide Mannschaften bisher ungeschlagen sind. Beginn 3 Uhr, vorher die Reserven. Vormittags Training der Leichtathleten. Vereinsnadipnbten. Wien. (Vereinigung der mährisch-schlesischen Ferialverbindungen.) Am 19. Oktober 1912 fand im Cafe „Jägerhof“, IX., Porzellangasse, die I. Präsidialkonferenz .statt. In derselben hielt das Präsidium Gg. cand. phil. J. Gol dberger im Namen des Ausschusses den Rechenschaftsbericht für das verflossene Jahr und Gg. JUC. E. Wachsberg den Kassabericht. Dem abtretenden Ausschüsse wurde einstimmig das Absolutorium erteilt. Hierauf wählte die Präsidialkonferenz aus ihrer Mitte denArbeitsausschuß für das laufende! Jahr, welcher sich folgendermaßen konstituierte: Obmann: cand. phil. J. Goldberger („Massada“); Vize-Obmann: cand. jur. Emil Wachsberg („Hessiana““); Schriftführer: cand. ing. B. Würbik („Emunah“); Kassier: cand. phil. Leo Spitz („Hatikwah“); Beisitzer: cand. ing. L. Reiß („Gamalah“). Wien. Generalversammlung der hebr.-akad. Vereinigung „Hatchiah“. Wahlresultat: Nassi: cand. phil. J. Kettenberg; Sgan: cand. jur. S. Horowitz; Maskir: stud. jur. D. Brüll: Wien. (Akad. Verb. „Kadimah“.) Die Chargenwahlen für das laufende 60. Semester ergaben folgendes Resultat: cand. ing. Jeremias Baltin ester X/XXX, med. Felix Mandl XXFX/XXX, XXF , cand. jur. Hugo Erber XXX. Wien. („Unitas“.) Chargenwahlen: MUC. Emil Medak X, JUC. Paul Gehlbard XXFX, jur. Kurt Epler XXX. Die Budenstunden sind täglich von 6 bis 8 Uhr abends VIII., Auerspergstraße 21. Couleurcafe: Cafe Louvre, I., Wipplingerstraße. Tel. Nr. 14.039. Wien. (Jüd.-akad. Ferialverbdg. „Emunah“, Bielitz.) Chargenwahlen für das 33./4. Semester: jur. Alfred Feiner X, ing. Bernhard Würbik XXFX, ehern. Georg Michnik XXX. Bude: VI., Linke Wienzeile 40. Couleurcafe: Cafe „Wienzeile“, VI., Linke Wienzeile 36. Gäste herzlich willkommen. Zuschriften an k. k. Technik, Wien IV. Wien. (Verein jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica“, Wien, IX., Pramergasse 31.) Samstag, den 29.' Sktober 1912 fand die_ dritte, ordentliche Plenarversammlung des Vereines jüdischer Hochschüler „Mensa academica judaica“ statt, an welcher in Vertretung des Kuratoriums der Mensa der Präsident desselben, Herr Univ.-Prof. Dr. M. Hajek und Herr Kommerzialrat Rosenzweig erschienen. Dem Rechenschaftsberichte des Präsidiums entnehmen wir, dab im abgelaufenen Vereinsjahre der Geldumsatz des Vereines die für einen Hochschülerverein recht ansehnliche Höhe von ungefähr 53.000 K erreicht hat. Außerdem konnte der Oekonom med. Keßler konstatieren, daß im laufenden Studienjahre die Zahl der Frequentanten der „Mensa academica Judaica“ sich mehr als verdoppelt hat. Nachdem der Präsident des Kuratoriums, Herr Univ.-Prof. Dr. Hajek dem abtretenden Vereinsausschusse seine uneingeschränkte Anerkennung ausgesprochen hatte, wurde dem Ausschüsse unter lebhaftem Aplaus das Absolutorium summa cum laude erteilt. Bei den hierauf folgenden Neuwahlen wurden folgende Herren in den Vereinsausschuß gewählt: med. Jean Vexier, Präses; med. Lipa Schummer, I. Vize-Präses; phil. HerschWolf Andermann, II. Vize-Präses; Exp.-Ak. A. Emanuel Reiner und med. Markus Salzb e r g e r, Oekonomen; med. Sigmund Klein und med. Berl Klinghoffer, Schriftführer; med. Caesar Caj on und med. Samuel Silberbusch, Hausverweser; med. Moses R a b - bach‘ und med. Abraham Berger, Kassiere; med. Moses F e n d r i c h, Lektionar. Zu Revisoren wurden per Akklamation folgende Herren gewählt: Dr. Heinrich Schiff mann, phil. Srul Kohn .und Dr. Leo Goldhamm er. EBEgSBEBSBEBEgElB "RM. ' Blllft *ttD Wien, II., StefaniestraBe Nr. 14. Telephon interurban 13702. 70 modernst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts. In nnmittelb. Nähe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten vom Stadtzentrum. BADEN bei Wien, Antonsg. 13, Franzensstr. 34. Telephon interurban 217. 400 Personen fassend schöner Naturgarten. Elektrisch beleuchtet Große Veranden und Säle vis-ä-vis dem Kurpark. Große Speisesäle zur Abhaltung von Hochzeitsdiners und anderen festlichen Veranstaltungen. Pension nach Uebereinkommen. Exquisite Küche und Kelle 23^5