Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 42 (25.10.1912)
- Date
- 1912-10-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 JÜDISCHE ZEltÜNG Seite 5 welches stets ein so lebhaftes Interesse an allem * nahm, was das Heilige Land betraf. Es waren Engländer, wie Colonel Conder und Laurence Oliphant, welche der ersten jüdischen Kolonisationsbewegung in Palästina große persönliche Dienste leisteten, und als eine weit ausgedehnte Ansiedlung unter dem Hamidischen Regime hoffnungslos zu sein schien, war es England, an welches sich die Zionisten wegen eines anderen Ansiedlungsgebietes wandten, nämlich El Arisch auf ägyptischem Gebiet an den Grenzen Palästinas. Die Unzulänglichkeit dieses' Gebietes . für eine Kolonisation in großem Maßstabe verhinderte die Ausführung dieses Planes, aber die palestinensischen Ansiedler und das übrige jüdische Volk bewahren der Sympathie, welche ihren Vorschlägen seitens der englischen Regierung entgegengebracht wurde, ein dankbares Andenken. Ihr Vertrauen zu englischen Institutionen ist dadurch bewiesen, daß die wichtigsten finanziellen Einrichtungen der zionistischen Bewegung — die Jüdische Kolonialbank, der Jüdische Nationalfonds, die Anglo-Palestine Company und die Palestine Land Development Company — englische Gesellschaften und in London domiziliert sind. Es ist auch bemerkenswert, daß die Bewegung ihre größten Fortschritte in den jüdischen Gemeinden britischer Gebiete macht, besonders in Kanada und Südafrika, und auf dem letzten Zionistenkongreß, der im Jahre 1911 in der Schweiz stattfand, vertraten fast die Hälfte der 600 Delegierten Schekelzahler, die in den Vereinigten Staaten und Teilen des britischen Reiches wohnen. Von dem Rest waren der größere Teil russische Delegierte, und die deutschen Zionisten waren vollkommen in der Minderzahl. Die Bewegung hat tatsächlich einen vorherrschend russisch-jüdischen Charakter, und ' der russische Jude ist überall englandfreundlich gesinnt. Zum Schluß warnt Ihr Korrespondent England' vor 'Sympathiekundgebungen für die jüdische Bewegung in Palästina, da es sich dadurch die arabische Welt entfremden würde. Die Judophobie, welche sich seit kurzem unter den palestinensischen Arabern zeigt, ist notorisch in weitem Umfange ein Werk der früheren deutschen Ansiedler, welche . die jüdischen Fortschritte mit Mißgunst und Mißfallen betrachten, und die eingeborene Bevölkerung, sowohl in Palästina, wie in Aegypten, hat durch die Einwanderung eines so ener- . gischen und fortschrittlichen Elementes, wie es die Juden darstellen ,alles zu gewinnen. England hat in dem Palästina benachbarten Lande gezeigt, was die Methoden des Westens für das allgemeine Aufblühen, des nahfjj.Qstens. t,un,.jcö.n-.i ,. nen; und die jüdische Kolonisation arbeitet be-,! ’ reits mit ähnlichen Resultaten in Palästina. Zu Lord Pälmerstons Zeiten war es die traditionelle Politik Englands, die jüdischen Ansiedler zu ermutigen, und auf sie den Schutz seiner Konsuln auszudehnen. Heute, da es die herrschende Macht in Aegypten ist, wird es sicher seinen eigenen Interessen sowohl wie denen der Hu- , manitär am besten dienen, wenn es die Entwicklung des benachbarten Landes durch die jüdischen Einwanderer ■ fördert, welche, ungleich . .anderen europäischen Ansiedlern, so viele Sympathien und Berührungspunkte mit der einheimischen Bevölkerung haben, und welche gleichzeitig auf England als auf ihren besten Freund blicken. Ihr ergebener Mittwoch, den 26. Oktober fand unter dem •Vorsitz des Distriktskommissärs für Innerösterreich die erste Sitzung der Wiener Nationalfondkommission statt, bei welcher der größte Teil — leider nicht alle — der Wiener Korporationen vertreten war. Es wurden verschiedene wichtige Anregungen für die Nationalfondpropaganda in Wien und Innerösterreich besprochen und insbesondere beschlossen, der Organisation der Büchsensammlung in Wien erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Zur Erhöhung des Wetteifers in der Sammlung der einzelenen Korporationen soll auch eine Statistik über die Leistungen der einzelnen Korporationen geführt und veröffentlicht werden. Eine enge Ortskommission soll die Propaganda leiten und die Büroarbeit beaufsichtigen. Es wäre zu wünschen, daß die Wichtigkeit der Nationalfondsarbeit bei allen Gesinnungsgenossen das nötige Verständnis finde. W. ^Rabbine^Dr^oachin^ako^ünge^l Die Iglauer Israelitische Kultusgemeinde hat einen schweren Verlust , erlitten. Ihr Rabbiner, der durch mehr als 50 Jahre in der Gemeinde seines Amtes segensreich waltete, ist am 16. ds. M. plötzlich verschieden. Das Leichenbegängnis des Verewigten legte von der Hochachtung Zeugnis ab, deren er sich allgemein erfreute. Auch unsere Bewegung verliert in dem verewigten Rabbiner einen freundlichen Förderer. Erst im hohen Alter lernte. Dr. J. J. Unger den Zionismus kennen. Herangewachsen in der Aera des politischen Liberalismus, erzogen in den Prinzipien der sogenannten Aufklärungszeit, hat er zeitlebens den Maskil nicht verleugnet. „Ich bin zu alt, um umzulernen“, sagte er in richtiger Selbsterkenntnis vor Jahren einem unserer Gesinnungsgenossen, als er mit ihm über den Zionismus sprach. In der Tat zählte er damals fast 80 Jahre. Trotzdem aber war er einsichtig genug, um das neue, frische Leben im Zionismus zu erkennen. Deshalb wirkte er für den Frieden zwischen der dajnals den Zionisten sehr unfreundlich gegenüberstehenden Kultusgemeindevertretung und .unseren Iglauer Gesin - nungsgenossen. Deshalb ■ .wurden auch den Zionisten Im Kultusausschuß auf dem Wege der Uebereihkünft'’ drei Sitze’ überinsserC und deshalb predigte er alljährlich am Neujahrstage mit großer Wärme für den Jüdischen Nationalfonds. Wenn die Kultusgemeinde diesem eine jährliche Subvention gewährte und dem „B e z a 1 e 1“ als Mitglied beitrat, ist das ihm zum Teile zu verdanken. So wahrte der Verewigte den Frieden in seiner Gemeinde, indem er den modernen jüdischen Ideen die Möglichkeit ruhiger Arbeit sicherte. Wir werden Dr. Unger nicht nur wegen seiner segensreichen Amtstätigkeit, sondern auch wegen der Liebe zum jüdischen Volke, zu dem er sich immer offen bekannte, ein treues Andenken bewahren. Herbert' Bentwich, englisches Mitglied des Zentralkomitees der ’zion. Organisation. 2, Garden-court, Temple, London, 29. September 1912. PapteisNactirichten. An alle Nationalfondskommissäre und Mitarbeiter des Nationalfonds! Mittwoch, den 30. Oktober, 7 Uhr abends, hält Herr Dr. Egon Zweig im Lokale des Jüdischen Nationalfonds, IX. Türkenstraße 9, einen Vortrag über „Systematische Nation a 1 f o n d s p r o p a g a n d a.“ Erscheinet zahlreich! * Das Aktionskomitee hat den Schluß des Schekeljahres auf den 31. Oktober festgesetzt. Wir bitten deshalb alle Ortsgruppen und Vertrauensleute, die Sammlungen in diesen letzten Tagen mit allem Nachdruck zu Ende zu führen und die gesammelten Gelder durch ihren Landesverband an uns zu überweisen. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß nach dem neuen Organisationsstatut auch die in-diesem Jahre gesammelten Scheckei für die Wahlen zum XI. Kongreß von Bedeutung sind. Für jeden Delegierten zum XI. Kongreß muß der Landesverband 400 Schekel seit dem letzten Kongreß an das Aktions-Komitee abgeliefert haben. Zionistisches Zentralbüro, Berlin, W. 15, Sächsischestraße 8. flus dem jüdiftben beben. Ein Wahlsieg der Juden in Warschau. Bei den am 16. d. M. vollzogenen Urwahlen zur russischen Reichsduma siegte die nationaljüdische Liste. Von den gewählten 80 Wahlmännern sind 47 Juden. Der Führer und Dumakandidat der polnischen Nationaldemokraten, Roman Dmowski, fiel durch, kommt also für die Hauptwahl zur Duma nicht mehr in Betracht. Aber auch die Partei der polnischen Konzentration, die den ,,Salonantisemiten“ Jan Kucharzewski für die Duma kandidiert, hat eine empfindliche Niederlage erlitten. Ob das nationaljüdische Wahlkomitee nunmehr für die Dumahauptwahl einen jüdischen Kandidaten aufstellen wird, ist noch unbestimmt. Jedenfalls wird es aber nur einen solchen polnischen Mandatswerber seine Unterstützung leihen, der sich unbedingt für die vollständige Gleichberechtigung der Juden erklärt. Dem Vernehmen nach haben sich sämtliche gewählten jüdischen Wahlmänner vor der Wahl schriftlich verpflichtet, bei der Hauptwahl gegen Dmowski und Kucharzewski zu stimmen. In der jüdischen Bevölkerung Warschaus herrscht große Befriedigung über die selbstbewußte Haltung der jüdischen Wählerschaft und die Niederlage des offenen und verkappten Antisemitismus. Wie der „N. J. K.“ ferner aus Lodz berichtet wird, gewannen auch dort die Juden bei den Urwahlen die Mehrheit. Die Zahl der jüdischen Wahlmänner in Lodz beträgt 51. Die Legalisierung des Jaffaer hebräischen Gymnasiums. Die Konstanrinopeler Regierung hat dem Hebräischen Gymnasium in Jaffa das Oeffentlichkeitsrecht verliehen. Die Anstalt gewinnt damit das Recht, staatsgültige Zeugnisse zu erteilen, und ihre Abiturienten finden nunmehr an allen Hochschulen des türkischen Reiches Aufnahme. Infolge der Legalisierung wird der Lehrplan des Gymnasiums insofern eine Aenderung erfahren, als die Zahl der türkischen Sprachstunden erhöht und demgegenüber die Stundenzahl für den Unterricht in den europäischen Sprachen vermindert werden soll. Todesfall Aus Jaffa wird geschrieben: Allgemeine Teilnahme ruft hier der plötzliche Tod von Frau Selma R u p p i n , der Begründerin und Leiterin der jüdischen Musikschulen in Jaffa und Jerusalem, hervor. Die Verstorbene, die noch in jugendlichem Alter stand, war die Gattin des in weiten Kreisern bekannten Dr. Arthur Ruppin, der seit einigen Jahren an der Spitze der zionistischen Palästinaarbeit in Jaffa steht und sich durch sein ausgezeichnetes Werk „Die Juden der Gegenwart“ auch in wissenschaftlichen Kreisen einen großen Ruf erworben hat. PetsonalnaAriibfeii. Anläßlich des Hinscheidens meiner Frau sind mir von Freunden, Vereinen und Institutionen so viele Beweise der Teilnahme zugegangen, daß es mir beim besten Willen nicht möglich ist, jedem einzelnen zu danken. Ich bitte daher auf diesem Wege meinen aufrichtigen Dank entgegenzunehmen. Köln, Oktober 1912. David Wolffsohn. Zup gell. Beaditimgi Am 1. November übersiedelt die „Jüdische Zeitung“ in neue Bürofokalitäten Wien, II., Karmeliterplatz I Daselbst werden auch die bisher in der Türkenstraße untergebrachten Büros des „Jüdischen Nationalfonds“, des „Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich“, des „Innerösterreichischen Distriktskomitees“, des „Zionistischen Zentralvereines“ Unterkunft finden. •I - Alfe--Sendungen“■und' Zuschriften an vorgenannte Organisationen und Institutionen sind ab 1. November ausschließlich an die Adresse Wien, II., Karmeliterplatz Nr. 1 zu richten. VereinsnaAriAten. Wien. (Jüd. Turnverein, Favoriten.) Dienstag, den 29. Oktober, findet im Saale des jüd. Schulvereines, X., Hasengasse 7, präz. 8 Uhr abends, der Erste Vortragsabend d. J. statt. Thema: Zur Frage der jüdischen Erziehung. Ret.: Turnleiter Herr cand. med. Ad. Taglicht. Gäste herzlichst willkommen! Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein „Poale Zion“.) I. Samstag, den 26. d. M., um 8 Uhr abends, im Cafe Stefanie: Vortrag des Gen. R y w u t z k i über „die Lage der jüdischen Arbeiterbewegung in Rußland“. II. Samstag, den 2. November, 8 Uhr abends, im Cafe Stefanie: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Rechenschafts- und Kassabericht; 2. Diskussion; 3. Wahl eines neuen Lokalkomitees. Wien. (Allgemeiner Kranken - Unterstützungs- Verein „Menschenliebe“.) Zu Gunsten des Vereines veranstaltet das Vergnügungs-Komitee am 2. November d. J. eine große Abendvorstellung im Zirkus Busch-Variete mit gewählt dezentem Programm und anschließendem Tanz. Karten im Vereinslokale: IX., Porzellangasse22, Cafe Jägerhof, von 1 bis 3 und von 6 bis i/»8 Uhr. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfen - Verband.) Dienstag, den 29. d. M., 8 Uhr abends, findet im Verbandsheim, II., Taborstraße Ilb, ein Vortrag des Herrn Dr. Leopold P 1 a s c h - k e s statt. Thema: „Wahlrechtsfragen“. Gäste herzlich willkommen! m Holei-Ittni! J. Bullt -IC3 Wien, lli StefanleitraBe Nr. 14. 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