Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 40 (11.10.1912)
- Date
- 1912-10-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 40 Von großer und kultureller Bedeutung sind die mit Hilfe des Nationalfonds geschaffenen landwirtschaftFchen Bauern-Kreditgenossenschaften in den jüdischen Kolonien sowie zahlreiche Einfamilienhäuser und Heimstätten für landwirtschaftliche Arbeiter. PaFieisNaciiFichten. Mitteilungen des i.-S. Distriktskomitees. Gesinnungsgenossen, die Schekelagitation betreiben urallen, können die Blocks hn Lokal des DK. (Nationalfondsbüro, IX., Türkenstraße 9, Telefon 14.199) jederzeit erhalten. Die gesammelten Schekelgelder können entweder direkt mittels Postanweisung an das Zionistische Distriktskomitee für Innerösterreich (IX., Türkenstraße 9) oder im Wege der von der Sammelstelle des Nationalfonds ausgegebenen Postsparkassen - Erlagscheine (mit Schekelvermerk) gesendet oder an das Nationalfondsbüro persönlich abgeführt werden. Gesinnungsgenossen, die keine Gelegenheit hatten, ihren Schekel durch Zahlung eines Vereinsbeitrages oder an Schekelsammler zu entrichten, werden besonders aufmerksam gemacht, daß sie den Schekel (K 1.20) auch direkt mittels Postanweisung oder Postspa-kassen-Erlagscheine (mit Schekelvermerk) entrichten können. Die Abrechnung aller Schekelgelder hat bis längstens 20. Oktober 1. J. unbedingt zu erfolgen. Das Distriktskomitee hat in seiner am 1. d. stattgefundenen Sitzung die Qg. Gg. Dr. Emil Stein und Dr. Oskar Horner kooptiert. Alle Volksgenossen, die in der bevorstehenden Saison hebräisch zu lernen und an den zu errichtenden Sprachkursen teilzunehmen gedenken, werden ersucht, ihre bezügliche Absicht unter Angabe ihrer Kenntnisse (ob sie dem Kurse für Anfänger oder Fortgeschrittene zugeteilt werden wollen) und Adresse dem Zionistischen- Distriktskojnitee für Innerösterreich, Wien, IX., Türkenstraße 9, bekanntzugeben. Wir benützen die Gelegenheit, insbesondere die Gesinnungsgenossen auf die große Bedeutung unserer Nationalsprache für die Zukunft unseres Volkes, wie auch für unsere Bewegung abermals aufmerksam zu machen. Wir müssen mit den Fortschritten der Bewegung unbedingt Schritt halten und «wollen wir den Beratungen des nächsten Kongresses, auf dem die hebräische Sprache zweifelsohne eine große Ro’le spi-len wird, folgen, so ist die Kenntnis des Hebräischen unumgänglich notwendig. Südga'izisdier Distriktstag. Sonntag, den 3. November 1. J. um 10 -Uhr vormittags findet in Stanislau im Saale des Vereines „Erez Israel“, Sobieskigasse, ein ordentlicher Distriktstag des südgalizischen Distriktes mit folgender "Tagesordnung statt: 1. Begrüßung und Wahl des Bureaus; 2. Rechenschaftsbericht des D. KfRef. Qg- Ben-Zion Fett); 3. die letzte Jahreskonferenz und die Lage im Zionismus (Ref. Gg. Hermann Tropp); 4. unsere Palästina-Arbeit (Ref. Gg. Mendel Auerbach); 5. Organisation (Ref. Gg. Dr. Alex Ritiermann); 6. Wahl des neuen D. K. ' Die Anmeldung der Delegierten muß bis am 20. Oktober 1. J. an das Sekretariat der Adresse Ben-Zion Fett, Stanislau, Lipowa 2, erfolgen. aus dem jüöilcfaen Leben. Die jüdische Bevölkerung in Australien und Neuseeland. S y d n e v: Die Steuer - Einschäizungsbogen für 1911 weisen einige interessante Zahlen bezüglich der jüdischen Bevölkerung in Aust-alien auf. Folgende Tabelle enthä't die Zahl der Juden in den verschiedenen Staaten von Australien und Neuseeland in den Jahren 1901 und 1911: Staat 1901 1911 Neusüdwales 6.447 7.660 Victoria 5.907 6.270 Queensland 733 672 Südaustralien 786 765 Westaustralien 1.259 1.790 T asmania 107 130 insgesamt im eigentl. Australien 15.239 17.287 Neuseeland 1.611 2.128 zusammen 16.850 19.415 Der „Hebrew Standard“ (Sydney) gibt hier zu folgende Erklärungen: In Gesamt-Australien betrug die Zunahme der Juden in den letzten zehn Jahren 1028 männliche und 1020 weibliche Personen, also nur 2048 Seelen, während die jüdische Bevölkerung von Ozeanien um 2565 Seelen zugenommen hat. Die einzige nennenswerte Zunahme ist die von Westaustralien, nämlich ca. 40%, während die allgemeine Zunahme sich nur auf 13% in den 10 Jahren beläuft. Die Zunahme von Neusüdwales beschränkt sich nur auf Sydney, denn in den Landdistrikien ist die Zahl der Juden jetzt geringer als vor 10 Jahren. Judenfeindliche Wahlpraktiken in Rußland. Odessa: Dieser Tage wurden die hiesigen Wählerlisten für die nächsten Dumawahlen der Oeffentlichkeit übergeben. Die Listen brachten der jüdischen Wählerschaft eine Ueberraschung, - auf die man selbst bei unseren unvergleichlichen Verhältnissen nicht gefaßt sein konnte. Freilich zweifelte kein Mensch daran, daß unsere Stadtväter, von einer freundlichen Behörde unterstützt, ihr möglichstes tun würden, um das Wahlrecht der Juden zu schmälern. So konnten wir uns schon vor Monaten .überzeugen, daß das vom Gesetze vorgesehene Wahlrecht der sogenannten „kleinen (d. h. steuerfreien) Mieter“ der jüdischen Bevölkerung gegenüber einfach illusorisch gemacht wurde, während man von dem gleichen Recht für die christliche Bevölkerung den ergiebigsten Gebrauch machte. Die von den Agenten der „schwarzen Hundert“ gesammelten Meldungen der „kleinen Mieter“ wurden von diesen einfach zu Tausenden direkt der Behörde übergeben und anstandslos sanktioniert. - Zu gleicher Zeit wurden die persönlich überreichten Meldungen der jüdischen „kleinen Mieter“ unter den nichtigsten Vorwänden einfach in den Papierkorb geworfen. Von ca. 3600 Meldungen dieser Art wurden kaum. 100 berücksichtigt. Und doch war man allgemein überzeugt, daß all diese Praktiken eine wesentliche Verschiebung im prozentualen Verhältnis der jüdischen Wähler im Vergleich zu den Wahlen des Jahres 1907 nicht bringen würden. Neben einer sehr erheblichen Steigerung des Mietzinses in den jüdischen Vierteln in den letzten Jahren, die einen recht beträchtlichen Zmvachs der jüdischen Mietssteuerzahler zur Folge hatte, w'ar es der Eifer unserer Steuerbehörde, der die Reiben der jüdischen Wähler in den letzten Jahren ganz enorm stärkte.' Die Steue-leistungen der jüdischen Bevölkerung im Ansiedlungsrayon wurden nämlich im Laufe der letzten Jahre in rücksichtslosester Weise hinaufgeschraubt. Der ärmste jüdische Handwerker, Handelsangestellte und Krämer wird heutzutage mit der drückenden Gewerbesteuer belegt. Speziell in Odessa ist die Zahl der jüdischen Steuerzahler, die auf Grund der Angaben der Steuerbehörde ohne weiteres in die Wählerlisten eingetragen werden, in den letzten Jahren um 50% gestiegen. Man durfte nun erwarten, daß der Prozentsatz der jüdischen Wähler zumindest der gleiche wie im Jahre 1907 (40,8% in der ersten und 39.12% in 'der zweiten Kurie) bleiben würde. Bei der größeren Intelligenz und Beweglichkeit der jü^ dischen Wähler wäre dann der Sieg der jüdischen Kandidatur in der einen - und der allgemeinen fortschrittlichen in ‘der anderen' Kurie tresichert, um sö mehr, als auch ein Teil der nichtjüdischen Wähler fortschrittlich stimmt und die Ansprüche der Juden auf eines, der Odessaer Mandate billigt. Die Veröffentlichung der Wählerlisten hat nun auch die ärgsten Schwarzseher überrascht. Es hat sich nämh'ch herausgestellt, daß die Zahl der jüdischen Wäh'er sehr „zurückgegangen“ ist. Während die jüdischen Wähler 1907 mit 8261 Mann 39,12% der Igesamten Wählerschaft ausmachten, machen sie jetzt mit 7237 Mann nur rund 25% aus, da die christliche Wählerschaft um ca. 9000 Mann gewachsen ist. Wie hat man nur das Kunststück fertig gebracht? Sehr einfach. Man hat tausende und abertausende Juden, deren Wahlrecht außer allem Zweifel steht, einfach nicht eingetragen. Man rechnete dabei nicht ohne Grund darauf, daß nur die allerwenigsten darunter in der äußerst kurzen Reklamationsfrist die sehr umständliche und vernickelte Prozedur einer erfolgreichen Reklamation werden zu Ende führen, können und die meisten nicht einmal den Versuch machen werden, auf ihrem Recht zu bestehen. Ueberdies machte man noch von dem bewährten Mittel der NamenentsteUungen den ergiebigsten Gebrauch. Die Zahl der entstellten Wählernamen ist außerordentlich groß und wird ohne Zweifel die Zahl der eventuellen erfolgreichen Reklamationen übergegangener Wähler lübertreffen. Auf die jüdische Bevölkerung Odessas wirkten die Wählerlisten geradezu bestürzend. Da man allgemein überzeugt ist, daß die zweite Wahlkurie für die Juden endgültig verloren ist, hä't man es für richtig, daß die jüdischen Kandidaten für die zweite Kurie (Jabotinskv und Saker) freiwillig zu rück treten, damit ein fortschrittlicher, nichtiüdischer Kandidat welcher allein der reaktionär-antisemitischen Gefahr begegnen könnte, mit vereinten Kräften gewähl1 wird, während gleichzeitig in der ersten, weniger bedrohten Kurie der Petersburger jüdische Rechtsanwalt Stiosberg gewählt werden so". Das jüdische Wahlkomitee hat sich zur Frage noch nicht geäußert. Dieser Tage soll die Entscheidung in dieser Frage getroffen werden. \ Neues aus Tel-Awiw. , Jaffa: Auf Vorschlag der Bewohnerschaft des neuerbauten Stadtviertels „Nachalath Benjamin“-beschloß der Gemeinderat von Tel-Awiw, das Nachbarviertel „einzugemeinden“. Nachalath Benjamin, das zu den gemeinsamen Verwaltungskosten einen einmaligen größeren Beitrag leistete, gelangt hierdurch in den ‘Genuß aller derjenigen kommunalen Vorteile, die das nach besten europäischen Mustern verwaltete Tel-Awiw seinen Bewonern bietet. In derselben Sitzung des Gemeinderates von Tel-Awiw wurde ferner beschlossen, eine Konsumgenossenschaft ins Leben zu rufen, wobei der Waad für die Hälfte des in Aussicht genommenen Aktienkapitals die Haftung übernimmt. Auch wurde ein Komitee zur Ausarbeitung einer allgemeinen Bauordnung eingesetzt. VepeinsnadiFiditen. Wien. (Wiener Zionistische Vereinigung.) Ausschußwahlen: Obmann: inr. Heinrich Glanz; Obmannstellvertreter: med. Isidor Klaber;Schriftführer: tech. Karl Neumann; Kassier: arch. Ernst Freud. Wien. (Verein jüd. Hoch Schüler „M ensa academica Judaic a“, IX., Pramergässe 31.) Freitag 'd»en 18. Oktober 1. J. findet um 7 Uhr abends in unserem Vereinslokale, IX., Pramergasse 01, die dritte ordentliche Plenarversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Protokollsverlesung; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Neuwahl des Vereinsäusschusses und Wahl dreier Revisoren; 4. Eventualia. Bleibt die Plenarversammlung beschlußunfähig, so ist die eine halbe Stunde später stattfindende Plenarversammlung mit derselben Tagesordnung für alle Fälle von der Zahl der Mitglieder unabhängig. Wien. (Jüd.-akad. Verbindung „Idria”.) Chargenwahlen für das Wintersemester 1912/13: JUC. Emil Müller X, cand. ing. Ernst K ä u f 1 e r XXFX, JUC. Richard Koch XXX. Budenstunden (IX., Glasergasse 4a) von 6 bis 8 Uhr abds. Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfenverband.) Dienstag, den 15. d. M., 8 Uhr abends, findet im Verbandslokal, II., Taborstraße 41b, ein Vortrag des Herrn Dr. Koloman Freuder statt. Thema: „Aberglaube in der Medizin”. — Samstag, den 12. d. M. Vortrag des Herrn Dr. Joset Strauß über: „Die Sinne und’ das Leben”. Beginn 8 Uhr abends.- — Gäste willkommen. Göding. (Jüd.-akad. Ferialverbindung „Gamala”.) Chargenwahlen: cand. ing. Hans Gold- , m a n n X, cand. ing. Ludwig Reiß XX F X, stud. jur. Emil Teller XXX. Prag. (Todesfall.) Vor kurzem starb hier der bekannte jüdische Publizist und Verlagsbuchhändler Jakob B. ,B r a n d e i s in hohem Alter. Brandeis hat sich um die Prager Judenschaft große Verdienste erworben; er redigierte die „Isr. Gemeinde-Zeitung“, begründete den „Isr. Volkskalender“ und die „Jüdische Universalbibliothek“, in der seitdem zahlreiche Werke der jüdischen Literatur zürn {billigen Preise von 24 Heller den breiteren jüdischen Kreisen zugänglich gemacht wurden, so Tfeß’ Rom und Jerusalem, Perez-Skizzen, Rosenfeld-Gedichte, Doktor Israels David lAlroy u. v. a. Der Verstorbene gehörte jenem, immer seltenen werdenden sympathischen Typus von guten, charaktervollen und liebenswürdigen alten Juden an. Das Leichenbegängnis war eine imposante Kundgebung. Dem ältesten Sohne des Verblichenen, Herrn Richard Brandeis, Mitglied des zion. D-K. für Böhmen, sind (über 1200 Kondolenzen aus allen Kreisen der Bevölkerung zugegangen, die für die hohe Wertschätzung des Verstorbenen Zeugnis ablegen. - W. Wien. (Jüdischer Turnverein Favoriten. X/j, Favoritenstraße 67.) In der am 16. v. M. abgehaltenen Generalversammlung wurden folgende Herren in den Turnrat gewählt: Obmann: Wilhelm Weinberger.; Obmann-Stellv.: Techn. Max Bernat; .1. Schriftführer: Siegfried Heller; 2. Schriftführer: Norbert Hochstimm; Turnleiter: med. Adolf Taglicht; 1. Kassier: jur. Robert Eisenberg; 2. Kassier: S. Insel; Geräteverwalter: jur. Eduard Blödi; 1. Beisitzer: Salomon Medling; 2. Beisitzer: Heinrich Weiß. Das regelmäßige Turnen hat am 18. v. M. begonnen. Herren turnen: Montag und Donnerstag von halb 8 bis 9 Uhr abends; Damenturnen: Mittwoch und Samstag yon halbi 8 bis 9 Uhr abends; Z ö g 1 in gs tu rh e n: Montag und Donnerstag vom 6 bis halb 8 Uhr abends; Jugendturnen: Mittwoch• und Samstag vom 6 bis halb 8 Uhr abends. Avis für Einjährig-Freiwillige. Telefon: Stelle 6 von 3455. Witkowski & Nacht Noä Julius Naöit's Witwe . Wien, IX., Berggasse 27. empfiehlt sämtliche Uniformierungs- und Ausrüstungs-Sorten für das >k. k. Militär, Staats- und Eisenbahnbeamte, sowie für Einjährig-Freiwillige aller Branchen. Große Auswahl in Coüleurbändem. Neuanschaffungen werden in kürzester Zeit effektuiert.