Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 39 (2.10.1912)
- Date
- 1912-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KO« NRTIQNRL -JUDI5LHE5 DRGRN JÜDISCHE ZEITUNG ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II.,StefaniestraBe Nr. 12. — Sprechstunden ■ m tätlich von 11—12 (Jhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurfickgesteüt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ m reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. R 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. “ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 133.404. Telefon 22.075. ■ Nr. 39 Wien, Mittwoch, den 2. Oktober 1912 99SBS9SSS=SSB^B99S» VI. Jahrgang liDHI Palästina im Bild Sonntag, den 27. Oktober 1912, Hotel Continental. Karten k K 3, 2 u. 1 in der „Jüdischen Zeitung“. Zionisten! Der nächste Kongreß in Wien! Mit lebhafter Freude und Genugtuung, haben wir diese Kunde vernommen. Nicht der Lokalpatriotismus löst in uns diese Gefühle aus, vielmehr die tiefe Ueberzeugung, daß der Kongreß in einem jüdischen Zentrum, in der Nähe der Wohnstätten der jüdischen Volksmassen, seinen Platz hat. Wien liegt im Mittelpunkt eines Reiches, das dritthalb Millionen Juden beherbergt, in dieser Stadt ertönten die ersten Weckrufe an unser Volk, in dieser Stadt nahm unsere Bewegung ihren Anfang und nun soll der Zionismus nach einem Triumphzug durch #alle Länder vor aller Welt von seiner Kraft Zeugenschaft ablegen. Durch die Wiener Tagung des Kongresses wird Tausenden und Abertausenden Gelegenheit gegeben, seinen Verhandlungen beizuwohnen und den überwältigenden- I'indruck des jüdischen Volksparlamentes auf sich wirken zu lassen. Der Kongreß wird eine unermeßliche Wirkung auf die Wiener und die österreichische Judenheit ausüben. Ist es unsere Ehrenpflicht, dem Kongreß einen würdigen Empfang zu bereiten, so obliegt uns auch, auf dem Kongreß würdig vertreten zu sein. Ihr wisst, dass nach dem neuen, auf dem letzten Kongresse geschaffenen Statute für die Entsend ug von Delegierten nicht bloß die im Kongressjahre, sondern auch die im letzten kongresslosen Jahre gesammelten Schekel massgebend sind. Vier Wochen trennen uns vom Ende des Schekeljahres und unser Distrikt hat seiner Pflicht der Schekelabfuhr bei weitem nicht genüge geleistet. Gesinnungsgenossen! Darüber, daß Ihr Eure Pflicht insoweit erfüllt, das Ihr selbst den Schekel zahlt, wollen wir kein Wort verlieren. Es ist das geringste Opfer, das von einem Zionisten verlangt wird. Mit dem Schekelzahlen allein haben wir jedoch unsere Pflicht noch nicht erfüllt, wir alle müssen uns an der Arbeit der Schekelsammlung beteiligen. Wir rufen Euch an, die Erwartungen der Zentialleitung, deren Einsetzung gerade unser Verdienst ist, nicht zu enttäuschen und es an Werbeeifer nicht zu fehlen lassen. Ihr habet dem Berichte über die letzte Tagung des Zentralkomitees in Berlin entnehmen können, daß wir auf der ganzen Linie Fortschritte aufweisen können, in der Nationalisierung der Judenheit, in der Zerstreuung sowohl, als auch auf dem Gebiete der Palästinaarbeit. Wir können jedoch die Fortsetzung dieser Arbeit nur dann ermöglichen, wenn wir der Leitung die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Sage niemand, die Schekelarbeit sei zu kleinlich, denn auf dieser Volkssteuer beruht unsere ganze Organisation, verlasse sich niemand auf andere, sondern tue jeder seine Pflicht. Die Leistung des Schekels ist nicht nur eine Manifestation, der Ausdruck des Bekenntnisses zur zionistischen Idee. Der Schekel ermöglicht die Aufrechterhaltung unserer Organisation, ohne die unsere Bewegung nicht bestehen kann, nach dem Wachsen dieser Kopfsteuer wird auch das Wachsen unserer Bewegung beurteilt, das Ansehen unserer Bewegung erheischt eine möglichst hohe Schekelziffer. Gesinnungsgenossen! Das jüdische Volk erwartet, daß jeder seine Pflicht tut. Jeder Einzelne trägt eine große Verantwortung — nicht nur für das, was er tut, mehr noch für das, was er unterläßt. Alle Euere sonstigen Pflichten müssen jetzt zurückstehen, Eure ganze Kraft habt Ihr in der kurzen Spanne Zeit, die uns vom Ende des Sckekeljahres trennt, der Schekelagitation zu widmen. Auf zur Arbeit für die Schekelsammlung! Mit Zionsgruß Zioniftifches DiffFitifsftomifee für Inneröslemidi LUDWIG BATÖ, Obmann. Achtung! Partei- und Gesinnungsgenossen! Samstag, den 5. Oktober 1912, findet im Festsaale des „Jüdischen Volksheim“, II., Stefaniestraße 12, unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte ein SimAas-Thora-Kst statt. PROGRAMM: 1. Festrede. 2. Rezitationen: a) in jüdischer Sprache; b) in deutscher Sprache. 3. Musikalischer Vortrag. 4. Lieder-Vorträge. TANZKRÄNZCHEN. Das Festkomitee des jüdischen Volksverein f. d. Leopoldstadt. Beginn l/J9 Uhr abends, Saaleröffnung i/j8 Uhr abends. Eintrittskarte im Vorverkauf K 1.—, an der Kassa K 1.20. Vorverkaufskarten sind bei allen Komitee-Mitgliedern sowie im „Jüdischen Volksheim“, II., Stefaniestraße 12, zu haben. Jüdifdie Spielerinnen. Zu den widerlichen Spieleraffären der letzten Zeit, die in unserem Blatte ausführlich besprochen wurden, ist in der vergangenen Woche eine neue hinzugekommen, ln einem Wiener Kaffeehause wurde ein Nest von Hazardspielerinnen ausgehoben. Zirka 20 Teilnehmerinnen wurden erwischt, fast ausnahmslos Jüdinnen, der sogenannten guten Gesellschaft angehörig, Frauen und Töchter von Advokaten, Aerzten, Baumeistern und gutsituierten Kaufleuten. Die Wiener Polizei und die Presse, welche sonst nicht sehr diskret sind und an Sensationsaffären Beteiligte absolut nicht schonen, legen sich in diesem Falle eine ganz unangebrachte Zurückhaltung auf, und die Namen der Spielerinnen, welche seit Monaten allnächtlich ihren Unfug trieben, sind bisher der Oeffentlichkeit unbekannt. Dieser Vorfall beweist, daß es höchste Zeit ist, ein Uebel, welches schon lange an einem großen Teile des jüdischen Mittelstandes frißt und wertvolle jüdische Volkskräfte zu zerstören droht, frank und frei zu besprechen. Die Tüchtigkeit, Klugheit und Opferwilligkeit der jüdischen Frau und Tochter bilden eines der stärksten Fundamente des jüdischen Volkstums. Diese Eigenschaften sind allgemein anerkannt und haben viel dazu beigetragen, die in den elendsten