Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 37 (11.9.1912)
- Date
- 1912-09-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 37 .Jaroslav Vrchlickv. j Der größte tschechische Dichter der Gegen- » wart, Jaroslav Vrchücky, ist vor . einigen Tagen gestorben. Die tschechische Nation beklagt im Heimgegangenen einen ihrer besten Söhne und alle Kulturvölker nehmen an der Trauer der Tschechen aufrichtig Anteil. Namentlich wir Juden beklagen im verstorbenen Jaroslav Vrchlickv einen aufrichtigen Freund unseres Volkes. Vrchlicky, oder wie er mit seinem bürgerlichen Namen hieß, Emil Frida, befaßte sich mit gleicher Vorliebe mit den geschichtlichen Ereignissen, die sich im heroischen Kriege der Juden gegen die Römer abspielten, wie auch mit den Schicksalen des modernen Juden. Früchte seines aufrichtigen Interesses für die Juden sind das grandiose Epos ,;Bar-Kochba“, wie auch die tschechische Uebersetzung der Gedichte Morris Rosenfelds. Vrchlickv 'war Herrenhausmitglied, Universitätsprofessor und Mitglied der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Im öffentlichen Leben trat er wenig hervor. Das Andenken des toten Dichters wird überall ehrenvoll sein! Von der Chalukah. ■ Der Jahresbericht der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam“ für das Jahr 5671 zeigt, daß (diese Institution, die es früher ausschließlich als ihre Aufgabe betrachtete, frommen Juden in Palästina milde Gaben zuzuwenden, offenbar .unter der Einwirkung der zionistischen Bewegung, ihren Aufgabenkreis in verständnisvoller Weise erweitert hat. Das' System des Almosenverteilens, wie es früher geübt wurde, mußte ein „Schnorrertum“ großziehen, daß für die Entwicklung Palästinas in wirtschaftlicher und moralischer Beziehung schädlich wirkte. Nun hat die Chalukahverwaltung. ✓ sich entschlossen, dem modernen Geiste, der die jüngere jüdische Generation in Palästina be- . seelt, Rechnng zu. tragen. Die früher übliche Verteilung von 1 bis 2 Francs jährlich an Tausende von palästinensischen Juden wjyrde ganz eingestellt. Die Unterstützungen werden jetzt) mehr als früher. nach dem Gesichtspunkte verteilt, jungen Leuten die Erlernung eines praktische Berufes zu ermöglichen, und die Frage der Bedürftigkeit wird in jedem einzelnen Falle genau geprüft. Die Jahreseinnahmen der „Deutschholländischen Chalukah“ sind vom 113.000 auf;' 160.000 M. gestiegen. Diese Summe zeigt erst, wie sehr der Ausbau der; •Nationalfondssammlungen notwendig ist, und wie viel noch in dieser Hinsicht getan werden kann. Jerusalemer Chronik. Hier and...Bestxejbunge/i -im..Gange,._in Patä- 'r~stina.~efne'Organiiation der religiös-traditionellen Juden zu schaffen, die vorderhand ihre Selbständigkeit wahren und erst späterhin, wenn sie bereits festen Fuß gefaßt haben wird und die Umstände es erfordern sollten, sich an ähnliche Organisationen Europas anschließen soll. Die neue Organisation veröffentlicht jetzt im hiesigen orthodoxen Organ „Hamoriah“ das wegen seiner Besonnenheit und seines vornehmen Tones immer mehr Achtung gewinnt, einen Aufruf, in dem betont wird, daß das Tätigkeitsgebiet der geplanten Organisation hauptsächlich auf ökonomischem Gebiete liege. Dieselbe werde bestrebt sein, neue Erwerbsmöglichkeiten zu suchen, damit die heranwachsende Jugend im Lande bleiben und der jüdischen Traditon erhalten werden kann. Bei den letzten Wahlen zur Balladie (Magistrat) wurden auch Wahlzettel in hebräischer Sprache abgegeben. Da der Reis-il-Balladie (Bürgermeister) dies beanstandete, verwies Direktor Antebi .darauf, daß dies bereits bei den Wahlen ins Parlament üblich war, und daß man von den Einwohnern Jerusalems, die zumeist Juden sind, nicht verlangen könne, daß sie in einer anderen als in ihrer hebräischen Umgangssprache Wahlzettel abgeben sollen. Die hebräischen Wahlzettel wurden daraufhin als gültig anerkannt. Aus Tunis sind' hier 24 ältere Personen, darunter der angesehene Rabbiner Rachmim Buch a n i t z eingetroffen, die hier ihren Lebensabend verbringen wollen. Herr Professor Boris. Schatz, der Leiter der Bezalel-Schule in Jerusalem, ist von seiner Euröpareise zurückgekehrt. Dem Magistrat von Jerusalem gehören zurzeit fünf Muslims, vier Juden und ein Christ an. Die Namen der jüdischen Mitglieder sind: David Jellin, Eljaschar Misrachi und Edas. V Eine Krankenkasse für d.ie jüdischen Landarbeiter in Palästina. ... Jaffa.'Vor einiger Zeit fand hier eine Konferenz der landwirtschaftlichen Arbeiter aus den judäischen Kolonien und Farmen statt, die sich mit der Schaffung einer Krankenkasse für die Arbeiter befaßte. Der palästinensische Landarbeiter ist im Falle einer Erkrankung sehr schlimm daran. Der Lohn reicht nicht hin, um auch. Ersparnisse für die Zeit der Krankheit zu machen. Der Arbeiter muß daher bei einer ernstlichen Erkrankung nach dem Jaffaer jüdischen Hospital, wo er eine für seine Verhältnisse ansehnliche Anzahlung leisten muß, oder nach einem Jerusalemer Hospital transportiert werden, was wieder mit vielen Kosten verbunden ist. Nicht minder schlimm ist es für ihn, daß er nach dem Verlassen des Hospitals zumeist noch zu schwach ist, um gleicji durch Arbeit für seinen erforderlichen Lebensunterhalt sorgen zu können. Die Konferenz beschloß nun, eine Krankenkasse zu begründen und den erforderlichen Betrag bis zum ' nächsten Chanukafeste durch Mitgliedsbeiträge zu beschaffen. Außerdem sollen die Mitglieder den Lohn eines Tages, nämlich des 15. Schebat, dpr Krankenkasse zuführen. Der Vorstand der Krankenkasse wird in Pethach-Tikwah seinen Sitz, haben. Jüdischen Nomadenstämme in der arabischen Wüste. Aus B a s s o r a (Mesopotamien) wird geschrieben : Wie verschiedene Zeitungen berichteten, ist vor kurzem in Palästina ein Jude aufgetaucht, der aus einem Dorfe Han El-Morjan, zwölf Tagereisen von Bassora, zu kommen behauptete, und angab, daß er einem jüdischen Nomadenstamme angehöre. * In der Nähe von Bassora existiert nun kein Dorf, das den Namen Han El-.Vlorjan trägt. ' In Bagdad gibt es ein Stadtviertel unter diesem Namen, auch befindet sich -in einer Entfernung von zwölf Tagereisen von Bassora in der Wüste Nedjed ein kleines Dorf Ein El-Morjan. Es sei bemerkt, daß die arabische Aussprache im Nedjed sehr rein ist und clas Wort „Han“, welches aus dem Persischen stammt, in dieser Gegend nie gebraucht wird. Mau erzählt in Bassora sehr viel über jüdische Nomadenstämme, die in der arabischen Wüste leben, aber nur wenige Leute erinnern sich, sie gesehen zu haben. daie kleiden sich wie Araber und fürchten sogar> ihren Glaubensgenossen zu sagen, daß sie Juden sind. Ich habe den Häuptling eines Beduinenstammes darüber befragt, und er gab mir folgende Erklärung; „Ich glaube, daß es Israeliten im Nedjed gibt, doch sie wagen nicht, das offen zu gestehen, denn wir würden sie alle töten.“ — Die Muslims von Nedjed sind in der Tat sehr fanatisch. Einige Hadjis (Mekkapilger), die von mir befragt wurden, gaben mir folgende Nachrichten; Auf dem Wege von Bassora nach Mekka befindet sich ein Judenstamm, der fünf Silberstücke von jedem vorbeigehenden Pilger erhebt. Als ich sie fragte, woran sie erkennen, daß dies Juden gewesen sind, antworteten sie mir, daß man in diesem Stamm am Samstag nicht arbeite, und wenn Pilger an diesem Tage vorbeikommen, gehen Weihet-;, ihnen das Geld abnehmen.“ ,, - . . Esexistief't außeF«lera-Aj|ifem«bfseher- Volksstamm „Beni-Sakhar“,/ dessen,■•Religion sich von der muslimischen unterscheidet und der jüdischen Religion ähnlich ist. Sie essen kein Kamel-Fleisch und trinken auch nicht die Milch dieses Tieres. Diese Kleinigkeit ist sehr wichtig, doch konnte ich nicht erfahren, ob sie den Sabbat feiern ■ und hebräisch reden. Die hiesigen Juden glauben, daß dies die Nachkommen des Stammes Jissachar sind, von dem ihr Name stammt — Beni-Sakhar. Ich glaube, daß eine Forschungsreise nach dem Nedjed viele wichtige historische Fragen aufklären würde, denn alle glauben hier an die Existenz mehrerer jüdischen Nomadenstämme in diesen Gegenden; Bildungswesen in Palästina^ Jaffa : Seitdem die zionistische Bewegung sich in immer wachsendem Maße der Palästinaarbeit zuwendet, nimmt diejenige Einwandererschicht in Palästina, die .den besitzenden und gebildeten Klassen zuzurechnen ist, allmählich zu. In den letzten Jahren sind daher auch auf dem Gebiete des jüdischen Bildungswesens in Palästina entschiedene Fortschritte festzustellen. Der Lehrerstand, der ja überall für die Volkserziehung und Entwicklung von hervorragendster Wichtigkeit ist, tritt in Palästina immer mehr in die Erscheinung. In diesem Jahre fanden uvder Kolonie Sichron Jakob Lehrerkurse statt,>die der Fortbildung des Lehrerstandes dienen sollten. Die Kurse, welche die verschiedensten Lehrfächer umfassen (Hebräisch, Geologie, Botanik, Agrikultur, Physik, Hygiene, Zeichnen, Gesang, Turnen), waren von 57 Lehrern und 20 Lehrerinnen besucht und hinterließen den besten Eindruck. Jüdische Opfer im russisch - japanischen Krieg. Petersburg. Laut einer jüngst veröffentlichten offiziellen Statistik sind im russischjapanischen Kriege insgesamt 32.075 Russen gefallen, 127.019 wurden verwändet, und verschollen sind 26.277 Mann. Das ergibt zusammen 185.371. Unter ihnen befamlen sich Juden in folgendem Verhältnisse: Gefallen 1083, verwundet 1615, verschollen 1013, zusammen 3711 jüdische Soldaten. Der Herausgeber der „Npwoje Wremja“ gestorben., Der Herausgeber der „Nowoje Wremja“, Suworin ist in 'Petersburg gestorben. Er war der Schöpfer des offiziellen russischen Antisemitismus. Er bekämpfte die Juden fanatisch, ohne sie jedoch zu hassen oder an ihre Schädlichkeit im wirtschaftlichen Leben zu glauben. In perfider Weise hat er dies in Privatgesprächen oft genug erklärt; im Gegenteil, die Juden seien ihm sympathisch. Er ging so weit, daß er für seine Kinder jüdische Studenten als Lehrer engagierte. Der Antisemitismus war ihm einfach Geschäft. Die „Nowoje Wremja“ war am Anfang seiner publizistischen Tätigkeit liberal gerichtet und erst im Jahre 1S31, nach der Ermordung des Zaren Alexanders II., änderte Suworin seine und seines Blattes politische Richtung und ging ins nationalistisch-antisemitische Lager über. Nicht bekannt oder vielleicht schon vergessen dürfte es sein, daß, als Suworin im Jahre 1S76 sein Blatt begründete, ihm daß dazunötige Geld von wohlhabenden Juden zur Verfügung gestellt w u r d e, die der damals ausgesprochen liberalen Gesinnung Suworins vertrauten. Und aus dem mit jüdischem Geld in den Sattel gehobenen Liberalen wurde dann nach fünf Jahren der ärgste Reaktionär '"und judenhasser Rußlands. Eine interessante Namensänderung. Der New-Yorker Richter Justice Gott hatte vorige Woche ein interessantes Gesuch auf Namensänderung zu erledigen. Das Gesuch stammt von dem ältesten Enkel des bei der „Titanic“ - Katastrophe verunglückten Isidor Strauß und lautet folgendermaßen: „Ich beabsich'ige meinen Namen in Isidor Strauß umzuändern, weil mein Vater der älteste Sohn des verewigten Isidor Stra uß ist, und ich sein ältester Enkel bin. Die Mitglieder der Familie des heitngegangenen Isidor Strauß haben den sehnlichsten Wunsch, daß der Name des Isidor Strauß in der Familie ununterbrochen fo-tbestehe, und jetzt von seinem ältesten Enke! get-agen werde. Der Bittsteller ist überzeugt, daß diese Namensänderung ihm wesentlich zu Nutz und Frommen dienen werde, da er das Andenken an seinen verstorbenen Großvater so hoch in Ehren hält,- daß schon die Tatsache allein, daß er einen solchen Namen trägt, für ihn ein Ansporn sein wird, diesen Namen bis an sein Lebensende in Ehren Ufid unbefleckt zu erhalten. Josse J. S t r a u ß.“ „Kultusgemeinde Mödling“. Aus Mödling erhalten wir folgende Zuschrift: „Seit fünf Jahren erleben die Mödlinger Juden das betrübende Schauspiel des Kampfes zwischen Vorsteher und Rabbiner. Ehrenbeleidigungsprozesse reihten sich aneinander. Der Vorsteher mit seinem Anhang wurden regelmäßig . verurteilt, erhielten Strafen für die unausgesetzten Beleidigungen, die sie dem Rabbiner zi*- fügten. Doch die Schikanen und Brüskierungen der Kultusgewaltigen dem Rabbiner gegenüber nahmen bisher kein Ende. Am 18. August fand die Grundsteinlegung zu einem neuen Tempel statt. Zu dieser Feier wurden sämtliche niederösterreichischen Ge* meinden geladen, nur die Mödlinger Gemeindemitglieder und unser Ortsrabbiner nicht. Nur der Vorsteher mit einigen Freunderin, Deputierten der geladenen Kultusgemeinden und einigen ungeladenen Oppositionellen waren bei dieser denkwürdigen, für die Mödlinger Judenschaft beschämenden Feier zugegen. Diese- Brüskierung der eigenen Gemeindemitglieder und des zuständigen Seelsorgers würde in anderen Gemeinden als Schlag ins Gesicht empfunden werden und hätte den Sturz des Vorstandes zur Folge gehabt. In Mödling aber nehmen die Juden dieses Vorkommnis ruhig hin. Die hiesigen Juden, soweit sie Anhänger des Vorstehers sind, fühlten die ihnen zugefügte Beleidigung ebensowenig, wie jene Israeliten, die fest behaupten, es habe geregnet, wenn man ihnen ins Gesicht gespuckt hat. Im Herbst 1913 finden Neuwahlen statt, die den Mödlinger Juden Gelegenheit bieten werden, zu zeigen, ob sie dem Vorsteher für seinen Gewaltakt heimzahlen wollen. Sie werden bekunden müssen, ob sie das absolute Regime in der Kultusstube weiter wünschen, ob sie diesen gänzlich dem Judentum entfremdeten Kultuspräsi4 denten Ignaz Belai (einstmals Blau) weiter im Amte belassen wollen. Ml-Monf J. 6ii ‘ws Wien, II., StefanieitraQe Nr. 14. Telephon interurban 13702. 70 modemst eingerichtete Zimmer von K 2.80 aufwärts. In nnmittelb. Nähe des Nordu. Nordwestbahnhofes, 5 Minuten vom Stadtzentrum. BADEN bei Wien, Antonsg. 13, Franzensstr. 34. Telephon interurban 217. 400 Personen fassend schöner Naturgarten. Elektrisch beleuchtet. Große Veranden und Säle vis-A-vis dem Kurpark. Große Speisesäle zur Abhaltung von Hochzeitsdiners und anderen festlichen Veranstaltungen. Pension nach Uebereinkommen. Exquisite Küche und Keller SSSSSSSlsJSSSSläS®®