Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 MM 12429. MM Ludwig Lazar Wien, IX., Kolingasse Nr. 13, Liechtensteinstraße 6 empfiehlt sein großes Lager in allen Fecht-, Turn-, Sport-, Tennis-, Fußball-, Hockey-, Militär- und Beamten-Uniformsorten in billigster bis feinster Ausführung und gewährt allen Mitgliedern sämtlicher akad. Verbindungen, Tum- und Sportvereinen 10°/0 Rabatt auf die auf jedem Stück ersichtlich gemachten Preise. Unfien in einem Kellergewölbe ist ein Schießstand eingerichtet. Ein Dutzend Jungen ist damit beschäftigt, Gewehre und Scheiben in Ordnung zu bringen. Mit Stolz zeigte mir der Captain der Compagnie, der uns herumführte, ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift des englischen Kriegsministers Lord Haldane, der bei Er- - Öffnung des Schießstandes den ersten Schuß ab- 3 fegeben hat, ein Beweis, daß die Jewish Lads’ rigade „regierungsfähig“ ist. Wir wurden in weitere Klassenzimmer geführt, in welchen die Musikkapellen (Blechmusik, Trommeln und Pfeifen) ihre Uebungen abhielten. Vorführungen beider Gruppen zeigten mir, daß auch hierin Erfreuliches geleistet wird. Wir gingen noch durch andere Kompagnien, überall das gleiche fleißige Arbeiten, eine unendliche Kleinarbeit, die von den Beamten mit größter Liebe geleistet wird. Was mir besonders auffiel, war das Verhalten der Lads selbst Nirgends ein lautes Wort, mit emsigem Fleiß wurden die Uebungen von allen ausgeführt, von diesen armen Burschen, deren zu Hause Hunger und Elend wartet. Besonderes Gewicht wird bei dem Drill auf das Parademäßige gelegt €S geschieht dies, um den teilweise verwahrlosten-Jungen Ordnung und Reinlichkeit beizubringen. Unser Weg zu den verschiedenen Kompagnien führte durch die dunkelsten Teile des Eastends, durch enge Gassen mit kleinen, schmutzigen Häusern. Laden an Laden mit alten Kleidern, Wolle, Kleinkram, davor auf dem Fahrdamm Bude an Bude mit den kleinsten, primitivsten Dingen des täglichen Bedarfes, all das umgeben von armseligen, ein Gemisch von jüdisch, deutsch und englisch sprechenden Juden, deren Leidensgeschichte man in den Gesichtern liest. Ist es da ein Wunder, daß der Engländer mit Verachtung auf diese „aliens“, dieses eingewanderte Volk, herabsieht, das jedes Selbstbewußtseins entbehrt und dabei noch unter sich in ständigem Hader lebt. Und ist es da nicht ein großes Werk, das die Jewish Lad’s Brigade leistet, indem sie sagt: Der Gegenstand der J. L. B. ist der, dem aufwachsenden Geschlecht von der frühesten Jugend an Liebe zur Ordnung, Reinlichkeit und Ehre einzuflößen, so daß es, indem es sich selbst respektiert, seiner Gemeinschaft Ehre bringt.“ Wenn auch die Jewish Lads’ Brigade nicht auf dem Boden des Nationalismus steht, so verdient sie doch unsere Sympathie; denn hier wird jüdische Arbeit geleistet, eine segensreiche und — unbewußt — in gewissem Sinne echt nationale. Würde allerorten mit solchem Ernst, mit solcher Sicherheit gearbeitet, es könnte manches im Judentume besser werden. Sport. Leichtathletik. (Jüdischer Sportklub „Hakoah".) Bei dem am 15. d. M. stattgefundenen leichtathletischen -Meeting waren auch unsere blau-w'eißen Farben vertreten, und zwar wieder mit schönem Erfolge. Hirschier war im 1000 Meter-Lauf zweiter und nur um 3/io Sekunden geschlagen. Rosenthal wurde im Fußballweitstoße unter 19 Bewerbern zweiter, Sabel im 'Hochsprung unter 28 Bewerbern Dritter und die Häkoähstafette in der 3000 Meter-Stafette knappe Zweite. Also auf den einzelnen Gebieten der Leichtathletik -schöne Fortschritte! Fußball. „Hakoah“ I beteiligt sich an zwei Tournieren und gelangt in beiden bisher ungeschlagen in die Endkämpfe. Das vom Sportklub „Hakoah“ veranstaltete Fußballtournier der Geschäftsteams erfreut sich einer kolossalen Frequenz und beginnen schon diesen Sonntag die Schlußkämpfe. K Vereinsnaibriditen. Wien. (Herzl-Klub.) Dienstag, den 27. August und Dienstag, den 3. September 1912: Vortragszyklus des Gg. Simon Advokat über „Die Zukunft der Juden“ von Professor Werner Sombart mit anschließender Diskussion. Beginn der beiden Vorträge p r ä z i s e 3/48 Uhr abends. Ort: „Jüdisches Volksheim“, IL, Stefaniestraße 12. Gäste herzlichst willkommen. — Sonntag, den 25. August 1912 Ausflug nach St. Andrä-Wördern. Von dort nach Klosterneuburg. Treffpunkt: Stadtbahnstation „Brigittabrücke“, präzise Uhr nachmittags. Führer: Gg. Josef Stein: Gäste willkommen! Wien. (Jüdischer Handlungsgehilfen-Ver - band.) Dienstag, den 27. d. M., 8 Uhr abends, findet im neuen Verbandslokal, IL, Taborstraße Nr. 11 b (Ecke Gredlerstraße) ein Vortrag des Kollegen B. Grünhut über „Leopold Kompert“ satt Gäste willkommen! Der Beitritt zu diesem auf nationalerBasis stehenden Verband ist den zionistischen Angestellten wärmstens zu empfehlen, da der J. H.-V. bestimmt ist, den Assimilations-Organisationen entgegenzuarbeiten. Boskowitz. Mit einem besonderen Aufwand von Feierlichkeit beging heuer die hiesige jüdisch - nationale Verbindung „Laetitia“ ihr dreißigsemestriges Stiftungsfest Am Samstag, um 7 Uhr nachmittags, begannen die Veranstaltungen mit einem Festkonvent, zu dem sich die Vertreter der verschiedensten Korporationen eingefunden hatten. X med. Felix Mandl (Kadimah, Wien) begrüßte die erschienenen Gäste mit einer wirkungsvollen Ansprache, worauf dann eine großangelegte Rede des Bb. phil. Hermann Ungar (Jordania, München) folgte. Im Namen der A. H. A. H. ergriff Herr Doktor Desider Friedmann (A. H. „Libanonia“, Wien) das Wort. Am Abend folgte eine Kneipe im hiesigen Kasino und der darauffolgende Sonntag bescherte uns zunächst ein vom Mädchenbund „Judith“, „Jüd. Turnverein“ und ,Laetitia“ veranstaltetes Volksfest, in dessen Mittelpunkt die unter Oberleitung des I. Turnwartes jur. Alfred T i c h o vor sich gehenden turnerischen Vorführungen standen. Den Höhepunkt bildete der Kommers, dem die Vertreter zahlreicher Verbindungen und Vereine beiwohnten. Die Eröffnungs- und Tendenzrede hielt X med. Felix Mandl, die Festrede A. H. Dr. Desider Friedmann. Dem Zentralfond fällt ein Teil des Reinertrages zu und auch des J. N. F. wurde durch eine namhafte Sammlung gedacht Sadagora. (Gartenfest.) Sonntag, den 28. 28. Juli 1. J. fand das von der jüd.-akad. Verbin d u n g „Makkabäa“ veranstaltete Gartenfest statt; w'elches einen glänzenden Verlauf nahm. Vom Reinerträgnis wurden 150 K der zu gründenden Bukowinaer Kolonie in Palästina und 16 K dem J N F abgeführt. Oiste der Überläufer. Vom 7. bis 20. August. Nä'chod geb.. Rosenberg Sophie, 1867, Wien, ger. geschieden, Private, XIX., Eichendorffg. 3. — Spielmann Simon, 1876, Wien, verheiratet, Kutscher, XVI., Speckbachergasse 30. — Spielmann geb. Schmedzinger Aloisia, 1876, Frauendort (N.-Oe.), verheiratet, Näherin, XVI., Speckbachergasse 30. — Neuberger Jitte, 1878, Storozynetz (Bukowina), ledig, Büglerin, IL, Taborstraße 61. — Weiß Max, 1885, Wien, ledig, Handelsangestellte, X., Herzgasse 6. — KlatScnko geb. Lwoff Anna, 1860, Simferizopol, verheiratet, Prokuristengattin, IV., Belveaereg. 3. — Lenczynski geb. Lang Klara, 1875, Tarnopol, verheiratet, Ober - Offizialsgattm, VII., Josefstädterstraße 22. — Wellisch Maria, 1889, Wien, ledig, Private, VII.,, Löwenburggasse 2—4. — HerzI Viktor Wilhlm, 1885, Krems, ledig, Firmenvertreter, XVIII., Kreuzgasse 1. — Glück Lily, 1888, Brünn, verheiratet, XVII., Ortliebgasse 17. — Gärtner Olga, 1880, Prerau, ledig, Verkäuferin, XVII., Wichtelgasse 76. — Breier Sidonia, 1873, Nemetujvar, ledig, XII., Wilhelmstraße 39. Aufruf. Zu den Aufgaben unserer zionistischen Tätigkeit gehört es, nicht nur neue Kräfte und neues Menschenmaterial nach .Palästina zu bringen, sondern die bereits im Lande vorhandenen Kräfte zu fördern, das vorhandene brachliegende Material einer ersprießlichen Arbeit und Bearbeitung zuzuführen und damit erst die Vorbedingung zur Ansiedlung neuer Einwanderer zu schaffen^ Diese Vorarbeit zu leisten sind in erster Linie die Schulen berufen. Aber während die jüngeren Siedlungen in den Kolonien und in den Hafenstädten Jaffa und Haifa die Bedeutung nationaler Schulen für die Entwicklung unserer Bewegung längst erkannt und für dieselben die Unterstützung der breiten jüdischen Oeffentlichkeit gefunden haben, wahrend sich in Haifa bald unsere erste nationale Hochschule erheben wird, in Jaffa das hebräische Gymnasium etwa 400 Schülern seine Tore öffnet, die dem Odessaer Komitee der „Chobebe Zion“ unterstehende Mädchenschule einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht hat und in . Kurzem dort ein hebräisches Lehrerinnenseminar seine Tätigkeit beginnt, ist der Zionismus jeder Schattierung an Jerusalem und seinen 50.000 Juden achtlos vorbeigegangen.' Man überläßt die Kinder dem verderblichen Wirken assimilatorischer französisch- oder englischnationaler Schulen, ganz abgesehen von den vielen, welche durch den Unterricht in den Missionsanstalten dem Judentum und Palästina für immer entfremdet werden. Und auch die (übrigens überfüllten) Schulen des Hilfsvereines der deutschen Juden, an denen immerhin meist jüdisch-nationale Lehrer wirken, sorgen nur für Volksschulbildung. Wer darüber hinaus wollte, war bis vor einigen Jahren genötigt, auszuwandern oder christliche, antisemitische Schulen zu besuchen. So machten z. B. vor zwei Jahren in einer solchen Schule die Juden ein Drittel der Schülerzahl aus. Da faßte, endlich ein Verein Jerusalemer Eltern den Entschluß, eine hebräische Mittelschule zu gründen. Auf den europäischen Hochschulen- -gebildete Lehrer - wurdenbestellt,„.die den Unterricht vor zwei Jahren mit 18 Schülern begannen. Die Zahl der Schüler ist mittlerweile aut 80 gestiegen und wird zu Beginn des Schuljahres 5673 gewiß das erste Hundert überschritten haben. Zwei Jahre lang haben die Eltern der Schüler die Schule, welche außer der Unterstützung des Lordmayors Möser (Bradford) im Betrage von 5000 Frcs. jährlich, keinerlei Förderung genoß, mit schweren Opfern erhalten. Mit dem Wachsen der Schule erhöhen sich auch die Ausgaben und die Anstalt muß sich daher an die breite zionistische Oeffentlichkeit wenden.. Wer eine-nationale Schule in Palästina unterstützt, leistet reale zionistische Arbeit.' Die neuen jüdischen Stadtviertel in Jaffa, Tel-Awiw und Nachlath-Benjamin -wären ohne das hebräische Gymnasium daselbst undenkbar. Das Gymnasium hat dorthin eine Anzahl intellektueller Kräfte, Existenzmöglichkeiten für Viele und vor allem modernes jüdisches Leben gebracht. Jerusalem braucht modernes jüdisches Leben mehr denn irgend eine andere palästinische StadL Wohl hat in letzter Zeit Gg. Herr Dr. Zipper (Lemberg) es in hochherziger Weise unternommen, in Galizien einen Fond zum' Bau eines eigenen Heimes für das hebräische Gymnasium in Jerusalem zu beschaffen, und dafür bereits 30.000’ K gesammelt. Das hebt jedoch die Anstalt nicht über die drückenden Sorgen des Tages, die den Bestand der Schule nicht einmal für die nächste Zukunft gesichert erscheinen lassen, hinaus. Die Schließung der Schule wäre ein harter Schlag für Jerusalem und ein schwerer nicht zu ersetzender Verlust für das neu erblühende jüdische Leben in Palästina. Darum erwarten wir, daß jeder bewußte Jude seine Pflicht erfüllen wird. Jährliche und einmalige Beiträge für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem sina zu richten an das Palästinaamt p. A. Dr. Ruppin, Jaffa, für Gymnasium in Jerusalem oder an die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich, Wien, IX. Türkenstraße 9. A Vtfllfli H Soeben erschienen! Neu! Aus dem Inhalte: A X WW M B ■ ao 40 a Die göttliche Selma, Pollak v. Parnegg, Der J & Wi IIU MAUA Stolz von Göding, Die Nase des Ladislaus u. a. & 2 jdurcH Preis K 1.20, Porto 10 h. 2 T - Nur gegen Voreinsendung oder" ' (45 h mehr)' ' die Jüdische Zeitung“, Wien, ll|3, Stefuniestrohe 12. 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