Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 schäften als wünschenswerte Glieder aufgenommen "werden". Kürzlich hat der „Jewish Chronide“ den bekannten Universitätsprofessor Gottheil aus Newyörk über den Antisemitismus in Amerika interpelliert. Prof. Gottheil sagte, daß dort ein förmlicher sozialer Ostrazismus gegen Juden aller Klassen geübt werde. Das Leben der Juden sei auf das strengste von dem der Christen gesondert. Der Antisemitismus grassiere hauptsächlich in den wohlhabenden und reichen Kreisen. ln den Badeorten wolle man keine Juden aufnehmen, so daß eigene Juden-Sommerfrischen, wie Long Brauch, Far Rockaway und Arverne entstanden sind. In vielen eleganten Häusern werden Juden prinzipiell nicht empfangen. Aber noch mehr: Keine gute Privatschule will mehr als einen sehr bescheidenen Prozentsatz jüdischer Schüler aufnehmen. Die richtige russische Prozentnorm! Als ein Inhaber einer großen Privatschule sich weigerte, die Juden zu refusieren, blieben die christlichen Schüler aus und die Schule wurde eine rein jüdische. Das wollten wieder die jüdischen Eltern nicht, die eine Scheu vor „zu jüdischen" Schulen hatten, und die Schule wurde dadurch ruiniert. Das Konvertieren nützt den Juden wenig, da die Amerikaner eine Abscheu vor Gläubensabtrünnigkeit haben und den getauften Juden noch mehr verachten, als den ungetauften. Auf den Universitäten werden die Juden zu den literarischen .und sportlichen Studentenvereinigungen nicht zugelassen. Sie bilden deshalb eigene Vereine. Selbst Prof. Gottheil, als wirklicher Universitätsprofessor konnte keine Aufnahme in den Universitätsklub finden. Prof. Gottheit bemerkte am Schlüsse seiner Unterredung, daß die Zionistische Bewegung großen Einfluß im Judentum Amerikas besitzt Es .gibt auch nach Proff Gottheil kein anderes Mittel für die amerikanischen Juden, als daß sie Rasse und Religion bewahren und dem Antisemitismus, jüdisches Selbstbewußtsein und jüdische Selbsthilfe entgegensetzen. t ParfeigNachrichfen. Vertrauensmann erversammlung. Am. 3Q. Jul| fand eine von den Funktionären der Parteibehörden und Organisationen zahlreich bäuchte Vertrauensmännerversammlung der Wiener Zionisten statt, die sich mit Fragen des „Jüdischen Nationalfonds“ beschäftigte. Gg. Nathan Gross, Sekretär des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfönds in Köln erstattete ein eingehendes Referat über die bisherige Verwendung des Nationalfonds in Palästina, über die in nächster Zeit der Erledigung harrenden Aufgaben und insbesondere über die jetzt so dringend gewordene Ansiedlung yemenitischer Juden in Palästina. Aus den Darlegungen des Gg. Gross ging deutlich hervor, daß das erfreuliche Fortschreiten unserer Palästinaarbeit in erster Linie deh durch den Nationalfonds daselbst gemachten Investitionen zu danken ist, daß aber zur Durchführung der weiteren keinen Aufschub vertragenden Arbeiten der Nationalfonds weit größerer Mittel bedürfe, als ihm bisher zur Verfügung standen. Ganz besondere' Bedeutung komme der Ansiedlung der Yemeniten zu. Hiedurch könne die so schwierige Arbeiterfrage in den Kolonien einer Lösung näher gebracht werden. An die Ausführungen des Gg. Gross schloß sich eine eingehende Debatte, in welcher allseits die Notwendigkeit einer Steigerung der Eingänge für den Nationalfonds betont wurde und die in den Beschlüssen gipfdte, auch ferner mit allen Kräften für eine Erhöhung der Spendeneingänge tätig zu sein, durch Schaffung einer Lokalkommission für Wien systematische Sammelarbeit zu leisten und insbesondere die sofort von der Sammelstelle für Oesterreich einzuleitende Aktion zugunsten der Yemeniten tatkräftigst zu unterstützen. Die österreichische Sammelstelle des „Jüdischen Nationalfonds“ versendet folgenden Aufruf: Liebwerte Gesinnungsgenossen! Erez Israel, unser Palästina, tritt immer mehr in den Vordergrund des zionistischen, wie des allgemein jüdischen Interesses. Demgemäß verlegt die zionistische Organisation, allen ihren Institutionen aber weit voran, der Jüdische Nationalfond das Schwergewicht seiner Arbeit in dieses Land und hat auch schon in der kurzen Zeit dieser seiner Tätigkeit ganz Bedeutendes geleistet. Alte Fehler vergangener Epochen wurden git gemacht, noch mehr aber Neues geschaffen, ie beginnende Neuaufforstung des Landes im JÜDISCHE ZEITUNG felsigen Judäa, die faktische Pazifizierung. Galiläas, die hygienische und wirtschaftliche Sanierung der bestehenden Siedlungen, die Anlage einer ganzen Gruppe neuer, um den Tiberiassee herum, und in anderen Teilen des Landes, die Schaffung neuer, moderner Stadtteile, kräftige Beihilfe für Schulen aller Art, nicht zuletzt Erwerbung von Boden für das jüdische jVolk sind nur ein Teil der bisherigen Leistungen dieser populärsten jüdischen Institution, die keine Gelegenheit, das Land jüdischer, produktiver Arbeit zu erschließen, ungenützt vorübergehen 'läßt-' , . Leider sind seine Mittel im Verhältnis zu der Riesenarbeit, die der Nationalfond auf sich, genommen hat, allzuklein. Der allergrößte Teil seiner Fonds ist bereits in Palästina investiert und auf längere Zeit gebunden. Und schon steht Jer wieder vor neuen Aufgaben, die zur Ausführung drängen und die durchgeführt werden müssen, soll das in vollem Aufblühen begriffene Land in seiner Entwicklung nicht aufgehalten, ja vielleicht auf Jahrzehnte zurückgeworfen werden. Gerade jetzt bieten sich günstige Gelegenheiten zu größeren Bodenerwerbungen. Soll man sie aus Geldmangel vorübergehen fassen, ja vielleicht Zusehen," daß dieser Boden in den Besitz von anderen Europäern fällt? Der Weg,, den der Nationalfond beschriften hat, auf seinen Besitzungen jüdische Landarbeiter auszubilden und die Kolonien auf diese Weise mit qualifizierten, guten, jüdischen Kräften zu versorgen, hat sich als überaus wohltätig .erwiesen und bewährt" Soll diese beste und wichtigste Arbeit ins Stocken geraten, weil es im jüdischen Volke an Opfersinn fehlt? Ein ganzer, jüdischer Stamm, vielleicht ein Teil der langgesuchten zehn Stämme, schmachtet im jemenitischen Golüs nach Erlösung aus langen Qualen. Viele Hunderte von ihnen, die bereits nach. Palästina geflüchtet sind, haben sich geradezu als vorzügliches Element erwiesen. Denn diese traditionsstarken, thoratreuen Jemeniten sind gleichzeitig verläßliche, anspruchslose und willige Arbeiter. Sowohl im Bezalel als Filigranarbeiter, als auch in den Kolonien als Landarbeiter" haben sie sich durchaus bewährt. Auch ihrer hat sich der Natjonalfond [angenommen^ hat ihnen menschenwürdige"Wohn-! räume gebaut, Arbeit, verschafft, sie unterrichtet (und Sogar einen gelungenen Versuch gemacht, mit "ihnen die landwirtschaftlich-gewerbliche Müsterkölpnisation zu beginnen; die jetzt weiter . ausgebäut 'werden muß. Diesen ersten Einwan- ' derehf "erscheint' Palästina als ein Eden gegen- ■ übedem Jemen, wo sie Haß, Leiden und Verfolgungen ausg'esetzt waren, und sie berichten ihren, im Golus zurückgebliebenen Brüdern so günstig, daß ihrer zehntausend stündlich zur Heimreise nach Erez Israel drängen ünd doch! zurückgehalten w'erden 'müssen, weil eine so! gewaltige " Einwanderung, bei den erschöpften Mitteln des Nationalfonds eine Katastrophe werden könnte. Und dabei würde deren Einwande rung mit verhältnismäßig kleinen Mitteln in zwei Jahren eine Verdoppelung der, in dreißig Jahren mühsam und unter "ungeheuren Opfern erreichten, bisherigen Kolo'nisätibn'bedeuten!' Judehi Zionisten! Brüder! Wollt Ihr helfen, Tausende Eurer Volksgenossen aus dem Golus zu erlösen, wollt Ihr helfen, unser großes Befreiungswerk mit einem Schlage zu verdoppeln, wollt Ihr 'helfen unser Erez Israel in jüdische Hände zü bringen? Wenn Ihr es wollt — und welcher Jude wollte das nicht! — dann werbet für den Jüdischen Nätionalfond, werbet ünäbläßig bei Jung und Alt, bei Arm und Reich, werbet eher heute, als morgen. Stellet Euch" an die Spitze der Opferwilligen in Israel, dann werden Euch Alle folgen. Trachtet Euer Möglichstes, damit der Jüdische Nationalfond sein gewaltiges Werk der Befreiung des jüdischen Volkes, der Erschließung des jüdischen Landes fortsetzen könne, zum Segen für Volk und Land. Wir wollen nicht zurückstehen und werden Euch, wann immer Ihr uns ruft, bei dieser Arbeit auf alle mögliche Weise fördern und unterstützen. Wir grüßen Euch, indem wir Euch nochmals zum Opfer und zur Arbeit rufen, mit brüderlichem Zionsgruß Die österreichische Kommission : des Jüdischen Nationalfonds Wien, IX/!, Türkenstraße 9. Zionistischer Studententag. Am 14. August d. J. findet in Göding der mährisch-schlesische Studententag statt. ■ Tagesordnung. 1. Begrüßung und Rechenschaftsbericht durch den Präses des A. A. 2. Referate. a) Nationale Erziehung („Gamala“) b) Aufgaben des zionistischen Studenten („Emunah“). c) Betätigung der Studenten in politischer Beziehung („Massada“). Nn 32 J , dl Organisation („Gamala“).. e) Jüdische Moderne („Hessiäna“). 3. Eventualia. Am Vorabend, am 13. Augyst, findet ein Begrüßungsabend, am Donnerstag; den, 15. ein FestkomWers statt. : Palästina NaMten.; Aus der Kolonie Ben-Schamen. Jaffa: Auf der Nationalfonds-Farm in , •Ben-Schamen werden die Baumpflanzungen fortjgesetzt. Von den 2200 Dunam Boden, über die {die Farm verfügt, sind etwa 1000 Dunam bejpflanzt, und Izwar 900 Duna/n mit Oelbäumen, |30 mit Mandelbäumen, 10 mit Weinreben, 8 .mit ^Eukalypten, 10 mit verschiedenen Öbstbäumen jund t20 |mit Zierbäumen, Idie Jceine Früchte tragen. Etwa die Hälfte der Oelbaumpflanzungen, ist gepfropft Worden. . < Ferner wurden in . diesem Jahre auf 700 Dunam Getreide und Hülsenfrüchte angebaut, daruter 300 Dunam Weizen, 45 Dunam Gerste, 180 Dunam Bohnen usw. i i Die Zahl der auf der Farm beschäftigten ^Landarbeiter wechselt nach Maßgabe der Vör-' i'handenen Arbeitsgelegenheit. Im Frühjahr. be.-: trug die Zahl der jüdischen Tagelöhner, mehr als 50, nämlich 35 Aschkenasim und 15—20 .Jemeniten. Daneben waren auch eine Anzahl jü* discher Arbeiter gegen Mpnatslohn beschäftigt. 'Gegenwärtig jst die Zahl der jüdischen Arbeiter etwas geringer. Der Gesundheitszustand auf der Farm ist zufriedenstellend, das. Klima, vorzüglich. Es ist auch Badegelegenheit für die Landarbeiter vorhanden. Diese, haben.feriner eiije .Bibliothek ejp? gerichtet, deren Bestände sich, immer mehr, vergrößern. Die. Einnahmen 4§r Bibjjpthek betrugen in den letzten acht Monaten 200 Frcsi Die jüdischen .Landarbeiter von Judäa sind bekanntlich bemüht, eine Arbeiter-Krankenkass$, [ins Leben zu.rufen. Diesen Bestrebungen.haben. sich1 auch die hiesigen Arbeiter angeschlossetf,! und ein Komitee in B.enrScham?u, sammelt, fleißig^ | Mitgliedsbeiträge für. die zu begrüiideiidp, Kasse, i In den letzten Monaten empfing die Farm j öfter Besuch. Der Lehrer der jüdischen Ko-.! lonie Kastinie veranstaltete einen Schulausflug inach Ben-Schamen, desgleichen der Schulleiter! i in Pethach-Tikwah. Es war für die Kinder I dieser Kolonien, in denen die landwirtschaftlichen Arbeiten zum großen Teil von Arabern versehen werden, überaus lehrreich, zu beobachten, wie in Ben-Schamen ausschließlich jüdische Arbeits-; kräfte die gesamte Feldarbeit verrichten. Von . den ausländischen Gästen besuchten die Herren Dr. Tschlenow aus Moskau, Dr. Klausner aus Odessa, Dr. Bodenheimer aus Köln u. a. die Farm. Ben-Schamen hat in seiner nächsten Nähe auch zwei Zweigniederlassungen: links die kleine Jemenitenkolonie des „Bezalei“ und rechts die Oel- und Seifenfabrik des Herrn Krinkin. Tn der Bezalel-Kolonie wohnen 18 jemenitische Filigranarbeiter in schmucken Häusern, die der Jüdische Nationalfonds errichtet hat. Die Ansiedlung1 weiterer jemenitischer Industriearbeiter ist in Aussicht genommen. In diesem Falle wird natürlich auch die" Zahl der Häuser vermehrt werden. Auch in der Oel- und Seifenfabrik ist eine Anzahl jüdischer Arbeiter beschäftigt, für die unlängst eine gemeinsame Küche eingerichtet wurde. Neben der Fabrik befmdet sich die Besitzung der Gesellschaft „Athid“,. die ein Areal von 100 Dunam umfaßt und gegenwärtig an Araber verpachtet ist. Nach Ablaut der Pachtzeit dürfte auch dieses Grundstück jüdischen Landarbeitern zur Bewirtschaftung anvertraut werden. Vereinsnadiriditen. Wien. Der seit dem Jahre 1902 bestehende Verein „Bikur Chaulim“, L, Seitens.tettengasse Nr. 4, bezweckt anläßlich .der Besuche , in sämtlichen Krankenanstalten Wiens einerseits unseren Kranken und verlassenen Glaubensgenossen Erfrischungen und sonstige Naturalspehdeb zu verabreichen, andererseits dem. mittellosen Patienr ten entsprechende Geldunterstützungen ange-