Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2438141-2438380-2438408--3101-2442837- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. SB JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 „Liebe Brüder aus den drei Städten! Wir zittern ani ganzen Leibe, wenn wir hören, daß ihr. für- Luzian Brunner stimmen wollt .... Wer kann für uns beim Landespräsidenten, beim Minister, mit Erfolg intervenieren? Nur ein Christ! Wenn man uns die Scheiben einschlagen wird, wird Brunner in Wien weilen, und wir werden niemanden haben, der uns vertritt . . . Wir sind in einem fremden Lande und dürfen nicht der Regierung zuwiderhandeln, die auf Seite Eduard Hruschkäs steht . . .“ Mit solchen Mitteln kämpft die christlichsoziale Partei in Oesterreich gegen die „jüdische Korruption. Die russische Paßfrage im österreichischen Parlamente. Bekanntlich dürfen ausländische Juden, den, sofern sie nicht Inhaber oder Vertreter protokollierter Firmen sind, in Rußland nicht reisen, wenn sie nicht das Paßvisum erhalten, das nur mit besonderer Bewilligung des russischen Ministers des Innern erteilt wird. In einzelnen Landesteilen ist ihnen der Aufenthalt überhaupt verboten, und Fristerstreckungen über die Maximalaufenthaltsdauer von sechs Monaten sind nur äußerst schwer zu erzielen. Ln einer Interpellation an den Minister des Aeußern wies Abgeordneter Dr. Straucher darauf hin, daß 'die nordamerikanische Republik das Zustandekommen ihres neuen Handelsvertrages mit Rußland von der liberalen Behandlung ihrer jüdischen Bürger in der Paß- und Aufenthaltsfrage abhängig zu machen gezwungen ist. Das Vorgehen Nordamerikas müsse von Oesterreichs Auswärtigem Amte zum Anlaß genommen werden, um auch für österreichische Jüdische Reisende in Rußland ebenbürtige Behandlung zu erwirken, zumal der gegenwärtige, unwürdige Zustand die Handelsinteressen des Reiches arg beeinträchtige. Ein Baufonds für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem. Lemberg. Die vom Zentralkomitee der galizischen Zionisten eingeleitete Sammlung zur Schaffung eines Baufonds für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem hat im Verlaufe weniger Wochen den Betrag von 23.000 Kronen ergeben. Die Sammlungen sollen fortgesetzt werden, bis die Summe von 100.000 Kronen erreicht ist.'So hoch werden nämlich die Kosten für den geplanten Schulbau veranschlagt. Man hofft, den erforderlichen Betrag innerhalb Jahresfrist aufbringen zu können. Redaktionelle Mitteilung. Eine literarische Beilage der „Jüdischen Zeitung“. Das Judenproblem ist gegenwärtig mehr als je auf der Tagesordnung. Die zionistische Bewegung hat althergebrachte Schlagworte außer Kurs gebracht und eine Stellungnahme aller jüdischen und vieler nichtjüdischen Kreise zur Judenfrage erzwungen. Eine moderne Wissenschaft des Judentums ist im Werden. Die Kunst hat sich den modernen Juden zum Vorwurf für unzählige Werke gemacht. Zeitungen und Zeitschriften sind entstanden, die fortlaufend über die Erscheinungen im jüdischen — künstlerischen und wissenschaftlichen — Leben berichten. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Neuerscheinungen, welche auf das Judenproblem Bezug haben, zu registrieren und für den jüdischen Leser eine Sonderung des Wertvollen aus der Fülle der erscheinenden Bücher vorzunehmen. Diesem Bedürfnis will die „Jüdische Zeitung“ durch eine monatlich erscheinende literarische Beilage Rechnung tragen. Zum erstenmale wird diese systematische Zeitungs- und Bücherschau in der nächsten Nummer unseres Blattes erscheinen, worauf wir unsere geehrten Abonnenten und Leser aufmerksam machen. An unsere p. t. Abonnenten! Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung der Zeitung keine Unterbrechung eintrete. Wir machen aufmerksam, daß das Postsparkassenkonto Nr. 104.067 (Jüdische Zeitung, Ges. m. b. H.) gelöscht würde. Einzahlungen wollen daher nicht mehr auf Erlagscheinen dieses Kontos (das Geld geht sonst an den Einzahlenden zurück) gemacht werden. Dieses neue Postsparkassenkonto hat die Nuimner 133.404 (Jüdische Zeitung). Erlagscheine (Nr. 133.404) sind den rückständigen Abonnenten direkt per Post zugegangen. Verwaltung „Jüdische Zeitung“ Wien, II/a, Stefaniestraße Nr. 12. VereinsnadiFiihteR. Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Ivria“ teilt allen A. H. A. H.,- Bb. Bb., Freunden und Bekannten mit, daß ihr i. a. B. Alfred Löwenstein, Mittwoch, dqi 10. d. M. an der hiesigen Universität zum Doktor beider Rechte promoviert wurde. Vom jüd. Hochschulausschüsse. Die jüd.- akad. Verbindung „Makkabäa“ ist bereits dem jüd. Hochschulausschusse beigetreten. Zionistischer Mädchenverein „Moria“. Montag, den 15. d. M. 8 Uhr abends hält Herr Gg. cand. med. Gersuni im Vereinslokale, (Jüd. Volksheim, II. Stefaniestraße 12.) einen Vortrag: Der Zionismus als sozial-ethische Bewegung. Gäste herzlich willkommen! Wien. (Herzl-Klub). Dienstag, den 16. Juli 1912, präzise Vif? Uhr abends im ,Jüd. Volksheim“, II. Stefaniestraße 12, Vortrag des Gg. Josef Stein über „Nationalfond“. Sonntag, den 14. Juli Ausflug nach Bieglerhütte und Rasenspiele. Treffpunkt 2 Uhr „Liebenbergdenkmal“. Von’ dort nach Neuwaldegg. Führer: Herr Walter Grün. Kiste antifemitiidier Kurorte und Rotels. Arendsee. Villa „Lubeia“ und „Waldbaus“. Bansin. In dem offiziellen Prospekt dieses Ostseebades werden 27 Villen, Pensionen und Logierhäuser aufgeführt, die nur christliche Badegäste aufnehmen. Binz. Villen: Glückspilz, Haus Gaebel, Quisisana; Hot. Potenberg; Rest. Imperial; Besitz. Staub. Borkum. Braunlage. (O.-Harz). Die frühere antisem. Notiz in dem iProspekt,erscheint jetzt ,in der Fassung: „B. wird fast ausschließlich von Kurgästen christlichen Glaubens besucht.“ Nur dem Besitzer der „Villa Germania“ sind jüdische Gäste willkommen. Brunshausen i. M. Hotel Waldschlößchen. Clausthal. Hotel und Pension. Voigtslust. Cuxhaven. Seepavillon, Bes.: filier. Einöd b. Friesen in Obersteiermark. Füisterbergen bei Friedrichroda.’ Villa Waldhaus, Kurhaus „Felsenstein“. Verwaltung versendet Prospekte: „Nur für Christi. Familien“. FImsberg. Pensionate Borussia und Hasse, Villa Bergfrieden, „Christi. Pensionat“. Frankfurt a. M. Bahnhofs-Hotel Köln. Hof, Besitzer? Laaß. ’• *> "• "'•••• ’ Freudenstadt i. Scbwarzw. Palmenwald. Fürstenberg i. Mecklbg. Bornmühle, Besitzer: Fromholz. Gehfberger Mühle b. Oberhof. Groß-Tabarz i. Thür. Hahneriklee i. Harz. Pens. Burgfriede, Villa Bocksberg, Villa Maira in Backswiese. Harzburg. Dreikaiserhaus*), Villa Winterberg, Nordhäuser Str. Hasserode bei Wernigerode. Kurhaus Dr. Kurbel. Heiligenfcafen. Herzberg a. Harz. Johanneser Kurhaus bei Claustal. Juist. Karlsbad. Elisabethh., Hot.: Morgenstern, National, Residenz, Römischer Feldherr, Italia, Florenz, Stadt Warschau, Insel Malta, Rosenstock, Kaiserstraße, Brandenburger Tb., Preußische Krone, Egeria, Diamant, Engl. Krone, Haus Abbazia, (Otto Löw), Gasfhof Alt-Heidelberg, Buchhandl. Herrn. Jacob.. KitzibüheJ. Fremdenverkehrverein versendet Reklamebücher mit Stempel: Beschluß d. Gen.- Vers. 1897; Anfragen von Juden bleiben unberücksichtigt. Königsfeld. Schwarzw. Prospekt: „Der christliche Charakter des Orts bedingt christliche Hausordnung in den meisten Häusern, weshalb Israeliten ihn nicht aufsuchen.“ Kufstem. Gasthof zu den 3 Königen. Langeoog. Lakolk (Nordsee). Landeck. Elysium. Millstatt. „Lindenhof“, Besitzer: Dr. Pupovac. Neuhäuser b. Königsberg. Villen: Schmieltke. Ober lauchring«! i. Bd. Gasth. z. Wutachtal, Besitz.: Albiez, .»• Pofein-ßad. Christlich. Kurhaus u. Erholungsheim Marienbad. Pynmont. Pens. Storch, Richters Pension (Besitzer: C. Holbom), Villa Heimburg (Bes:: Frl.: Montua; „Israeliten werden nidit aufgenommen.“). Rentsdi b. Bozen. Rengsdorf i. Westerwald. Hotel Richtmann u. Hotel z. Stern und Hotel Försth'aus (Bes1.: Hartmann). . i Salzbrunn. Villa Anni, Dadhroedens Höf. *) Um möglichen Irrtümern vorzubeugen, weisen wir unsere Leser darauf hin, daß nur die erste Etage des in Harzburg befindlichen Dreikaiserhäuses antisemitisch ist. In der zweiten Etage dieses Hauses befindet sich ein rituelles Pensionat ... Sachsa, Bad a. H. Haus Arnim, IVilla Buchenhöhe; Frieda v. Lüpke und Anna Hermann versenden Prosp. m. d. Bemerkung-: „Israeliten werden nicht aufgenommen.“ St Johann i. Appenzell. Schierke i. Harz-. Hoppe, Haus Tannenhernr, äHüs Wedel (Christi. Familienpensionat). Schlalders-Wildbach (Südtirol). Israeliten ausgeschlossen. Sdhreiberitau i. Riesengeb. Pensionen Frl. v. Versen (Inh1.: Frl. v. Siegert u. Pauli), Villa Irene (Ihn.: Frl. Nippe), Landhaus Maria Elisabeth (Inh.’: Frl. v. Skai). Pension Baude am Rabenstein. Schwarzbach bei Wiegandsthal. Schladming. Swinemünde. Strandpalast, SeesChloß (Christi. Pension). Travemünde. Villa Miramare. Volderbad bei Hall. Wangerooge. Wenningstedt-Sylt. Westerland-Sylt. Pension Lambeck. Wildbad. Pens. Reuß u. Waldeck, Montebello. Zinnowitz. (Mit Ausnahme vom Kinderh. Hubertusburg.) Eingesenöef. Das jüdische Internat in Prag versendet folgenden Aufruf: Es ist eine unleugbare Tatsache, dab in unserem heutigen Leben persönliche Tüchtigkeit eine immer größere Rolle spielt, und immer häufiger finden sich Leute, die mit wenig Lebensgütern, aber mit einer guten Erziehung ausgestattet, sich im Leben einen Platz erobern, während andere scheitern, weil ihnen eine gute Erziehung nicht zuteil geworden ist. Bei jüdischen Kindern ist aber in unserer Zeit die Erziehung um so schwieriger, als wir bei ihnen vor die Notwendigkeit gestellt werden, ihr berechtigtes Bedürfnis nach lebendigem Judentum zu befriedigen. Im allgemeinen weiß man ihnen da nichts als leere Formeln zu übermitteln, so daß sie dann überhaupt jeden Zusammenhang mit dem Judentum verlieren. Aut die Zukunft des jüdischen Kindes muß aber auch in praktischer Hinsicht eine besondere Rücksicht genommen werden. Da die Bedingungen des Lebenskampfes für dasselbe im allgemeinen weniger, günstig sind als für seine nichtjüdischen Altersgenossen, muß es eben für den Lebenskampf noch besser vorbereitet sein. Bjfei uns in Böhmen spielt dabei eine gewiß nicht unwichtige Rolle die Beherrschung beider Landessprachen. Um den skizzierten Bedürfnissen zu genügen, wurde anläßlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. von weitblickenden Männern das Jüdische Internat in Prag begründet Hier werden unter bewährter pädagogischer Leitung eines Direktors und zweier Präfekten jüdische Kinder im Hinblick auf ihren zukünftigen Lebensberuf im Sinne der angedeuteten Grundsätze erzogen und ihr Fortkommen in der Schule überwacht, sowie in jeder Weise gefördert. Heute hat glücklicherweise das jüdische Internat bereits das Stadium verlassen, in dem vor allem die materielle Grundlage und die äußeren Einrichtungen gesichert werden mußten, und man kann hoffen, daß in pädagogischer Hinsicht der höchstmögliche Grad der Vervollkommnung wird erreicht werden können. Leider kann vorläufig nur ein ganz geringer Teil der zahlreichen vom Lande in die Prager Schulen strömenden Kinder Aufnahme finden, weshalb es sich empfehlen wird, etwaige Aufnahmsgesuche tunlichst zu beeilen, damit sie noch berücksichtigt werden können. Die Pensionsgebühr beträgt für das Schuljahr 1912/13 für Wohnung, vollständige Verpflegung, Wäsche (ohne Putzwäsche), Kleider- und Stiefelreinigung 550 Kronen für Zöglinge aus Böhmen, 650 Kronen für solche aus den übrigen Kronländern. Ein Internatsgarten sorgt dafür, daß die Zöglinge mitten in der Großstadt zu jeder freien Zeit in der frischen Luft sich aufhalten können, ohne der Aufsicht der Internatsleitung entzogen zu sein. Zöglingen, die im Klavierspiel unterrichtet werden, steht ein Instrument im Internat zur Verfügung. Auch eine passende Bibliothek für die Jugend ausgewählter Werke steht zur Verfügung.