Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1912-06-14 · 24 (14.6.1912) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
24 (14.6.1912)
Date
1912-06-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438380-2438404--3057-2442789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 ■ Nr. 24 die einzige Heilung, (die natürlich ist, weil sie von innen heraus .kommt, ist der Zionismus. Er ist das Wiederaufleben der jüdischen Kräfte. Die 'nächsten Redner, die Herren Kurt Blume n f e 1 d, Generalsekretär der zionistischen Organisation und Dr. pmil M arg u lies (Leitmeritz). forderten in zündenden Worten zur Mitarbeit in der zionistischen Organisation auf. Dr. Margulies wandte Sieh (überdies in kräftiger Weise gegen die überhand nehmende Uebertrittsbewegung. Alle Reden wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Es war eine der größten jüdischen Versammlungen, die-in Prag stattgefunden haben. PaFtei’.NaciiPichten. Eingänge für den Zentralfond bis 3. Juni 1912. Böhmen. Aussig: Hermann Heller K 5.—, Heinr. Wolf, Moritz Popper, Sigm. Holüb, Louis Schiff, Arnold Mayer, Rudolf Schneider, Max Leistyna, Semin Katz ä K 3.—, Siegm. Müller, Em. Guttmann, Alfr. Kornfeld, Simon Kornfeld, Jul. Kornfeld, Sofie Stern, Alfred Kornfeld ä K 2.—, Otto Reich, Emilie Guttmann ä K 1.—, Summe K 45.—. Krumau: Max Steiner K 12.—, Jos. Klinger K 5.—, Emil Löwy, Otto Fant! a K 3.—, Jul. Epstein, Otto Adler a K 2.—, Sammlung K S.50, Summe K 35.50. Prag: Beamtenverein-Nachtrag K 6.01, Leop. Sitzmann K5.—, Julius Löwy K 10.—. Innerösterreich. Innsbruck: Rabb. Saglier K 2.—. Wien: Dr. Lemberger Emil K 30.—. Mähren und Schlesien. Brünn: Sammlung Hoffmann K 11.60, Mittelschüler K 4.10, Sammlung Anni Mayer K 3.—, Ost-jüd. Verein K 2.60, Teeabend Rossia K 2.02, Dr. Weiner K 2.—, Adele Weinbaum, Fannia Kohan ä K 1.—, Summe K 27.32, Eiwanowitz: Berta Alt K 3.—, Cäcilie Nourdhdek, M. Hermann, Ern. Hirsch, Josef ine Alt ä K 1.—, Charlotte Alt K —.60, Tonzie Alt K —.40, Summe K 8.—. Proßnitz: Wilhelm Lösegeld K 10.—. Gesamteingang aus Westösterreich K 5031.17. Böhmen K 2079.45, Innerösterreich K 2109.70, Mähren und Schlesien K 842.02. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Distriktsseminar. Der nächste Seminarabend findet Donnerstag den 20. Juni 1912, präzise halb 8 Uhr abends im Vereinslokale der „Bar Kochba“ (großer Saal, IX., Türkenstraße 9) statt. Referent: Gg. Dr. Kadisch; Thema: „Die Entwicklung des Zionismus nach Herzl mit besonderer Berücksichtigung der innerpolitischert-'Probleme.“ Die Mitglieder der Wiener Vereine werden um zahlreiche Beteiligung gebeten. Schekelabrechnung. Die Uebernehmer von Schekelblocks werden ersucht, dieselben noch vor Beginn der Sommerferien abzurechnen. Nicht völlig verbrauchte Schekelblocks können hierauf für die weitere Agitation wieder benützt werden. Neue Blocks für das Schekeljahr 5672 werden nur bis 15. Juli 1912 ausgegeben. Wiener Ausgabestellen: IX., Türkenstraße 9, 1L, Stefaniestraße 12 (Jüdisches Volksheim). Kurorte-Agitation. Das innerösterreichische DK. bereitet für die Sommermonate eine Agitation (Versammlungen, Lichtbildervorträge, Sommerfeste) in den inner¬ .wohl aber mit Zangwill liebäugelten. Man er- - erlebte es, däß das offiziöse Organ der Federazione, die von Prof. Carlo Levi in Modena herausgegebene „Idea Sionista“ nebst den offiziellen Veröffentlichungen unserer Leitung Propagandaartikel für die „Ito“ brachte. Unter diesen Umständen konnte sich der Zionismus nicht entwickeln, die Bewegung ging rapid zurück und hat sich bis zum heutigen' Tage nicht erholt. Um dem Rückgänge Einhalt zu gebieten, . sah sich die Leitung der-Federazione veranlaßt, zu den verzweifeltsten Mitteln zu greifen. Sie erklärte, daß der jüdische Nationalismus mit detn Zionismus nichts zu schaffen habe, er stelle lediglich das Bestreben einiger Radikalen dar, veröffentlichte Proteste gegen diese und zu guterletzt gab sie die Erklärung ab, daß sie das Basler Programm für sich nicht obligatorisch erachte. Die Nationalisten, die unter den Führern die Minderheit bildeten, erblickten die Gefahr, in die sich die Federazione zu stürzen im Begriffe war und schlossen sich 1907 zu einer Fraktion, . „Minoranza Sionistica Pura“ (rein-zionistische Minderheit) genannt, izusammen. Diese Minderheit österreichischen Kurorten und Sommerfrischen vor . Diejenigen Gesinnungsgenossen, welche die Ferienmonate in größeren Erholungsorten verbringen und sich zur Mitarbeit bereit erklären, werden ersucht, dies dem Distriktskomitee bekanntzugeben. Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich. Cornmunique des Zentralkomitees für Westösterreich. Sonntag, den 9. Juni 1912 fand im Saale des Jüdischen Vereinsheimes in Prag die dritte Sitzung des Zentralkomitees für Westösterreich im Beisein des Parteisekretärs Gg. Blumenfeld aus Berlin statt, an welcher folgende Mitglieder teilgenommen haben: Böhm, Dr. Margulies, Dr. Singer, Frau Perutz, Saudek, Dr. Ehrlich, Ob.- Ing. Stricker und. Sekretär Dr. Glücklich. Außerdem waren mehrere Mitglieder des böhmischen DK und einzelne Vereinsvorstände aus Prag, sowie H. Karl Rezek als Gäste anwesend. Der Vorsitzende Gg. Böhm eröffnete die Sitzung mit einem warmen Nachrufe für den dahingeschiedenen Gg. Friedrich Lö\v, Prossnitz, worauf die Versammlung beschloß, sich der Aktion des Vereines Zion in Prossnitz zur Stiftung eines Oelbaumgartens zu Ehren des Verblichenen anzuschüeßen. Nach Erledigung einiger vorliegenden, die Geschäftsführung und Finanzen betreffenden Anträge hielt der Parteisekretär Gg. Kurt B1 tiin e n f c 1 d ein erschöpfendes Referat über die wichtigen Arbeiten des EAC., unter dessen Eindruck das ZK einhellig der Ansicht Ausdruck gab, daß es keine' wichtigere Aufgabe für die Organisation in nächster Zeit gäbe als die Sammlung für Zentralfond und Schekel, um die dem EAC. von Westösterreich zugesagten 18.000 Kronen, sowie eine erheblich größere Schekelzahl als in den früheren Jahren aufzubringen. Sodann wendete sich die Beratung dem wichtigsten Punkte der Tagesordnung, der Preßfrage, zu und regelte das Verhältnis der Jüdischen Zeitung und der Selbstwehr zum ZK, unter dessen Preßaufsicht sich die beiden Zeitungen stellten. Bezüglich der politischen Konferenz wurde nach eingehender Beratung beschlossen, die Aktion des Jüdischen Nationalvereines für dieselbe zu unterstützen. Bezüglich des Informationsbüros für Palästina legte der Vorsitzende den neu abgeschlossenen Vertrag mit dem Oesterreichischen Lloyd vor. Das ZK beschloß, dem Leiter des Büros, Herrn Gg. Pasternak, für seine opferwillige Arbeit und Bemühungen für das Zustandekommen des Vertrages, durch welche neue namhafte Erleichterungen für die Auswanderer durchgesetzt werden konntep, . den besonderen Dank aüszusprechen. Für die Propagandaarbeit sagte der Parteisekretär zu, im Herbst d. J. durch mehrere Wochen Westösterreich zu bereisen. Für die Sommermonate wurde die Propaganda in den Kurorten in Erwägung gezogen. Im weiteren Verlaufe (der Sitzung befaßte sich1 das ZK mit der Herbeiführung einer gründlichen Aussprache mit den Prager Gg., insbesondere mit den Herren vom Prager Volksverein, um bestehende Differenzen auszugleichen und namentlich eine gemeinsame energische Arbeit in Bürgerkreisen zu ermöglichen, welche Aussprache ein alle Seiten befriedigendes Resultat zeitigte. Sport. Leichtathletik. Zu dem großen internationalen athletischen Meeting am 6. Juni hatte auch „Hakoah“ genannt. Es erregte in der Wiener Sportwelt Aufsehen, daß ein so junger zweitklassiger Klub sich in Kämpfe mit internatiolen erließ einen Aufruf an die italienischen Gruppen, in welchem sie ihr Festhalten an Palästina, an dem nationalen Gedanken und an dem Basler Programme betonte und gegen die Verballhornung der zionistischen Idee Einspruch erhob. Es entbrannte ein heftiger Kampf, der im Februar 190S am Vnediger Parteitag ausgefochten wurde, wo die Minderheit — Minderheit blieb. Die bestfunktionierenden zionistischen Vereine sind die in Mailand und Florenz, und es ist gewiß kein Zufall, daß beide der entschlafenen Minderheit angehörten. Da die Minderheit anläßlich der Venediger Tagung ihr Vorhaben nicht ausführen konnte, beschloß sie, einen anderen Weg einzuschlagen. Sie ging an die Gründung eines jüdischen Kultusverbandes „Pro Colture Ebraica“, um die jüdische KultiiF zu popularisieren und zu verbreiten. Die „Pro Colture“ hat fast in jeder größeren Stadt eine Ortsgruppe und veranstaltet Vorlesungen, wobei auch der jungjüdischen Literatur der ihr gebührende Platz eingeräumt wird. Leichtathleten einläßt. Wir wollen eben jede Gelegenheit benützen, um zu lernen! Und wir haben auch gleich beim erstenmale reichlich Erfahrungen gesammelt. Wir müssen unermüdlich trainieren, für jedes einzelne Gebiet der Leicht athletik Kämpfer heranbilden und schließlich dürfen wir es nie zugeben, daß man uns in den Hintergrund schiebt. Die jüdischen Turnvereine Wiens und „Hakoah“ haben den festen Willen, den jüdischen Sport zu Ansehen zu bringen und sind auf dem besten Wege hiezu. Vom Meeting wäre zu berichten: „Hakoah“ beteiligte sich an den meisten Konkurrenzen und konnte durch Sabel im Hochsprung mit Anlauf (1.55 M.) den zweiten Platz besetzen. Schwimmen. Am zweiten Juni fand ein Aufschwimmen aller Wiener Schwimmklubs von der Augartenbrücke bis zur Franzensbrücke statt. An demselben beteiligten sich die Hakoahner: Graus, Freund, Goldklang, Hönigsberg, Goldschmidt und Ultmann. Die Strecke wurde von unseren Hakoahnern in geschlossener Reihe .in 8 Minuten zurückgelegt. Es war dies das erste öffentliche Auftreten der unter Gg. B o n d y und Gg. R. Freund stehenden Sektion. Fußball. Sonntag, den 9. Juni trug unsere I. Mannschaft ihr letztes Meisterschaftsspiel in dieser Saison aus und konnte ihren Gegner, den Rennweger Sp.-CL mit 2:1 besiegen. Die Coalschützen waren Ali (Kapitän) und Jenö. Die Mannschaft hat noch selten so frisch und schneidig gekämpft und jeder einzelne Mann war auf seinem Posten. Durch diesen Sieg steht nun Hakoah in der Meisterschaft der II. B. Spielabteilung an zweiter Stelle, und läßt noch acht ältere Klubs hinter sich. Von den 18 Spielen der Meisterschaft verlor Hakoah 2, spielte unentschieden 5 und gewann 11. Diese Stellung Hakoahs kann nicht genug rühmend hervorgehoben werden, wenn man bedenkt, daß Hakoah erst zwei Jahre in der Meisterschaft kämpft, während alle anderen Klubs der II. B.-Klasse mindestens 5 Jahre kämpfen, um in die II. A- Klasse, die Vorstufe zur Erstklassigkeit, zu kommen. Ferner spielte unsere Mannschaft in zwei Turnieren und konnte bereits einmal siegen (Hakoah: Apollo 4: 3). Besonders erwähnt sei unsere Reserve. In sämtlichen 18 Meisterschaftsspielen haben unsere Reserven gesiegt und mit einer Goalanzahl, die direkt einem Rekord gleichkommt (ca. 70:8)! Einem Klub, dessen Reservemannschaft so beschaffen ist, braucht um den Nachwuchs nicht bange zu sein. Aber auch die 1L, III., IV. und das akademische Team haben sehr schöne Leistungen zu verzeichnen. Zum Schlüsse sei noch ein Tag am Hakoahplatz beschrieben, als Beweis, daß „Hakoah“ ' den Wunsch unseres großen Herzl nach einem Muskeljudentum redlich zu erfüllen sucht. Scuin- “ tag (9. VI. 1912), 8 Uhr früh: Die „Alte Herrenmannschaft“ Hakoah gegen Old Fellows (ein Team aus jüdischen; .Bürgern des ,1X. und XX. Bezirkes) (0:5), 10 Uhr Hakoah III. gegen Mittelschule Alina (4:1), Von y>2—i/s4 hatten wir die schaff von A. iB. :Hofbauer 'gegen die von S. Kary & Comp, zu Gast (4:0). V-4—i/26 Hakoah Reserven gegen Rennweger Sp.-Cl. 11.(5:1). >46— y2S Hakoah I. gegen Rennweger Sp.-Cl. I. (2:1). Während des ganzen Tages trainiert die leichtathletische Sektion, die Schwimmsektion (im Schwimmbade, das gleich neben unserem Sportplätze liegt) und unsere neueste Sektion, die Rudersektion (im Donauarme neben unserem Sportplätze). Das ist ein Tag beim jüdischen Sportklub „Hakoah“. Wir können mit Stolz sagen, daß wir die Arbeit für eine Hauptforderund des zionistischen Programmes gründlich besorgen. K-. Bus dem judifdieii leben. Von den jüdischen Mitgliedern der türkischen Kammer. Das neue türkische Parlament zählt bekanntlich — wie die vorige Kammer — vier jüdische Abgeordnete. Von diesen ist der Abgeordnete Faraggi jüngst zum Vorsitzenden der Budgetkomission gewählt worden. Der Abgeordnete von Saloniki, Carasso, soll demnächst zum Senator ernannt werden. An seiner Stelle wird das jungtürkisChe Komitee Herrn Moise Cohen aus Saloniki für das dort frei werdende Abgeordnetenmandat kandidieren. Eine jüdische Emigratjonskonfererrz. Mit Rüdesicht darauf, daß die russischen Behörden die Tagung 'der geplanten jüdischen Emigrationskonferenz in einer russischen Stadt allem Anscheine nach nicht gestatten werden, beschloß die hiesige jüdische Emigrationsgesellschaft in ihrer jüngsten Sitzung, die Konferenz für Ende des Sommers nach Krakau einzuberufen. Verkehrswesen in Jerusalem. Die Stadt Jerusalem soll bald ihren eigenen Trambahndienst erhalten, da die Konzession bereits ejner französischen Firma verliehen wurde, die mit dem1 'Bau der Linien noch im Laufe dieses Sommers beginnen will. Eine englische Firma hat eine Eingabe betreffend Beleuchtung der Stadt mit elektrischem Licht gemacht, und ein deutsches Syndikat will die Stadt mit Wasser versehen durch die Errichtung von großen Reservoirs an Quellen, die ungefähr 16 Meilen von der Stadt entfernt Hegen. Auch an die Pflasterung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.