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Jüdische Zeitung · 1912-05-17 · 20 (17.5.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
20 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 20 Aus öem jüöifAen Leben. Neue. Einwandenmgsbeschränkungen in Amerika. New-York: Der Senat nahm in einer seiner jüngsten Sitzungen den Gesetzentwurf des Senators Lodge an, wonach ein Bildungsexamen für die E inwanderer nach den Vereinigten Staaten eingeführt werden soll. Danach soll kein Einwanderer zugelassen werden, der nicht irgend einer Sprache lesen und schreiben kann. Einige Senatoren hatten ein Amendement eingebracht, wonach die Einwanderungserlaubnis an die Bedingung des Lesens und Schreibens in irgend einer Landessprache geknüpft wird, doch ging der Entwurf in der ursprünglichen Fassung durch. Demnach gelten auch Hebräisch und „Yiddish“ im Sinne der bisherigen gesetzlichen Bestimmungen als anerkannte Sprachen. Die Bildungsprüfung soll in der Weise vorgenommen werden, daß einem jeden Einwanderer 20—25 Wörter der amerikanischen Konstitution in der von ihm gewünschten Sprache gedruckt vorgelegt werden und er diesen Text dem Prüfungsinspektor vorzulesen und sodann niederzuschreiben hat. Von diesem Bildungsexamen sollen nur die Ehefrauen der zugelassenen Einwanderer, deren Kinder unter 8 Jahren und deren Eltern und Großeltern über 55 Jahre befreit bleiben. Ferner ist auf Antrag des Senator Simons bestimmt worden, daß die Bildungsprüfung auch solchen Personen erlassen werden kann, die ihre Heimat wegen religiöser Verfolgungen verlassen mußten. Eine weitere Erschwerung der Einwanderung wird durch die Bestimmung herbeigeführt werden, daß die Kopfsteuer für jeden Einwanderer von 4 ouf 5 Dollar erhöht wird. Der Entwurf muß, ehe er Gesetzkraft erlangt, noch vom Kongreß genehmigt und vom Präsidenten sanktioniert werden. Nun glaubt man in politischen Kreisen allerdings nicht, daß der Kongreß dem Gesetzentwurf in dieser Form zustimmen wird, immerhin erscheint es jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Vorlage in gemilderter Fassung zum Gesetz erhoben wird. Dies würde auch für die jüdische Einwanderung nach den Vereinigten Staaten einen schweren Schlag bedeuten, denn wenn die Zahl der Analphabeten unter den jüdischen Emigranten Osteuropas auch nicht so groß ist wie unter manchen anderen Völkerschaften, z. B. den Italienern, Russen und Griechen, so wird es dennoch auch unter den jüdischen Handwerkern usw. eine beträchtlich Anzahl geben, die das Bildungsexamen selbst in jüdischer Sprach nicht bestehen können. Einzelne amerikanische Zeitungen plädieren übrigens für eine noch größere Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen, und der „New York Herald“ fordert geradezu, „den kleinen Krämern und Hausierern aus Rußland, die in schmutzigen Vierteln der Großstädte zusammengepfercht wohnen“ — gemeint sind natürlich die russischen Juden — „die Pforten des Landes zu verschließen, da ihre weitere Zuwanderung „unerwünscht“ sei. Freisprechung der jüdischen Landarbeiter von Merchawja. Jaffa: In der Nacht vom 25. zum 26. Mai 1911 hatten in der jüdischen Kolonie Merchawja nachbarten Dorfe Solem den jüdischen Wächter Igael, einen sehr tapferen und besonnenen Ar- (Galiläa) zehn bewaffnete Fellachen aus dem bereiter, überfallen, um ihm sein Pferd zu rauben. Sie gaben mehrere Schüsse auf ihn ab. Igeal setzte sich zur Wehr, wobei ein junger Fellache ums Lebe.i kam. Aus Nazareth kam alsbald eine größere Abteilung Polizei nach Merchawja und verhaftete sieben jüdische Landarbeiter, die der Tötung des Fellachen beschuldigt wurden. Seither saßen die sieben Arbeiter in Nazareth und Akka in Untersuchungshaft. Der Prozeß gestaltete sich sehr langwierig, da das Gericht fortgesetzt neue Zeugen vorladen ließ und der Termin der iHauptverhandlung wohl zehnmal vertagt wurde. Die Verhandlung hat nun endlich in Akka stattgefunden und endete mit dem völligen Freispruch sämtlicher Angeklagten, die sofort in Freiheit gesetzt wurden. Eine jüdische Mädchenfarm in Kinereth. Jaffa: Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina (mit 'dem Sitz Sin Berli) hat vor Jahresfrist in der galiläischen Ackerbaukolonie Kinereth eine Mädchenfarm eingerichtet, die den Zweck hat, jüdische Mädchen in der Landwirtschaft auszübilden und zu tüchtigen Bäuerinnen zu erziehen. Bekanntlich leidet die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas sehr darunter, daß die Frauen und Töchter der meist aus einem städtischen Milieu hervorgegangenen Kolonisten der Landwirtschaft kein Interesse und Verständnis entgegenbringen. Der Mangel an Milchwirtschaft, Gemüsebau und Geflügelzucht in den jüdischen Kolonien ist hauptsächlich auf diesen Umstand zurückzuführen. Der Frauenverband hat sich nun die Aufgabe gestellt, diesem Uebelstand abzuhelfen und hat bereits ansehnliche Erfolge in dieser Richtung aufzuweisen. Die Einrichtung der Mädchenfarm in Kinereth wurde unter der Leitung einer akademisch geschulten Kraft, des Frl. Dr. Maisei, mit sechs jüdischen Mädchen begonnen. Im Laufe des Jahres stieg die Zahl der Mädchen auf 16. Die Mädchen arbeiteten in der Kolonie als einfache Tagelöhnerinnen und erhielten, ehe ihr Arbeitsverdienst für ihren Lebensunterhalt ausreichte, einen Zuschuß von 20 Francs seitens der Frauenverbandes. Gegenwärtig wird dieser Zuschuß keinem der Mädchen mehr gewährt, weil auch die ungeübtesten unter ihnen bereits einen Arbeitslohn beziehen, der das Existenzminimum überschreitet. Auf dem Stück Boden, das ihnen die Verwaltung der Kolonie zugeteilt hat, pflanzten die Mädchen im Sommer und Winter Gemüse, mit dem sie die Arbeiterküche der Kolonie versorgten und noch einiges in Tiberias verkauften. Unter ihrer Obhut stand der Hühnerhof, einige Kühe, die Baumschule und Pflanzungen, sowie auch die Arbeiterküche. In allen diesen Arbeiten haben , sie sich durchaus bewährt, und die Verwaltung der Kolonie hat sie gern zur Arbeit herangezogen. Interessant ist, daß einzelne der Mädchen früher — Studentinnen waren. Bisher fehlt es an einem geeigneten Wohnhaus für die ‘Mädchen, allein auch diesem Mangel soll''bald äbgehölfen werden. Als Herr Dr. Bodenheimer aus Köln, Vorsitzender des jüdischen Nationalfonds, bei seiner jüngsten Anwesenheit in Palästina die Mädchenfarm besichtigte, versprach er diesem segensreichen Werk die weitgehendste Förderung und stellte in Aussicht, daß der jüdische Nationalfonds demnächst an den Ufern des Jordans ein schmuckes Haus für Landarbeiterinnen der Mädchenfarm errichten werde, das mit Feder- und Rindviehstallungen versehen und von einem großen Garten nebst Ackerland umgeben sein soll. Das Haus soll eine nette Einrichtung bekommen, mit zierlichen Gardinen pn den Scheiben und Blumen vor den Fenstern. Die Wirtschaft in der Mädchenfarm soll nicht den Charakter einer Schule haben, sondern eine kleine Privatwirtschaft sein. Aus dieser Gruppe sollen Meierinnen und Gärtnerinnen hervorgehen, die mit ihrer jungen Kraft das alte Jordantal und den Boden Palästinas überhaupt heu beleben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auf diese Weise — durch die systematische Heranbildung landwirtschaftlich geschulter Frauen —.das jüdische Kolonisationswerk in Palästina wesentlich gefestigt und auf eine gesunde Grundlage gestellt werden wird. Vereinsnadiriditen. Wien. („H e r z 1 k 1 u b“.) Die Sitzung am Samstag, den 18. d. entfällt. Nächste Sitzung am 25. a. JVl Wien. (Verein jüd. Veterinär-Mediziner.) Ergebnis der Ausschußwahlen für das Sommersemester: MVC. Karl Katz, Präses; MVC. Ernst Hoffenreich, Vizepräses; med. vet. Leo Sobel, Schriftführer; MVC. Leo Weiß, Kassier1. — Dienstag den 21. d. M., um halb 9 Uhr abends, hält der Obmann MVC. K. Katz im Restaurant Schuh, III., Ecke Ungargasse 6 und und die Säuglingssterblichkeit“, wo- Münzgasse, einen Vortrag über „die Milch zu jäd. Gäste willkommen sind. F. d. V. Wien. (Herzl-Klub.) Am 4. Mai sprach im „Herz! - Klub“ Herr Dr. Georg Weiner über seine „Palästinareise“. Am 11. Mai sprach Herr Waldmann über „Assimilation oder Zionismus“. Sowohl Herr Dr. Weiner, als auch Herr Moses Waldmann behandelten die schon vorher angeführten Themen in glänzender Weise. Die Vorträge brachten dem „Herzl-Klub“ eine größere Anzahl von Mitgliedern. Ordentliches Mitglied kann jede Person im Alter von 18—28 Jahren, Förderer jede Person, die dem Vereine einen jährlichen Mindestbeitrag von K. 6.— zuwendet, werden. An alle Juden und Jüdinnen und speziell an die Jungen unseres Volkes ergeht nun die ernste Mahnung dem „Herzl-Klub“ gegenüber ihre heilige Pflicht zu erfüllen! Wien. (Jüdischakademischer Juris lenverein. Wien I. Universität.) Die am 29. April 1912 vorgenommenen Neuwahlen in den Ausschuß ergaben folgende Resultate: Obmann: JUC. Erich Saxl; 1. Vizepräses: JUC. Martin Freund; 2. Vizepräses: JUC. Edgar Schick; 1. Schriftführer: JUC. Heinrich Ornstein; 2. Schriftführer: JUC. Felix Lichtenstern; 1. Kassier: JUC. Ernst Bauer; 2. Kassier: jur. Paul Stern, Bibliothekar: JUC, Josef Schell. Ohne Mandat: JUC. Ernst Schüß; jur. Viktor Kraus. Graz. Im zion. Vereinsheim hielten am Montag den 6. d. M. die Vereine „Z i o n“ und „Jisc’huw Erez Jisroel“ eine gemeinsame Generalversammlung ab, um die, von den beiderseitigen Ausschüssen vorbereitete Fusion der beiden Vereine vorzunehmen. Unter lebhaftem Beifall der Versammlung wurde der diesbezügliche Antrag angenommen, Worauf sämtliche Ausschußmitglieder ihre Mandate niederlegten. Es wurde nunmehr die Wahl eines, aus 13 Mitgliedern bestehenden, gemeinsamen Ausschusses vorgenommen, an dessen Spitze ein engerer fünfglieriger Ausschuß (die eigentliche Leitung) steht. In den letzteren wurden folgende Herren Gg. Gg. einstimmig gewählt: Als 1. Obmann Ignatz Hauser, als Obm.-Stellv. Otto Spiegel, als 1. Kassier Karl Schwarz als 1. Schriftführer der NFOK. Hugo Brunner, als Kassarevisor Hauser. Durch die nunmehr geregelten Verhältnisse in den beiden Organisationen hoffen wir endlich zu einer gedeihlichen und erfolgreichen Arbeit zu gelangen. Fonz. Brünn. Die jüd. akad. Verbindung „Veritas“ veranstaltete am 11. Mai einen Palästina- Lichtbilder-Vortrag, der einen sehr gutenL Verlauf nahm. Der Vortragende, Gg. Dr. Emil Stein (Wien) stellte in fesselnden Worten unsere Kolonisationsbestrebungen in Palästina dar und erntete stürmischen Beifall. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender. Wien, II., Malzgasse 1.) Samstag den IS. Mai 1912, 8 Uhr abends, im Saale des jüdischen Volksheim, II. Stefaniestr. 12, General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr 1911. 2. Bericht der Revisoren und Erteilung des Absolutoriums. 3. Anträge der Vereinsleitung. 4. Wahl der Vereinsleitung. 5. Anträge und Interpellationen. Für die Vereinsleitung: F. Goldfarb, Schriftführer. Saul Klausner, Obmann. Nach Schluß obiger Generalversammlung findet auch die 'Generalversammlung des Witwen- und Waisenfondvereines mit folgender Tagesordnung statt. 1. Verlesung des Rechenschaftsberichtes. 2. Bericht der Revisoren und Erteilung des Absolutoriums. 3. Anträge der Vereinsleitung. 4. Wahl des Vorstandes. F. Goldfarb, Schriftführer. Saul Klausner, Obmann. — NB. Sollte die Generalversammzur angesetzten Stunde nicht beschlußfähig sein, so findet eine halbe Stunde später eine zweite Generalversammlung statt, welche ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Mitglieder abgehalten wird. Soeben erschienen: Zionistisches Merkbuch JSiiüLi 0 Aus dem Inhalte: I. Die zionistische Organisation. — II. Zionistische Institutionen. — III. Palästina (A. Das Land. B. In Palästina arbeitende Organisationen. C Land- und Pflanzungs-Gesellschaften. D. Genossenschaften. E. Schulwerk. F. Palästina-Wissenschaft. G. Bibliotheken-Volksbildung etc.) IV. Jüdischer Nationalismus. — V. Historisches.. VI. Zionistische Landes- und-Sonderverbände etc. Preis 30 Heller (Porto 3 h), 100 Stück K 20—. Unentbehrlich für jeden Zionisten. Zu beziehen durch: Jüdische Zeitung, Wien, II., Stefaniestraße 12.

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