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Jüdische Zeitung · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 19 Aus öem jüöildien Leben. XIII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland, deren Mitgliederzahl sich auf rund 10.000 beläuft, hält am 27. und 28. Mai (Pfingsten) d. J. in den Reichshallen zu Posen ihren 13. Delegiertentag ab. Die Zionistische Vereinigung hat innahezu sämtlichen deutschen deutschen Bundesstaaten Ortsgruppen, die fast ausnahmslos auf der Tajgung vertreten sein werden. Vorsitzender der Z. V. f. D. ist Rechtsanwalt Dr. Arthur Hantke in Berlin, der auch der engeren Leitung, (dem Aktions-Komitee) der zionistisdien Gesamtorganisation angehört. Der erste Delegiertentag der deutschen Zionisten fand im' Jahre 1897 in Bingen statt, der zwölfte im Jahre 1910 in Frankfurt a. M. Seit der letzten Tagung ist die Zahl der organisierten Mitglieder um 4000 gestiegen. Eine neue Wendung im Kiewer „Rituaknord“- Prozeß. Kiew: In Angelegenheit der Ermordung des Knaben Justsdiinsky sind neue Momente zutage getreten, die den Verdacht gegen die vom Journalisten Brasul-Brusdikowsky bezeichneten Personen nocbd ringender erscheinen lassen. Es handelt sich um eine Gesellschaft von Dieben und Hehlern, an deren Spitze der französische Staatsangehörige Mifle stand und der auch Justschinskys Stiefvater angehörte. Der ermordete Knabe hatte der Polizei Mitteilung von dem Verbrecherischen Treiben der Bande gemacht und deren Mitglieder haben ihn hierauf anscheinend beseitigt. Infolge überraschender neuer Einzelheiten, die in den letzten Tagen zur Kenntnis des Gerichtshofes gelangt sind, nimmt man an, daß bereits in nächster Zeit eine entscheidende Wendung in der Affaire Justschinsky eintreten wird. Der V. Jüdische Turn tag. Zu Pfingsten wird die „jüdische Turnerschaft“ in Berlin ihren fünften Verbandstag abhalten.' Im Jahre 1903 gelegentlich des 6.' Zionistenkongresses iri Basel begründet, umfaßt der Verband heute über 4000 Turner in den verschiedensten Städten Deutschlands, Oesterreich-Ungams, der Schweiz und der Balkanländer, die durch Beschluß der diesmaligen Tagung in geordnete landmannschaftliche Kreise eingeteilt werden sollen. Der Ausschuß des Verbandes wird voraussichtlich seinen Sitz in Berlin behalten, obwohl seine bisherigen Mitglieder, die ihm größtenteils seit der Gründung angehören, von ihrem Aemtern zurücktreten. Turnerische und sportliche Veranstaltungen werden sich an die Tagung anschließen. Ein Weltverband der orthodoxen Juden. Budapest: Vorige Woche fand hier in der Landeskanzlei der orthodoxen Judenschaft eine Konferenz in Angelegenheit des geplanten orthodoxen Weltverbandes „Agudas Jisroel“K.. statt. An der Konferenz nahmen die Rabbiner Dr. S. Breuer-Frankfurt a. M., Reich-Budapest, Silberstein-Waitzen und der Präsident der Landeskanzlei, Adolf: Frankl, teil. Dr. Breuer teilte mit, daß das Komitee der „Agudas Jisroel“ die Einberufung einer Gründungsversammlung nach Kattowitz (Oberschlesien) beschlossen habe und bat die rabbinischen Führer der orthodoxen Judenschaft Ungarns um deren Anschluß an die Bewegung und um die Beschickung der Kattowitzer Versammlung. Nach längerer Beratung erklärten sich die ungarischen Konferenzteilnehmer mit dem Programm des Verbandes ein-' verstanden und versprachen, die Angelegenheit der demnächst einzuberufenden Zentralkommission der orthodoxen Gemeinden befürwortend zu unterbreiten. Wenn sich die Zentralkimmission für den Anschluß aussprechen wird, so werden einige'Delegierte aus. Ungarn an der Gründungsversammlung in Kattowitz teilnehmen. Ein Empfangsabehd im Beth-Haam (Volksheim) zu Jerusalem. Jerusalem: Die Verwaltung des hiesigen Beth-Haam (Volksbildungsheim) veranstaltete zu Ehren des Herrn Dr. Bodenheimer, Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds, und des Redakteurs der hebräischen Monatsschrift' „Haschiloah“, Dr. Josef Klausner aus Odessa, die während des Passahfestes in Jerusalem weilten, einen Empfangsabend, der einen überaus stimmungsvollen Verlauf nahm.- Es wurden Zahlreiche hebräische Reden gehalten. Dr. Bodenheimer versprach bei dieser Gelegenheit, er werde bemüht sein, bei den europäischen (Palestinafreunden dahin zu wirken, daß den kulturellen Bedürfnissen Jerusalems mehr Aufmerksamkeit als bisher zugewandt werde. / Eine neue jüdische .Ackerbaukolonie in der Nähe Jerusalems. Jerusalem: Seit mehreren Jahren besteht hier unter dem Namen „Kehillath Jakob“ eine Vereinigung jüdischer junger Leute, die den Zweck hat, für ihre Mitglieder ein ländliches Grundstück in der Nähe von Jerusalem zu erwerben, um d ort eine neue jüdische Kolonie zu schaffen, die hauptsächlich Gemüsebau und Milchwirtschaft treiben feoll.- Der Kauf eines eigenen Terrains in unmittelbarer Nähe Jerusalems ist nun dieser Tage abgeschlossen worden, und die Begründung der Kolonie erscheint damit als gesichert. Von der jüdischen Einwanderung nach Amerika. New- York: Soeben wird das statistische Material über die Einwanderung im Februar d. J. veröffentlicht. Danach landeten in diesem Monat im New-Yorker Hafen 4200 jüdische Emigranten (gegenüber 3880 im Februar 1911). Unter den jüdischen Einwanderern befanden sich 2550 aus Rußland. 56 jüdische Einwanderer wurden teils wegen ihres Gesundheitszustandes, teils, weil angenommen wurde, sie würden der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen, zurückgewiesen und (mußten'jn ihre jHeimat zurückbefördert werden. Die Geldbeträge, die die jüdischen Einwanderer mit sich führten, beliefen sich auf 157.000 Dollar. Konferenz der jüdischen Landarbeiter in Galiläa. Haifa: In den ersten Tagen des Pessachfestes fand in der jüdischen Kolonie Sedjera ein Delegiertentag' 3er "jüdischen Landarbeiter aus den galiläischen Kolonien statt. Vertreter der Arbeiterschaft aus Merchawja, Kinereth, Medschdel, Poria, Dajganjä, Sedjera Mizpeh, Mildiamieh und Mes‘cha, sowie des Arbeiterklubs in Haifa hatten sich zur Tagung eingefunden. Es wurde über die Lage der jüdischen Landarbeiter in den einzelnen Siedlungen berichtet und verschiedene Maßnahmen zur Stärkung ihrer Position und zur Besserung ihrer Lebensverhältnisse besprochen. Die Versammlung befaßte sich auch eingehend mit der Lage der jemenitischen Landarbeiter und beschloß, deren Interessen bei der Administration der Ica wahrzunehmen und den Jemeniten in jeder Weise beizustehen. Ein Sammelwerk über die Juden in Bulgarien. Sofia: Aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums Ferdinands I., das im Oktober d. J. festlich begangen werden soll, plant die Judenheit Bulgariens die Herausgabe eines großangelegten Werkes in bulgarischer Sprache, das in Monographien die Geschichte und das Leben der Juden in Bulgarien behandeln wird. Mitarbeiter dieser Sammelschrift sind Großrabbiner Dr. Ehrenpreis, Rabbiner Dr. Rosenwasser, Dr. med. Navon (Sofia), der Historiker Salomon Rosanis (Rustschuk), der Nationalökonom Peter Gabbe (Baltschik), Prof. E. Kohen (Philippopel) und viele andere._ Vereinsnadiriditen. Wien. Die Vereinigung jüdischer Hoch - schüler aus Galizien »Bar Kochba« in Wien teilt ihrem Bb. Bb. und Freunden mit, daß die Angelegenheit der im ‘Jahre 1909 veranstalteten Bezalel-Ausstellung vollständig erledigt wurde. Die nicht behobenen Angaben für bestellte Gegenstände wurde im Sinne der seinerzeitigen Veröffentlichung dem Betriebsfond des Bezalel zugewendet. J Wien. (Jüdischer Medizinerverein, Vereinslokal: IX., Müllnergasse 35.) Ausschußwahlen für das Sommersemester: MUC. Robert Fischer, Präses; med. Theodor Sußmann, Vizepräses; MUCC. Siegfried Berl, Kassier; med. Eugen Schorr, I. Schriftführer, med. Ernst Hirsch, II. Schriftführer; MÜC. Ascher Apte, Zeitungsverweser; MUC. Eduard Weiß, Bibliothekar; med. Moses Babach, Oekonom; MUC, Bela Szigety, Beisitzender; Revisoren: Dr. Grünspann, Frl. med. Chana Weitz. Wien. Sonntag den 19. Mai 1912 veranstaltet der Jüdische Turnverein Favoriten eine Mai-Tagesfahrt nach Wolfsgraben. Abfahrt: 6 Uhr 57 Min. von der Station Favoriten und 7 Uhr 43 Min. von Hütte'dorf-Hacking. Während der Mittagsrast ernste und heitere Vorträge; nach der Mittagsrast Turnerische Wettspiele. Regiebeitrag (inklusive Fahrten) K 2.—. — Anmeldungen sind bis Montag den 13 .Mai an Herrn Siegfried Heller, X., Staatsbahnhof, Magazin 3 (Telephon 391) zu richten. Wien. („Wiener zionistische Vereinigung“.) Der für den 7. Mai anberaumte Vortrag des Herrn Dr. Otto Abeies findet wegen eingetretener Hindernisse Dienstag, den 14. Mai, V28 Uhr abends, im „Jüd. Volksheim“ statt. Thema: „Zionistische Arbeitsprobleme“. Die Person des Vortragenden wie auch das Thema versprechen einen höchst interessanten Verlauf des Vortrages, an den sich eine Diskussion schließen wird. Für die „W. z. V.“ J. U. C. Landau, Vizepräsident. Wien. Am' 21. April fand die VIII. Generalversammlung des Vereines „Machsike Ladath“ zur Auspeisung armer jüdischer Zugereister im Vereinslokale II., Obere Augartenstraße 40 statt, bei welcher seitens der Kultusgemeinde Herr Kultusrat Dr. Anselm Hai per n als Delegierter, wie auch Herr Rabbiner Mayer Mayersohn erschienen waren. Der Vor - sitzende Herr Jakob März eröffnete die Generalversammlung mit einer herzlichen Begrüßung und votierte dann dem Damen-Komitee, welches den Einkauf und die Vorbereitungen der Mahlzeiten besorgt und bei Verabreichung der Speisen persönlich mittätig ist, den innigsten Dank. Nach Verlesung des Rechenschaftsberichtes durch den Schriftführer Herrn Emil Pomeranz, dem wir entnehmen, daß im verflossenen Berichtsjahre nicht weniger als 8711 Arme — an Samstagen und Feiertagen ausgespeist wurden, teilte der Vorsitzende mit, daß die an den Verein in dieser Richtung gestellten Anforderungen noch viel größer sind, leider aber die vorhandenen Mittel zu deren Bestreitung nicht ausreichen, deshalb er einen sehr warmen Appell an die Anwesenden richtet, dem Vereine recht viele neue Mitglieder zuzuführen. — Herr Dr. Halpern verspricht für die Vereinsinteressen beim' Kultusvorstande zu intervenieren und dankt namens der Kultusgemeinde dem rührigen Damen-Komitee für seine ersprießliche und mühevolle Tätigkeit. — Nach per Akklamation vorgenommenen Ergänzungswahlen wurde die Generalversammlung um. 5 Uhr geschlossen. Hakoah I gegen Floridsdorfer Sportklub 1:1. Beide Treffer fielen aus Elfern. Hakoah stets überlegen und von kolossalem Pech verfolgt. Sehr gut bewehrte sich die Einstellung Spitzers links außen. Hakoah II gegen Floridsdorfer Sportklub 8:0. Am Sportplatz täglich Training. Klublokal: Cafe Fetzer, II., Praterstraße 8. Eine Stimme aus dem Publihum. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Genugtuung habe ich aus ihrer Zeitung entnommen, daß Sie gegen Juden, welche keine jüdischen Beamten anstellen, in rücksichtsloser Weise Stellung nehmen. Leider beschränkt sich dieser Kreis der jüdischen Antisemiten nicht nur auf wenige große Firmen wie Rothschild und G u t m a n n, er umfaßt vielmehr eine große Anzahl von Industriellen und Geschäftsleuten; welche in der jüdischen Gesellschaft eine Rolle spielen. Hiemit sei ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt, daß sich unter den 250 Angestellten (Beamte, Kanzleipersonal und Bedienstete), der Wiener Effektenbörse kein einziger Jude befindet. Die Aufnahme des Personales hängt vom Börserate ab, welcher eine jüdische Majorität hat. Auf mehrfache Beschwerden von Börsebesuchern wurde die Antwort zuteil, daß man darum keine Juden anstelle, weil man mit dem einzigen jüdischen Beamten, welcher angestellt war, nicht zufriedenwar. ■ i Die Praxis des Börserates sowie die Motivierung sind geradezu beschämend. Würde es jemanden einfallen, die Deutschen nicht anzustellen, weil man einmal mit einem' deutschen Beamten schlechte Erfahrungen gemacht hat? Sind denn die 250 Angestellten der Börse allesamt mustergiltig und unvergleichlich? Die Motivierung des Börserates ist also nichts mehr wie ein Feigenblatt für die Feigheit und fadenscheinige Gesinnung der Finanzgewalt- -tigen, welche durch id iesen Akt des. jüdischen Antisemitismus beweisen wollen, daß sie „objektiv“ sind und sich nicht von Gefühlen der Solidarität mit den jüdischen Bewerbern leiten lassen. ■, ' Ich wäre Ihnen für die Aufnahme vorstehender Zeilen sehr verbunden und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Ein Börsebesucher.

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