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Jüdische Zeitung · 1912-05-10 · 19 (10.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
19 (10.5.1912)
Date
1912-05-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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•MDE ZEITUNG mH Jf]™L -JLIDI5CHE5 DRERN^ Jggg ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und t Inseratenaiünahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden ■ _■ tätlich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurQckgesteüt. — Abonnementspreise: FQr Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Fflr Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. m ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. Telefon 22.075. ■ Nr. 19 Wien, Freitag, den 10. Mai 1912 VI. Jahrgang Der Sportklub „Hakoah“ veranstaltet am 16. Mai 1912, auf dem: Kricketerplatz, II., Vorgartenstraße, ein Jüdisches Sportfest Vormittags Vorläufe. — Nachmittags 2 Uhr, Leichtathletisches Meeting (Preise ausgesetzt vom w.-ö. Zentralkomitee und vom i. ö. DK.). Nennungsschluß für dieses 7. Mai 1912, 12 Uhr vorm, an Vereinssekretär jur. Jakob Katz, II., Schreigasse 14, bei dem auch die Proposition erhältlich sind. i/25 Uhr Hakoah II gegen Team der Wiener jüd. Turnvereine (Schiedsrichter Dr. Körner). 1/26 Uhr Hakoah I gegen Slovan I (Verbandsschiedsrichter JeHinek). Kartenverkauf IX., Tflrkenstraße 9, II., Steianiestraße 12, bei allen Turrivereinen und bei allen Hakoahnern. Die Notwendigkeit eines neuen judi- Iitien Kurses. Zwei Haupterscheinungen charakterisieren das öffentliche Leben unseres Reiches: das parlamentarische Siechtum und die Verständnislosigkeit der überwiegenden Mehrheit der österrreichischen Bevölkerung für die Kernfragen unseres x öffentlichen Lehens. Daher rührt auch der traurige Umstand, daß das Interesse für die Politik hierzulande sich nur auf die Zeit der Wahlkampagne konzentriert und wenn das Wahlergebnis — wie für die wenigen Einsichtigen selbstverständlich — an den trostlos verworrenen Verhältnicbts ändert, dannn verfällt die Wählerschaft eben wieder in die alte Apathie. Gilt das hier Gesagte für die Oesterreicher im Allgemeinen, so trifft dies aber in besonders hohem Grade für die österreichischen Juden zu. Seit Jahrzehnten irregeführt durch eine korrupte angebliche „Judenpresse“ (die aber die wirklichen Interessen des jüdischen Volkes genau so wenig vertritt, wie die der übrigen Nationen), Oesterreichs und hypnotisiert durch inhaltslose Schlagworte überlebter Parteien, fehlt der großen Majorität der Juden des Donaureiches jeder Kompaß im öffentlichen Leben. Sie bilden darum bei allen Wahlen das Kanonenfutter für politische Fraktionen, welche gleich wenig den Lebensinteressen der Juden, als denen der anderen österreichischen Völker und des österreichischen Gesamtreiches gerecht werden. Hier kann nur eine moderne jüdisch-österreichische Reichsorganisation und eine ununterbrchene Aufklärungsagitation sowie politische Erziehungsarbeit in allen jüdischen Gemeinden Oesterreichs Wandlung schaffen. * Wie dringend diese ist, beweist das Ergebnis der Wiener Gemeinderatswabl'en und die vollständig verfehlte Politik, der angeblichen Repräsentanten des jüdischen Volkes sowohl während der Wahlkampagne, als auch in den großen Reichsfragen, welche derzeit in der H absburgermonarchie richtunggebend sind. 43.000 Wiener Wähler haben durch leere Stimmzettel oder durch Abwesenheit bei den Gemeinderatswahlen gegen ale bestehenden Parteien demonstriert,- deren siegreiche Kandidaten.- inä ihrer Mehrheit;erst bei den Stichwahlen und da vielfach nur mit geringen Majoritäten gewählt wurden, häufig nur „als das kleinere Uebel“.- Auch diese Tatsache beweist deutlich', was die Juden Wiens vermöchten, wenn sie auf Grund eines jüdisch-demokratischen, österreichischen Programmes organisiert, mit allen denen Hand in Hand gehen würden, die in Wien vor allem die Metropole eines vielsprachigen Reiches betrachten, dessen Mission es ist, Kultur nach Osten zu tragen, das daher auch' innerhalb seiner Grenzpfähle vorbildlich die Gleichberechtigung aller Nationen, Konfessionen und Klassen vertreten muß. Mit dieser Mission ist der Dualismus unvereinbar; sie setzt voraus ein national'-autonomistisches Großösterreich. Gegenüber dieser aus den Existenzbedingungen des Reiches folgenden Notwendigkeit verschließt das assimilatorische Judentum die Augen und der unglücklichen Führung der „Neuen Freien Presse“ folgend, ebnet es den Christlichsozialen den Weg zu neuen Siegen. SChon spricht man — was wir vor Wochen voraussagten — von einer in Bildung begriffenen reaktionären Majorität aus allen Nationalitäten und speziell von einem christlichsozial - deutschnationalen Bündnis und in weiterer Linie von der bald bevorstehenden Auflösung des sterbenskranken österreichischen Abgeordnetenhauses. Kommt es aber zu Neuwahlen, dann können sehr leicht die vollständig unorganisierten und politisch imgeschulten österreichischen Juden, sowohl in den Sudetenländern, als auch in Galizien und der Bukowina sehr unangenehme „unerwartete Ueberraschungen“ wieder erleben. Da in keinem1 Lager eine Prinzipienpolitik, sondern vielmehr in Gesamt- Österreich ausschließlich nur die Mandatspolitik vorherrscht und die Juden dank ihrer bisherigen vollständigen Zerfahrenheit und Isoliertheit keinen Machtfaktor bilden, so sind sie auch nicht in der Lage, auf verläßliche Verbündete unter den anderen österreichischen Völkern rechnen zu können. Darum muß die jüdische Politik in Oesterreich neue Wege einschlagen, sie muß einerseits eine Einigung der volkstreuen österreichischen Juden auf ‘einer modern - jüdischen, modern - österreichischen Basis erstreben; dann erst werden die Juden durch entsprechende Bündnisse in die Lage versetzt werden, sich eine Position als gleichberechtigtes Volk und gleichberechtigte Staatsbürger in Oesterreich zu erobern. Wenn aber die assimilatorischen jüdischen Wortführer Lakaiendienste den Deutschnationafen, den polnischen, sowie magyarischen Oligarchen mit ihren reaktionären Theorien von superioren und inferioren Rassen leisten, und weiters durch eine einseitige polonophile und magyarophile Politik auch die Ruthenen, Südslaven und Rumänen ins antisemitische Lager treiben, in einem Momente, wo Oesterreich m i t R ü c k s i c h t auf die russische Gefahr gerade diese Völker national befriedigen muß, dann beweisen sie ihre gleichmäßige Verständnislosigkeit gegenüber den jüdischen, wie den gesamt-österreichischen Interessen. Oesterreich steht am Vorabende des Zusammenbruches des dualistischen Scheinkonsti'u'ionalismus, — die Rede des Fürsten Schwarzenberg illustriert dies deutlich1 —, und es ist daher die allerhöchste Zeit, daß die Juden Oesterreichs den geänderten Verhältnissen entsprechend, neue Wege einschlagen. Das böhmilcbe Uolfi und die Zionisten. Trotz aller Bemühungen der Gegner kommt die jüdischnationale Idee in Oesterreich zum Durchbruche. Täglich mehren sich' die Zeichen der Anerkennung, welche auch die nichtjüdische Bevölkerung dem zielbewußten Vorgehen unserer Partei entgegenbringt. Mit welchem Ernst und welchem Verständnis die jüdisch-nationale Frage von allen verständigen Politikern aufgefaßt wird, mag nachfolgender Artikel, welcher dem führenden tschechischen Organe „Union (Prag)“ entnommen ist, beweisen: Von „zwei das Königreich Böhmen bewohnenden Volksstämmen“ sprechen Gesetze und Verordnungen, zwischen den zwei miteinander und zwischen einander lebenden Völkern, den Böhmen und den Deutschen, wird der kulturelle, wirtschaftliche und politische Kampf geführt. Und doch wird ein großer Teil der nationalen Ener-

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