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Jüdische Zeitung · 1912-05-04 · 18 (4.5.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
18 (4.5.1912)
Date
1912-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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-umu«: □REFtN ■ Erscheint wöchqntl.'ch. — Redaktion. Administration und Insera tenaufnahmer Wien, 11.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden B — fä^üch von-11 ■—2!Uhr; vormittags und 4—5l Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester* 9t Breich-,Ungarn: Ganzjähr.: K>\10.—,:hälbj:hr.K; 5.—, Vierteljahr. K i-. Für, Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. * ■n, Mk. 3:—. Für dasubrigeAusland:'; Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. Telefon 22.075. B Nr- 18- U. , .'IV.1 Wien, Freitag, den 4. Mai 1912 -rrrnrr ’Regent der^aitelefj erschein! unsere Nummer einen Tag später. AKApEMfSCH^ VERBVNQÜNG ..KAÖIMÄH“ Wien,' I.,' Wiesingerstraße 3. Diejütag den 7.;und Mittwoch dm, 8. Mal. 1912, 8 Uhr aben^sV.frh Festsaale des Ingenieur- und Arclutektenvereines, ■; I., Eschenbahgass* fJr. (9 ^IRTF^QS-ZYKLUS des , Herrn Dayis . T,r i«tisch ausBerlin über; '; ,;Pälästinkuals "Feld: jüL,:-1' '.‘f".//JEff^Uranierunig4*!''’ " ‘ §itze,J ^ültig( War beicje übende. fcu 5 K, 4, K, 3 KT, 2 K und/1 K 50.hunä Stehplätze zu 1K int: judisdientyolksheim,111.,' .Stephenestraie 12, erhältlich!.“ni : : -•'fm-j'/dO // u;v^ t, . :> .',i; 1 Mitten im heißesten Wahlkampfe um die Wiener Gemeinderatsmandate ent- MSß Politiker, de£ DMtsdhliberäter1 das ■es in Wien/tPäen,' Soz-ialdemoknat em- '^jL(df;(S frs ozi a 1 e g i b t, soflst nidm|t!‘f'^oc|spricÄt ein Mann, der als Kenner des ‘„deutschfreiheitlichen“ Wiens gelten muß, Lceiri y^ißgünstiger ^‘§JÜl!^^SCä(^S^ ^irJpdis^e;n Leisten schlug und die Erfolge der Liberalen^ «Komisch uebnrem sidfeÄlüifi' ten politischen Einsicht die, Hurrahartikelfiyierr§fuh!tendecß!rfSeMfmige8 «PHessei aus, die verzückten Schilderungen vom sie^atteni:-freilteitflc'fifft;:'Gddahken, von der fbürgeriich-liberälen Morgenröte, Welcher' die schwärze Korruption weichen muß uhd^ ähnliäi^1, Erzeugnisse der freisinnigen Reporterfäntasie. A.les ist abgeschmackte Lüge. Es' ist heute Ziffern-' mäßig bewiesen,ydaß! mit1 Ausnahme der, Kandidaten ' selb^ '|ühd 1 ihrer intimsten Kaffe eh aüsfreunde tin de ngst e n Familienangehörigen, 1 kein * christlicher Bürgerlicher , den Freiheitlichen se'i ne Stimrne .'gegeben hat. Eine glatte Rechnung. So' häbeh' 2üm''Beispiel in der Leopoj^^^j<ue.;{So^iäiäc.pQiaktra^ ühd Liberalen' zirha fÖ.OÖÖ Stimmen äüfgebrachL Nun weist-.dieser Bezirk über 10.000 jüdische Wähler auf. Wenn man üie Urne gebracht „wurden,. sö -geht hervor, daß sich höchstens ein ' paarhundert Chn^t^ii^mi^iSs^erachmett^rten-Rathauspartei“ abgewendet haben, daßei-be-rsich das gleichfalls konstatieren. Wer anders spricht, der fälscht! Und gefälscht hats-die mijrj freiheitlkdjfen Siegen .prahlende?F¥e&e, fhsbesondere die „Neue Freie5|r vyfelchifr; soweit! gegangen ist, die Stimrhdii *dfe ü t s ch nationaler Antisemiten den liberalen Stimmen zuzuzählen und in der Stichwahl einen Kornelius Vetter — der Mann wandte sich von Lueger ab, weit ihm dieser zu wenig antisemitisch war — den jüdischen Wählern zu empfehlen. Uebrigens bedeutet, der Wahlausgang ein Debakle der freisinnigen Presse, welche angeblich die öffentliche Meinung beherrscht. Den Spekülätiönsmarkt, die Börse vielleicht, aber den politischen Markt nicht-. Ihre schönsten' Artikel haben keinen Christen zur Urne gehockt. Und die Juden hätten Schließlich ohne das Kommando der Herren Redakteure auch nicht antisemitisch gestimmt. - i Für uns Jüdischnationate bildeten wederdie Vorgänge während der Wahl noch - der Ausgang dq$ Kampfes'Leine Üeberraschüng. Uns konnte der forcierte liberale Rummel, der da inszeniert würfle, keinen Augenblick irre machen. Wir kannten die Arrangeure, die jüdischen Macher, mit dem jüdischen Anhang und ihre Einflußlosigkeit geqenüber der christlichen Wählerschaft. Wir müssen es aber als wertvoll bezeichnen, daß die Impotenz der liberalen Bezirksmeier diesmal so deutlich! in die Erscheinung getreten ist, daß selbst ein Altliberaler vom Schlage Kurandas sich der Erkenntnis nicht verschließen konnte. Wir erwarten wohl nicht, daß Seine jüdischen Kollegen, die er an Aufrichtigkeit seit jeher überragt, öffentlich ein gleiches Bekenntnis aWegen und die Konsequenzen ziehen werden. Die Herren Führer werden' noch geraume Zeit in die Redaktinen laufen und sich Jubelärtikel über nie erfochtene Siege und geschwollene , Berichte über nie stattgehabte Massen- , Versammlungen herausschnorren.! : Aber wir sind überzeugt, daß dem , Großteil der jüdischen Bevölkerung die Augen; geöffnet wurden und unser Mahnruf zur offenen ehrlichen Organisierung der Juden Wiens auf freiheitlicher und jüdischer Basis verstärkten Widerhall finden wird. Die christliche Bevölkerung mißtraut dem Israeliten, welcher mit der deutschen MnLee vor dem Gesicht an sie heranschleich .. lur-i weil er fort „Freiheit und Fortschritt“ im Munde führt, wird ihr auch der Freisinn zuwider. Sie wird dem ehrliche i Nationatjuden, welcher mit offenem Visier und. unter eigenem Namen vor siehintritt, sympathischer und vorurteilsloser gegenüber.stehen und dieser Nationaljude wird von Freiheit und Fortschritt sprechen können, ohne diese Begriffe in den Augen seiner nlchtrjüdischepi Mitbürger zu diskreditieren. VI. Jahrgang Die Biene? Gemeinäeratsuahlen im 9. Bezirk und die österr. Israel Union. Vor den Gemeinderatswahlen des IV. Wahlkörpers gab der Jüdische Nationalverein die Parole aus, in allen. Bezirken die sozialdemokratischen Kandidaten zu wählen. Nur der erste Bezirk wurde ausgenommen, wo der pensionierte Magistratsbeamte M o i s s 1„ der sich seiner jüdischen Kollegen tatkräftig angenommen hatte, unterstützt wurde. Hingegen wurde auch im IX. Bezirk, wo sich; der vielgepriesene „Deutschfreisinntge“ Dr. Rudolf Wolkan um das Mandat bewarb, die Wahl des Sozialdemokraten empfohlen. Und dies geschah aus sehr triftigen Gründern War schon aus den vieler* Ver-, sammlungsreden Wo 1k ans zu ersehen, daß sich sein Standpunkt in der nationalen Frage von dem der borniertesten und radikalsten Vertreter des Deutschen N ational v erbtandes nicht unterscheidet, trat dies in dem Aufsatz „Wien und die nationale Frage, welchen Wolkan in der Wahlausgabe des „Alsergrunder Bezirksblattes“ veröffentlichte, besonders klar zutage. Aus diesem Artikel, welcher über das Vordringen des Tschecbentums eine äußerst bewegliche Klage führt, seien nur einige Stellen hervorgehoben: „Wie die Lavamassen eines Vulkans wälzen, sich von der Sprachgrenze her unaufhörlich, und zäh das einmal eroberte Gebiet festhaltend, die Slaven gegen die H aupt stad t des Reich es, die v er - loren ist, wenn sie nicht rechtzeitig der Gefahr begegnet.“ An einer anderen Stelle ruft Wolkan: „In demselben Augenblicke, in welchem es den Tschechen möglich sein sollte, tschechische Schulen in Wien zu gewinnen, bat für das Deutschtum Wiens und des Staates die Todesstunde geschlagen.“ Und als Schlußfolgerung seiner Ausführungen stellt er schließlich folgende Forderungen auf: 1. Unbedingte Wahrung und Erhaltung des nationalen Besitzstandes. 2. Unbedingte Zurückweisung der tschechischen Schulforderungen. 3. Unbedingte Zurückweisung des Gedankens, in Wien eine italienische Reehtsfakiiltät zu errichten. Mit Herrn Wolk an wollen wir nicht rechten. Sein Aufsatz gibt zwar auf die Frage, wie die tschechischen „Lavamassen“ von der Residenzstadt ferngehalten und wie das Arbeiten des tschechischen Kapitals in Wien verhindert werden soll, , keine Antwort, da dies aber nicht u n -

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