Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 17 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tf .t’/i a.'diB *<.■ ■nei’jKBiu : g hrscheint wöchentlich."— - Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien» 11 .,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunde» I _tä~ Tch-von-H—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. —. Manuskripte werden nicht zurückgesteDt. — Abonnementsprebe: Für Oester-, vlralbjähre, K; 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr. 1 FÜR c^^brigeTAusländ: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. Telefon 22.075. | VI. Jahrgang y» As - ■-••••-■ - ’ ... - _:_ il i I i Wten, Freitag, den 26. April I912 rf : »dDiü^erste: Fasedes./.Wählkampfes ist beendet. Die Ghr-istlichsoziakn werden einigmftmqd^e jfli „vielten. Wahlkörper y verliereHP'^eiy'TOr^Jübei/’deh^ die so- *r, genannte (freisinnige Presse anhebt, ist * . keineswegs,(gerechtfertigt. Das Resultat r fcrsdieint Ibei nüchterner.; Betrachtung!*ntdit*fzufriedenstellend,;wir:sindvonire- ‘V /’vafctiönären Alpendrucki noch lange nicht V '?.*■; befreit^Wenn; -man.’bedenkt, daß wohl .?* *' noch Jeeine . politische Partei in Oesterreichrin soviel Schimutzaffären verwickelt War-Aviengeradeidie christlichsoziale, - daß sich wohl; noch! wenige politische Führer vor jderOeffentlichkeit als so unsaubere Gesellenrerwiesen haben, als. Luegers getreue; Jfnappen, muß; man es als sehr bösesi ^eidhen ansehen,:<: daß,; sich trotz lalledem r jüli'er '120.000 dhdstlichsoziale Wähler (46 Prozent aller Wähler) fanden «tfd tShsgeSäint'r24i.000 bürgerliche, freij b'eitlicheStimmen abgegeben wurden. fidritw®a^»H.4ikerj>^nag-'es «jagenügen, einige Ider größten Lumpen verjagt zu , sehen, (und auch der ^einsichtsvolle, Politiker.1 wird :darob . ein Gefühl persönlicher Genugtuung (empfinden. A b e r v o n e i - •ner-'Samtnlung der Bevölkerung .«im tdie Fahne der Freib.eit und des Fortschrittes kann leider keiiie Rede sein.; / - ‘/'Fehlt doch1 vor altem die Hand, wel- , dhe;idiese - Fahne bochbält. In diesem Wahlkampfe 'steht' der antisemitischen; -Pärtei!'keine fortschrittliche 'gegenüber, j 'lediglich ein Sammelsurium von iKandida- > ten1,die kein Programm haben, geschweii ge denn ein gemeinsames. Ihre ganze; Kunst besteht in der Aufzählung- ■ der i christlichsozialen Schmirtzgeschichten. j Sie betteln der von den Bielohlaweks, Geßmanns und Kunschaks;: angeekelten; Bevölkerung die Stimmen -: einfach ab. j Dfen1 eigenen’Kömiteemitgliedefh wird' vor j der-Wahl dieser programmlosen Samm iephang:1 Es ist ztt>'befürchten, daß der: Sieg dieser/ Volksfetter eine Ungeheure; Blamäg^‘der ■freihteitlich'eri. Sache im Gei fofge haben wird1. Ihre Hohlheit und Un-, fähigkeit muß'notgedrungen'einen Rück-; Schlag'erzfei^gen,1'jder; denC Stürz der; GhristHchSbziäteh Wertlos: macht. * l;' Ein / "gleichtrauriges Bild völliger; Kopflösigkeit und Desorientierung bildet '.die' jüdische' Wählersdhäft. Hier «sehen wir sie im , Gefolge strammer deutsch-!natiörialerAntisemiten" dort wieder lau- .fensie dem Sozialdemokräten hach oder sind „Gewerbeparteiier“, in der Leopold- 'tetadfeJhafc sie mur .-die-iBesonnenheit, der . ^üyikhnätibn^jfetr ^avol^b^wähH; -&hen einen Ritulilmordhifdenim xferi pfeiperH einer politischen Organisation der Wiener Juden so1 elementar .Zutage getreten, i Eme wohltuende Ausnahme bildete das izielbewußte ruhige ' Vorgahen der jüdischnatiönalen Organisation, daß selbst'den enr agiertest eh Gegnern Achtung abzwang. Und gerade in diesen Tagen hat es sich erwiesen, daß es unserer jungen Partei Vorbehalten, bleibt, die Juden zu sammeln und 4h führen. Unsere rührigen Gesinnungsgehbssen setzen rüstig mit ihrer; Arbeit ein und man kann ruhig prophezeien, daß'bei den nächsten politischen Ereignissen eine wohlgeführte und stramm; national organisierte Wiener JüdenSchaft kraftvoll und bestimmend eingreifen jwird. | die Impotenz der jüdisch-offizieUfeh-iFÜhrer, der Kultus- und B$iifksisräetiteh 'soh u^i§P?dä^Bedürfnis:snach2 . Rundschau. Der Deutschs Schutverern und die Juden. Der , Deutsche Schulverein, ist jene deutsche Organisation,. welcher die die größten Opfer gebracht haben. WülfioheH jüsluchen Geldes sind in seine' Kassen geflossen uhd wenn es auch unserer Aufklärungsarbeit, gelühgen ist, den wahren Charakter des Vereines und seiner radikalantisemitischen Leiter aufzudecken, so finden sich leider noch übergenug naive Volksgenossen, welche im Deutschen Schulverein eine „liberale“ und den Juden nützliche- Institution erbticken ünd der Unterstützung wert erachten. Wir empfehlen diesen Beharrlichen die Lektüre des Märzheftes der vom Deutschen Schulverein als offizielles . Organ herausgegebenen Zeitschrift „Der jetreiie Eckart“, ln einem Aufsatze nirnint die Vereinsleitung gegen den Vorwurf, daß der Schulverein judenliberal sei, in seht energischer, allerdings fftr die jüdischen Miti giieder nicht schmeichelhaften Weise Stellung, und schfebt u. a.: „Ist es nicht eine gehässige Darstellung der Dinge, wenn aus der Geschichte des Deutsdien Schulvereines just jener Abschnitt herausgehoben. :wird, in welchem der politische Kampf zwischen der absterbenden liberalen und der aufstrebenden nationalen Richtung seine Wirkung auch auf den. Deutschen Schutverein ausgeübt .und das wenig erhebende Bild eines Kampfes im eigenen Lager, gegeben hat, gier aber seither längst überwunden ist! , Ist es, also nicht mehr als abgeschmackt, iwenn von einer „judenliberalen“ Leitung, von „jüdischen,:Lehrern“, von „Judenschulen“ des •Vereines-.gesprochen wird? Welche Berechtigung die Bezeichnung der .Vereinssdrulen, als „Judenschulen“ in Anspruch nehmen kann, ergibt sich daraus, daß von 47 Schulen in 42 Schulen überhaupt keine Juden waren und .int 5 Schulen zusammen 41.“ : Mitj prächtigem’.''Zorne* vefwährr'öich'“d!e' tef:' •“tüiig gegen^ in Vpean^f, dem ja6.|jf€§tpr E enen Liberalism.ut;s |u buldigetfJund(jüdische Kinder zu .erziehen. Sie bittet wegen der sage üritf ’• /sdrrt?ibei Hi-‘'^jüdischen Schulkinder;tum,3 TEnfeciuldigung riMiiiä . denj^ Zeileij« Jleuchtefyda^iYerspredMjn >:h^FVor,,daß in Zukunft ist auch das Gerede vieler jüdischer Verteidiger des Schulvereines, welche von vielen hunderten jüdischen Schulkindern sprechen, denen durch den Schulverein Bildungsgelegenheiten geboten werden, endlich- und gründlich widerlegt, damit ist das, was wir Zionisten so unendlich oft widerholt haben, neuerlich erhärtet: Der Jude, welcher den von Antisemiten im.anti- 'semitischen Sinne ge»e?teten Deutschen Schulverein fördert, begeht eine wenig ehrenvolle Dummheit. Können wir für 41 unserer Kinder nicht anders sorgen, als dadurch, daß wir Leuten Gefolgschaft leisten, die ihren Antisemitismus unverhohlen zum Ausdruck bringen, die für den Schmidtschen Schurantrag gestimmt haben, die sich „entschuldigen“, weil der Verein einmal „liberal“ war etc? Ist es unbedingt notwendig aus diesem Grunde einen deutschnationalen Trutzverein zu fördern und durch diese ungerechtfertigte Parteinahme dem Haß der slavischen Antisemiten neue Nahrung zu geben? Die hier zitierten Ausführungen sind wohl geeignet, die letzten zarten Regungen jüdischer Schulvereinsfreundlichkeit’zu ertöten. Juden! Heraus aus dem Deutscher»- SchuLverein! Verlorene Liebesmüh. Ernesto Nathan, der Bürgermeister von Rom, ist das Schulbeispiel für alle Assimilationsjuden. Befähigt, reich, in hervorragender Stellung, . in einem Milieu lebend, das noch ziemlich antisemitenrein ist, kann er seinen „italienischen“ Gelüsten fröhnen wie kein zweiter. Er geht nach Herzenslust „in der Umgebung auf“. Er streift alles Jüdische ab, alles jüdische Empfinden, sogar die jüdische Würde. Der feierliche Empfang des Pogromzaren in Italien durch Nathan ist noch in frischer Erinnerung. Der Jude Nathan, den der russische Despot mit Abscheu und Grauen erfüllen muß, trat vor dem Vollitaliener Nathan zurück, der die bluttriefende Hand des Nikolaus ehrfürchtig drückte und in Vertretung der Stadt Rom, dem Judenmörder seine Reverenz erwies. Wenn von der jüdischen Wesensbeständigkeit und von der Möglichkeit der vollständigen Assimilation gesprochen wird, dann weisen die Gegner des nationaljüdischen Gedankens triumphierend auf Nathan, den mosaischen Italiener, der als solcher von allen Söhnen Roms geliebt, geachtet und geehrt wird. Ein Vorfall, der sich dieser Tage im römischen Gemeinderate zugetragen hat, ist aber geeignet, den Glauben an das Schulbeispiel Nathan zu erschüttern. Auf der Tagesordnung stand als Gegenstand „Schutz und Pflege italienischer Heimatkünste“. Nathan redete warm und viel für die Heimatkunst. Da erhob sich der Senator Molmenti undgriff den Juden Nathan an. Nicht in roher Weise, sondern lediglich mit der kühlen Bemerkung, daß ihn der Eifer Nathans komisch berühre, 3a doch der “Bürgermeister ein- „Fremder“ sei, ihmdaher jedes Verständnis für heimatlich«; italienische; Kunst fremdl sein müsse..'Allerdings erhob sf^i sofort ein fortschrittlicher Gemeinderat — ganz .■jhrierBej un$ — und bezeichnete es als eine Takt- , losigkeit und schreiende Ungerechtigkeit, das Italienertum Nathans zu bezweifeln und bestätigte, daß Nathan durch und durch Italiener