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Jüdische Zeitung · 1912-04-12 · 15 (12.4.1912) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
15 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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H Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration ' und Inseratenauinahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden ■ _ tä dich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr 'nachmittags. — Manuskripte werden nicht zuriickgesteilt. — Abonnementspreise: Für Oester- ® reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjühr. R 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr.i® ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. Telefon 22.075. ■ Nr. 15 Wien, Freitag, den 12. April 1912 VI. Jahrgang Die Telefonnummer der „Jüdischen Zeitung“ (Jüdisches, Volksheim) lautet ' 22.075 Für Jie Leitung. Fast drei viertel Jahre sind seit Einsetzung der neuen Leitung der zionistisöhen Organisation durch den X. Kongreß'verflossen, so daß man heute schon fragen kann, ob sich das neue (Regime bewährt ihäL Soweit die politische Arbeit in Frage kommt, ist durch die .Wahl v.on Herrn Dr. Jaepbson ins engere Aktionskomitee ein regerer Kontakt "zwischen Konstantinopel und dem Sitz der Leitung, Berlin, hergestellt worden. Dr. Jacobson, der sich persönlich1 der großen Mühe, unterzieht, mehrmals für einige Wochen nach Berlin zu kommen, ist dadurch (in. die Lage versetzt worden, einerseits die Leitung stets ausreichend und gründlich zu informieren, .ahdererseijs.. eine volle, Uebereinstimmung in den Ansichten der leitenden Persönlichkeiten als Richtschnur für die politische Arbeit'herzustellen. .; ,Die Palast in aar beit, nach wie vor Prof. Warburgs besonderer Fürsorge anvertraut, ist Gegenstand liebevollsten : Interesses; auch die Kulturarbeit. hat frische Impulse erhalten und wird nach den Anträgen von Dr. L e v i n eitrigst unterstützt. Viel sichtbarer für die große Oeffentlichkeit sind naturgemäß die Leistungen des Engeren Aktions-Komitees auf dem Gebiete der Organisation und der Propaganda. Zunächst gibt das E.A.K. allen Zionisten ein Beispiel eifrigster und musterhaftester' Pflichterfüllung. Zahllos sind die Sitzungen, welche es abhält, und die Leiter der Ressorts sind unermüdlich in ihrer Tätigkeit. Diese aber spielt sich nicht bloß in den Bureaus ab, sondern sie belebt unaufhörlich1 die ganze Weltorganisation. Durch regelmäßige Berichte, welche sämtlichen Mitgliedern der einzelnen Komitees zugeheri, werden die führenden Zionisten fortwährend über den Gang der Arbeiten am Laufenden erhalten und kommen in lebendigen Kontakt mit der -Zentrale., Die Leitung ihät auch eine' klare Vorstellung darüber, wie die Organisationen erfolgreich arbeiten können. Sie verlangt die Einrichtung von. Parteisekretariaten nach deutschem Muster und es zeigt sich überall,' daß diese Methode die allein richtige ist. Die Ressortleiter begnügen sich jedoch' nicht damit zu fordern, sondern sie .sind' bemüht, durch persönliches Eingreifen überall nach dem Rechten zu setien und die Organisationen vorwärts zu bringen. Unvergessen ist uns nqch die streng objektive. und erfolgreiche Intervention des Mitglieds des E. A. K. Gg. Dr.. Hantke und des Parteisekretärs Gg. . B1 u m e n f e 1 d am Brünner Zionistentag, idle Reise ides letzteren durch Oesterreich, die Anwesenheit Dr. LevinS in mehreren C)rtqn und jene von Gg. Sokolow in Galizien. Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich in einer Hebung „der Arbeitsfreude und namentlich1 der Zuversicht der Zionisten. jällübfjraJL Endlich fühlen wir uns als Glieder .."din’es großen, lebendigen Ganzen ^nd!‘'^pijrep, einen Blutkreis, der vom 'Zentruu^üsgeht, und die Glieder der Organisation belebt, i Auf dem Gebiete der Propaganda entfaltet das E. A. K. eine .umfassende Tätigkeit. Hierher gehören die schon erwähnten Reisen, ferner die Neugestaltung des Jüdischen Verlages, der endlich als Zentrale der Propagandamittel ausgestaltet wird. Die Herausgabe zweier neuer, wertvoller Agitationsbroschüren, Lichtheims „Programm des Zionismus“ und Auerbachs „Palästina als Jüdenland“, ferner die Uebernahme der neuesten Auflagen von Schachte's Merkbuch und Trietschs Pa 1 ästinahandbucb zeigen, daß der Verlag für die 'Propaganda däs* Möglichste leistet.; Die erhöhte Arbeit des E. A. K. würde auch beträchtlich erhöhte Mittel erfordern, wenn nicht durch strengste Spar-, sämkeit seitens der Leitung dafür gesorgt werden würde, daß sie trotzdem mit einer Auslagenziffer, die nicht höher ist, als' in früheren Jahren, diese Arbeit zustande brachte. Diese Summe — es sind für alle Zweige der Arbeit izusamnien nicht mehr als Mk. 140.000 — zustande zu bringen, ist eine Ehrenpflicht der Organisation, der die Leitung ihre beste Kraft widmet. Und dies wird nicht schwer ■ sein, wenn die Schekelzahl vermehrt und für d en Zentralfonds eifrig gesammelt werden wird. Westösterreich hat einen guten Anlauf zu den Sammlungen genommen, aber die Schekelsammlung stockt und bis zur Zustandebringung der K 18.000 für den Zentralfonds, die unsere Organisation der Leitung zugesichert hat, ist auch1 noch ein weiter Weg. Es gilt, alle Kräfte anzuspannen. Die Leitung tut ihre. Pflicht, und mehr -als das, es ist nun an den Landsmannschaften, die ihre zu tun! Rundschau. Der deutsche Kronprinz und seine antisemitischen Freunde.; Es ist in Deutschland kein Geheimnis, daß der Krgnprinz ultra-reaktionären Tendenzen huldigt und mit Vorliebe den Verkehr mit den rüdesten Kriegshetzern und Antisemiten-Führern pflegt. Etwas resigniert schreibt das „Israel. Gemeindeblatt“, Köln, über diesen Gegenstand : „Als der Kronprir.tz;rdes deutschen Reiches während der Märokködehatfen im Reichstage erschienen war und gegen die Politik seines kaiserlichen Vaters demonstrierte,’ schüttelten viele Politiker den Kopf und sagten bedenklich : Ei! ei! Man wußte schon da;mals, daß dieses vielbesprochene Verhalten des Kronprinzen zurückzuführen war auf dessen Freundschaft zu konservativen Kreisen, die des Kaisers Politik nicht billigten. Wie sehr der Kronprinz nach wie vor jene Kreise schätzt, hat man in diesen Tagen gelegentlich wieder vernehmen können. Der Kronprinz nahm an einem Festessen eines landwirtschaftlichen Kollegiums teil. Auf Einladung eines der waschechtesten Antisemiten, des Bündlerführers von Oldenburg-Januschau, der bei der letzten Parade des Bundes der Landwirte in antisemitischen Geistreichigkeiten selbst Herrn Hahn übertroffen hat. Seitdem der Kronprinz in noch sehr jugendlichem Alter auf einem Kommers sich Herrn Liebermann v. Sonnenberg hat vorstellen lassen, und ihm kräftiglich die Hand gedrückt hat, verfolgt man in antisemitischen Kreisen lebhaft den Werdegang des deutschen Thronfolgers. Die einen meinen, der Kronprinz sei ganz anders als der „ballinisierte“ kaiserliche Vater, die anderen rufen bereits entzückt : Er ist unser. Herr von Oldenburg ist kein Leisetreter. Er macht kein Geheimnis daraus, was er vor hat. Plaudert «•nicht nur mit dem Kronprinzenin der Zurückgezogenheit des Schlosses, sondern vor .aller O.effentlichkeit. So lange der Kronprinz weder Gelegenheit gehabt, noch genommen hat, eine dem Antisemitismus freundliche Politik zu vertreten, so lange kann majn den Januschauern ihre Freude an ihrer Politik dem Kronprinzen gegenüber ruhig gönnen. Lassen wir ihnen die Gewißheit, daß wir in unserem Kampfe um die Gleichberechtigung auf dem Gebiete des militärischen Dienstes viel weiter gewesen wären, wenn der Einfluß des Kronprinzen sich nicht als zu mächtig erwiesen hätte.“ Ueber den Mangel an ähnlichen Demonstrationen haben sich übrigens auch die österreichischen Juden nicht zu beklagen. Erst kürzlich fand in Wien ein Vortrag des schwarzen Fürsten Löwenstein statt, in welchem der erlauchte Referent in unflätiger Weise das Judentum beschimpfte. Im Parterre saißen Erzherzoginnen und — so meldeten die Blätter — spendeten lebhaften Beifall. Ob das die richtige Art ist die dynastischen Gefühle der Bevölkerung zu fördern, sei dahingestellt. Uebrigens hat Abgeordneter Breiter eine diesbezügliche Interpellation ta Abgeordnetenhause eingebracht. Wir sind auf die Antwort neugierig. Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an der Czernowitzer Universität. Wegen der Schneestürme fand die von uns angekündigte Bürgerversammlung in Czernowitz erst am Samstag den 7. d. M. statt. In äußerst wirksamer Weise referierte Gg. Advokat Doktor B. Kinsbrunner über die letzten Vorgänge und die Versammlung nahm eine Resolution an, welche die Maßnahmen des Czernowitzer Universitätssenats verurteilt. Diese Resolution wurde in telegraphischem Wege dem Ministerpräsidenten und dem Unterrichtsminister bekanntgegeben. Die Czernowitzer Vorgänge haben für alle jüdischen. Hochschüler in Oesterreich Interesse. Vor einigen Jahren, als der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität an allen Hoch-

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