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Jüdische Zeitung · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Nr. 13 der Auswanderung proletarischer Elemente nach Palästina, die meist in größeren Gruppen organisiert (wie die zahlreichen „z’ire-zion’istischen“ Zirkel in Rußland, poale-zionistische Gruppen, die 40 Mann starke von unserem rührigen Gg M. Horowitz in Stanislau organisierte Gruppe, von der bereits der größte Teil ausgewandert ist, etc.) systematisch nach Palästina auswandern, gibt es fast keinen nach Palästina abgehenden Dampfer, der' nicht zionistische Turisten mitführen sollte.- Diese Bewegung wird tatkräftig vom Odessaer Palästinakomitee und dem Wiener Palästina-Informationskomitee durch Veranstaltung von Palästina-Gesellschaftsreisen unterstützt. Freitag, den 29. d. M. trifft nun in Jaffa die II. Palästina-Reisegesellschaft des Informationsbureaus ein. An der Reise beteiligen sich 24 Personen (18 Herren, 6 Damen) aus folgenden Ländern: Rußland 13, Galizien. 8, Oesterreich, Deutschland und Italien je 1 Person. Sehr viele der Angemeldeten haben leider an der Fahrt nicht teilnehmen können, da es infolge der Ueberfüllung des Dampfers unmöglich war, mehr Plätze zu reservieren. Viele von ihnen haben eine andere Reisegelegenheit aufsuchen müssen, manche werden sich der Gesellschaft ,nach Ostern anschließen. In derselben Woche trifft in Jaffa auch die Reisegesellschaft des Odessaer Palästinakomitees ein. Während der Osterzeit wird sich also in Palästina eine ganz imposante zionistische Gesellschaft aus aller Herren Länder zusammen finden. Rus dem jüöiidien Reben. Prof. M. Mandelstamm gestorben. Vor einigen Tagen starb in Kiew Prof. M. Mandelstamm, einer der ältesten jüdischnationalen Repräsentanten Rußlands. Jahrelang stand er zusammen mit den besten Männern der zionistischen Bewegung an der Spitze der russisch-zionistischen Organisation. Als er nach dem VI. Kongreß Territorialist wurde, widmete er sich hauptsächlich der Fürsorge für die jüdische Auswanderung. Prof. Mandelstamm war wegen seiner Opferwilligkeit, seines unermüdlichen Wirkens und'seines reichen Wissen allgemein beliebt. Kennzeichnend für die allgemeinen Sympathien, welche Mandelstamm genoß, ist, daß für seine Genesung auch in christlichen Kirchen Kiews gebetet wurde. Anläßlich seines Hinscheidens richtete das Zionistische Aktionskomitee an die Witwe ein herzliches Kondolenztelegramm. _ \ . . ... .. - Vortrag Prof. Weizmann. Dienstag, den 26. März 1912, hielt Gesinnungsgenosse Professor Weizmann in Wien vor einem vielhundertköpfigen Publikum einen Vortrag über „Nationalismus und Weltbürgertum“. Prof Weizmann ging in seinem Vortrage über den Rahmen des Vortrages hinaus und besprach die modernen in Diskussion stehenden Probleme. Prof. Weizmann kam in wesentlichen Punkten zu denselben Konklussionen wie Prof. Sombart. An den Vortrag schloß sich eine Diskussion, in welcher sich ein jüdischer Sozialdemokrat blamierte und dann von Prof. Weizmann in geistreicher Weise widerlegt wurde. Prof. Weizmann wirkte durch die Einfachheit seiner Ausführungen, durch den Freimut seiner Rede viel stärker als viele andere Redner, welche über das hohe C des Pathos verfügen. Herzlicher Beifall dankte dem Vortragenden, dessen Persönlichkeit unvergeßlichen Eindruck übte. Eine jüdische Landarbeiterkolonie bei Rischon- Lezion. Die Kommission, die vom hiesigen Palästinakomitee beauftragt worden war, einen Plan für die Schaffung einer jüdischen Landarbeiterkolonie in der Nachbarschaft von Pethach- Tikwah zu entwerfen, hat ihre Arbeiten soeben beendet. Die Kommission' schlägt vor, auf dem Grundstück der neuen Kolonie achtzig aschkenasische Arbeiter anzusiedeln, von denen jeder sieben Dunam zugewiesen erhält. Das Komitee baut jedem Ansiedler ein Wohnhaus nebst Stall und läßt für die Kolonisten einen gemeinsamen Brunnen bohren. Die Gesamtkosten für jeden Ansiedler belaufen sich .auf 32C0 Pres. Von diesem Betrage haben die einzelnen Kolonisten 500— ' 1500 Frcs. sogleich einzuzahlen, während der Rest im Verlaufe von 30 Jahren ratenweise abgezahlt werden soll. Mit der Abzahlung beginnen, die Kolonisten im Jahre. 1915. Jeder Ansiedler verpflichtet sich, seine Parzelle selbst zu bestellen, und falls die Verwendung von Hilfskräften notwendig sein sollte, nur jüdische Arbeitskräfte zu beschäftigen. Außerdem bestimmt das Odessaer Palästinakomitee einen Teil der in Rede stehenden Bodenfläche, etwa 50—60 Dunam, für eine mit Beihilfe des Jüdischen Nationalfonds zu schaffende Ansiedlung von 20 jemenitischen Familien. Jede Jemenitenfamilie erhält 3 Dunam Boden und ein Wohnhaus, ferner besorgt das Komiteeaucb für die Jemeniten einen gemeinsamen Brunnen. Die Kosten für-die Ansiedlung einer Jemenitenfamilie werden auf etwa 1400 Frcs. veranschlagt Hiervon zahlen die einzelnen Ansiedler 100— 200 Frcs. sogleich bar ein, und den Rest im Laufe von 35 Jahren. Einstweilen sind für diese Arbeiterkolonie vorgemerkt: 12 Feldarbeiter, 20 Kellereiarbeiter, 17 Handwerker, 8 gewesene Krämer, eine Anzahl Lastträger, zusammen 57 Personen, die sich bereit erklärt haben, zusammen eine Anzahlung von 37.000 Francs zu leisten. Auch einige Jeremiten sind bereits vorgemerkt worden. Das Urteil gegen die Mörder des jüdischen Arbeiters Nissanoiw. Aus Haifa berichtet man der „N. J. K.“: Von den beiden Arabern, die den jüdischen Feldarbeiter Jecheskel Nissanow vor zwei Jahren ermordeten, wurde einer zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt, während gegen den zweiten, der bei dem Überfall schwer verwundet worden war, auf Freispruch erkannt wurde. Aus D a g a n j a h berichtet man ferner der „N. J. K.“: Hier kamen vor’ kurzem 60 Jemeniten an, die in Haita gelandet waren. 30 von ihnen wurden vorläufig auf der Farm Kinereth der Palestine Land Development Company untergebracht, während die übrigen hier blieben und sich größtenteils als Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft nützlich mache|n. Bis zum Pessachfeste bleiben die Jemeniten hier und in Kinereth, später dürfte ■ ein großer Teil von’ ihnen in Medschdel angesiedelt werden. Die meisten scheinen sich als Landarbeiter gut zu bewähren. Eine (Organisation jfür hebräische (Sprache in England. Ein Aufruf zwecks .Bildung einer Organisation für hebräische Sprache und Kultur in England ist hier in den letzten Tagen veröffentlicht worden. Der Aufruf ist von vielen hervorragenden Männern des öffentlichen jüdischen Lebens, wie Achad-Haam, Dr. A. Büchler (Rektor des Jews’ College), Mr. Herbert Bentwich, Mr. Norman Bentwich, Dr. Samuel Daiches, Dr. S. Melamed, Mr. S. B. Rubenstein, Mr. H. Sacher, Dr. J. M. Salkind und Mr. Leon Simon unterzeichnet. Der Aufruf betont den allmählichen Fortschritt der Assimilation unter den Juden in England und weist darauf hin, daß man nur durch die Schaffung einer hebräischen Organisation die hebräische Kultur in England erhalten könne. Die national bewußten Juden in England werden daher ermahnt, sich zusammenzuschließen, um eine hebräische Organisation, wie sie sich schon in Deutschland mit Erfolg betätigt, zu gründen. Der Schriftführer ist Mr. S. Landmann, und es besteht die' Absicnt,. eine Versammlung einzuberufen, sobald sich eine Anzahl Anhänger der Idee gemeldet haben. Eine neue jüdische Lesehalle in Jaffa. Jaffa. Sonntag, den 25. Februar wurde in dem neuen jüdischen Stadtviertel „Nachalath- Benjamin“ — das bekanntlich nach dem Muster von Tel-Awiw in dessen Nachbarschaft erbaut worden ist — eine jüdische Bibliothek und Lesehalle eröffnet. Die hebräische Eröffnungsrede hielt Herr Josua Eisenstadt (Barsilai). Sodann trug der hebräische Schriftsteller S. Ben-Zion eine seiner neuen Novellen vor. Die neue Lesehalle entspricht einem fühlbaren Bedürfnis der Bewohner von Tel-Awiw und Nachalath-Benjamin, die bisher auf die Bibliothek „Schaar Zion“ im weit entfernten Stadtinnem angewiesen waren. Palästinaliteratur. T r i e t s c h: Bilder aus Palästina (über 150 Bilder) . . K 4.80 — Palästinahandbuch, 3. Aufl. mit Kartenbeilagen . . . . K 3.60 Auhagen: Beiträge zur Kenntnis der Landesnatur u. Landwirtschaft Syriens ..... K 2.40 Thomseri: Palästina u. seine Kultur in fünf Jahrtausenden K 1.50 "Dr. Hölscher: Landes- und Volkskunde Palästinas . . K 0.96 Q u t h e: Palästina, mit 142 Abbildungen nach photographischen Aufnahmen und einer farbigen Karte.K 4.80 Kann: Erez Israel, brosch. . . K 4.20 gebunden.K 6.— Palästina, Werbeschrift, mit schönen Illustrationen . . , K 2.40 Auerbach (Haifa): Palästina als Judenland' ...... K 0.40 Karte von Palästina . . . . .. K 1.80 Die Preise verstehen sich exklusive Porto gegen Voreinsendung oder Nachnahme. Zu beziehen durch: „Jüdische Zeitung“, (Geschäftsstelle des Jüdischen Verlages), Wien, II/3, Stefaniestraße 12. Sport. Der Fußballklub „Hakoah“ in Preßburg. Hakoah I gegen P. T. E. I t: 0. Hakoah II gegen P. T. E. II 2:2. Einer Einladung des P. T. E. folgend begaben sich unsere beiden Mannschaften am 25. d. nach Preßburg. Am Bahnhofe wurden wir von zahlreichen Gesinnungsgenossen erwartet und von Gg. Bettelheim begrüßt. Nach gemeinsamen Mittagstische fuhren wir auf den Spielplatz. Der Besuch war ein sehr starker und (wozu wir es in Wien leider noch nicht gebracht haben) alle Preßburger Gesinnungsgenossen kamen, um unsere Hakoahner spielen zu sehen. Die zweite Mannschaft bekam einen körperlich weit überlegenen Gegner, hätte aber unter einem wirklichen Schiedsrichter gesiegt, da unsere Reserve dem Gegner im Spiele überlegen war. Mit kräftigem Applaus begrüßt betrat nun unsere I. Mannschaft das Spielfeld. Der Gegner, an Körpergröße und Stärke weit voraus, machte von diesem Vorteile leider sehr starken, wenig sportlichen Gebrauch. In der ersten Hälfte_wäre das Spiel offen gewesen, wenn der Schiedsrichter (Mitglied des P. T. E.) nicht ganz ostentativ für seinen Klub Partei genommen hätte. Ja, er ging soweit, daß selbst unsere Gegner über seine Entscheidungen verwundert waren und überdies gebrauchte er gegen unsere Spieler beleidigende Worte. Das erste Half Time endete de von unserem KapitänC%iit den Gegnern weohne Treffer. Während der Zwischenpause würgen des Schiedsrichters verhandelt. Dieser nahm die beleidigenden Aeußerungen zurück und erklärte ganz unparteiisch vorgehen zu wollen. Nach Seitenwechsel ist Hakoah eine zeitlang nicht aus dem Felde der Gegner wegzu- Jjringen. Schönfeld legt mustergültig an Bader vor, der kräftig von Gansl unterstützt, in schönem Stile durch die Halfreihe des P. T. E. ging, der richtig placierte Burian schießt unaufhaltsam unter donnerndem Beifalle der Zuschauer ein.- P. T. E. ist ausgepumpt, aber umso frischer Hakoah. Die Stürmerreihe spielt schön -und nutzbringend, dribbelt gut und ist immer flott an der Arbeit, die Halfs (Präger, Weinberger, Dukes) fleißig und ausdauernd, kurz ein Spiel, das die Bezeichnung „erstklassig“ auch nach strengen Begriffen verdient. Dagegen leistet sich der Schiedsrichter unglaubliches. Er eifert seine Klubgenossen an, macht auf Schwächen aufmerksam und pfeift bei gefährlichen Situationen grundlos ab. Ja, als Mahl und Gansl gefährlich durchbrechen, gibt er einfach „abseits“ und Strafstoß gegen Hakoah. Dadurch gelang es den Gegnern vor unser Tor zu kommen, doch Halpern fängt das Leder, wird aber von den Gegnern in inkorrekter Weise gerempelt und verliert den Ball. Beck Rosenthal erkennt die Gefahr, eilt vor das Tor und wehrte einen Schuß glänzend ab. Da ertönt der Pfiff des hinter der Mitte des Spielfeldes stehenden Schiedsrichters, der für Hakoah Goal diktiert. Publikum und selbst Gegner sind über diesen Schiedsrichterspruch empört und Hakoah verläßt 16 Minuten vor dem regulären Ende das Spielfeld. Im Publikum herrschte über unsere Mannschaft nur lobende Anerkennung. Alle spielten glänzend, wurden aber durch das ganz hervorragende und klassische Spiel des Torwächters Halpern übertroffen. Er und die beiden Bäcks (Rosenthal und Sträußler) bilden sich allmählich zu unüberwindbaren Schützern des Hakoahtores aus. Nach dem1 Spiele hielt Gg. Bettelheim an unsere Mannschaften eine Ansprache und unter seiner Führung zogen wir, begleitet von zahlreichen Gesinnungsgenossen, in das zionistische Kaffeehaus. Hier grüßte uns H. Rabbiner Dr. Fuchs mit warmen,, zionistischen Worten, auf welche Reisemarschäll Dr. G. H. Körner im Namen des Klubs erwiderte. Abends wurden wir von den Gesinnungsgenossen zum Zuge begleitet und unter Absingung der „Hatikwah“ verließen wir" unsere* braven und gastfreundlichen Preßburger Gesinnungsgenossen. Veieinsnadnubfen. Wien. („Hakoah“.) Die unter der Leitung des Herrn Dr. Oskar Hoffmann stehende Touristensektion des Sportklubs „Hakoah“ veranstaltet Sonntag, den 31. März, einen Ausflug. Zusammenkunft halb 2 Uhr am Perron Hauptzollamt (Wientallinie). Fahrt nach Weidlingau- Wurzbacntal. Marsch: Paunzen. Laab am Walde, Mauer. Gehzeit 3 Stunden. Führung Max Berger. Gäste herzlichst willkommen! Wien. (Vereinigung jüdischer Export-Akademiker in Wien.) Seit jeher bestand an der Exportakademie des k. k. Handelsmuseums unter der jüdischen Hörerschaft das Verlangen nach einem engeren Zusammenschlüsse zum Zwecke der gemeinsamen Arbeit auf jüdischem und eigenfachlichem Gebiete. Heuer wurde endlich diesem Bestreben Rechnung getragen. Am 13. .d. M. fand auf Grund der von der k. k. Statthalterei genehmigten Statuten die konstituierende Generalversammlung statt. Der Zweck der Vereinigung wird erreicht durch: 1. Vor-

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