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Jüdische Zeitung · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Die zionistische Organisation war durch das Mitglied des Engeren Aktionskomitees, Dr. Viktor Jacobson, vertreten. Es herrschte eine gehobene Stimmung. ' ln seiner Eröffnungsrede gab 'der Vorsitzende eine allgemeine Uebersicht über die kolonisatorischen und kulturellen Leistungen der Gesellschaft in den drei Jahren seit der letzten Generalversammlung. Er wies insbesondere auf die Bestrebungen der Gesellschaft zur Seßhaftmachung der jüdischen Landarbeiter und zur Förderung des höheren hebräischen Schulwesens hin. Sodann gedachte er der in der Berichtsperiode verstorbenen hervorragenden Zionsfreunde und Mitglieder der Gesellschaft, M- L. Lilienblum, E. 4. Lewinsky, S. P. Rabbinowitz u. a. An den Geschäftsbericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der u. a. die Herren Hillel ZIastopoIsky (Kiew), Dr. Chissin (Jaffa) und M. Kleinmann teilnahmen. Es wurde insbesondere der Wunsch ausgesprochen, die Gesellschaft möchte der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina mehr Aufmerksamkeit zuwenden. In Erwiderung darauf teilte Präsident M. Ussischkin mit, daß das Komitee in Aussicht genommen habe, auf den der Gesellschaft gehörigen Grundstücken nächst den Kolonien Rischon-Lezion und Chedera neue Ansiedlungen jüdischer Landarbeiter — nach dem Muster der Landarbeiterkolonie Ein-Gannim bei Pethach-Tikwah — zu schaffen. Diese Mitteilung wurde mit. stürmischem Beifall aufgenemmen. Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde beschlossen, einen Fonds im Betrage von 20.000 Rubel auf den Namen der Vorkämpfer der Chibbath-Zion-Bewegung M. Ussischkin und Dr. E. W. Tschlenow zu gründen. Dieser Fonds ist zur Schaffung landwirtschaftlicher Kolonien in der Umgebung von Jerusalem bestimmt. Eine unter den Teilnehmern veranstaltete Sammlung für diesen Fonds ergab einen namhaften Betrag. Eine Deputation in Angelegenheit der Klagemauer beim Pascha von Jerusalem. Jerusalem: Mittwoch, den 31. Jänner sprach beim Pascha yon Jerusalem Djaudat Bey eine jüdische Deputation vor, die aus dem Chachambaschi von Jerusalem, dem Chachambaschi von Badgad und den aschkenasischen Rabbinern Chaim Berlin, I. Horowitz und A. L. Dajan bestand. Die Deputation überreichte dem Pascha eine Beschwerdeschrift gegen die bekannte Verfügung der Stadtverwaltung von Jerusalem, wonach die Aufstellung von Stühlen an der Klageniauer verboten ist. Der Pascha sprach seine Bereitwilligkeit aus, die Angelegenheit nach dem Wunsche der jüdischen Bevölkerung zu regeln und bemerkte, daß die Frage jetzt der Regierung in Konstantinopel zur Entscheidung unterbreitet worden sei. Der Pascha unterhielt sich eingehend mit den einzelnen Mitgliedern der Abordnung und ersuchte sie, ihm nötigenfalls auch in Zukunft die Wünsche der jüdischen Bevölkerung persönlich .vorzutragen. In hiesigen jüdischen Kreisen erwartet man nun einen günstigen Ausgang der Angelegenheit, di; in Palästina soviel Erregung hervorgerufen hat. Die Zahl der Juden in Newyork. Newyork: Die Zahl der jüdischen Bevölkerung von Newyork betrug nach einer statistischen Studie, die Mr. Joseoh Jacobs im Aufträge der Newyorker Kehilla herausgibt, am 1. Jänner 1912 ungefähr 906.000 Seelen. Bisher wurde die Zahl der Juden in Newyork auf weit über eine Million geschätzt, Mr. Jacobs hat aber auf Grund umfangreicher statistischer Nachforschungen festgestellt, daß die jüdische Bewohnerschaft von Newyork sich am 1. Juli 1910 auf S25.000, am gleichen Tage des Jahres 1911 auf SS2.400 Seelen belief und seither durch die Einwanderung und den Geburtenüberschuß auf 906.000 Personen gestiegen ist. Eine Ansiedlung bosnischer Sephardim in Palästina. Sarajewo: Demnächst begibt sich eine aus sephardischen Juden Bosniens bestehende Reisegesellschaft nach Palästina zu einer Pilger- und Studienfahrt. Die Reisegesellschaft wird auch nach einem geeigneten ländlichen Terrain Umschau halten, auf dem sich eine Anzahl bosnischer Sephardim als Ackerbauer niederlassen könnte. Es handelt sich um eine Gruppe junger, zum Teil verheirateter Leute, die bereits in Bosnien in der Landwirtschaft tätig waren. Bestätigung der jüdischen „Militärentziehungsstrafe“ durch die Reichsduma. Petersburg: In geheimer Sitzung setzte die Reichsduma am Freitag, den 1. d. M., die Beratung über die Reform der Heeresdienstordnung fort. Der Referent der Justizkommission, Skoropodsky, führte aus, daß der Paragraph 393 des alten- Reglements, wonach die Verwandten eines jeden Juden, der sich durch Auswanderung oder in sonstiger .Weise (der Wehrpflicht entzieht, eine Strafgebühr van 300 Rubel entrichten müssen, dem allgemeinen Grundsatz der russischen Rechtspflege widerspreche, demzufolge niemand für die gesetzwidrige Handlung eines anderen verantwortlich gemacht werden kann. Der Oktobrist Protopopow erklärte im Namen der Landesverteidigungskommission, daß diese der Forderung der Justizkommission nicht zustimmen könne. Nachdem noch der Gehilfe des Ministers des Innern, Likoschin, erklärt hatte, die Regierung halte die Abschaffung der jüdischen Militärentziehungsstrafe für unmöglich, wurde der Antrag der Justizkommission zur Abstimmung gebracht und mit großer Mehrheit abgelehnt. Zur Demission des türkischen Großrabbiners. Konstantin opel: Wie die hiesigen Zeitungen berichten, hat Rabbi Haim Nahum Schritte bei der Regierung unternommen, die darauf abzielen, seine Demission rückgängig zu machen. Dieses Vorgehen Rabbi Nahums erregt in allen Kreisen der Konstantinopler Judenschaft um so peinlicheres Befremden, als der Großrabbiner erst vor einigen Tagen wiederholt feierlich versichert hatte, sein Rücktritts-Entschluß sei unwiderruflich. Auch hatte Rabbi Nahum in seinem Demissionsgesuch an die Regierung das Konsistorium (Medschliss gismani) ungesetzlicher Handlungsweise bezichtigt, ohne daß er diese Anklage — trotz der Aufforderung der Regierung — bisher näher-präzisiert hätte. Vielmehr beschränkte er sich darauf, der Regierung mitzuteilen, er sei bereit, falls diese die Demission der Hohen Pforte nicht unterbreiten wolle, sein Rücktrittsgesuch zurückzuziehen. —’ Unter diesen Umständen sieht man der Entscheidung des Ministeriums mit gespannter Erwartung entgegen. Jedenfalls hat Rabbi Nahum durch sein mehr als sonderbares Verhalten auch die Sympathien derjenigen- Kreise verloren, di; bisher als seine unbedingten Anhänger galten. Kunstgewerbeverein Bezalel in Prag. Am. 14. d. M. fand die 2. ordentl. Generalversammlung des Prager Bezalel statt. Nach Begrüßung und Eröffnung derselben durch den Obmann, Herrn Dr. Theodor Weltsch erstattete der Schriftführer Ing. Slonitz den Tätigkeitsbericht. Der noch junge Verein entfaltete anschließend an die im ersten Vereinsjahre veranstaltete Prager Ausstellung eine rege agitatorische Tätigkeit, welche ihm eine größere Anzahl neuer Mitglieder zuführte und es ihm ermöglichte, 900 K an Mitglieds- und Subventionsbeiträgen an die Leitung der Jerusalemer Bezalel-Schule abzuführen. Der Propaganda ir. der Provinz dienten Ausstellungen, welche in Pilsen, Budweis und Böhm.-Lcipa stattfnnäen und außer der wertvollen Propaganda für Bezalel-Institutionen auch einen regen Absatz den Bezalel-Erzeugnissen und für die Spitzen aus den Schulen des „Frauenverbandes für Kultusarbeit“ brachten, so daß für zirka 5500 K palästinensische, kunstgewerbliche Erzeugnisse ver- I kauft wurden. In den letzten Wochen des Vereinsjahres begann der Verein die Sammeltätigj keit für den Betriebsfond des Bezalel, und hat auch für diesen bereits zwei Anteile ä 300 K aufgebracht. Der hierauf vom Vereinskassier Direktor Ernst Berka erstattete Kassabericht, welcher die im Geschäftsberichte geschilderte' Tätigkeit ziffernmäßig ergänzte, wurde ebenso wie der erstere einstimmig genehmigt und der Vereinsleitung Dank und Vertrauen ausgesprochen. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden folgende Herren in die Vereinsleitung gewählt: Obmann Dr. Theodor Weltsch, 1. Obmann-Stellvertreter Alfred Fröhlich: 2. Obmann- Stellvertreter Dozent Dr. J. Pollak; 3. Obmann- Stellvertreter Doz. Dr. F. Welemiriskv. 1. Schriftführer Ing. Hugo Slonitz; 2. Schriftführer Richard Mautner. Kassier Direktor Ernst Berka. Ausschußmitglieder in Prag: Direktor Adolf Brod, Moritz Dub, Kais. Rat K. G. Fischmanr., Prof. Viktor Freud, Gustav Fuchs, Anton Glaser, Dr. Gustav Haas, Siegmund Heller, Doktor Hugo Hermann, Landesschulrat Dr. Gustav Kuh, Richard Lenhart, Moritz Löwy, Univ.-Prof. Dr. Egmond Münzer, Zentralinspektor Herrn. Spitzer, Oswald Stein, Gustav Steiner, Emil Thein, Kais. Rat Moritz Thias, akad. Maler A. Wiesner. . Auswärtige Ausschußmitglieder: In Aussig Kommerzialrat Ed. J. Weinmann; Böhm.-Leipa Rabb. Dr. J. Krengl; Gablonz Rabb. Dr. Hermann Baneth; Krummau Dr. Otto Schwarz; Leitmoritz Dr. Emil Margulies; Pilsen D". Siegfried Löwenstein; Sadska Abraham Stfanskv; Teplitz Dr. Artur Scheuer; Trameuau Ernst Goliath'. Vepeinsnadipiditen. Wien. (Purimfeier des jüdischen Volksvercines für die' Leopoldstadt.) Samstag, 2. März 1912, im „Jüdischen Volksheim“. Vorläufig haben Frl. Friedl Klein (Gesang), Frl. W i nt e r n i t z i(Rezitation), (Herr Leo Funke (Arien- und Liedervortrag), Herr M. W a I d m a n n (Rezitation in jüdischer Sprache), Herr Laschk o w i t z (Violinvirtuose) ihre Mitwirkung zugesagt. Tanzarrangeur Herr Jacques Löw. Schönheitskonkurrenz, Juxpost etc. Wien. (Picknick jüdischer Mediziner.) Das Unterzeichnete Komitee erlaubt sich zu dem, Dienstag, den 27. Februar, im „Hotel Post“, L, Fleischmarkt, istattfindenden Picknick jüdischer Mediz‘~«‘~ ("i/.u'-’T'n. Nach den Vorträ• gen Tanz. Ball- oder Soireetoilette. Damenkarten K 3.—. .Herrenkarten K 2.—. SHidentenkarten K 1.—. Karten erhältlich gegen Vorweisung der Einladung: Cafe Marienbrücke, L, Rotenturmstraße. Cafe Louvre, L, Wipplingerstraße 27, Cafe City, IX., Porzellanirasse, im Vereinslokale, IX., Klammergasse 4, bei allen Koiniteemitgliedern und an der Abendkasse. Wien. (Verein zion. Hochschüler „Theodor Herzl“, II., Stefaniestraße 12.) Seminarprogramm: Samstag, 24. Feb.: „Jjmghebräischc Novellistik“, Herr Diemendruck (Hat’ chijah). Anfang 7 Uhr. — Dienstag. 27. Feb.: Jüdischer Abend. — Mittwoch, 2S. Feb.: Zionistisches Seminar. — Sonntag, 2. März: Bs. Rudolfine Waltuch: „Das Judentum im Zeitalter Christi“. Beginn halb S Uhr abends. Gäste willkommen. — Sonntag, am 3. März, veranstaltet der Verein „Theodor Herzl“ seine dritte literarische Matinee als P e r e z - M a t i n ee. Für Rezitationen hat Herr Egon Brecher, Mitglied des Josefstädter-Theaters in liebenswürdiger Weise seine Mitwirkung zugesagt. Wien. (Akad. Verb. „Kadimah“.) Der ain 11. d. M. im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines stattgefundene Lichtbildervortrag „Jüdische Volksarbeit in Palästina“ erzielte einen Erfolg, der umso höher zu werten ist, als dem Vortrage ein Publikum beiwohnte, das größtenteils dem Zionismus fernstand. Einleitend ergriff Herr Dr. Abeies das Wort und entwickelte das Programm und die bisherigen praktischen Erfolge des Zionismus. Im Anschlüsse daran folgte der Lichtbildervortrag, gehalten von A. H. Reich, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Besonderer Dank gebührt Herrn, Dr. Abeies, der sich in letzter Stunde für den erkrankten Präsidenten Dr. Böhm zur Verfügung stellte. — Chargenwahl fürs L1X. Semester: cand. ing. Michael Schindler dzt. *, med. Felix Mandl dzt. **, iur. Max Horowitz dzt. ***. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle für den If. Bezirk (IL, Herminengasse 8). Samstag, den 24? d. M., halb' S l'hr abends, hält Bb. phil. Max Präger einen Vortrag über Aschs Roman „Amerika“. Anmeldungen für Vorträge und Vorlesungen sind an den akad. Verein „Jüdische Kultur“, IL, Blumauergasse 20, zu richten. Wien. Am 16. März veranstaltet der Jüdische Turnverein in Fünf haus in Auffischers Monopolsälen (ehemals Savov) ein Schauturnen mit anschließendem Tanz. Beginn 9 Uhr. Wien. („Addas Jeschurun“, Bethausverein Wien.) Die ^ordentliche Generalversammlung Endet den 25.'Februar 1912, präzise 3 lihr, im Vereinslokale, 9. Bez., Pfluggasse 5, statt. Jüdischer Volksliederabend. Die Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Denkmälern des Judentums“, hält am 6. März d. J.. um 7 Ihr abends, im Festsaale des „Hotel Continental“ (IL, Taborstraße) ihre Generalversammlung ab. Im Anschlüsse hieran findet ein von der genannten Gesellschaft und dem „Akademischen Vereine „Jüdische Kultur“ veranstalteter „Jüdischer Volksliederabend" statt. Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d wird über „D a s Lied des Ostjuden“ einen Vortrag halten. Hieran schließen sich musikalische Proben, vorgetrageu von Frl. Salamith Stein, Herrn Oherkantor Josef M orgenstern und erster Kantor M. B. Kaufmann, an. Atn Klavier Herr Chordirigent B r a s 1 a w s k v. — Karten ä 5, 3 und 2 Kronen sind ab Dienstag, den 27. Februar erhältlich in Guttmanns Hofmusikalienhandlung (Hofopernhaus), Kehldorfers Zentralkartenbüro, L, Krugerstralie 3 und in der Buchhandlung R. Löwit, L, Rotenturmstraße 22. Studentenkarten zu 1 K im Vereinslokale, IL, Blumauergasse Nr. 20, täglich von 7—8 4-hr abends. Wien. (Sportklub Hakoah.) Samstag, den 23. d. M„ präzise halb 9 I hr abends, findet im Klublokale des Sportklubs „Hakoah“, im Cafe Rembrandt, ein Vortrag des Herrn Dr. Georg Weiner „Meine Palästinareise“ statt. Gäste, Damen und Herren,' willkommen. -- Vergangen :n Samstag sprach Herr Ludwig Batö über „Judentum und Erziehung“. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die zahlreichen Zuhörer den fesselnden, von der Kraft der l eberzeugung getragenen Ausführungen des Vortragenden. Wien. Der „Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus Galizien“ in Wien, veranstaltet Samstag, den 24. d. M., im „Jüdischen Volksheim“, II., Stefaniestraße 12, eine Akademie mit anschließendem Tanz. Ihre Mitwirkung haben hervorragende Kunstkräfte zugesagt. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. Wien. (Vortrag aus jüdischer Geschieh ie, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 29. Februar 1912. präzise halb S Uhr abends, findet im restsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines, L, Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Alois Schweiger aus Eger (Erlau) statt. Thema: „Der Neodar.inismus.“ Eintritt frei, ohne Karten. Wien. („Verein jüdischer Hochschüler „Mensa academica Judaica.“) Die Herren Kollegen, die während der jüdischen Osterfeiertage in Wien bleiben und auf rituelle Verköstigung re-

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