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Jüdische Zeitung · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
6 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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»MC NHTIDNRL nftnri ■■■■■■■■ ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden' ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurßckgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ reich-Ungarn: Ganzjähr. RIO.—, halbjähr. R 5.—, Vierteljahr. K 3j— Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr« Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. B Nr. 7 Wien, Freitag, den 16. Februar 1912 VI. Jahrgang ortrag Oes Professor Werner Sombart . ~~~ 11 ■ - . 1 ~ " ~ T " ~— „Die Zukunft der Juden“ —' am 18. Februar 1912, um halb 9 Uhr abends im Sofiensaal. % Karten ä Kronen 10,8 (Fauteuil- und Podiumsitze) 5, 4, 3, Entree K 2, erhältlich in den Kartenbureaus Kehlendorfer I., Krugerstraße 3, Konzertdirektion Guttmann, Hofoper, Büro Ferstel, Bellariastr. 4 und im Jüdischen Volksheim, II. Bezirk Stefaniesträße 12. Karten ä K 10.— vergriffen. Volkstümliche Vorträge im „Jüdischen Volksheim“ II., Stefaniestraße 12. Sonntag, 18. Februar, halb 5 Uhr nachmittags: oJ.nd,e h taufen“ (Werner Sombart). Referent: Herr phil. Gustav Rohn. Zur politilrfien Konferenz. Es kann dem Brünner Parteitage nicht hoch genüg angerechnet werden, daß er die Frage der innerpolitischen Betätigung in seiner grundlegenden Bedeutung erfaßt und gerade deshalb vor einer Durchpeitschung bewahrt hat. Er wär sich dessen wohl bewußt, daß Beschlüsse, von Vernunft diktiert, zwar als Repräsentation des Programmes dienen können (siehe Krakauer Parteitag 1906), lange jedoch nicht reif sind, um in die Tat umgesetzt zu werden, so lange die Begeisterung fehlt, die stärker ist als der Widerstand der Tradition. Nicht darüber konnte also Sorge bestanden haben, daß die Beschlüsse anders ausfallen könnten alsvor 5 Jahren — dafür bürgte schon der eindeutig jüdisch-nationale Kern der Krakauer Resolutionen, — sondern ins Gewicht fiel der Gedanke, die bestehenden Auffassungsdifferenzeri könnten 'durch die Leidenschaftlichkeit ihrer Interpreten Gegensätze schaffen, welche gegen die Form des Problems gerichtet, nur zu leicht auch dessen In-’ halt träfen. Kurz — die Sorge um die Begeisterung für die Idee schuf den Platt einer politischen Konferenz. Die Innenpolitische Betätigung der Zionisten bezweckt den Kampf gegen die Entrechtung der Judenschaft und für die Sicherung eines ihrer inneren Valenz entsprechenden Einflusses im öffentlichen Leben. ’ Da aber auch die Assimilationspolitik in letzter Linie — wenn auch auf entehrender Basis und auf trügerischen Hoffnungen aufgebaut — als Nützlichkeitspolitik gedacht und gewollt ist, wird es sich empfehlen, um die Konferenz nicht unfruchtbar verstreichen zu lassen, den Meinungsaustausch mit den wohlwollenden, auch gegnerischen Vertretern, in welcher Form auch immer, jedenfalls aber vor der Konferenz durchzuführen und den Kampf der programmatischen Idee 'gegen die lendenlahme, hundertemale desavouiere, Theorie der ^reTnIicfienw^fntfUßnä'httie1*^fert>JüdisclTerr ■ (auch getauften!) Persönlichkeiten auf das öffentliche Leben im Interesse jüdischer Wohlfahrt von der Tagesordnung fernzuhalten. Das Wesen jüdischer Nationalpolitik gipfelt in positiver Arbeit für die kulturellen und ökonomischen Bedürfnisse des jüdischen Volkes. In keinem Reiche der Welt ist für die Judenschaft der Weg zur politischen Betätigung so klar und deutlich vorgezeichnet als in dem vielnationalen Oesterreich, in keinem Staate der Erde kann der jüdische Nationalismus bei der Propagierung seiner Ideen so leicht auf seine Argumente ethischer Natur verzichten, um allein mit dem Zweckmäßigkeitsgedanken an die Vernunft zu appellieren. Denn so differenziert und vielgestaltig die Lebens- und Gesellschaftsbedingungen sind, die das Stichwort der „besonderen lokalen Verhältnisse“ geschaffen haben, so entgegengesetzt -und einander widersprechend die Lager sind, in welche die vermeintliche Assimilationspolitik die Juden eingereiht hat, so eindeutig und logisch unausbleiblich ist das Debacle dieser Taktik stets geblieben, das schließlich über allen ehrlichen und unehrlichen, fremdnationalen Liberalismus triumphiert. Es ist jedoch auch nicht anders denkbar. Der fremdnationale Freisinn befindet sich der Judenfrage gegenüber in zartester Blüte. Bis jetzt wurde, er noch immer durch den Kunstdünger jüdischer Assimilation an seiner Entfaltung verhindert. Denn setzt man sich auch zeitweilig über das Paradoxon hinweg, daß es Deutsche, Tschechen, Polen etc. mosaischer Konfession gebe, als Frucht der Nationalitätenkämpfe bleibt stets der Antisemitismus zurück, der sich seine Opfer ohne Rücksicht darauf holt, daß im Polenklub auch Juden sitzen, oder daß der deutschfreisinnige Täufling als Reichsratskandidat seinen jüdischen Wählern die Wahrung jüdischer Interessen ehrenwörtlich zugesagt hat. Hier heißt es reinen Tisch machen. Die Proklamierung vollständiger prinzipieller Neutralität der „Jungjuden“ in den verschiedenen Nationalitäjenkämpfen, die Unterstützung aller Bestrebungen, welche auf eine Verfassungsänderung im Sinne der nationalen Autonomie mit Anerkennung der Juden als Nation gerichtet sind, nicht zuletzt die Sorge für sozialen und kulturellen Fortschritt sind die Kardinalpunkte der jüdisch-nationalen Politik. Dr. H. Ein Pupimabenö in öep Seitenstettengasse. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt. Die letzte öffentliche Sitzung des Wiener Kultusrates wurde offenbar nur einberufen, um die Richtigkeit dieses Satzes zu demonstrieren. Außer der rein formellen Budgetberatung (sprich: V o r 1 e s u n g), welche notgedrungen öffentlich vor sich gehen muß, war seit geraumer Zeit die Tätigkeit unseres einzigen öffentlich-rechtlichen Selbstverwaltungskörpers ins beschaulichste Dunkel gehüllt, hie und da dräng bloß in die Öffentlichkeit, wenn diese irgend welche Anregungen oder Neuerungen ventiliert hatte, ein ärgerliches „fällt mir gar nicht ein“ des Herrn Kultuspräsidenten. Oder man hörte wieder von einem Skandal, welcher sich zwischen letzterem und einer Tempel-Vorstehung abgespielt hat. Endlich brach der große Tag heran und auf einen Schlag schien eine Götterdämmerung hereinbrechen zu wollen. Auf der Tagesordnung hintereinander: Änderung des Statutes und Reform des Religionsunterrichtes, jeder einzelne Gegenstand geeignet, unsere weisen Kultusväter zusammenzuhalten bis in den grauenden Morgen, da sie von ihren Jüngern an das Schachritgebet gemahnt würden. Zerknirscht tritt man in die langgestreckte Halle, an deren. Wänden die Ahnen christkatholischer Enkel segnend ihre Hände über den Köpfen der K o h n und L e w y ausstrecken, zerknirscht sagen wir, denn Wir hatten den Wächtern an den Toren Jsraels bitter unrecht getan. Wir hatten erst verkündet, ihr Interesse am Juden-

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