Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Zirkular des I.-Oe. D.-K. Das l.-Oe. D.-K. hat an alle Vereine und Vertrauensmänner des Distriktes ein Zirkular verschickt und ersucht die Vereinsleitungen um genaueste Beachtung 'der einzelnen Punkte, bezw. umgehende Beantwortung der vorgelegten Fragen. Insbesondere wird um Auskunft. über die erbetenen statistischen Daten, sowie Vorlage der neuen Mitgliederlisten frro 1012 ersucht. Zionistische Veranstaltungen 1912. Die Vereinsleitungen (werden darauf aufmerksam gemacht, daß das l.-Oe. D.-K. von allen geplanten Veranstaltungen sofort zu verständigen ist, damit Kollisionen vermieden werden. Auch alle öffentlichen Vortragsabende, Vereinsversammlungen und gesellige Veranstaltungen wollen rechtzeitig dem D.-K. bekanntgegeben werden. Die Vereinsleitungen werden im eigenen Interesse dringend ersucht, dieser Aufforderung nachzukommen. Distrikts-Komiteesitzung. Freitag, den 5. d. M., findet gemeinsam mit dem Ausschüsse des „Zionistischen Z e n t r a 1 v e r e i n e s“ eine Sitzung des I.-Oe. D.-K. statt. Ort: IX., Türkenstraße 0. Zeit: Präzise S Uhr abends. Uliener Taufstafisiih. Im letzten Jahrzehnt sind in Wien 6136 Personen aus dem Judentume ausgetreten. Im Jahre 1002 traten 65S, 1003: 63Ö. 1001: 61S, 1005:606, 1006: 65S, 1007: 603, 1008: 624, 1000: 504, 1010: 565, 1011: 571 Personen aus. Aus dieser Aufstellung ist zu ersehen, daß die Zahl der Austritte absolut abnimmt. Relativ ist die Abnahme — in Anbetracht der durch Zuwanderung zunehmenden Bevölkerungszahl — bedeutend größer. Diese erfreuliche Tatsache ist auf das Fortschreiten des jüdisch-nationalen Gedankens und auf den wachsenden Einfluß der jüdischen Presse, (welche seit (einigen Jahren die .Liste der Ueberläufer veröffentlicht, zurückzuführen. Der Einfluß dieser Faktoren ist in Wirklichkeit größer als aus der veröffentlichten Statistik ohne Kenntnis der Umstände ersichtlich ist. In den letzten Jahren ist Wien ein beliebter- Ort für Tauflustige geworden. Ungarische, rumänische, russische Taufkandidaten logieren sich in Wien für einige Tage ein und verlassen die Stadt als neugebackene Christen. Auffallend ist die große Zahl der Uebertritte von Mädchen im heiratsfähigen Älter. Der nächst höhere’ Prozentsatz stellt die Großbourgeoisie, Fabrikanten, Industrielle. Dann folgen Advokaten, Journalisten, Artisten und ähnliche Berufe. Immerhin erfreulich ist, daß die Zahl der Taufen abnimmt. Hoffentlich werden die folgenden Jahre eine weitere Verminderung der immerhin noch virulenten Taufbazillen bringen. Nationalfondseingänge im Jahre 1911. (Vom 1. Jänner bis 30. September). Länder M. 1910 M. 1911 Fortschritt M. Aegypten 465.57 244.39 _ Argentinien 2.381.96 4.861.23 2.479.27 Australien 1.716.06 674.72 — Belgien 4.716.74 5.868.86 1.152.12 Brasilien 324.- 347.— 23.— Bulgarien 1.932.88 2.432.80 499.92 Canada 7.439.11 12.014.39 4.575.28 Dänemark 89.34 — — Deutschland 35.929.86 38.657.80 2.727.94 England 6.302.38 5.897.37 — Frankreich 847.46 1.317.35 469.89 Griechenland — 16.25 16.25 Holland 3.637.12 5.583.67 1.946.55 Italien 30.20 996.29 966.09 Nordamerika 31.647.22 62.978.60 31.331.38 Ostasien 204.— 947.40 743.40 Ossterreich 63.793.41 69.441.82 5.648.41 Ungarn 5.343.85 7.804.78 2.460.93 Südslavische Länd. 4.545.55 4.143.42 — Rumänien 12.033.42 13.685.88 1.652.46 Rußland 76.676.57 72.873.39 — Schweden 148.53 171.18 22.65 Schweiz 871.32 2.586.64 1.715.32 Serbien 1.015.- 62.- — Südafrika 14.369.42 15.381.50 1.012.08 Türkei 2.679.48 1.909.17 — Diverse 621.14 — — 279.761.59 330.897.90 59.442.94 Auch diesmal zeigt die Statistik wieder ein erfreuliches Bild des Fortschrittes und der Entwicklung. Während die entsprechende Periode des Jahres 1910 einen Ertrag von 279.761.59 Mk. brachte, weist die Statistik für die ersten drei Quartale 1911 einen Ertrag von 330.897.90 Mk. auf. Also ein Fortschritt von 51.136.31 Mk. Allerdings fällt bei näherer Betrachtung auf, daß gerade in den letzten Monaten der Fortschritt nicht sehr bedeutend gewesen ist. Schon das erste Semester hatte einen Mehrertrag von 45.750.14 Mk. gebracht, so daß auf das dritte Quartal nur ein Fortschritt von 53S6.17 Mk. entfällt. Es zeigt sich also deutlich, daß der Kongreß in den meisten Ländern keineswegs eine günstige direkte Wirkung auf die Eingänge geübt hat. Das vierte Quartal wird zeigen müssen, ob das gesteigerte zionistische Bewußtsein und die erhöhte Arbeitsfreude, die man berechtigter Weise nach einem Kongreß wie unserem letzten, erwarten darf, einen entsprechenden Einfluß auf unsere Einnahmen üben werden. Dast eine steht allerdings, wir konstatieren es mit Befriedigung, schon jetzt fest: daß auch das Jahr 1911 die steigende Linie der N. F.-Eingänge nicht unterbrechen, vielmehr seinen Vorgänger wieder nicht unbeträchtlich übertreffen dürfte. Wenn wir nun zu einer Betrachtung der vorstehenden Ergebnisse in den einzelnen Ländern übergehen, so fällt in erster Reihe die bedauerliche Tatsache auf, daß unser ergiebigstes Sammelgebiet, Rußland, zum ersten Mal einen nicht unbeträchtlichen Rückgang von zirka 3800 Mark aufweist. Die Gründe dieses Rückganges sind zu naheliegend und unseren Lesern zu gut bekannt, als daß wir uns lange darüber zu verbreiten hätten;, es war vorauszusehen, daß es kommen mußte. Wir bemühen uns indes, der Opferfreudigkeit unserer russischen Freunde entgegenzukommen, und wir hoffen, daß schon die nächste Vierteljahrsstatistik die Resultate unserer- Bemühungen zeigen wird. Oesterreich, das in der vorigen Halbjahrsstatistik einen Rückgang von zirka 3500 Mk. zeigte, und seinen altgewohnten zweiten Platz in der Ehrenreihe an Nordamerika hatte abtreten müssen, hat sich zwar in den letzten Monaten revanchiert, indem es für die Periode 1. Januar bis 30. September einen Fortschritt von zirka 5600 Mk„ d .h. also für das dritte Quartal einen solchen von 9100 Mk. zeigt. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß in das dritte Quartal Zuwendungen unseres Gesinnungsgenossen Kahane im Gesamtbeträge von 16.000 Mk. fallen, die dem österreichischen Konto gutgeschrieben sind, während im entsprechenden Vierteljahr des Vorjahres nur 4000 Mk. an außergewöhnlichen Spenden eingingen. Auf den erfreulichen Aufschwung, den unsere Sammlungen in Nordamerika genommen haben, wiesen wir schon bei der Besprechung der letzten Halbjahresstatistik hin. Es war vorauszusehen, daß der Fortschritt im dritten Quartal unverhältnismäßig geringer sein müßte, als der in den vorhergehenden Quartalen, da zum Vergleich mit dem ersten Semester 1910 41 das erste Semester 1910, in welchem1 die Sammelorganisation in Nordamerika (ganz idarniederlag, in Betracht kam, während im dritten Quartal 1910 schon das von uns eingerichtete Büro in Tätigkeit war. Auch die meisten anderen Länder zeigen im Vergleich imit der entsprechenden Periode mehr oder weniger bedeutende Fortschritte. Allerdings ergibt eine Analyse der Zahlen, daß dieser Fortschritt für einige dieser Länder nur durch das erste Semester bedingt wird, und daß das dritte Quartal Sogar einen kleinen Rückschlag zeigt. In diesen Fällen dürfte aber dieser Rückschlag auf zufällige Umstände zurückzuführen sein.' Vielleicht hat auch die Vorbereitung des Kongresses und die Tatsache, daß während des Kongresses viele eifrige Sammler ihre Tätigkeit auf einige Wochen unterbrachen, zu 'diesem weniger günstigen Resultat beigetragen. Ueber die Ergiebigkeit der einzelnen Sammelmittel läßt sich aus der vorliegenden Statistik weniger Bestimmtes sagen. Da, wie wir früher schon mitgeteilt haben, in diesem Jahre die Büchsenerträge, welche zur Eintragung ins Goldene Buch verwandt und früher auf das Konto „Goldenes Buch“ gestellt wurden, der Rubrik „Sammelbüchsen“ zugeführt werden, läßt sich bezüglich einiger wichtiger Sammelmittel ein Vergleich mit dem Vorjahre nicht gut anstellen. Derselbe wird erst im rtächsten Jahre verläßliche Schlußfolgerungen ermöglichen. Die Oelbaumspende zeigt einen Mehrertrag von zirka 5700 Mark, die Landspende einen solchen von zirka 19.100 Marli. Bei letzterer ist allerdings berücksichtigen, daß sie in den ersten drei Quartalen des Jahres 1910 noch kaum bekannt war. Unangenehm muß es auffallen, daß sie im dritten Quartal nur 2300 Mk. gebracht hat, während das erste Semester 18.600 Mk. brachte. Auch der Markenertrag zeigt trotz all unserer Bemühungen einen Rückgang. Das dritte Quartal brachte uns im Vorjahre zirka 12.100 Mk., in diesem Jahre nur 10.700 Mk. Insgesamt ist ein Rückgang von 200 Mk. zu konstatieren, der allerdings teilweise durch einen Fortschritt von 1500 Mk. aus dem nur allzulangsam steigenden Ertrage der Telegramm-Blankcttc wett gemacht wird. Notizen. Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Neuauflage des seit , Jahren vergriffenen Werkes Theodor Herzl, Feuilletons, bei, dessen Anschaffung allen Gesinnungsgenossen wärmstens empfohlen wird. Zu beziehen durch die Buchhandlung Löwit, Wien, L, Rotenturmstraße. Erster zionistischer Frauenverein. Sonntag, den 21. Jänner 1912, 5 Uhr nachmittags, findet imHotel Kontinental, II., Taborstraße 2, eine FESTVERANSTALTUNG zugunsten der Informationsbüros für Palästina statt. Programm: Künstlerische Darbietungen von Kindern: T rio Morini. Klara Me iset* (Tanz und Gesang); Mimi P o 11 a k (Deklamation); M i z z i W i e - genfeld (Charakter - Tänzerin); Kl. Wurzel (Bedagedichte); Kinderreigen, ausgeführt von Heimannsschülerinnen. Karten ä K 2, 3 und 4 sind zu haben: Zionistisches Zentralbüro, IX., Türkenstraße 9, Jüdisches Volksheim, II., Stefaniestraße 12, Cafe City, IX., Porzellangasse und bei der Kassierin des Vereines, Frau Berta Rappaport, II., Roten Sterngasse 6. Der Zweck der Veranstaltung macht es allen Parteigenossen zur unbedingten Pflicht, für einen zahlreichen Besuch dieser Veranstaltung Sorge zu tragen. Aufruf. Der gefertigte Vorstand des neu gegründeten Blindenhilfsvereines „Humanitas“ bittet alle guten Juden um Unterstützung des obgenannten Vereines. Im Juni hat sich eine größere Anzahl von blinden und erblindeten Juden zusammengetan, um ihre Leidensgenossen, die nicht nur durch ihr trauriges Schicksal, sondern auch durch ihre Angehörigkeit zum Judentum, vor allen anderen zurückgestellt werden, in ihren Bestrebungen, sich selbst zu erhalten, zu unterstützen. Bisher wurden viele Vereine zum größten Teile von jüdischem Gelde unterstützt, obzwar es offenkundig ist, daß diese Vereine, wie sie sich auch immer nennen mögen, einer antisemitischen Tendenz huldigen. Hier nun ist es am Platze für die eigenen Brüder, die unglücklichsten aller Armen, für blinde Juden etwas zu tun. Brüder und Glaubensgenossen, sammelt und gedenket bei Festlichkeiten, während Ihr im Glücke schwelget, Eurer armen blinden Brüder! Für den Blindenhilfsverein „Humanitas“, Wien Dr. Max Krampflitsche k, Obmann, Wien, XX. Klosterneuburgerstraße Nr. 23. Egon Engelmann, Ehren-Sekretär, Wien, VI. Mollardgasse Nr. 17. Spenden sind an den Obmann zu richten. Der Blindenhilfsverein „Humanitas“ veranstaltet am 6. Jänner, um 7 Uhr abends iin großen Saale des Vereines „Volksheim“ Wien, XVI. Kofierplatz 7, eine KONZERT-AKADEMIE mit folgenden Mitwirkenden: Die Damen: Frau Louise Weiß-Lassner, Konzertsängerin (Gesang), Frl. Hilda Gerhandt (Klavier). Die Herren: Dr. Otto Kaperl, Konzertmeister am Raimundtheater (Violine), Dr. Max Krampflitschek (Rezitation), Kapellmeister Schmidt-Sandten, Hoforganist (Harmonium), Ign. Krieger, Julius Stein, Karl Stropp (Klavier), Egon Engelmann (Gesang). Sitzplätze h Kl.—, —.SO, —.60; Stehplätze ä K —.20 beim Portier des Volksheims und den oben Unterzeichneten. Vom 27. Dezember 1911 bis 2. Jänner 1912. LESEHALLE Wien, IL, Stefaniestraße 12. Die Lesehalle des „Jüdischen Volksheimes“ ist bereits eröffnet. Es liegen sämtliche jüdische Zeitungen des ln- und Auslandes, sowie eine Reihe von Tagblättern und Zeitschriften auf. Die Lesehalle ist für jederman. frei zugänglich. Lesestunden: Von 10 bis 1 Uhr, von 3 bis 7 Uhr. Sonntag nachmittags geschlossen. Liste der Obevläufer. Vom 26. Dezember 1911 bis 3. Jänner 1912. Zeisi, früher Zeisel Isidor, 1878, Wien, ledig, Schauspieler, II., Kaiser Josefstraße 42. — Fried Max, 1883, Radota (Ungarn), Arbeiter, XX., Dennisgasse 44. — Eisner Gustav, 1SSS, Wien, ledig, Musiker, XV1L, Ortliebgasse 28.