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Jüdische Zeitung · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NATIONAL -JÜDISCHES GRGfW gjjj JUDSCHE ZETTUNE ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden ■ — tätlich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestelit. — Abonnementspreise: Für Oester- _ reich-Ungarn: Ganzjähr, K_10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ” ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. IS.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. ■ Nr. 51 Wien, Freitag, den 22. Dezember 1911 V. Jahrgang Jüdisches Volksheim. Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Volkstümliche Vorträge im Jüdischen Volksheime. Der Verwaltungsausschuß wird an allen Sonntagnachmittagen der Saison volkstümlich gehaltene Vorträge wissenschaftlichen und künstlerischen Inhaltes, denen Kunstproduktionen (Gesang, Rezitation, Instrumentalmusik etc.) angeschlosscn werden, veranstalten. Die erste Veranstaltung findet am 7. Jänner 1012 statt. Herr Oberingenieur Fried wird über „Judentum und Weltgeschichte“ sprechen. Das vollständige Programm wird rechtzeitig bekanntgegeben. Zuei Parteitage. Am 25. und 26. Dezember werden in Oesterreich zwei zionistische Parteitage abgehalten. In Brünn der westösterreichische, in Stanislau der galizische. Nichts wäre geschmackloser und unangebrachter, als eine phrasenreiche und überschwängliche' Begrüßung dieser beiden Tagungen. Sie sind hochwichtig und werden entscheidende Fragen zu lösen haben. Aber diese Fragen haben ihre Entstehung nicht der gesunden Fortentwicklung zu danken, nicht das Wachstum unserer Partei und die Vergrößerung des Arbeitsfeldes unserer Organisation haben diese Fragen auf die Tagesordnung gebracht. Die Notwendigkeit ihrer Behandlung erwächst aus unhaltbaren, ungesunden Erscheinungen, die sich innerhalb der Organisation gezeigt haben und auf eine mangelhafte Leitung, teils in der Gegenwart, teils in der Vergangenheit, zurückzuführen sind! Die Natur dieser Erscheinungen wird am besten durch den traurigen Umstand charakterisiert, daß in Oesterreich zwei zionistische Parteitage stattfinden. Er bedeutet eine Versündigung gegen das Grundprinzip der zionistischen Bewegung, eine Verleugnung der Idee vom einheitlichen, einigen Judentum e. Ost und West sind eins! Es war das schönste Schlagwort unseres Kampfes und in seinem Zeichen ist die erste nationaljüdische, die zionistische Organisation entstanden. Im Jahre 1908 wurde sie um eines Nichts willen, eingebildeten separatistischen und partikularistischen Interessen zuliebe zerschlagen. Es wurde eitle galizische Landesparteileitung in Lemberg geschaffen und die Gesinnungsgenossen im Westen würden dadurch in die Zwangslage versetzt, auch ihrerseits eine Leitung für Westösterreich zu nominieren. Der Bruch wurde seitens der damaligen Führer in Gajizien gewaltsam, ohne eine vorherige Aussprache zu ermöglichen, durchgeführt. Man braucht ihnen heute nicht Böswilligkeit und Ungeschicklichkeit vorzuhalten, sie mögen von diesen Fehlern freigesprochen sein. Der schwerste Vorwurf, der sie treffen kann, ist der Hinweis auf die totale Verständnislosigkeit für den großen zionistischen Gedanken, den Gedanken von der jüdischen Einheit, die sie bewiesen haben, als sie den Osten vom Westen trennten. Die Gesinnungsgenossen im Westen, gegen deren Willen die Trennung durchgeführt wurde, tragen auch einen ^Teil der Schuld, wenn auch den unvergleichlich kleineren. Falsche Rücksichtnahme auf das Freundschaftsgefühl für die alten Gesinnungsgenossen und Scheu vor der öffentlichen Auseinandersetzung haben ihrem Protest die Schärfe und die Schwere benommen, die alie Separationsgelüste vernichtet hätten. So haben wir denn zwei Parteitage. Das Wort von der jüdischen Einheit wird auf beiden erklingen, aber es wird hohl klingen und phrasenhaft, wenn nicht die strikte Forderung nach Wiederherstellung der gesamtösterreichischen Partei seirTständiger Begleiter sein wird. Kein schwächlicher- Wunsch, ein starkes 'Fordern im Namen des Zionismus, im Namen der jüdischen Einheit! Vermag sich dieser Gedanke in Brünn und Stanislau durchzuringen, dann werden die Parteitage Versammlungen starker freier Juden sein. Wenn nicht, dann werden in Brünn und Stanislau bedeutungslose Konventikel tagen! ♦ 4t * Die Schäden, welche die Separation beiden Teilen zugefügt hat, sind schwerer Natur. Wenn sie vielleicht nach außenhin nicht augenfällig sind, so fressen sie nach innen. In der galizischen Organisation sind Schwächezustände eingetreten, die ursprüngliche Kraft und Frische hat gelitten. Der Stanislauer Parteitag wird einen großen Teil seiner Beratungen der unerquicklichen und deprimierenden Besprechung dieser Erscheinung widmen müssen. Und in Brünn? Auch dort vvird’s Debatten geben, die von der Verdunklung des jüdischen Einheitsideales herrühren. Das Beispiel von Lemberg hat bei einigen Gesinnungsgenossen gewirkt. Das Schlagwort von den speziellen“ Lemberger Interessen, hat die Schlagwörtlein von den mährischen, schlesischen, nordböhmischen und südböhmischen Spezialinteressen geboren. Hat Lemberg seinen Extrazionismus und galizischen Lokalnationalismus, so soll Brünn, Troppau, Wien, Olmütz, Budweis und Prag desgleichen kriegen. Eine Furcht vor allem, was einer straffen Vereinigung, einer Zusammenfassung der Kräfte, einem unverrückbaren Programme, einer einheitlichen Taktik ähnlich sieht, hat einzelne in der Partei befallen. Und all ihre Unzufriedenheit, mag sie nun . einzelne Aktionen der Partei oder die Wirksamkeit dieser oder jener Personen betreffen, nimmt eine Richtung: Gegen die Einheitlichkeit, gegen die straffe Organisierung! Von einem ins kleinste Detail gehenden Separatismus erwarten sie alles Heil. Der Einheitsgedanke im Zionismus ist so stark, so untrennbar mit der jüdischen Renaissancebewegung verbunden, daß seine Vertreter endlich siegen müssen. Es ist zu erwarten, daß in Stanislau und Brünn dieser endgültige Sieg wirksam vorbereitet wird! Der Entuurf zum Oiganisationssiatuf. (Zum westösterreichischen Z'onistentag.) Einige erläuternde Bemerkungen von Dr. Emil M a r g u 1 i e s, Leitmeritz. Bis zum Herbst 1907 gab es in Oesterreich für sämtliche im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder einen zionistischen Landesverband. Seine obersten Organe waren der Parteitag und dak von diesem gewählte Landeskomitee. Distriktsorganisationen und deren Leitungen waren unbestritten untergeordnete Glieder der iLandesorganisation. Damals (gab «s keine E>istriktsautonomie. Die .Leitung, der Landesorganisation lag in den Händen des Landeskomitees, das statutarisch nur aus Wiener Gg. bestand. Dieser Zustand straffster Zentralisation, in dem die Bedürfnisse der Distrikte nicht genügend zur Geltung kommen konnten, weil ihre Stimme in der Leitung nicht gehört wurde, führte zu Konflikten. Schon in Prag 1905 wurde eine Kritik in diesem Sinne laut. Akut, wurde diese Frage, als ich ‘1907 in Bielitz namens der böhmischen Delegierten die Legalität eines Parteitagsbeschlusses bezweifeln mußte, und als dann im Herbst 1907 die Galizier — wie es in Oesterreich üblich ist, „via facti“ — den einheitlichen Landesverband verließen und sich eine eigene Landesorganisation schufen. Im Westen blieben drei Distriktsorganisationen übrig, die, weil es keine übergeordnete Landesorganisation und kein Landeskomitec mehr gab, vollständig autonom w.aren. Auch via facti, nicht kraft Gesetzes. Diese drei Distriktsorganisationen, deren Autonomie in dem Zerfall der L. O. ihre Quelle hatte, beschlossen im Frühjahr 190S, provisorisch, bis die Frage des einheitlichen gesamtösterr. Landesverbandes definitiv geregelt sein würde, einen westösterreichischen Verband zu bilden. Zwei Vorschläge lagen dem Brünner Parteitag vor: einer .vom Gg. Gustav F i n z i, der einen, einheitlichen Landesverband Westösterreich, nach dem Muster des zerfallenen gesamtösterr. Verbandes schaffen wollte, und einer von mir, der schon mit Rücksicht auf den provisorischen Charakter der ganzen Situation ein staatenbundähnliches Gebilde, eine vertragsmäßige Zusammenfassung der drei Distrikte der österreichischen^ Landesorganisation anstrebte. Mein Entwurf wurde Gesetz — nicht zuletzt darum, weil man einsah, daß wir damals, solange wir auf die Möglichkeit der Wiederaufrichtung der österr. Landesorganisation /nicht cndgiltig verzichten wollten, keinen neuen Landesverband schaffen durften. Die sehr ungeklärte Situation in der Weltorganisation ließ es nicht zu einem energischen

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