Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jf.™L;j.udi5che5 dbh JÜDISCHE ZEUUNE H Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: Wien, II.,Stefaniestraße Nr. 12. — Sprechstunden ■ _ täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ ■ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. ■ ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. " ■ Nr. 49 -« Wien, Freitag, den 8. Dezember 1911 V. Jahrgang Grofte Naltäabäerleier der zionistischen Korporationen unter Leitung des i. ö. Distriktskomitees. 12. Dezember 1911» in den Sofiensäten. Zur gef. Beachtung! Unsere neue Adresse lautet: „Jüdische Zeitung“ Wien, II., Stefaniestraße Nr. 12. .Alle Sendungen sind nur an diese Adresse zu richten. JÜDISCHES VOLKSHEIM II., Stefaniestraße 12. Das gefertigte Kuratorium gibt den Gesinnungsgenossen und den P. T. jüdischen Korporationen und Vereinen bekannt, daß die Sitzungs- und Versammlungsränme*Tm Jüdischen Volksheime der Benützung übergeben wurden. Für größere Veranstaltungen und Versammlungen stehen große Sallokalitäten für Sitzungen, Besprechungen und dergl. eingerichtete Sitzungszimmer zur Verfügung, welche mietweise vergeben werden. Die Herren Interessenten werden ersucht, ihre bezüglichen Wünsche dem gefertigten Kuratorium schriftlich oder in der Zeit von 11 bis 12 Uhr vormittags und 5 bis 7 Uhr abends, im Büro des Volkshcimes mündlich bekanntzugeben. Das Kuratorium des Jüdischen Volksheimes II., Stefaniestraße 12. Der Sdieiiel. Die zionistische Organisation marschiert. Aus mühseligen Anfängen emporgewachsen, ist sie innerhalb weniger Jahre zur größten Organisation der Judenheit geworden und rings um uns nehmen wir die tiefen Wirkungen ihrer Tätigkeit wahr. Das Erwachen des nationalen Stolzes, die liebevolle Pflege der hebräischen Sprache, der Aufschwung des palästinensischen Kolonisationswerkes — das sind die Resultate, auf die wir schon heute mit berechtigtem Stolze hinw'eiseri können. Aber noch sind wir von unserem Ziele weit entfernt. Noch fühlen wir, wie wenig das Erreichte bedeutet, wenn wir es an unseren Wünschen und Hoffnungen messen. Und so erhebt sich die Frage, durch welche Mittel, auf welchen Wegen wir rascher vorwärts kommen könnten. Wenn wir alle 'anderen jüdischen Organisationen weit überflügelt haben, so geschah dies nicht durch die Größe unserer Geldmittel; denn die' älteren - jüdischen Organisationen sind weit reicher als wir. Es geschah, weil wir den nationalen Willen wachriefen, weil wir an die Stelle von Vereinen und Komitees das Volk setzten, weil wir auf breitester demokratischer Basis eine nationale Organisation schufen, die nicht nur Fonds verwaltet, sondern die das Gewissen der jüdischen Nation wachruft, die Jugend zu heller Begeisterung entflammt, die Seele des Juden .erlöst. Es geschah, weil wir kein Verein sind, sondern eine Bewegung, in der das jüdische Blut strömt und das jüdische Herz vibriert. Alle Juden, die 'mit uns eines Sinnes sind, sollten nach dem Willen der Schöpfer unserer Bewegung die Möglichkeit haben, sich der Organisation anzuschließen und da wurde der jährliche Parteibeitrag auf den niedrigen Betrag von K 1.20 festgesetzt. Aber es zeigte sich, daß der Appell an das Volk nicht den erwarteten Widerhall fand.' Die Institution des Schekels, die unsere größte Stärke hätte werden können, weil auch der Aermste den geringen Betrag von K 1.20 zu entrichten vermag, ist unseregrößte-Schwäche, geworden. Sie sollte ein goldener Strom sein, aus dem die Parteileitung mit vollen Händen schöpfen kann und ist statt dessen ein spärlich fließendes Bächlein, das jeden Tag zu versiegen droht. — Wie ist Abhilfe zu schaffen? Wir können und wollen an den Grundprinzipien unserer Bewegung nicht rütteln. Wir müssen den demokratischen Gedanken wahren, müssen unablässig danach streben, die zionistische Idee den Massen vertraut zu machen. Deshalb halten wir an der Institution des Schekels, dessen Zahlung das Bekenntnis zu unserer Partei bedeutet, unerschütterlich fest. Um aber der Parteileitung die nötigen Mittel zu schaffen, muß die Schekelzahl vermehrt werden. Und noch ein zweiter, noch wichtigerer Gesichtspunkt tritt hinzu. Die geringe Zahl unserer Anhänger ist der Größe unserer Aufgabe unwürdig. Unsere Organisation ist größer als alle anderen jüdischen Organisationen, aber was bedeutet das, wenn wir die Aufgaben jener Organisationen mit denen der unsrigen vergleichen? Wir haben es unternommen, .das jüdische Volk zu organisieren und sollten zufrieden sein, wenn wir 100.000 Anhänger zählen? Nein, wir müssen zahlenmäßig weiter kommen, damit wir Vertrauen zu uns selber, steigende Achtung in den Augen der anderen und schließlich die erforderliche Macht im Judentum erringen. Deshalb gibt es nur eine Parole für unsere Anhänger in Ost und West: Vorwärts, unablässig vorwärts, unablässig gekämpft für die Gewinnung neuer Anhänger. Die Schekelzahl muß sich in den nächsten Jahren verdoppeln und verdreifachen — das ist das Ziel unsere r Agitation, dafür müssen jetzt alle Kräfte angespannt werden. Schon das nächste Jahr soll zeigen, daß wir imstande sind, unsere Macht auch äußerlich zu verstärken, und deshalb »muß ohne Zeitverlust und ohne Schwanken sofort an die Schekelpropaganda .geschritten werden. Nach den Beschlüssen des X. Kongresses sind nur diejenigen Gruppen berechtigt, einen Delegierten zum Kongreß zu entsenden, d i e innerhalb zwei Jahren, also von einem Kongreß zum andern, -100 Schekel abgeliefert haben. Während bisher die Schekelarbeit nur in den Kongreßjahren mit einiger Energie betrieben wurde, soll sie nunmehr während der gesamten Kongreßperiode eifrig fortgesetzt werden, denn jeder Schekel zählt -für die Wahlen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft unseres Volkes soll sich in freudige Taten Umsetzen. Die 53ahn zur Arbeit ist frei, die zionistische Organisation ist einig, nun soll sie aller Welt zeigen, was sie vermag und wenn sie bisher langsam, in mühseligem Ringen, Schritt für Schritt an- Terrain gewann, so soll .sie „punraehr im Sturmschritt marschieren! Zionismus und Politik. Zum Brünner Parteitag. Von Dr. Jakob .Ehrlich, Präsident des „Jüdischen Nationalvereines“. Der vom Qg. Dr. M a r g u I i e s (Leitmeritz) verfaßte Entwurf eines „Organisationsstatuts des zionistischen Landesverbandes für Westösterreich“ enthält auch eine Bestimmung, welche das Mißfallen einiger — allerdings oft anonym auftretender — Parteigenossen hervorgerufen hat. Das neue, dem Brünner Parteitag zur Beschlußfassung vorztilegende Statut erklärt nämlich u. a. als Aufgabe des Zentralkomitees: die Vertretung des Landesverbandes gegenüber den übergeordneten und gleichgestellten zionistischen Behörden, „dann gegenüber den anderen österreichischen jüdischen und jüdischpolitischen Organisationen, Institutionen und Repräsentanten, überhaupt die Vertretung nach außen“. (§ 20 a.) Bei ruhiger Ueberlegung wird nun jedermann zugeben müssen, daß diese Bestimmung zunächst den Zweck hat, festzulegen, daß n i e m a n d in solchen Angelegenheiten, welche den ganzen Verband berühren, berechtigt ist, mit anderen jüdischen und insbesondere jüdischpolitischen Organisationen in Verhandlungen zu treten als das Zentralkomitee, eine Anordnung, die Disziplinlosigkeit verhüten und an Stelle des verantwortungslosen Vorgehens eines oder einiger selbstherrlich auftretender „Notabler“ — eine im jüdischen Assimilationsghetto oft recht protzig und anmaßend auftretende Erscheinung, die bei freien Völkern unbekannt ist — eine von der Partei gewählte und der Partei verantwortliche Behörde stellt. Indem diese Bestimmung aber auch das Zentralkomitee und somit den ganzen westösterreichischen Landesverband allen anderen jüdischen und jüdischpolitischen Organisationen — 'somit auch dem Jüdischen Nationalverein — gegenüberstellt, schafft sie streng geordnete Wirkungskreise und nur Unverstand oder Uebehvollen können behaupten, daß durch dieses Statut eine „Verquickung des Zio-