Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 47 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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S8SS;JUDJ5CHE5 ORGAN JÜDISCHE ZEmiNG ■ Erscheint wöchentlich. — Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Liechtensteinstraße 11, Telephon 12299. — Sprechstunden ■ _ tätlich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. — Manuskripte werden nicht zurückgestellt. — Abonnementspreise: Für Oester- _ “ reich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. R 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Für Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 3.—, Vierteljahr. ■ Mk. 3.—. Für das übrige Ausland: Ganzjähr. Frcs. 15.—. Einzelexemplare 20 h. Postsparkassenkonto 104.067. ■ Nr. 47 Wien, Freitag, den 24. November 1911 V. Jahrgang Grobe Maltäabäerleier der zionistischen Korporationen unter Leitung des I. 6. Distriktskomitees. 12. Dezember 1911, in den Sofiensälen. UebersieOlungssRnzeige! Am 28. November übersiedelt die . Jüdische Zeitung“ in ihre eigenen Lokalitäten in das Jüdische Volkshefen. Wir ersuchen alle für die „Jüdische Zei-. tung bestimmten Sendungen ausschließlich an folgende Adresse zu richten: „Jüdische Zeitung“ Wien, II., Stefaniestraße Nr. 12. Rundschau. Zionistischer Verband ehemaliger Rhademiher. Donnerstag den 16 d. M. wurden in einer stark besuchten Versammlung die vom vorbereitenden Komitee verfaßten Statuten durchberaten und genehmigt. Da sie bereits den Behörden überreicht sind, wird die neue Organisation bereits in wenigen Wochen ihre Tätigkeit aufnehmen können. — Die Gründung des Verbandes, der sich über die ganze Monarchie erstreckt, ist für die weitere Entwicklung der zionistischen Bewegung in Oesterreich von größter Bedeutung. Nach schwacher Schätzung dürften bis heute 1500 zionistische Hörer die österreichischen Hochschulen verlassen haben. Sie leben als Aerzte, Advokaten, Ingenieure und Angehörige anderer Berufe in Wien und der Provinz. Sie repräsentieren an Intelligenz, moralischen und wirtschaftlichen Einflüssen einen Grund - stock, dessen sich eine andere Partei kaum rühmen kann. Bisher konnte die Kraft, welche dieses Element in sich birgt, nicht recht zum Ausdruck gelangen, weil die Organisation fehlte. Meist isoliert, jeder Anregung entbehrend, konnte der im Berufe stehende zionistische Akademiker auch beim besten Willen der Bewegung, der Partei nicht das bieten, was er ihr auf Grund seiner Gesinnung und Erziehung schuldet. Der Verband hat es sich als vornehmste Aufgabe gestellt, seinen Mitgliedern, und zwar a 1- 1 e n Mitgliedern ein Tätigkeitsfeld zu schaffen. Diese Aufgabe ist gewiß eine schwere und erfordert die ganze Kraft ganzer Männer, aber ein Umstand wird ihre Durchführung erleichtern. Das Menschenmaterial dieser neuen Organisation kann günstiger nicht gedacht werden. Vom Bildungsgrade und der sozialen Stellung ganz abgesehen, sind die Männer, welche den Verband bilden sollen, aus der besten Parteischule hervorgegangen. Die meisten von ihnen haben sich zu Zeiten der Bewegung angeschlossen, als die heftigsten Kämpfe mit der. assimilatorischen Gegnerschaft zu führen waren, zu Zeiten, da die Bewegung ihren Anhängern die härtesten Opfern auf - erlegte, aber ihnen auch die größte innere Befriedigung' gewährte. Es ‘ist" als gewiß anzunehmen, daß sie ausnahmslos dem Rufe der neuen Organisation zur Arbeit für unsere Partei freudig und willig folgen werden. Deutfdiliberale Sittenreinheit. Eei den letzten Reichsratswahlen in der Lcopoldstadt haben die deutsch und fortschrittlich denkenden Juden sich nicht auf einen Kandidaten einigen können, sondern haben, in zwei Heerlager gespalten, einerseits dem Dr. Ofner, anderseits dem uemeinderate Dr. Mittler Gefolgschaft geleistet. Der Kampf, der sich nun zwischen diesen beiden liberalen Wahlwerbern gleicher Parteirichtung entspann, mußte sich notgedrungenerweise auf das Gebiet des rein persönlichen beschränken, da ja prinzipielle Unterschiede nicht vorhanden waren. So artete denn der Wahlkampf auch wirklich in eine persönliche Katzbalgerei ärgster Sorte aus, ln deren Verlaufe ganz niedliche Intimitäten ans Tageslicht gezerrt wurden. Wenige Tage vor der Wahl rückten die Ofnerianer mit dem Hauptschlager heraus. In Versammlungen und Zirkularen erklärten sie, Herr Dr. Mittler, Hof- und Gerichtsadvokat und liberale Zierde des Wiener Gemeinderates, habe sich in seinem BerufslebenderartigeHandlungcn zuschulden kommen lassen, daß er das Recht aut' W erbung um ein öffentlichesAmt verwirkt habe. Die Mittlerianer bezeichneten gleichfalls in der breitesten Oeffcntlichkeit die beteiligten Ofnerarihänger als ehrlose Verleumder. Von beiden Seiten wurde geklagt und die Wählerschaft pompös darauf vorbereitet, daß im Gerichtssaale die Angelegenheit endgiltig äusgetragen würde. Inzwischen wurde Herr Dr. Ofner gewählt und dieser Tage haben sich die Helden aus beiden Lagern im Gerichtssaale — ausgeglichen. — Dieser Vorgang ist charakteristisch. Ist der Gemeinderat Doktor Mittler schuldig, dann ist es unbegreiflich, wie seine Kollegen von der Ofnerpartei mit ihm in einem gemeinderätlichen Klub sitzen durften, daß sie, denen seine Vergangenheit nach eigener Aussage so lang und gut bekannt ist, erst zu Wahlzweeken mit der Wahhheit herausgerückt sind. Es ist unbegreiflich, wie sie mit einem solchen Manne Ausgleiche schließen können und ihn auch weiterhin als Vertreter ihrer freisinnigen Wähler im Gemeinderate dulden. Es schaut ganz so aus, als ob die Herren mit ihren Angriffen auf Dr. Mittler nicht die öffentliche Moral hüten, sondern nur ihren Apostel Ofner von einem unangenehmen Gegenkandidaten befreien wollten. Nachdem Herr Doktor Ofner gewählt ist, scheint ihnen die öffentliche Moral höchst schnuppe geworden zu sein. Was wiederum den Anhang des Herrn Dr. Mittler betrifft, so muß es sehr peinlich berühren, daß die Herren stillschweigend aur jede öffentliche Zurückweisung der „ehrlosen Verleumdungen", die wider ihren Führer und ihre Gruppe erhoben wurden, verzichten und sich im stillen Kämmerlein ausgleichen. Bisher haben sich die Wiener Liberalen ihrer reinen Hände gerühmt und diese reinen Hände waren auch so ziemlich das einzige, was sie vor den Christlichsozialen voraus hatten. Jetzt aber läßt der Ofner-Mittlerstreit und sein feiner Ausgleich „unter Ausschluß der Oeffentlichkeit“ die liberale Moral in einem neuen und nicht sehr günstigen Lichte erscheinen. Rmeriftanildie Geistliche lue die pussilcben Juden. Aus New- York wird gemeldet: Ein vereinzelt dastehendes Ereignis hat New-York zu verzeichnen: Am 30. Oktober haben sich über 4C0 Geistliche aller Sekten unter dem Ehrenvorsitz des Bischofs Courtnev in der Assembly is^ Mode Neueste für den Herbst K 12.50, K 16.50 IV., Rainerplatz 3 I., Rotenturmstraße 12 VL, Mariahilferstraße 47.