Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 45 (10.11.1911)
- Date
- 1911-11-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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i Nr. 45 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 zur Organisation erschienen waren, um ihre Bereitwilligkeit zu erklären, ihre Kraft in den Dienst unserer Sache zu stellen. Der Beweis ist nunmehr erbracht: Die 1000 Stimmen, die uns der letzte Wahlkampf gebracht hat, sind nicht etwa die Folge einer günstigen Konjunktur, oder der Zufälligkeiten, des launenhaften Wahlglückes gewesen! Das Wahlresultat ist nur ein Ausdruck der starken Position gewesen, die unsere Partei im Bezirke bereits inne hat. Und der „Jüdische Volksverein“ stellt schon heute, noch ehe seine formelle Konstituierung erfolgt ist, -die bedeutendste politische Organisation der Leopoldstadt dar. Und noch ein erfreuliches Moment hat diese Versammlung aufgezeigt: Unsere Anhänger gewinnen mit der Festigung der Organisation ar. Parteidisziplin. Wenn wir es bisher zu beklagen hatten, daß unsere (Versammlungen infolge unserer Desorganisation und Disziplinlosigkeit gar oft gerade durch unsere eigenen Leute gestört wurden, so muß in dieser Beziehung besonders auf den ruhigen Verlauf und auf den guten Kontakt zwischen der Leitung und den Teilnehmern tder Versammlung hingewiesen werden. Die zunehmende Disziplin zeigte sich auch darin, daß unsere "Anhänger pünktlich zur Stelle waren, sodaß, wie erwähnt, der Saal um 8 Uhr als der festgesetzten VersammluAgsstunde, bereits vollständig gefüllt war. Diese Momente, so äußerlich sie auch manchem erscheinen werden, sind für unsere weitere Arbeit — insbesondere in den erregten Wahlzeiten — von großer Bedeutung. Den Vorsitz in der Versammlung führte Gg. Hermann A p s 1 e r, das Referat über „die politische Situation in Oesterreich“ erstattete Gg. Ing. Stricker, der bei seinem Erscheinen mit stürmischen Beifall begrüßt wurde — womit die Versammlung wohl ihren Dank für die mühevolle und aufopfernde Agitationsarbeit, die der Referent in der letzten Wahlkampagne geleistet hat, zum Ausdruck bringen wollte. Die Ausführungen' des Referenten, der ein jjlastisches Bild der ungesunden politischen Lage in Oesterreich entwarf, wurden wiederholt von Zustimmungskundgebungen seitens der Anwesenden unterbrochen und die Aufforderung zu einer positiven nationalpoiitjschen Betätigung der Juden mit großem Jubel aufgenommen. . Unter dem lebhaften Beifall der Zuhörer sprach sodann Gg. ,Dr. Plaschkes über das Programm unserer Organisation. Besondere Begeisterung erweckte die Mitteilung, daß im Zentrum unseres Bezirkes ,in den nächsten Tagen das J.üdis.ch.e V.o.lk sh e.i.m. eröffnet werden soll und im Laufe dieses Monates die Institutionen des Rechtsschutzbureaus, einer Volkslesehalle und einer V o 1 k s b i b I i ot h e k aktiviert werden. In der derauffolgenden Debatte sprach zunächst Gg. Dr. Weisengrün, der durch Apostrophierung der im Saale anwesenden Sozialdemokraten Bewegung in die Versammlung brachte. Als dann ein sozialdemokratischer. Redner den Versuch 'machte, die Haltung seiner Partei gegenüber der österreichischen Nationalitätenfrage und insbesondere gegenüber der Anerkennung der jüdischen Nationalität zu rechtfertigen, wurde er ,von Gg. Ing. Stricker kurz, aber treffend abgefertig.t. Der Aufforderung zum Beitritt in den Volksverein, mit der Gg. A p s 1 e r die Versammlung schloß, ist der größte Teil der Anwesenden gefolgt und so bedeutete diese Veranstaltung eine neuerliche wesentliche Stärkung unserer jungen, aber lebenskräftigen Organisation. Rus dem judifchen Leben. Die tripolitaiTschen Juden und der Krieg. Die vpn der „Agenzia Stefani“ gebrachte Mitteilung, daß der Großrabbiner von Tripolis -nach Rom telegraphiert habe, er begrüße die .Okkupation durch die Italiener, beruht auf freier Erfindung. Nach absolut zuverlässigen Informationen hat der Großrabbiner der Türkei, Haim Nahum in Konstantinopel, erklärt, daß die Meldung schön deshalb völlig unzutreffend sei, weil es weder'., fn (Tripolis noch in Benghasi einen Großfäbbiner gibt. Diese Posten sind seit langer Zeit unbesetzt. Es fanden in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen den jüdischen Gemeinden dieser beiden Städte und dem Großrabbinat über die Besetzung beider Rabbinate statt. Aber diese Verhandlungen haben noch kein Ergebnis, gezeitigt.' Wenn es wahr 'ist, daß der Präsident der jüdischen Gemeinde in Rom ein derartiges Telegramm erhalten hat, wie die „Agenzia Stefani“ behauptet, so kann, es sich nur um das. Werk eines Fälschers handeln.- Kein Rabbiner,' fügte der Konstantinopeler Großrabbiner hinzu, würde eine solche Schändlichkeit begehen, selbst wenn sein Leben bedroht wäre, da er wissen müßte, daß er nach'-unserem., religiösen Gesetz mit dem Bann' belegt werden -würde. Eine patriotische Kundgebung der Jaffaer ottomanischen Judenschaft. Jafff a. Auf Veranlassung des Herrn S. D. Levontin, Direktors der Anglo-Palestine Company, fänd in der hiesigen sephardischen Synagoge „Kehillath Jakob“ am (15. Oktober 1. J. ein Bittgottesdienst für das Wohlergehen des Sultans und den günstigen Ausgang des türkisch-italienischen Krieges statt. Der Kommandant der Jaffaer Garnison, Izzet bey, der Kaimakam, die Mitglieder des Komitees „Einheit und Fortschritt“ und die Spitzen der Jaffaer Gesellschaft wohnten der Veranstaltung bei. Chacham Simon hielt eine hebräische, Dr. Moyal eine arabische und Herr Abravava eine türkische Ansprache. Oberrabbiner Kuk richtete an die Ver-; sammelten den Appell, die vaterländischen Interessen auch durch Beisteuer zu den Kosten der Landesverteidigung zu fördern. Hierauf wurden in feierlicher Weise fverschiedene Psalmen, sowie spezielle Gebete für die Wohlfahrt des Heeres und aller Bürger des ottomanischen Reiches vorgetragen! Die Oeffnung der heiligen Lade vollzog der Kommandant der Garnison. Dieser sprach zum Schluß der jüdischen Gemeinde den Dank der Heeresverwaltung aus und hob die musterhafte vaterländische Gesinnung' hervor, die die ottomanische Judenlieit zu allen Zeiten bekundet hat. Er ermahnte die Angehörigen der verschiedenen Bekenntnisse zum gegenseitigen Einvernehmen unü zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe in diesen bewegten Zeitläuften. Hebräertag fn Lemberg. Der von der Organisation für hebräische Sprache und Kultur und vom Hebräischen Schulverband in Galizien veranstaltete Hebräertag findet in Lemberg am 10. und 20. d. M. mit folgender Tagesordnung statt: I. Tag: Sonntag, den 19. November, um 11 Uhr vormittag: 1. Begrüßung: Dr. Philipp Korngrün. 2. Die hebräische Kultur in Galizien und der Bukowina in den letzten Jahrzehnten. Referent: iDr. Osias Thon (Krakau). Nachmittagssitzung: 1. Organisation der Hebräer Galiziens und der Eukowina. Referent: Dr. Israel Rath. 2. Die hebräische Volkserziehung. Referent: Dr. Ch. Tartakower. 3. Debatte und Anträge; Abends: Freundschaftliche Zusammenkunft. II. Tag: Montag, den 20. November, um 10 Uhr vormittag: 1. Der heutige Stand der hebräischen Schulen. Referent: Dr. David Klinghofer. 2. Existenzsicherung der hebräischen Schulen. Referent: Dr. Moses Feuermann. 3. Die . hebräischen Kindergärten und das Lehrerseminar. Re'erent: Raphael Soffermann. 4. Anträge. Nachmittagssitzung: 1. Rechenschaftsbericht d. hebräischen Schuivereins. Referent: Dr. Philipp Korngrün. 2. Generaldebatte. 3. Anträge und Interpellationen. 4. Wahl der neuen Leitung. Abends, den 20. November, große Volksversammlung, zu der die Herren Dr. Schemarjahu Lewin und Kurt Blumenfeld aus Berlin als Redner angemeldet sind. Nach dem Meeting: Festbankett. ParteisNachpichten. NFKommission für Innerösterreich. Am 1. November d. J. fand die erste Sitzung der Vereins-Kommissäre des JNF. unter dem Vorsitz des Distrikts-Kommissär statt. Als wichtigster Beschluß wäre die Gründung von Share- Klubs in sämtlichen studentischen Korporationen zu erwähnen. Es wurde ferner unter anderem angeregt, die Zentralisierung des Büchereinkaufes der zionistischen Studenten bei einem Buchhändler, welcher dem NF. einen Rabatt zu gewähren hätte, vorzubereiten, und so das Rabattsystem, das in einigen Städten Galiziens bereits besteht, auch in Wien einzuführen. 'Man darf von der regelmäßigen Zusammenkunft der Vereinskommissäre, die in ihren Korporationen die Sammlung für den NF. und alle anderen zionistischen Zwecke zu organisieren haben, eine bedeutende Steigerung der Eingänge des JNF. und der übrigen Institutionen erwarten. Die nächste Sitzung findet Dienstag, den 14. November, 8 Uhr abends, im Bureau des JNF., IX., Türkenstraße 9, statt. Entwurf des neuen Organisationsstatuts für Westösterreich. Der vom Gg . Dr. Emil M a r g u 1 i e s abgefaßte Entwurf eines neuen Organisationsstatuts für Westösterreich gelangt in der nächsten Nummer der „Jüdischen Zeitung“ zum Abdruck, womit eine öffentliche Diskussion über dense’ben eingeelite twird. Den Delegierten des a.-o. Distriktstages für Innerösterreich wird der Entwurf anfangs nächster Woche als Sonderabdruck zugeschickt. Mitteilungen des i.-ö. D.-K. Außerordentlicher Distriktstag. Der a.-o. i.-ö. Distriktstag findet Samstag, den 18. November, präzise halb 8 Uhr abends, int Saale, IX., Türkenstraße 9, satt. Tagesordnung: Stellungnahme der zion. Korporationen des Distriktes zur westösterr. Organisationsfrage. Das Referat wird der Präsident des zion. Zentralkomitees, Gg. Adolf Böhm, erstatten. Die Verhandlungen sind öffentlich. Vertretungs- und stimmberechtigt sind die Delegierten jener Vereine, welche den Bestimmungen der §§ S und 9 des Distriktsstatuts entsprochen haben. Die Vereinsleiter werden ersucht, die Namen und Adressen der Delegierten dem D.-K. rechtzeitig bekanntzugeben. Makkahr afeicr dfr zron. Korporationen Wiens. Exekutivkomitee-Sitzung. Freitag, den 10. November, präzise 8 U*!r abends, findet im Saale, IX., Türkenstraße 9, eine Sitzung des Exekutivkomitees für die diesjährige Makkabäafeier statt. Die Vereinsleitungen werden ersucht, je zwei Mitglieder ihrer Korporation zuverläßlich zu dieser Sitzung zu delegieren. Tagesordnung: 1. Konstituierung des großen und engeren Exekutivkomitees; 2. Festsetzung des Programmes der Makkabäafeier: 3 . Komiteeabend. Die Delegierten werden gebeten, eine Namensliste der Sänger ihrer Vereine mitzubringen. Die zion. Sänger und Sängerinnen, die bereit sind, anläßlich der Makkabäafeier im Chor mifzuw:rken, werden gebeten, Montag, den 13. November, präz. 8 Uhr abends, im Saale, IX., Türkenstraße 9, zu erscheinen. Hebräische Sprachkurse. Die am letzten Montag bereits eingeteilten Kurse finden zur vereinbarten Zeit provisorisch im Büro des D.-K., IX., Türkenstraße 9. statt. Der Gesamtstundenplan wird in der nächsten Nummer veröffentlicht. Vepeinsnadipidrten. Jüdischer Volksverein für die Leopoldstadt. Am Montag, den 13. d., um 8</e Uhr abends, findet im Souterrainlokale des Cafe DC o h a n, II., Untere Augartenstraße 2b, eine V ertrauensenänner-Sitzung statt. Die Mitglieder und Vertrauensmänner werden ersucht, zuversichtlich zu erscheinen. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler. Donnerstag, den 16. d. M., -8 Uhr abends, findet im Cafe Marienbrücke (Herz) eine Beratung über den von den Proponenten vorzul'egenden Statutenentwurf statt. Die Gesinnungsgenossen, welche dem Verbände beizutreten beabsichtigen, werden um ihr Erscheinen gebeten. Besondere Einladungen werden nicht versendet. Für die Einberufer: Dr. Jakob Ehrlich. Wien. (Verein „Theodor Herz I“, II., Stephaniestr. 12, Jüdisches Volksheim.) S a m st a g, den 11. November Ludwig B a t 6: „Die Juden in Italien“. Dienstag, den 14. November Eb. Oswald L ö b 1: „Koheleth samt Midrasch“. Mittwoch, den 15. November Bb. Arnold Friedmann: Zionistisches Seminar I. „Moses Hess“. Freitag, den 17. November J ü d i s c h-V o r 1 e s u n g. Sa m s t a g, den 18. November Leo Chasanowicz: „Das innere Kolonisationsproblem und die Judenfrage“. Die Vorträge beginnen pünktlich um 7> ( Uhr abends. Ort bis auvf: weiteres, IX., Türkenstraße 9. Gäste herzlich willkommen! Wien. (N e ß Ziona.) Dienstag, den 14. d. M., präz. 8 Uhr abends, im Industriecafe (früher Cafe „Concordia“), I., Concordiaplatz (Souterrain). Vereinsabend. Referat: „Die wes tost. Organisationsfrag e“. Referent: Gg. Ing. Julius G r o a g. Gäste herzlichst willkommen. Wien (Zionist. Mädchenverein „Moriah“.) Montag, den 13. d., halb 8 Uhr abends, findet im Lokale des Zionistischen Zentralvereines ein insbesondere für Hospitantinnen und jüngere Mitglieder bestimmtes einleitendes Referat über „Zionismus und seine Entwicklung“ statt. Anschließend Diskussion. Frauen und Mädchen als Gäste herzlich willkommen. Wien. (Vortragszyklus der Lese- und Redehalle jüdischer HÖchschüler in Wien, IX. Bez., Müllnergasse 35.) Der nächste Vortrag findet Samstag, den 11. November, präzise 7 Uhr statt. Thema: Der Herzische Zionismus. Vortragender: Herr Simon Braunstein. Gäste willkommen! Wien (Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler in Galizien.) Donnerstag, den 16. November findet im Saale des Zionistischen Zentralbureaus, IX., Türkenstraße 9, um 7 Uhr abds., die diesjährige ordentliche Generalversammlung statt. Wien. (Hebr. Konversationsklub „Iwriah“.) Samstag, den 11. d. wird vom Gg. Nagler eine Diskussion Tiber „Bedeutung des hebr. Dramas“ eröffnet. Gäste willkommen. Wien („Hat’chijah“, akad. Vereinigung für hebr. Sprache und Kultur.) Montag, am 13. November,’ um halb 8 Uhr abends, findet im Cafe Liechtenstein (Souterrain-Lokal) ein literarischer Abbnd zu Ehren des verstorbenen hebr. Schriftstellers Ber schadski. Referieren wird: Bb. phit. N. M. Gelber. Gäste willkommen.