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Jüdische Zeitung · 1911-11-03 · 44 (3.11.1911) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
44 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 großen Kulturwerten, die das jüdische Volk der Menschheit geschenkt habe, verbinden und ein Geschlecht schaffen, das fest im Eigenen wurzelnd, undnicht angekränkelt sei von jener Wurzellosigkeit, die in das Milieu des Hauses Wertheim führe und zum Ausbeutungsobjekt von Schmarotzern mache, die in ihren eigenen Kreisen deklassiert seien. Das Judentum stehe vor einer ernsten Entscheidung;- es. kann nur den Weg gehen, den der Zionismus empfiehlt, oder den Weg — den Frau Wertheim gegangen ist. Salomon Reinachs Demission. Aus Paris wird der „N. J. K.“ berichtet: Unmittelbar vor der jüngsten Zentralkomiteesitzung der Alliance Israelite Universelle vom IS. Oktober d. J. hat Salomon Reinach seine Stelle als Vizepräsident der Alliance niedergelegt. Dies war wohl ein taktischer Schachzug seitens der Pariser Herren, um durch ein scheinbares „Entgegenkommen“ die nichtfranzösischen Mitglieder des Zentralkomitees für die Abschaffung der allgemeinen Wahlen und Einführung des Kooptationssystems gefügiger zu stimmen. Wie wenig sich die Pariser Machthaber in Wirklichkeit um die öffentliche jüdische Meinung, die einmütig den Rücktritt Reinachs forderte, kümmern, beweist die Tatsache, daß Reinach weiterhin Mitglied des Zentralkomitees der Alliance bleibt. EarteisNachpichten. Mitteilungen des-i.-ö. D.-K. An die Vereinsleiter der zion. Organisationen Wiens. Montag, den 6. d. M;., präz. 8 Uhr abends, findet im Salle, IX., Türkenstraße 9, eine wichtige- Besprechung statt, zu der hiemit sämtliche Vereinsleiter eingeladen werden. Gegenstand der Beratungen bilden der außerordentl. Distriktstag, der III. Zionistentag und die Makkabäafeier (Delegierung ins Exekutivkomitee). Die Herren Vereinsleiter werden ersucht, zuversichtlich zu erscheinen' und die Mitgliederlisten mitzubringen. Hebräische Sprachkurse. In den. vom' i.-ö. D.-K. veranstalteten Sprachkursen wird der Unterricht mit Beginn der nächsten Woche aufgenommen. Die angemeldeten Teilnehmer werden ersucht, Montag, den 6. d., halb 7, Uhr abends, sich zu einer im Saale IX.V Türkenstraße 9, stattfindenden Besprechung einzufinden, bei der 'der Stundenplan festgesetzt wird-ünd die näheren Bedingungen für die Teilnahme .an den Kursen bekanntgegeben werden. Parteisteuer 1911. Die Vereine, die mit der Entrichtung der Parteisteuer noch im Rückstände sind, werden aufgefordert, dieselbe umgehend an der Kassa des i.-ö. D.-K., IX., Türkenstraße 9, zu erlegen. Saalvermietung; IX., Türkenstraße 9. Das i.-ö. D.-K. gibt den jüd. Vereinen Wiens bekannt, daß die Vermietung des Saales IX., Türkenstraße 9, zu Versammlungs- und Sitzungszwecken lediglich durch das Büro der NF.-SamL melstelle erfolgt, bei dem die diesbezüglichen Ansuchen in den Amtsstunden rechtzeitig eingebracht werden müssen. Todesfall. Montag verschied hier nach langem1 Leiden ein eifriger Gesinnungsgenosse, Herr Rudolf Helfgott, 21 Jahre alt. Der tiefbetrübten Familie des jungen Mannes wendet sich. die allgemeine Teilnahme zu, welche auch bei dem am Mittwoch stattgefundenen Leichenbegängnis zum Ausdrucke gelangte. Die neujüöiiche Kultupentwichlung in Palästina. (Vortrag des Prof. Dr. Ben-Zion Mossinsohn, gehalten im „Zion. Zentra 1 verein“ in Wien am 23. Oktober 1911.) I. Geehrte Versammlung! Ich muß Sie zunächst um Entschuldigung wegen meiner nicht ganz korrekten Ausdrucksweise in der deutschen Sprache bitten. Weit lieber würde ich hebräisch sprechen, nicht allein, weil mir das leichter fiele, sondern deshalb, weil Sie viel mehr Palästinensisches aus meinem Vortrag heraushören und herausfühlen würden. Ich will heute nicht von den Geschehnissen in Palästina reden. Darüber ist in der letzten Zeit viel gesprochen und noch mehr geschrieben worden. Ich will vielmehr das dortige alltägliche Leben so schildern, wie es ist und versuchen, das zu zeigen, was in Palästina geschaffen wurde und was wir Juden dort noch schaffen können und schaffen müssen. Denn uns interessiert Palästina -vornehmlich als das Land, in welchem die Judenfrage gelöst werden kann und gelöst werden soll. Palästina ist bekanntlich ein Teil des türkischen Reiches und wenn wir von der Zukunft Palästinas sprechen, müssen wir stets mit der Türkei und ihren Verhältnissen rechnen. In der letzten Zeit war viel von dem Verhalten der Türkei zu unseren Bestrebungen die Rede. Wie stellt sich nun di; Türkei zu unserer Bewegung und was hat diese von ihr zu erwarten? Kenner der Verhältnisse müssen sich sagen, daß die türkische Nati o n keine nationalen Interessen in Palästina hat. Wenn schon ein Interesse des türkischen Reiches an Palästina existiert, so ist es ein solches der türkischen Regierung und das ist ein wichtiger Unterschied. Denn gegen nationale Interessen ist schwer anzukämpfen, gegen Regierungsinteressen fällt das schon leichter. Nun stehen die Türken in zahlreichen Kämpfen mit den sie umgebenden kleinen Nationen und wären froh, sich in diesen Kämpfen behaupten zu können. Sie träumen daher nicht einmal davon, in der nächsten Zeit ihre Kräfte auch über Palästina auszudehnen. Palästina ist aber ein Land, das durch den Ausbau der Eisenbahnen täglich den großen Kulturzentren näherrückt. Die großen Hauptlinien der bestehenden und im Bau begriffenen Eisenbahnlinien verbinden es mit drei Weltteilen und es ist nicht denkbar, daß ein solches Land länger unkultiviert bleibt. Eine Aenderung können aber die schwachen Kräfte der Türken nicht herbeiführen. Für diese Aufgaben kämen daher noch die Araber, die europäischen Mächte oder die Juden in Betracht1. Den Arabern kann jedoch -diese Mission nicht zufallen. Sie sind ohne Zusammenhang untereinander, sie sind nicht homogen, sondern bilden vielmehr ein Konglomerat aller Völker, die durch Palästina gewandert sind. Dazu kommt, daß es der türkischen Regierung nicht so angenehm wäre, wenn die Araber die Kultivierung Palästinas in ihre Hände: nehmen würden. Viele Politiker haben schon darauf mit Recht hingewiesen, daß die Macht der Türkei in Palästina zu bestehen aufhören würde, wenn die Araber das Land kultivierten. Die europäischen Mächte wiederum können heute in Palästina nichts unternehmen, weil jede Macht die andere zu viel überwacht. Es ist daher rm Interesse,der Türkei jeinzig (gelegen, wenn die Lösung der Frage durch die Juden erfolgt, die sich dort allmählich zusammenfinden und die Kultivierung des Landes in Angriff nehmen. Alle Gefahren, di; Palästina für die türkische Regierung in sich birgt, fallen' bei dieser Möglichkeit fort. Wenn behauptet wird, daß die Türken doch dagegen sind, so ist das unrichtig. Es hat unter dem früheren Sultan Abdul Hamid einen Augenblick' gegeben, wo wir tri Palästina viel hätten schaffen können, er wurefe aber verpaßt Auch nach der türkischen Revolution wurde ein günstiger Moment für unsere Bestrebungen nicht ausgenützt. Eine Abneigung der türkischen Regierung gegen unsere Arbeiten in Palästina besteht heute nicht. Wenn einige Politiker, gegen uns auftreten, so steht di; türkische Regierung nicht hinter ihnen. Wenn Ungünstiges über das Verhalten derselben in der Palästinafrage in der letzten Zeit verlautete, sodürfen wir nicht vergessen, daß in jenen Blättern zu lesen war, die immer nur das hervorheben, was gegen den Zionismus spricht, und immer das unterlassen, was er für sich anzuführen vollste Berechtigung hat. Die maßgebende türkische Presse ist in den Händen unserer Volksbrüder, die uns feindlich gegenüberstehen und diese Tatsache beleuchtet die Kampagne in der Presse anläßlich der berühmten Kammerdebatte über den Zionismus in bezeichnender, nicht mißzuverstehender Weise. Sollte sich dennoch die türkische Regierung gegen uns offen aussprechen, so haben wir doch nicht den Mut zu verlieren. Denn die Erreichung unseres tndzieles hängt nicht von dem momentanen Willen der einen oder anderen Partei ab. Wir haben vielmehr mit Tatsachen zu rechnen, die in den derzeitigen Verhältnissen der Türkei fest begründet sind. Für mich und für alle im Lande ist die Frage: Was wollen die Türken? nicht so wichtig, als die Frage: Was wollen di; Ju den? Denn von ihnen allein hängt alles ab. In dem Augenblick, wo das jüdische Volk seinen festen Willen ausdrücken wird, werden viele Freunde in der Türkei, ihre Stimme für uns_ erheben * und die öffentliche Meinung wird darüber aufgeklärt werden, daß die Lösung der Palästinafrage'identisch ist mff der Lösung der Judenfrage. Legen wir uns nun die Frage vor, ob wir das Material für die Besiedlung Palästinas haben und ob alle Juden in Palästina sich ansiedeln können. Wir können beide Fragen ruhig bejahen. Man weist immer auf die mißglückten Versuche jüdischer Kolonisation außerhalb Palästinas hin und vergleicht sie mit unseren Bestrebungen. Das ist aber ganz falsch. Die Ungeheuern Geldsummen, die zum Beispiel für die Kolonisation in Argentinien aufgewendet wurden, waren bei der schlechten Organisation vergebens ausgegeben. In Palästina bestehen viel günstigere Bedingungen für unsere Arbeit. Das hat am besten das rasche Aufblühen unserer Kolonien bewiesen. Es hat deutlich gezeigt, daß das, was der ersten Generation schwer fiel, der zweiten schon leichter war und bei der dritten werden die Schwierigkeiten ganz geschwunden sein. Alle bisherigen Erfolge haben wir außerdem mit geringen Kräften zustande gebracht. Wenn man .von der jüdischen Volksau flebung in Palästina spricht, so rechnet man immer mit den hunderttausend Juden, die dort wohnen, zieht aber nicht in Betracht, daß etwa siebzigtausend Juden auf das Passivum unserer Rechnung zu setzen sind. Diese kommen nach Palästina, um zu sterben und dienen der Volksauflebung gar nicht. Wir können etwas nur von den Juden erwarten, die hinkommen, um zu leben und namentlich von deren Kindern. Sehen wir uns^die Kolonien an! Zum erstenmal sehen wir Juden bei der Landwirtschaft; eis ist erwiesen, daß die Juden zum Boden zurückkehren können. Kolonien gibt es auch außerhalb Palästinas; diese haben sich aber nicht ganz bewährt, weil die Juden in mancher Beziehung zur Landarbeit nicht taugen. Im Goluth geht die Bewegung vom Dorf zur Stadt. Wir aber wollen den Juden zum Boden zurückführen; hier ist eine innere Kraft nötig, um ihn mit dem Boden verwachsen zu machen, und diese fand sich in Palästina. Noch jetzt, wenn wir zwischen den Bergen Judäas und Galiläas wandern, wenn wir Ueberreste der alten Terrassen sehen, so erkennen wir: Hier war dereinst ein Arbeits-, ein Muskelvolk. Jeder Jude, der jetzt nach Palästina kommt, mit seinen erschlafften Muskeln, fühlt atavistisch die Kraft, diesen Boden wieder zu bearbeiten und sein Leben von ihm zu ziehen. Selbstverständlich ging diese Entwicklung nicht leicht. Die erste Generation hat halb und halb gearbeitet, die zweite war schon mehr mit dem Boden verwachsen, di; echte jüdische Kolonisationsarbeit haben wir aber erst in der dritten Generation. Wenn man in diese jüdischen Kolonien kommt, hat man zuerst das Gefühl der Ruhe: es ist die Ruh; der Seele, die Jahrtausende lang wandelte, einen Platz zu finden. Man spricht uns Juden oft die Fähigkeit zur Staatenbildung ab; das ist nun „wissenschaftliches“ Schlagwort geworden. Die Juden in Palästina haben gezeigt, daß auch dies eine 'Konventionelle Lüge ist. Die Kolonisten haben keine staatliche und polizeiliche Aufsicht. Wenn sie sich ihrer Abgaben entledigt haben, sind sie frei in ihren inneren Angelegenheiten. Die Verwaltung führt ein frei gewähltes Komitee; und doch, welche Ordnung und Ruhe. Mehr als irgendwo zeigten die Juden, daß Macht nur beistehen kann auf der moralischen Verehrung der s^lbstgewähjten Autorität. Spenden für das Jüdische Volksheim in der Leopoldstadt. II. Ausweis. Kais. Rat Carl Hirsch K 100.—, Adolf Böhm K 20.—, Sammlung Barber bei Versammlung Mossinson K 20.—, Dr. M. Jerusalem K 10.— Dr. Alfred Löwy K 10.—, Julian Oschery K 10.—, Bela Reschovsky K 10.—, Adolf Freiwillig K10, Dr. J. H. Körner K 10.—, Dr. Max Grundwald K 5.—, Daniel Pollacsek K 5.—, Gustav Waldmann K 5.—, Dr. Benno Schallinger K 5.—, Fritz Allina K 5.—, Gustav Jakob K 5.—, Sammlung Wassermann K 5.50, Dr. L. Ruß K 2.—, Abr. Schwadron K 2.—, Leopold Stiaßny, Zlin K 2.-, Josef Fried K 2.—, Ed. Mahler Kl.-; Summe K 244.50, bereits ausgewiesen K 352.92. Zusammen K 597.42. Sammlung für Dröhobycz: Gamalah, Slg. 5S3: K 27.—, Dr. E. Stein, Slg. 290: K 73.-, Fr. Plaschkes K 1.—, D. Berl, Wien II. K 20.—, L. Ehrlich Slg. 3.—. VeremsnatiiFHbteiv. Wien. „Die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“, IX., Müllnergasse 35, beabsichtigt die Abhaltung eines Vortragszyklus, in dem die Geschichte und die Grundtheorien des Zionismus und des jüdischen Nationalismus behandelt werden sollen. Der Zyklus wurde am 28. Oktober mit dem Kongreßreferate des Herrn Jakob Landau eröffnet. Der nächste Vortrag findet am Montag, den 6. November, halb 8 Uhr abends in der Halle statt. Thema: Der Zionismus vor Herzl. Vortragender : Herr Samuel Rubin. Gäste willkommen. Wien. (Zionistischer Mädchenverein „Moriah“.) Montag, den 6. November, um halb 8 Uhr abends, findet im Lokale des „Zionistischen Zentralvereines“, IX., Türkenstraße 9, ein Referat über Ch. N. Bialik, sowie eine Vorlesung aus seinen Dichtungen statt. Frauen und Mädchen als Gäste herzlich willkommen. Brünn. (Jüd.-akad. Verbindung „Veritas“.) Chargenwahlen für das Wintersemester 1911 — 1912: Chem. Robert Neumann*, ing. Oskar Woliner ** F *, chem Arthur Weiß ***/

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