Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 39 (29.9.1911)
- Date
- 1911-09-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. '39 Bücherschau. «• Heinrick Loewe, Die Sprache der Juden. Preis broscn. Mk. 2.—, Jüdischer Verlag, Köln; a. Rh. Loewes Buch stellt einen kulturhistorischen Essay dar, der den Gang der Sprache bei dem jüdischen Volke vom Altertum bis zur Gegenwart verfolgt. Die Behandlung der Sprache und des Sprachenwandels bei den Juden in alter und neuer Zeit bildet einen kleinen, aber bedeutsamen und überaus interessanten Ausschnitt aus der jüdischen Kulturgeschichte und Volksbeschreibung. Bisher ist jedoch dieser Stoff in den einschlägigen Schriften über jüdische Kulturgeschichte, ja selbst in den großen Werken über die Geschichte der Juden fast gar nicht oder doch im Verhältnis zu seiner Wichtigkeit recht stiefmütterlich behandelt worden. Loewe hat nun das gesamte in Betracht kommende Material aus einer sehr umfangreichen und weithin Zerstreuten, in den verschiedensten Sprachen abgefaßten Literatur liebevoll und mit erstaunlichem Fleiß, daneben mit tiet eindringendem Verständnis und geschultem Blick gesammelt, sorgfältig gesichtet und zu einer durchaus selbständigen, geschlossenen Monographie verarbeitet, die äußerste wissenschaftliche Genauigkeit mit einer volkstümlichen, höchst anziehenden, ja stellenweise geradezu fesselnden Darstellungsweise verbindet. Während der Verfasser für die Sprachen der Juden in der Vergangenheit die jüdischen und nichtjüdischen Literaturquellen in erschöpfender Weise herangezogen hat, entnimmt er das die Gegenwart betreffende Material zum Teil für manche Abschnitte sogar ausschließlich .. — eigenen Beobachtungen, die er aut mehrfachen; Studienreisen gewonnen hat. Die vorliegende Studie darf das'besondere Interesse derer beanspruchen, die sich für eine so bedeutsame Kulturerscheinung interessieren wie es der Sprachenwandel bei den Juden und die verschiedenen Judensprachen sind, die gleichzeitig ein Spiegelbild des jüdischen Kulturfortschritts im Wändel der Jahrtausende darbieten. CiL N. Bialik, „Gedichte“. Aus dem Hebräischen übertragen von Dr. Ernst Müller. Jüdischer Verlag, Köln a. Rh. Der vorliegende Gedichtband bietet zum erstenmal eine sorgfältige Auslese der Dichtungen Biaiiks, dieses klassischen, neuhebräisdien Lyrikers, in deutscher Uebertragung. Bialik ist der anerkannte Dichterfürst der zeitgenössischen hebräischen Literatur und nimmt im Kreise dieses an glänzenden Talenten überraschend reichen, jungen, aufstrebenden Schrifttums eine einzigartige, überragende Stellung ein. Ohne Uebertreibung kann es ausgesprochen werden,-daß Bialik zu den hervorragendsten modernen Lyrikern überhaupt gehört, dessen herrliche Dichtungen, wenn sie erst durch1 das Medium der Uebertragung in europäische Weltsprachen Weiteren Kreisen Zugänglich' geworden sind, sich. ohne Zweifel einen bevorzugten Platz in der allgemeinen Literaturgeschichte erobern werden. Biaiiks Dichtername ist mit der Neugestal- ■ tung und Wiederbelebung der junghebräischen Sprache aut das innigste verknüpft Wie Achad- Haams reich und reife hebräische Prosa, so gilt Biaiiks dichterische Sprache als vorbildlich und mustergültig in ihrer Art. Seine lyrischen Natursdhilderungen sind von hinreißender Schönheit und gewaltiger Kraft Gedichte wie „Morgengeister“ „Licht“, „Rätsel der Nacht“, „Winterlieder“, „Verwaister Sang“' reihen sich dem Besten und Vollkommensten an, wa^ jn, dieser, Art je geschaffen wurde. Seine hatidnälrdlfgiösen Gedichte sind von glühender Liebe zum. jüdischen Volkstum und seinen Kulturschätzen beseelt und erheben sich Zu einem wuchtigen, leidenschaftlichen, oft an die packende Sprache der Propheten erinnernden Pathos. Unvergleichlich keusch und zart und stark sind auch Biaiiks Liebeslieder, von denen der vorliegende Band ebenfalls eine größerer Auswahl enthält. Der Uebersetzer, Herr Dr. Ernst Müller in Wien, hat sich der außerordentlich schwierigen Aufgabe einer poetischen Wiedergabe der Bialik’ sehen -Gedichte mit großer Virtuosität, liebevollem; dichterischem . Empfinden und feinsinnigem-Verständnis für die formale und inhaltliche Eigenart; des Dichters entledigt. Sieben Jahre hat er diesen Ueberträgungen Seine Schaffenskraft gewidmet,sie inzwischen oft beiseite gelegt und wieder aufgenommen, bis das warme .Interesse, das gleichstrqbende Freunde an dem Werke nahmen, ihn schließlich alle Energie äufbieten ließ, um den Abschluß herbeizuführen. Jüdischer Kalender für das Jahr 5072. Herausgegeben von Moses Frostig. Er enthält folgende publizistische und literarische Arbeiten: 1 Moses Frostig: Wir und jene; 2. S. J. Imber: Elegie; 3.-F. Witkower: Durch ein kleines Städtchen; 4. Dr. M. Geyer: Ist der Chassidismus ein Rückschritt? 5. J. Neumärk: Jugendschmerzen-; 6. E. Berstein: .Der Apfelbaum; 7. Eisik Weinstock: Rassenstoiz und Rassenhaß; 8. S. Schapira: Sein Stern; 9. B. Moser: Ohne Kinder; 10. Bar Schasje: Der Gaon; 11, S. Haber: Das gefährliche Alter; 12. A. Barasch: Gedichte; 13. J. M. Brender: Gedicht; 14- L. Sterniicht: Die Lage und Aufgaben des jüdischen Handelsstandes; 15. J. Weinlös: Anfänge der Haskalah in Galizien; 16. J. M. Brender: Sommernacht; 17 .Dr. M. Ringel: Gesetzliche Ehen; 18. D. Königsberg: Liebe; 19. A. Kleinmann: Der Defraudant; 20. Dr. F. Korngrün: Der zehnte Zionistenkongreß; 21. R. Fahn: Das Ehepaar; 22. Dr. Abr. Frei’ich: Galizische Volkszählung; 23. J. Grob: Hochzeit in einem Städtchen; 24. M. Wiesenfeld: Die jüdische Sprache und nationale Politik im Golus; 25. S .Dembitzer: Das Lied; -26. J. Lifschütz: Kafke, der Schreiber; 27. M. Fernhof: Gedichte; 28. M. Mieses: Rassenkultur und Nationalkultur; 29. M. Henisch: Das vergangene Jahr. Preis 80 h (in Briefmarken). Zu bestellen: „Jüdischer Kalender“, Lemberg Stary rynek 8. WWWWWWWW An unsere P. T. Abonnenten! Mit der nächsten Nummer beginnt ein neues -Quartal. Wir legen der heutigen Nummer Erlagscheine bei, welche zur Zahlung des rüdeständigen Abonnements gef. benützt werden mögen, damit in der Zustellung der „Jüdische Zeitung“ keine Unterbrechung eintrete. An unsere Parteigenossen richten wir die Bitte, den Quartalsbeginn mit aller Energie zur Verbreitung der „Jüdische Zeitung“ zu benützen. Die Stärkung der Presse ist und bleibt das vornehmste: und wichtigste Mittel Zur Verbreitung unserer Ideen. Jeder Parteigenosse betrachte es als seine erste Pflicht, die Verbreitung unseres Organes mit aller Macht Zu fördern. Hier bietet sich- Gelegenheit zu einer Arbeit, bei der jedem der Erfolg seiner Arbeit sofort sichtbar wird. Jeder werbe einen neuen Abonnenten! Agitationsnummern werden auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: 1 Jahr ............... .K 10.— - -.5- . . .... .-v. . . 3.- Administration „Jüdische Zeitung1 Vereinsnachrichten. ' Aussig. Am 19. September sprach in unserem Vereine Herr Dr. Viktor Kellner, Professor am hebräischen Gymnasium in Jaffa über: „Das neue. Jüdische Leben in Palästina“. Seine vonwarmer Begeisterung 'durchglühten Schilderungien des in Palästina erwachenden neuen Lebens riefen auch bei den anwesenden Nichtzionisten große Wirkung hervor. Insbesondere seine Ausführungen betreffend das hebräische Gymnasium erweckten .großen Enthusiasmus. Der schön vorher vom Vereinsvo.rstande des „Theodor Herzl“ gefaßte Beschluß, im Vereine Kurse für hebräisdie Sprache, Litteratur und.Geschichte zu veranstalten, wurde durch diesen Vortrag nur. befestigt und .meldeten sich schön auf die erste - Aufforderung hin viele Teilnehmer. Herrn Dr« Kellner gebührt unser besonderer Dank. Bielitz. Ferialverbindung- „Emunah“. Die „Emunah“ veranstaltete während dieser Ferien zwei Versammlungen in Bielitz und Agitationsvorträge in Dzieditz und Saybusch. Anläßlich der Feier ihres 30 semestrigen Bestandfes fand am 10. September ein siark besuchter Kommers statt, dem ein internes Bankett und ein Festbiimmel vorangingen. Wien- Mensa academica. II, Ausweis. Dem Vereine Mensa academica Judaica in Wien sind ferner folgende Geldbeträge zugekommen: Advokat Dr. J. Kranz 100.—, Dozent Dr. M. Hayek 40.—, je 20.—: Prot Dr. G. Alexander, Oberländesgerichtsrat Dr. B. Barber, M. v. Gomperzj, Ph. v. Gomperz> H. Gräher, J. Hauser, H. Kolben, Sig. Kaufmann, A. Lourie,. je 10.— : Direktor Ph. Brock, Dr. E. Brück, Dr. H. Brück, S. Bock, Leo. Briel, Dr. J. Beer, A. Brecher, J. Braun, Dr. D. Bachrach, E. Czeczowiezka, Caro; u. Jellinek/Prof, Dr. S. Ehrmann, A. Freund, Dr. A. Halpern, A. Freund VII, lg. Gewitsch, Hotrat Prof. Dr, Grünhut, Dr. Ed. Hermann, Ph. Kohn, Dr. M. Kahäne, Dr. H. Kosel, Dozent Dr. M. Oppenheim, Sigm. Popper, Sobotka Moritz Strobl, S. Silberpfennig, J. S. I. Schreiber, Schlesinger u. Comp., Wellesz Carl. Brünn: S. Königsgarten, Dr. E. Wolf,. M. Löw Beer, Dr. Rieh. Frh. v., Kürschner; Essek: J. N. Schulhof; Göding: A. Kohn, V. Kohn; O I m ü t Z: Dr. L. Steiner, L. Wolf, M. Löw, Leop. Hasserl. Obigen Förderern d es Vereines sei hiemit der beste Dank des Vereines ausgesprochen. Für den Ausschuß: med. Mana. Kessler, I. Vize-Präses, med. Jean Vecsler Schriftführer. Geldsendungen; werden erbeten durch k. k. Postsparkas, sen-Amt Wien, Scheckkonto 109.457. Mensa academica'Judaica, Wien. Kremsier. Der jüd. Frauen- und Mädchenverein „Hatihvah“ veranstaltete am 24. d. M. im Saale des jüd. Gemeindehauses seinen II., Vortragsabend. Am Vortragspult erschien Frau Annette Müller aus Wien, die eine glänzende Beschreibung ihrer Palästinareise gab. Das Publikum', das den Saal bis aufs letzte Plätzchen besetzt hatte, zollte der Vortragenden zum Schlüsse des Vortrages rauschenden Beifall. Der jüd. Damenklub beschloß vom Reinerträgnis des Vortragsabends einen Oelbaum aut den Namen der Frau Annette Müller Zu stiften. Liste der Überläufer. vom 19. bis 26. September 1911. Garay früher Grünfeld Leopold, 1861, Wien,, ledig, Hotelier, IX., Franz Josefsbahnstraße 5. Hochner Leo, 1890, Iglau, ledig, Student, IX., Schubertgasse 4. Nachod Hans Heinrich!, 1883, Wien, ledig, Opernsänger, IX., Porzellangasse 45. Schwarz Margit, 1888, Budapest, ledig, III., Engelsberggasse 5. Weiss Paul, 1890, Wien, ledig, -Bankbeamter, II., Czerningasse 4. Nachod Walter. Josef, 1885, Wien, ledig, Opernsänger, IX., Porzellangasse 45. Jaff Paul Berhard, 1890, Wien, ledig, Privatbeamter, VII., Stiftgasse 5—7. Fried Paula, 1894, Fulnek, ledig, Handelsgymnasiastin, II., Am Tabor 22. König Rudolf 1865, Wien, verheiratet, Kaufmann, XIII., Kugelwiesergasse 12. Für die mir anläßlich des Hinscheidens meines lieben Vaters . ■ JUmann Vleissmann erwiesene Teilnahme drücke ich den Gg., Gg. meinen herzlichsten Dank aus. Max Weissmann. Edel Schor Meier Platzker empfehlen sich als Verlobte Kliwoda Tiusle Im September 1911. Zivnostenskä bsnkd Fili©l© Wi©n Heppengasse 12. EINLAGEN auf BSchels EINLAGEN im Konto ■aeh Vereinbarung. [ Aktienkapital und' Reserven :K 95 Millionen. Wechselstuben in Wien: , J. Herren?. 12, II. Praterstr. 24, VII. Meriehllferstr. 84, X. Favoritenstrasse 95, XVI. Nenlercbenfelderstrasse 41. ] Verzinsung 0 Kulante Besorgung aller Bank- und Börsentransaktionen, gegen Bank8Chuld- | Stahlkammer mit vermietbaren SAFES. Abonnement von K7.—an..| V6rSChr6iblingen ‘ 41° Q / Zentrale in -Prag, gfegr. 1868. — Filialen*. Brünn, Budweis, Friedek-Mistek Iglau,Klattau, Königgrätz, Krakau, Lemberg,' Melnik, Olmütz, Mähr.-Ostrau, Pardubic,. Pilsen, Pilsek, Proßnitz, Reichenberg, Tabor, Triest. "