Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 36 (8.9.1911)
- Date
- 1911-09-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2438141-2438327-2438363--2609-2442302- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 35 keit, die aut dem Boden der Gewohnheit so Stark geworden, sind auch hier mächtig genug, tim ::uns in einen Widerspruch mit uns selbst zu versetzen.. Ueberwinden -wir' diese Schwäche, wie wirbereits andere Schwächen überwunden haben. Von sprachlicher , Seite bietet - wieder der Schatz alter .Ortsnamen, einen . ungeheuren Reichtum an,Stoff. Dieser Stoft ist noch gar nicht, ausgebeutet worden. Ich will ihnen eine kleine Reminiszenz mitteilen. Ich übersetzte Herzl’s Alt-Neuland aiit seinen Wunsch aus seinem Manuskript ins Hebräische. Schon beim Titel blieb ich .stehen, Alt-Neuland — ja, die deutsche Sprache mag sich diese Zusammensetzungen ieisten, die hebräische läßt es nicht zu. Ich überlegte und schrieb „Tel Abib“. Es war ein Ortsname im alten- Palästina.. Es ist nicht meine Erfindung, es ist ein alter Name, nur jhatte iman ihn vergessen.; Man gehe Ja dem Streben den Sprachreinigung nicht zu weit Wo ein Fremdwort durch ein dem Begriff vollkommen entsprechendes hebräisches Wort ersetzt werden kann, bediene man sich des letztem. Ist das Fremdwort jedoch eingebürgert undallgemein verständlich, oder wird der demselben zugrunde liegende Begriff nicht vollständig wiedergegeben, so ist es ein falscher Eifer, das letztere zu bevorzugen. Wir wollen uns nicht isolieren. Kein Volk, wenigstens kein Kulturvolk, scheidet sich .streng von den andern und setzt geistigen Berührungen Grenzpfähle entgegen, wie man dies bei den Waren und Erzeugnissen des Bodens tut. Sobald sich aber Völker äußerlich nähern, so erfahren auch ihre Sprachen eine notwendige Wechselwirkung. Die Wissenschaften, Künste und Gewerbe bedürfen technischer Ausdrücke, die einen schart begrenzten, voraus Verabredeten Begriff unverändert festhalten sollen. Versucht man eine forcierte Uebersetzung, so klingt sie hölzern und. lächerlich. Man darf daher auch nach dieser Richtung nicht übertreiben und das Kind mit dem Bade ausschütten. Während vielfach allgemein behauptet wird, die Presse allein tragcander Spracliverderbnis Schuld, muß doch betont werden, daß die .Zeitungen wesentlich mitgewirkt haben, daß ah Stelle des alten, schwerfälligen. Gelehrtenhebräisch .ein leichtererj - glatterer Stil' getreten ist. Allerdings sündigen che Zeitungen vielfach gegen -die Sprachreinheit, indes die Schnelligkeit, mit. der ehe Zeitungen hergestellt werden müssen, darf nicht außer Acht gelassen werden, man darf an die Tagespresse nicht den Maßstab legen, wie an Werke, die für längere Dauer berechnet sind; Nichtsdestoweniger ist es Pflicht, auch die Presse nach dieser Richtung zu beeinflussen. Aut Grund der ' dargelegten Prinzipien stelle ich den Antrag: „Der Kongreß möge die Initiative ergr.e-ifen zur Gründung eines ällgemeinhebräischen SprachVereins und einer Sprachakademie. Der allgemeine hebräische Sprachverein soll geschaffen werden um: 1. Die Erhaltung und Wiederherstellung des echten Geistes und eigentümlichen . Wesens'der hebräischen Sprache zu fördern,, und 2. aut diese Weise das nationale Bewußtsein im Jüdischen Volke zu kräftigen. Neben dem Schulverein soll dieser Sprachverein die allgemeine Popularisierungstätigkeit entwickeln. Beide Vereine wären aber unzureichend, würden wir ihnen nicht eine Sprachakademie als wissenschaftliche Instanz zur Seite stellen. Jeder Gebildetebegreift, wie sehr es uns nottut, eine solche Instanz zu schaffen. Diese Frage ist; aber zu einer definitiven Beschlußfassung noch nicht reif. Ich stelle daher den Antrag: . Das E. A. C. zu ersuchen, daß es für die weitere Klärung der Frage sich bemühe, bzw. daß es eine Kommission beauftrage, den Gegen-. stand einer weiteren Erörterung zu unterwerfen, insbesondere den Stoft über Zweck und Wesen, Bestellung, Einrichtung, Geschäftsbetrieb, Befugnisse und Vollzugsgewalt einer Sprachakademie zu jsammeln,. zu'ordnen und die so gewonnenen - Ergebnisse einer späteren Versammlung des A. C. vorzulegen. Der KongreßbeschließedieSchatfung eines Hebräischen Ressorts am Zentralbureau. Hochverehrter Kongreß! Jede Bewegung hat in der ersten Zeit Parolen, aber aus den Parolen ergeben siph Probleme,.Man kann nicht für immerdar im ffebel, der-Allgemeinheiten weilen : man muß an die Dinge herangehen. Wir wissen jetzt, was nian tun muß, um in einer Nation, wie es die jüdische' ist, Einfluß . zu - ge-, winnen. Im Volk des Buches werden Sie nie ohne Buch' vorwärts kommen. Das ist’ der Schlüssel zum jüdischen Herzen. Arbeiten wir nach dieser Richtung! Der Erfolg kann uns nicht fehlen. Wir werden siegen und durdidringen, wenn wir mit vollem Ernst bemüht bleiben, den wichtigsten Besitzstand unserer nationalen Kultur, die Sprache, Wieder zu gewinnen. Eine Nation ohne Sprache ist national taubstumm. Mit der .Spräche bauen wir das Vo|k und durch1 das Volk Palästina. Für diese ganze Bewegung, bauen wir aüt das Wiedererwacheh und Erstarken des jüdischen Selbstgefühls,', das ja sichtlich ,jm Gange ist; nur muß man mitvvirken mit freiem, gutem Willen und zäher, stiller Begeisterung. Ich meine also, daß die Förderung unserer nationalen Sprache eine Angelegenheit ist, , der jeder Zionist, ja jeder Jude — bejde Begriffe sind für mich identisch — mit ganzem Herzen sich hingeben sollte und daß diese Hingabe die Zwecke des Zionismus nach allen Richtungen nur fördern kann. 1 ch bitte, also meine Anträge als Resolutionen des Kongresses grundsätzlich änzunehmen. (Stürmischer, minutenlanger Beifall.) Parteinachrichten. Mitteilungen des .I.-ö, D.7K.. Hebräische Sprachkurse. Anfangs Oktober eröffnet das i.-ö. D.-K. mehrere hebräische Sprachkurse sowohl, für Anfänger als auch für Vorgeschrittene unter der Leitung tüchtiger und erprobter Lehrer. Die Teilnehmerzahl an den einzelnen Kursen ist aus pädagogischen Gründen eine beschränkte, doch wird durch' Errichtung einer genügenden Anzahl von Kursen den weitesten Kreisen die Möglichkeit geboterf werden, sich die Kenntnisse der hebräischen'Sprache anzueignen, deren Wichtigkeit und Bedeutung am X. Kongreß so überzeugend zum Ausdruck kamen. Die studentischen Korporationen werden-1-gebetenp den' Besuch der Sprachkurse für.tüu:£; Mitgliederobligatorisch'zu machen.,'Arimeiäüngen für die bürgerlichen, studentischen, sowie Frauen-, Mädchen- und Kinderkurse sind an Distfiktskomitee für Inrierösterreich, IX., Türkenstr. 9, zu richten, woselbst Anmeldungsformulare jederzeit., erhältlich sind. Schekelsammlung 1911. Diejenigen Gg., die . noch im Besitze von Schekelblocks pro 5671 (1911') sind, werden aufgefordert, dieselben sofort' zurückzustellen. Persönalnädihrichten. Dr. David Schreiber < hat seine - - Advokaturskanzlei in Lemberg, Brajerowskagasse Nr. 7 eröffnet. Eingesendet. Wir werden um Veröffentlichung nachstehender Zeilen ersucht:- In verschiedenen anonymen, dem Brunner „Volksfreund“ entlehnten {Zeitungsartikeln waren gegen den von mir erteilten Mädchenkonfirmationsunterricht unqualifizierbare Anwürfe veröffentlicht. Ich machte dem: Vorstande meiner Kultüsgemeinde hievon freiwillig Mitteilung. Der Kultusvorstand gelangte einhellig zu der Ueberzeugung, daß jene Anschuldigungen jeder Grundlage entbehren und überreichte mir ein Vertrauensvotum, in dem es u. a. heißt: „Der getertigte Vorstand spricht seine Entrüstung über die Form aus, in welcher die Ihnen ■angeschuldigten -Tatsachen verbreitet wurde’n, und weist die Ihnen von offenbar gehässiger Seite unterschobenen, unlauteren Beweggründe aut das entschiedenste zurück, zumal er Ihre musterhafte Lebensführung, wie Ihr ersprießliches Wirken durch mehr denn vier Jahre kennt und Ihre bisherige Amtsführung dem Kultusvorstände keinen Anhaltspunkt bietet,. solch unlautere Motive für wahr zu halten. Indem wir gerade Ihre Verdinste um die Erziehung unserer Jugend und die schon erzielten; schönen Erfolge anerkennen, sprechen wir; Ihnen 'hiemit unser vollstes Vertrauen aus und Wünschen: „Euer Ehrwürden mögen-unbeirrt-an der Er? füllung Ihrer Pflichten Weiterarbeiten und unserer Gemeinde noch recht lange' erhalten bleiben.“ ' Die Eltern der von mir unterrichteten Konfirmantinnen übersandten mir gleichfalls :eine ehrenvolle Zuschrift, in der1 sie mich ob meiner selbstlosen Hingabe an den Jugendunterricht ihrer vollsten Anerkennung und Dankbarkeit versi-; ehern. Ich erachte die Angelegenheit, soweit sie mein Verhältnis zu Kindern, Eltern und Ge-; meindevertretung betrifft, für mich und für einsichtige Leser hiedurch als erledigt und werde an die Loyalität - jener Blätter nicht appellieren. Mit bestem Dank . Rabbiner, Dr. Johann S t ö s s 1 e r, '■ Bekanntmachung. Es. wird hiermit bekanntgegebein, daß auch heuer in den Räumen des Jüdischen Nätiohalfönds an den hohen Feiertagen Roschhaschonoh u. Jom Kippur ein Gottesdienst stattfinden wird. Anmeldungen für . die Plätze nimmt Herr Sekretär W. Teitelbaum im Bureau IX. Türkenstrasse Nr. 9 entgegen: Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, sich rechtzeitig Plätze zu sichern Bücherschau. Martin Huber, Drei Reden über das Judentum. Literarische Anstalt Rütten u. Loening, Frankfurt a. M. Preis: geh. Mk. 2.—, gebunden Mk. 3.—. Martin Buber hatte in der Einleitung seines Buches „Die Geschichten des Rabbi Nach-, man“ seine Anschauung vom Judentum skizziert, in der Einleitung seiner „Legende des Baalschem“ hatte er ein paar Einzelheiten etwas breiter ausgeführt, und auch in anderen Arbeiten wird man Beiträge zu dem gleichen Problem finden., Die „Drei Reden“ legen diese Anschauung in eingehender Weise dar: 1. Die Bedeutung des Judentums für die Juden selbst. 2. Die Bedeutung des Judentums für die Menschheit. 3. Die Erneuerung des Judentums. Jenseits aller Gruppendog-: men und Schlagworte wird hier das Judentumals ein Phänomen des Menschengeistes betrachtet. „Es geht hier um größeres als das Schicksal eines Volkes und den Wert eines Volkstums; es geht um urmenschliche Dinge.“ * „Das österreichische Abgeordnetenhaus 1911.“ Soeben ist im Verlage Dr. Rudolf Ludwig, Wien, das bekannte statistische Handbuch' „Das österreichische Abgeordnetenhaus 1911“ von Fritz Freund erschienen. , Allen, die dem politischen Leben Interesse entgegenbringen, wird dieses reichhaltige Buch, das über das neue Abgeordnetenhaus in ausgezeichneter Weise informiert, sehr willkommen sein. Es enthält die wohlgetroffenen Bilder sämtlicher Abgeordneten mit den wichtigsten biographischen Daten. Bel jedem Abgeordneten ist der Wahlbezirk, in dem er gewählt wurde, die Stimmenzahl, die er und seine Gegner auf sich' vereinigten. Auch sonst ist in dem Buche viel wertvolles und instruktives Material zu finden, eine Uebersicht über die \ -:-:-— in Wien,!, Wipplingerstr. 2 verzinst Einlagen auf Jil - Einlagsbüeher mit - | TelephonDnnunem 23067, 23068, 23069, 18317,21813 — Aktienkapital K 30,000000 — Ol 4 : 0 -- emittiert eigene Bank- - Schuld - Verschreibungen. - AA 0 0>ge