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Jüdische Zeitung · 1911-09-01 · 35 (1.9.1911) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
5 (1911)
Issue
35 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr: 35 Großtat, die griechische Septuaginta-Ueberset-1 zung, hatte den Weisen Judäas Angst eingeflößt. Sie behielten auch Recht. Für unser Volkstum haben alle, diese Uebersetzungen — man-'zählt sie heute schon zu Hunderten — nichts geleistet. Das Verständnis der Schriftdenkmäler, zumal der prophetischen, aus ihrem zeitgeschichtlichen Zusammenhänge heraus, ist noch heute imstande, ja allein imstande, die Gottesgedanken, die mahnenden und strafenden, wie die trösten- . den und erbauenden, welche durch den Mund der Propheten unseren Ahnen vermittelt wurden, in aller Kraft auch für unsere Gegenwart Wirksam Werden zu' lassen, aber nur in der Ursprache. Wie der Stil für den einzelnen Menschen, so ist die Sprache für das Gesamtvolk bezeichnend. Die hebräische Sprache besitzt alle Eigentümlichkeiten des jüdischen Volkes. Sie besitzt für abstrakte Vorstellungen eine erstaunliche Mannigfaltigkeit und Abwechslung der Ausdrücke und malenden und nüanderenden Spracnformen. Sie hat Worte und Stämme, welche eine Menge von Bedeutungen, selbst entgegengesetzte, vereinigen, sodaß nicht ohne Grund manche Wurzeln mit den orientalischen Feigenbäumen verglichen werden, die ihre Aeste wieder in die Erde senken und aus einem Baum einen Wald von Bäumen bilden. Die subjektive Richtung des jüdischen Geisteslebens bedingt auch die außergewöhnliche Freiheit der Zeittolge, die so gewöhnlich durch Vergegenwärtigung von Vergangenem in die Präsentische bezw. Zukünftige übergeht. Die statuarische Materie der Mitlauter und das unbestimmte der Vokale mit der erst späteren Einführung der Punktation ist ganz genau von demselben Prinzip ’ beherrscht, das in dem Unterschiede zwischen dem geschriebenen und überlieferten Gesetz zur Geltung kam: Das Niederschreiben der Ueberlieterung wurde erst als Notwendigkeit gestattet. Der Hauptcharakter der Sprache besteht darin, daß sie stets im Bilden und Fortbilden begriffen ist und mit der größten Ungebundenheit von' den festen Gesetzen sich immer neu gestaltet. Wie das jüdische Volk versteht sie mit beschränkten Mitteln einen ungeheuren Umsatz und ein reiches Leben zu entfalten. Und sie ist auch durch und durch palästinensich. Sie entnahm der palästinensischen Natur ihre Grund-' läute; so sprach Gott im Rollen des Donners, im Säuseln der Winde, im . Rauschen der. Palmen. Man begreift nicht, weshalb der Hebräer die westliche Himmelsrichtung „Jam“ nennt, wenn man nicht weiß,, daß jdjis. Meer die Westküste Palästinas ümspült-; faät'jeäes VO'ort-isf'eiii Abbild. palästinensischer Vorstellungen, eine Form für palästintnsische Begrifft. ' : Ohne Hebräisch .sind Wir gar nichts; wir sind ohne Zusammenhang mit unserer Vergangenheit, wir haben keine Entwicklung aus uns und durch, uns, wir entbehren der Eigenart, wir bleiben Nachahmer, Wir-tappen iunher nach Stoffen, unser Eigenes bleibt für uns unbekannt und ungenützt. Woher soll bei uns das Nationalgefühl kommen? Es.beruht ja aut dem Sicheinswissen mit .einer großen gleichartigen Menge, die durch ihre Vorzüge und Leistungen etwas ist unter den Völkern und schon in der Vergangenheit etwas gewesen ist. Woher soll aber dem Juden dieses Gefühl kommen, da er die Geschichte ' seiner Vorfahren, seine eigene - Sprache und die Erzeugnisse seines eigenen Geistes so wenig kennt? Und ist es nun schicklich, daß wir dieses unschätzbare und edelste Gut des jüdischen Volkes vernachlässigen? Und doch geschah' esin den meisten Kreisen im Laufe der letzten Generationen und geschieht noch'jetzt. Wie das Uebel gekommen und wie das Elend gewachsen, das lehrt die Geschichte ganz genau. Es ist der Begleiter unseres nationalen . Verfalles gewesen. Aber jü'dische Min ne r - haben die Schmach immer empfunden und gekflmptt, und gekämpft bis aut die neueste Zeit und sind wir Zeugen einer Renaissance, die die kühnsten Phantasien enthsiastischer Träumer übersteigt! ' (Schluß folgt.) Parteinachrichten. Mitteilungen des i.-ö, Distriktskomites. Der X. Zioni&tenkonkreß Das ' i:-o. D.-K. veranstaltet im Laufe des Monats September mehrere Vortragsabende,'an' welchen die Delegierten des' i.-ö. Distrikts über den X. Kongreß . referieren .werden. Ort und Zeit werden rechtzeitig rbekanntgegeben «(erden. Auch in mehreren Provinzorten werden Referate erstattet werden. Hebräische Sprachkurse. Anfangs Oktober eröffnet das i.-ö. D.-K. mehrere hebräische Sprachkurse sowohl für Anfänger als auch1 für Vorgeschrittene unter der Leitung tüchtiger . und erprobter Lehrer. Die Teilnehmerzahl an. den. einzelnen Kursen ist aus pädagogischen Gründen eine beschränkte, doch . wird durch Errichtung einer genügenden Anzahl von Kursen den weitesten Kreisen die Möglichkeit geboten werden, sich die Kenntnisse der hebräischen Sprache anzueignen, deren Wichtigkeit und Bedeutung am X. Kongreß so überzeugend zum Ausdrucke kamen. Die studentischen Korporationen werden gebeten, den; Besuch der Sprachkurse für ihre Mitglieder obligatorisch zu machen. Anmeldungen für die Bürgerlichen, studentischen, sowie Frauen-, Mädchen- und Kinderkurse sind an das Distriktskomitee für Innerösterreich, IX., Türkenstr. 9, zu richten, woselbst Anmeldungsf^rmülare jederzeit erhältlich sind. . - , Schekelsannnlungl911. Die Tagung dei? Kongresses in Basel hat den Abschluß der Schekel-Sammlungen für das laufende Schekeljahr notwendig gemacht. Gg., die noch Schekelblocks besitzen, werden .ersucht, dieselben unverzüglich dem i.-ö. D.-K. zu verrechnen und die unverbrauchten Bloclcs“zürückzuerstatten. ~ Ordentlicher Distriktstag 1911: Der diesjähtige’"ordentliche,Distriktstag für Innerösterreich’ '■findet' in 'der'ersten - Dezemberhälfte statt. Das D.-K. wird einen gedruckten Rechenschaftsberichtrvo'rlegen, in dem die Tätigkeitsberichte 'sämtÜcher Vereine des Distrikts Platz finden - sollen. Gfe. Vereinsleitungen werden ersucht, ••bisT spätestens ' 15. Oktober ihre Berichte: dett;dD;3t^§||^üsenden: . ' Am ^Distrik^stäg'^bmmt u, a. auch das neue Distriktsstatut zur ,ßef*tung. , Der Entwurf, den daS D:-K. im - Viishniifeh'h'änge" mit; dem hm X. Kongreß beschlossenen Gesämtorganisationsstatut vorbereitet,; wir^fim Parteiorgan des Distrikts; veröffentlicht-und diskutiert werden. Personalhachrichteh. Else- Mfilier Dr. Albert Schönhof Wischau - : Brünn VERLOBTE. Straßnitz. (Todesfall.) Am 23. August ist hier Frau Kathi Ko h n, geborene Monteser, hochbetagt im Alter von 86 Jahren-gestorben. Die Verblichene, eine Großmutter unseres Gg.’ Dori Kohn, war eine .durch glänzende Tugenden ausgezeichnete jüdische Frau. Sie wurde am 25. zu, Grabe getragen. Sammlung für die Hinterbliebenen der Drohobyczer Opfer. DL'.Ausweis: . Smbg. 102, Dr. Körner-K 55.50, .Smbg. 18, Jüd. Volksverein Brüx K 128.—, Emil Singer, Iglau; Ehrenbeleidigungsklage: Fuchs kontra Pospischil K 5.—. ■ Summe K 188.50 In Nr.-34. ausgewiesen K 16.504.88 Summe K" 16:693.38 * An alle Gesinnungsgenossen, in deren Besitz sich noch Sammelbogen befinden, richtenwir die Bitte, ihre Sammlungen ehebaldigst zu beenden und deren Ergebnisse im Wege der Postsparkassa an die „Jüd. Zeitung“ (Konto 104.067) oder direkt an die Administration, IX., Liechtensteinstraße 11, zu überweisen. . Für den Jüd. Nätiönalverein ' O. Kramer, Kassier. Dr: J. Ehrlich, öbmann. Zionistisches aus Bosnien. Auch während der Sommermonate entfaltet sich in Bosnien eine regsame Tätigkeit, sowohl Vereinsals auch Sammeltätigkeit, und Agitation. Der Jüdische Nationälverein für Bosnien veranstaltete am 15. Juli in Sarajewo eine große Herzlgedenkteier, bei welcher Herr Dr. Kahan, Mitglied der ungarischen zionistischen Organisation die Gedenkrede’ hielt. Diese Feier, stark besucht, machte größen Eindruck, war ein Ertolg für die Verbreitung der zionistischen Idee. Der jüdische Nationalverein hat die große Aufgabe zu lösen, den empfänglichen Boden für den Zionismus zu bearbeiten, die vorhandenen Kräfte zu organisieren. ln Banjaluka brachte Gesinnungsgenosse Herr T h a u den Beweis, daß Erfolge zu erzielen sind, wenn man sich mit Eiter und Ausdauer für die Idee einsetzt. Das in den letzten Jahren ganz vernachlässigte Banjaluka hat jetzt einen gut geleiteten jüdischen Verein. Die ,;Kadimah“, an deren Spitze Herr K. P o 1 j o k a n steht, hat ein eigenes Vereinslokal, in welchem viele - Zeitungen aufliegen, gründet eine Bibliothek, veranstaltet Vortragsabende, ist berufen, den Sammelpunkt jüdischen Lebens zu bilden, vereinigt Se-; tarden und Askenasen zu gemeinsamer Tätigkeit. Am 15. Juli veranstaltete er eine Herzl-Gedenkteier, bei welcher Herr Th au über Herzl las, Rabbiner M. Romano über „20. Tamus“vortrug und Herr Max Singer rezitierte. Die jüdischen Abi'turienten'in Sarajevo arrangierten am 8. August ein Gartenfest, dessen Reinerträgnis für den Verein’ „B en e v o 1 e ri t i a“ und den jüdischen Nationalfonds verwendet wurde. Herr Nathan Landa u,' unser ältester Gesinnungsgenosse, scheute die für den 70jährigen Greis gewiß sehr strapaziöse Reise aus Bjelina nach Prijedor, Banjaluka, Jajce, Travnik, Sarajevo nicht, um sich mit den Gesinnungsgenossen in diesen Orten besprechen zu können. Daß der Zionismus Greise und Jünglinge in aufopferungsvoller Tätigkeit, bewegt, ist wohl der beste Beweis für seine Lebenskraft und Wahrheit. Die Sammlungen für den Schekel und den- Nationalfonds haben ein sehr befriedigendes Ergebnis gehabt. Bei der Wahl der Delegierten zum Kongreß, dje am 14. Juli staftfarid, wurde für den l.J Wahlkreis Herr OberräbBiner';Dr;::M.° Ehrenpreis zürn Delegierten, Herr La'ndtagsabgeordneter Dr. AI k a 1 a y zum Ersatzdelegierten gewählt. Für den 2. Wahlkreis Herr Gustav Seidemänn in Prijedor zum Delegierten und Herr Albert O z m o aus Bjelina zum Ersatzdelegierten. Es. ist zu erwarten, daß der Zionismus in Bosnien weitere Fortschritte macht und daß 'das Hauptziel der Organisation die Sicherung und Ausgestaltung des Parteiorgans „Z i d o v s k a Sm'ö'tr ä“' ‘erreicht'"werden' wird. - ’ Jüdfscher Blumentag. Seitens des Vergnügungskomitees, welches am Sonntag den 13. d.. M. im Kurorte Sauerbrunn einen Blumentag veranstaltete, werden wir ersucht, zu Veröffentlichen, daß der Reinertrag per 800' Kronen wie folgt verwendet wurde: K 521.— Jüdischer Nationalfonds (20 Aktien des P. L. D. C.). K 100.— Jüdisches Studentenheim Wien. K 50.— Ausspeisungsverein „Achweh“. K- 30.— Hygienisches Institut. K 50.— Misrachi-Kolonie (durch ungarische Sammelstelle). K 50.— Bürgermeisteramt Sauerbrunn. Liste der Überläufer. Vom 22. bis 28. August 1911. PoHak Johanna, 1873, Wien, ledig, Dienstmädchen, VII., Kaiserstraße 40. Minkus Josef» 1885, Wien, Privatbeamter, XX., Wallensteinstraße 5. Palmaj Stefan, 1885, Budapest, ledig,. UL, Klimschgasse 12. Austerl itz,geb. Löwenstein Ginda, 1878, Liebau, Rußland, gerichtl. geschieden, III., Seidlgasse 29. Eissler Josef, 1882» Brünn, ledig, Buchhandlungsgehilfe,: IV., Starhemberggasse 41. Libow lsak, 1880, Nemirow, Rußland, ledig, Provisor, II., Kl. Stadtgutgasse- 4. Die Böhmische Industrial-Bank-riliale in Wien, I, Wipplingerstr; 2 verzinst Einlagen auf y|-l] 0 - Einlagsbücher mit - 14 Telephonnrnnmern 23067, 23068,23069, 18347,21813 Aktienkapital K 30,000 OOP,— 0i§e 0 ~-emittiert eigene Bank- -- - Schuld - Verschreibungen. - 4 II 0 2

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